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Periodical volume Nr. 152, 16. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officiella Ausstellungs - Nachrichten. 
y 
gierenden Kaisers, das neueste Portrait desselben, zeigen die 
anspruchslose und gewinnende Art der Wiener Schule. — 
Die freundliche Anspruchslosigkeit der Wiener Künstler ent 
hält auch den besten Gegenbeweis gegen den Vorwurf, den 
man von norddeutscher Seite oftmals erhoben hat: dass die 
Wiener Künstler kokett seien, dass ihre Sucht, die Bilder 
und Statuen hübsch zu arrangiren und zur Geltung zu brin-, 
gen, auf Eitelkeit beruhe. Im Gegentheil, es bezeugt den 
Eifer, die Hingebung an die Sache. — Schreiber dieses war 
selbst einmal Zeuge, wie Tilgner einem stiner Schüler eine 
Portrait-Arbeit, Tilgner selbst darstellend, zerstörte, mit <hn> 
Worten: „Sie sind auch so einer, der möcht’, dass die ganze 
Welt gleich auf den Rücken fallt, wann sie was von ihm 
sieht!" — 
Es würde zu weit führen, wenn wir alle ausgestellten 
Sculpturen besprechen wollten. Aufmerksam gemacht sei 
noch auf den im Treppenhaus aufgestellten kleinen Brunnen 
einen Nordseefischer darstellend, der einige Fische aus dem 
Netze verloren hat und sich umsieht, wo sie geblieben sein 
mögen (die Eigur aus patinirter Bronze erhält durch einen 
an der Wand befestigten Gobelin mit Wald-und Wasserland 
schaft einen sprechenden Hintergrund); dann mehrere Stu 
dienbüsten auf bemalten Säulen; der in der Nationalgalerie 
befindliche Italienerknabe mit dem Affen (ähnlich in der 
Dresdener Galerie); der Wandbrunnen des Kaisers im Speise 
saal des hiesigen Kaiserlichen Schlosses, der beweist, dass 
man auch dem Zimmer den schönen Reiz des fliessenden Was 
sers geben kann. Das Original zeigt den hübschen Licht-- 
Effect einer in der Farbe der blauen Grotte von Capri schim 
mernden Höhlung. Auch die kh ine Gratulationsfigur, die 
man jetzt in allen Schaufenstern sieht, sei nicht vergessen, 
der Knabe mit dem Sonntagsgesicht, das Glücksschwein un 
term Arm, Bouquet und Glückwunsch in den Händen ; und 
endlich der Grabmal-Entwurf, das trauernde Weib, dem ein 
Engel — nach dem Heine’schen Gedicht —- den Trost in Er 
innerung bringt, dass die Seele Flügel hat, wohl eine der 
schönsten Arbeiten von Hechtritz. 
In der Ecke beim Fenster hat der Künstler ein bischen 
aus der Schule geplaudert, indem er eine Atelierecke nachbil 
dete, mit der Staffelei, auf der ein Relief, und ein Arbeits 
stuhl, auf dem eine Büste sich in der Arbeit befindet. Man 
fühlt, der Künstler wollte das Publikum in der Kunst hei 
misch machen. 
Ungefähr sechzig plastische Arbeiten, sind in der ur 
sprünglich zu anderen Zwecken bestimmten und durch un 
günstiges Licht die Arbeit des ordnenden Künstlers erschwe 
renden Halle aufgestellt. Manche verdienstvolle Arbeit 
konnte hier nicht besprochen werden, so der zierliche im Hof 
aufgestellte Brunnen. Das mag einer späteren Gelegenheit 
vorbehalten bleiben. Schon die als Beispiele ausgeführten 
werden als Beweis genügen können, dass in der Aufstellung 
der Sculpturen im Freihaus der Berliner Gewerbe-Ausstel 
lung ein Princip künstlerischer Anordnung zur Durchfüh 
rung gelangt ist, welches für die zukünftige Entwickelung 
der plastischen Kunst in Berlin von grundlegender Bedeu 
tung ist. Dr. Ludwig Abels- 
Transmissionen. 
(Abdruck untersagt ] 
Für den inneren Maschinenbetrieb ebenso wichtig, wie 
die Treibriemen, sind die Transmissionsanlagen, welche dazu 
bestimmt sind, die Bewegung und Kraftleistung des Motors 
auf die Arbeitsmascbinen zu übertragen. Bei der fast un 
heimlichen Massenproduction müssen natürlich auch sehr 
geräumige Fabriketablissemerits unseren modernen Lieferan 
ten zur Verfügung stehen und da heisst es nun, so vollkom 
mene Transmissionen zu schaffen, dass die in der Betriebs 
centrale erzeugte Kraft möglichst wenig durch die nie ganz 
zu beseitigenden Reibungswiderstärfie geschmälert wird. 
