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Periodical volume Nr. 152, 16. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

10 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
Widmen wir uns jetzt den uns interessirenden Transmis 
sions-Gegenständen, welche wir auf der Berliner Gewerbe- 
Au-Stellung vorfinden. Da sehen wir in dein Pavillon des 
ingenieusen Maschinenteehnikers Otto Lilienthal, desselben, 
welcher bei seinen allgemein interessirenden Flugversuchen 
ein so trauriges Ende gefunden hat, eiserne Riemenscheiben 
in sehr guter Ausführung in Betrieb. Neuerdings ist auch 
festgestellt worden, dass hölzerne Riemenscheiben eine grös 
sere Adhäsionskraft besitzen als die eisernen. Wir finden 
daher auch mit solchen Fabrikaten einige Firmen vor, wie 
llud. Schulze, welcher sogenannte getheilte Riemenscheiben 
zeigt, und Hinz’ Fabrik R. Hintz, bei welchem besonders 
eine nahe bei den Marineschauspielen ausgestellte Riemen 
scheibe von ca. 5 m Durchmesser, die 70 pCt. leichter sein 
und eine um 60 pCt. bessere Adhäsion besitzen soll, in’s Auge 
fällt. Mit sogenannten Schneckenvorgelegen etc., welche 
hier jedoch weniger in Betracht kommen, ist Friedr. Stolzen 
berg vertreten. 
Wir kommen jetzt zu der grössten Ausstellung in dieser 
Beziehung, nämlich zu der Anhaltischen Maschinenbau-Ac 
tis ngesellschaft, deren Platz in der Maschinenhalle uns schon 
von Weitem durch eine von einem Triumphbogen mit dem 
Firmenschild überragte, grosse doppelspeiehige eiserne Rie 
menscheibe, ein wahres Meisterstück, gekennzeichnet wird. 
Hier haben wir es namentlich neben vorzüglichen Riemen* 
und Hanfseilscheiben, sowie Hänge-, Steh- und sogenannten 
Sparlagern mit den bereits erwähnten Kuppelungen zu thun. 
Aus den verschiedenen Systemen greifen wir uns zuerst die 
Reibungskuppelungen heraus. Sie bestehen aus zwei co- 
nisch ineinandergvpassten Scheiben, welche jede besonders 
mit den in Verbindung zu bringenden Achsen fest zusammen 
hängen. In der Ruhe sind die beiden Scheiben etwas ausein 
andergezogen. so dass sie sich an keinem Punkte berühren. 
Soll jedoch eine Bewegungsübertragung stattfinden, so wer 
den die Scheiben ineinander gepresst, so dass infolge der ent 
stehenden Reibung die eine Achse von der anderen mitgezogen 
wird. Durch eingelassene Stellschrauben ist dafür gesorgt, 
dass die Reibungsflächen stets in dem erforderlichen Rei 
bungsverhältnisse bleiben; starke Federn unterstützen diese 
Schrauben. 
Eine andere Art ist die Hildebrandt’sehe Zahnkuppelung. 
Zwei parallel laufende, mit den beiden in Verbindung zu 
bringenden Achsen fest vereinigte, gleich gross gearbeitete 
Scheiben sind an den einander zugekehrten Kanten derartig 
ausgezahnt, dass der Zahn der einen in die entsprechende 
Zahnlücke der anderen Seite hineinpasst, Soll die Inbetrieb 
setzung erfolgen, so wird mit einem Hebel die bereits roti- 
xende Scheibe gegen die in Ruhe befindliche gepresst, die 
Zähne schieben sich in einander und vermitteln die Bewegung 
und Kraftleitung. Trotzdem diese Kuppelung an sich zu 
den vorzüglichen Construetionen zu rechnen ist, bleiben doch 
bei dem plötzlichen Rack, welcher durch die Einschaltung 
entsteht, W ellenbrüche nicht ausgeschlossen, während bei 
den Reibungskuppelungen derartige Fälle kaum vorkommen 
können. Ebenfalls als eine Species der Reibungskuppelun 
gen zu betrachten ist die ausgestellte Seherische Doppel- 
kuppelung, von deren Details sich jeder Leser dieser Zeilen 
am Besten durch persönliche Betrachtung an Ort und Stelle 
überführen kann. 
An dieser Stelle wollen wir auch gleich noch einer Rei- 
Lungskuppelung Erwähnung thun, welche uns auf dem 
Platze der lirma Fleck Söhne entgegentritt. Diese Con- 
struction weicht von den sonst üblichen dadurch ab, dass die 
Vorsprünge an der Innenschoibc und die üblichen Stell 
schrauben und Pressfedern fortfallen und dafür zwischen die 
beiden Reibungsflächen ein aus einzelnen Segmenten gebil 
deter. coirisch ausgebohrter Ring eingeschoben ist. Er ist 
derio'tig construirt, dass er sich in der Ruhe an die innere 
Scheibe hält, während er bei Einschaltung sich zwischen die 
Reibungsflächen gleichsam federnd schiebt und so die Feber 
tragung bewirkt. Es soll hiermit ein äusserst ruhiges, stoss- 
freies Inbetriebsetzen erfolgen. 
