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Volume Nr. 14, 1. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

12 Officielle Aussiellungs-Nachrichten. 
gewöhnliche. Von den Künstlerinnen unserer Hofbühnen haben 
sich die Damen Rosa Poppe, Amanda Lindner, von Hochenburger 
und v. Mayburg gern für den Festzug und die Mitwirkung 
in den Festspielen zur Verfügung gestellt. Von auswärtigen 
Akademieen sind bereits Vertreter der Kunstakademiker von Wien, 
Rom, Kopenhagen und Antwerpen angemeldet, sie werden 
in blumesgeschmückten Equipagen den Festzug eröffnen. Der Prolog 
für das Festspiel im Theater Alt-Berlin ist von Paul Warncke ge 
dichtet und wird von Fräulein Poppe gesprochen. Eine dramatische 
Dichtung auf Alt-Berlin von Ernst von Wolzogen folgt. Der 
Karpfenteich, selbst in der Dämmerung ein phantastisches Gewässer, 
wird zu einem Festspiel phantastischer Natur herangezogen werden, 
das sich auf seiner Mitte abspielt und während dessen Verlauf er feenhaft 
beleuchtet werden wird. Auf dem Marktplatz von Alt-Berlin wird sich 
das lustigste Leben selbstverständlich unterMitwirkung derakademischen 
Jugend entwickeln. Um das Fest sicher zu stellen, hat sich in 
Verbindung mit dem akademischen Ausschuss ein Comitee gebildet, 
in welchem von älteren Künstlern u. a. die Herren Adolf Menzel, 
Max Croner, Ludwig Passini und Woldemar Friedrich sich befinden. 
Alle diese grossen Vorbereitungen rechtfertigen, dass die Theil 
nahme an allen Festlichkeiten gegen Karten zum Preise von 20 Mk. 
möglich ist. Der Portier der Akademie und der Director von 
Alt-Berlin Herr Julius Kaufmann, Thiergartenstr. 8 b, nehmen 
Meldungen für Karten entgegen. 
V 
Das Alpenpanorama eröffnet Freitag nach Anwesenheit 
des Kaisers, der zum Besuch und zur Alpenfahrt eingeladen wurde, 
jedenfalls aber um 1 Uhr Mittags. Der Eintritt kostet pro Person 
50 Pf., mit Alpenfahrt 1 Mk. 
V 
Der WÖlfert’sche lenkbare Luftballon wird heute 
im Laufe des Tages mit Wasserstoffgas gefüllt und wird voraus 
sichtlich, falls das Wetter gut und windstill ist, seine erste Auf 
fahrt machen. Der Eintritt kostet pro Person 30 Pfg., Kinder die 
Hälfte. An der Auffahrt darf das Publikum nicht thcilnebmen. 
b) In Berlin. 
Die Berliner Theater und die Eröffnung der 
Ausstellung. 
[Abdruck untersagt ] 
Grosse Ereignisse pflegen gewöhnlich auch auf der Bühne, die 
ja einem on dit zu Folge ein Spiegelbild des Lebens sein sollte, 
in irgend einer Form einen Wiederhall zu finden. Der heutige 
Festtag scheint unsere Berliner Theaterleiter nicht sonderlich auf 
zuregen, sie haben sich und ihre Repertoire nicht aus der Fassung 
bringen lassen. 
Das Repertoire der Berliner Theater am Eröffnungstage 
der Ausstellung stellt sieh in folgender Weise zusammen: Kgl. 
Opernhaus: Der Evangelimann und Phantasieen im Bremer 
Rathskeller; Kgl. Schauspielhaus: Der neue Herr; Deutsches 
Theater: Jugend; Berliner Theater: Der verlorene Sohn, 
Nur drei Worte; Neues Theater: Die Wildente; Residenz- 
Theater: Fernands Ehecontraet; Theater unter den Linden: 
Die schöne Helena; Schiller-Theater: Haider und Sohn; 
Central - Theater: Casimir und Isidor, Ein blauer Teufel; 
Belle Alliance-Theater: Die Reise um die Erde in 80 
Tagen: Alexanderplatz-Theater: Die kleinen Lämmer. 
Unsere Theater lassen sonst selten eine Gelegenheit vorüber 
gehen, bei der sie mit einer Jubiläumsfeier, einem scenischen Prolog, 
einem Gelegenheitsstück oder einer Festouverture aufwarten können. 
Ein Tag, wie der heutige, ein Ereigniss von der feierlichen Be 
deutung, welche der Eröffnungstag der Berliner Gewerbe-Ausstellung 
in sich birgt, dürfte an den Bühnen Berlins nicht spurlos vorüber 
gehen. Irgend ein Prolog, irgend ein Gelegenheitsstückchen hätte 
aut den heutigen Fesstag hinweisen können, auf dieses grossartige 
Fest des Friedens und der Arbeit, an dem sieh alle Künste, Malerei, 
Sculptur, Musik etc. betheiligt haben, nur nicht die lebendigste 
aller Künste, die Schauspielkunst. 