Gleichzeitig müssen die Anlagen auch so construirt sein, dass 
jederzeit ein beliebiger Theil derselben „ausgerückt“, d. h. 
aus der Bewegung zum Stillstand gebracht werden kann, da- 1 
mit man einzelne Maschinen und Arbeitsräume, wo es nöthig 
ist, ausser Betrieb setzen und so motorische Kraft für andere 
Zwecke verwenden und daher sparen kann. Schliesslich ist 
noch das zu berücksichtigen, dass bei Unfällen sich die 
Transmissionsleitung möglichst sofort automatisch zum Still 
stand bringt. Dass eine Transmissionsanlage, welche bis 
weilen mehrere hundert Pferdekräfte zu übertragen hat, sehr 
stabil gebaut sein muss, um einen gefährlich werdenden Bruch 
zu vermeiden, ist so selbstverständlich, dass es eigentlich kei 
ner besonderen Ausführung bedarf. 
Sehen wir uns jetzt einmal eine „ideal“ angelegte Trans 
missionsleitung näher an, so können wir drei Haupttheil© 
unterscheiden: die Kraftzuführung, die Leitung und die 
Kraftabgabestellen. Die Kraftzuführung liegt natürlich im 
Maschinenhause unmittelbar beim Motor. Da hier die ganze 
Kraft centralisirt ist, muss auch die Uebertragungsanlage 
an dieser Stelle am stärksten, widerstandsfähigsten gearbeitet 
sein. Die Uebertragung von dem Motor aus und zwar in der 
Regel von seiner grösseren Antriebsscheibe auf eine bedeu 
tend kleinere — zur Erlangung einer grösseren Umdrehungs 
zahl — an der Transmissionswelle erfolgt in der Regel durch 
Riemen, bisweilen aber auch durch Seilbetrieb. In dem 
letzteren Falle müssen die Riemenscheiben — so nennt man 
die mit einem breiten, gleichmässig gearbeiteten Rande ver 
sehenen Triebräder— mit Rinnen, in welche sich die Seile* 
legen, gearbeitet sein. Selten ist wohl auch Kettenantrieb 
vorgesehen, welcher mit vorspringenden Zähnen zur Auf 
nahme der Kettenglieder behaftete Räder erfordert. Ueber 
tragung direct durch ineinandergreifende Zahnräder ist wohl 
so gut wie ausgeschlossen. Nun muss aber bei jedem Kraft 
betrieb darauf gesehen werden, dass der Motor in Betrieb ge 
setzt werden kann, ohne die Transmission in Bewegung zu 
bringen. Zu diesem Zwecke sind auf der Transmissions 
leitung zwei Riemenscheiben eng nebeneinander angebracht, 
die eine ist mit der Wellenleitung fest verbunden, während 
die andere sich auf der Welle lose bewegt. Soll die Maschine 
„leer“, d. h. ohne Kraftabgabe an die Transmission laufen, 
so wird die lose Scheibe eingeschaltet, während anderenfalls 
die Bewegung auf die feste Scheibe übertragen wird. In der 
Regel geschieht diese Umschaltung durch eine Hebelvorrich 
tung, welche den Riemen einfach von der losen Scheibe auf 
die feste hinüberschiebt und umgekehrt. 
Nun ist Kraft und Bewegung auf die Transmission über 
tragen. Starke eiserne oder Stahlachsen — die Wellen —- 
welche sich durch, alle Fabrikräume hinziehen und unter sich 
auf dieselbe Weise, wie vorher erwähnt, in Verbindung stehen, 
nehmen die Dynamis, die motorische Kraft, auf und verthei 
len sie überall hin. Ueberall, wo eine Arbeitsmaschine steht, 
ist eine Riemenscheibe angebracht, welche mit einer Los 
scheibe derselben in Verbindung steht. An der Arbeitsma- 
sehine ebenfalls eine feste Scheibe zur Inbetriebsetzung an 
zubringen ist eigentlich eine veraltete Construction ; neuer 
dings ist man vielmehr auf sogenannte Kuppelungen, welche 
die Arbeitswelle mit der Losscheibe verbinden und so den 
Betrieb ansetzen, übergegangen, da sie sich als viel prakti 
scher wie das bisweilen mit erheblicher Gefahr verbundene 
Verschieben des Riemens bewiesen haben. 
Ein Hauptgewicht bei allen Transmissionen ruht auf den 
Wellenleitungen. Man vergegenwärtige sich nur, dass die 
Kraft von mehreren hundert Pferden auf eine durchschnitt 
lich nur 10 cm starke Achse centralisirt ist, und man kann 
sich wohl ein Bild davon machen, welche Spannung in den 
einzelnen Theilen der Wellenleitung herrschen muss. Eine 
weitere Hauptsache sind die Lager, welche die Welle fest 
halten. Sie müssen ausserordentlich genau ausgebohrt und 
mit sehr guter Schmiervorrichtung versehen sein. Sowie 
infolge Ungleichheit oder durch Oelmangel hervorgerufener. 
Trockenheit der Welle und des Lagers Reibungen entstehen,- 
so fängt bei der kolossalen Umdrehungs-Geschwindigkeit die 
stählerne Achse — so unglaublich es klingen mag — that 
sächlich zu brennen an. Man muss daher die grösste Sorg 
falt auf diese Theile verwenden.
	        
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