Ausser den vorgenannten Transmissionsanlagen sind noch 
einige andere in der Ausstellung vorhanden, welche genauere 
Besichtigung lohnend erscheinen lassen, deshalb möge sich 
jeder von der Vorzüglichkeit dieser Betriebsmittel an Ort und 
Stelle überführen und sodann unserer Berliner Maschinen 
industrie ein gerechtfertigtes ehrendes Zeugniss ausstellen. 
G. J a e o b. 
Die deutsche Armee auf der Berliner Gewerbe- 
Ausstellung 1896 in Bewaffnung, Ausrüstung, 
Bekleidung und Unterbringung. 
[Abelnick untersagt.] 
Man sieht sie wenig, die Armee, kenntlich an buntem 
Tuch und blitzenden Knöpfen, Stickereien und Waffen ; und 
doch ist sie in ihren Bedürfnissen so stark vertreten, dass man 
für sie allein sehr wohl einen grossen eigenen Pavillon er 
richten könnte. Allerdings muss man sich die .Objecte, die 
die sie angehen, auf dem ganzen weiten Ausstellungsfelde zu 
sammensuchen, und das ist nicht gerade einfach; anderer 
seits aber erhält man bei solchen Entdeckungsreisen sehr in 
teressante, mitunter geradezu heiter wirkende Eindrücke be 
züglich der Placirung. 
Jedenfalls ist die Armee in allen ihren Zweigen da, und 
wie viele Lieferanten für sie auch der Ausstellung fern ge 
blieben sind, das Vorhandene ist immerhin interessant ge 
nug, um zusammengestellt zu werden. 
Schusswaffen sind sehr spärlich vertreten, Ludwig 
Loewe mit Gewehren der Systeme Mauser, Gewehr theilen, 
Leeren, einem Maxim-Geschütz und der neuenHorcher t-Rep?- 
tirpistole*} steht — in der Maschinenabtheilung. Sonst findet 
sich noch in der Jagdabtheilung (Sportgruppe oben) ein auf 
acht Karabinern ruhender Glasbehälter mit Schlosstheilen, 
von C. G. H a e n e 1 in Suhl, gekrönt von vier um ein Seiten 
gewehr gruppirten Armee-Revolvern verschiedener Modelle. 
Sie sollen bei ihrer 600 m Tragweite wohl zur Jagd auf Rhi 
nocerosse dienen. — Die Patronenfabrik Polte Sudenburg- 
Magdeburg hat Patronen von 6 mm bis zu 4,7 cm und Metall- 
Kartuschhülsen bis zu 21 cm — wenn ich nicht irre — in 
derselben Abtheilung sehr “hübsch gruppirt, auch befindet 
sich dort eine Sammlung von Geschossen der Handfeuerwaffen 
neuerer Zeit, bis zum Kaliber 11 mm ungefähr. 
Blanke Waffen sind auch nicht gerade zahlreich zu fin 
den. In der Bekleidungsabtheilung, unmittelbar hinter der 
Trauer-Gruppe mit Pastor und weinender Familie steht in 
einer Ecke eine freie Gruppe des Sehne stiege rm< isterq 
August Schneider. Die Wanddecorafion bilden Theater- 
requisiten, auf beiden Stufen des Podiums, flankirt von zwei 
vollständigen Rüstungen aus dem Anfang des 16. Jahrhun 
derts, sind Officier- und Ordonnanz-Seitenwaffen aller 
Truppentheile des deutschen Heeres sowie der Loscht»,gen und 
Beamten, mit zum Theil sehr kostbaren Klingen aufgestellt. 
Besonders fällt, das erst kürzlich vom Kaiser genehmigte 
Modell des Schwertes der Johanniterritter auf, mit brauner 
Lederscheide, langem Kreuzgriff, der oben in rundem Knauf 
das achtspitzige, weisse Kreuz trägt. Der zweite Fabrikant 
von Hieb- und Stichwaffen — zwei sind nur vorhanden — 
Weyersberg, Kirschbaum & Co., ist in der Sportabtheilung 
in unmittelbarer Nähe der Kaiserlichen Gruppe sehr günstig 
placirt. Ein auf einer Seite offener Pavillon innen und aus-« 
sen mit den Erzeugnissen der Firma, fheilweise frei, theils 
hinter Glasscheiben, bietet eine Fülle von geradezu sehens- 
wertheil Waffen der Armee, und es würde zu weit führen, nä 
her darauf einzugehen. Doch sei eines Kürassier-Pallasch 1 
der Panzerreiter Friedrich des Grossen gedacht, der offenbar 
nach dem im Zeughaus befindlichen Pallasch des berühmten 
Reitergenerals Seydlitz gefertigt ist und des in der Mitte der 
Gruppe liegenden Ehrenpallasch, den die Suhler Waffe n- 
*) Die Gruppe von Ludwig Loewe & Co., Actiengescllschat't, ist 
an anderer «Stelle eingehend beschrieben worden.
	        
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