Berlin hat, seitdem cs des Deutschen Reiches Hauptstadt ge 
worden ist, viele Feste feiern können, allein diese trugen fast 
ausschliesslich ein nationales, meist nicht ganz unpolitisches 
Gepräge, sie gingen eigentlich nur den Deutschen an und 
wurden von dem Auslande wohl nicht immer mit aufrichtiger 
Sympathie verfolgt. Heute aber gehört uns die Theil 
nahme der ganzen Welt, heute will die Hauptstadt des durch 
Kriegesruhm erstandenen Deutschen Reiches offenbaren, was sie in 
25 Jahren friedlicher Arbeit geschaffen bat. Der heutige erste 
Mai wird in Berlin zu einem Weltfeiertag gestempelt, an dem alle 
Stände, alle Nationen in freudiger Weise thcilnebmen, ein Werk 
friedlicher Arbeit, höchster Intelligenz und rastloser Energie wird 
heute gekrönt. Alle Handwerke und alle Künste haben ihr 
Können dem heutigen Tag gewidmet, nur die Theater stehen 
abseits, nur die Stätten, in denen das frisch pulsirende Lehen, in 
denen das moderne Streben und Ringen ein Abbild finden soll, 
finden kein Wort für die festliche Grösse des heutigen Tages. Der 
Berliner ist es gewöhnt, den Abschein alles Grossen und Feier 
lichen, dass ihn im Moment bewegt und erregt, auch auf der 
Bühne leuchten zu sehen, umsomehr wird er es vermissen, dass 
für die Empfindungen, die heute die ganze Bevölkerung durch 
ziehen, für dass grosse Friedensfest, zu dem die Hauptstadt des 
Deutschen Reiches sich heute geschmückt und alle Völker ihre 
Grüsse uns entsenden, in den Theatern Berlins kein passendes, 
würdiges Wort gefunden wird. Alfred Holzhock. 
N 
Zu Ehren von Johann Strauss veranstaltet Dr. Oscar 
Blumenthal heute eine zwangslose Begrüssungsfeier. Frau Julie 
Kopaczy Karczag, die als die gefeiertste Operettendiva Oesterreichs 
gilt, hat die weibliche Hauptrolle in Strauss’ Operette Waldmeister, 
deren erste Berliner Aufführung am 2. Mai im Lessingtheater statt 
findet, unter Leitung des Componisten studirt. Strauss wird bei 
der Premiere sowie in den folgenden zwei Aufführungen die Wald 
meister-Ouvertüre persönlich dirigiren. 
V 
Siegfried Wagner weilt, wie man uns mittheilt, seit 
einigen Tagen in Berlin, um mehrere Verhandlungen über die am 
19. Juli im Bayreuther Festspielhause beginnenden Nibelungeri- 
Auffiihrungen, an deren Vorproben er bereits in regster Weise 
thätig ist, hierselbst zum Abschluss zu bringen. 
S 
Nur noch wenige Tage, und das imposante »Olympia-Riesen 
theater « (Alexanderstrasse Ecke Magazinstrasse) wird dem Publikum 
seine Pforten öffnen. Die englische Künstlergesellschaft des Herrn 
Director Bolossy Kiralfy hat die Hierherreise von London bereits 
angetreten, um schon in einigen Tagen an den Ensembleproben und 
Massenvorführungen, die das originelle Ausstattungsstück »The 
Orient« erheischen und welche bereits auf der Monstre-Bühne des 
»Olympia-Riesentheater«, unter der persönlichen Leitung des 
Director Bolossy Kiralfy stattfinden, thcjllzunehmen. 
V 
Im Neuen Theater findet die ursprünglich für heute an 
gesetzte erste Aufführung von Tata Toto, jenem Vaudeville, das 
bereits im vergangenen Jahre an der gleichen Stätte mit grossem 
Erfolg gegeben wurde, mit Rücksicht auf die Eröffnung der Aus 
stellung erst am Sonntag statt. Das mitwirkende Personal ist von 
Director Ferenczy aus Hamburg zusammengestellt worden, 
V 
Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater geht die 
Keller-Herrmannsche Ausstattungskomödie „Der Hungerleider“ am 
Sonnabend zum 100. Male in Scene. 
V 
Anne Judic wird im Theater Unter den Linden noch folgende 
Stücke zur Darstellung bringen: Lili, Divoreons, Le brillant Achille 
und Mamm’zelle Nitouche. 
V 
Für die grosse internationale Ausstellung für 
Amateur-Photographie, welche unter dem Protectorate der 
Kaiserin Friedrich im Herbst d. J. hierseihst stattfinden soll, haben 
bereits 293 Aussteller 5012 Quadratmeter Raum belegt. Zahlreiche 
Anmeldungen sind vor allem auch aus Oesterreich eingegangen. 
Auch aus Mexico, aus Argentinien und aus dem Kaukasus liegen 
interessante Anmeldungen vor. Der für die Ausstellung gebildete 
Garantiefonds beträgt schon 24300 Mark.
	        
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