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Periodical volume Nr. 151, 15. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
Neben Morgen-, Haus-, Visiten- und Strassen-Toiletten 
gehört das elegante Kleid unstreitig zu den Nothwendig 
keiten, vor allem für den Akt auf dem Standesamt. Auch 
für grosse Gesellschaften, ferner zu den Fünf-Uhr-Empfän 
gen, die sieh auch in den letzten Jahren in Berlin als eine 
Art sehr bequemer Geselligkeit eingebürgert haben, dann zu 
Theatern und Concerten sind ein oder — wer es haben kann — 
mehrere hübsche Kleider ein Bedürfniss. Die neue Mode 
bringt gerade zu diesen Gelegenheiten, in dieser Zeit köst 
lich schöne Stoffe in den Handel — besonders in mehreren 
Farben und in sehr hübschen Farben-Zusammenstellungen 
gehalten. Es giebt hier sowohl Seide, als auch fünffarbige, 
aus Seide mit Wolle bestehende Stoffe. Sie sind (im Pa 
villon Hertzog u. s. w.) im Stück, reizend in Falten angeord 
net, ausgestellt und auch fertig als complete, wunderhübsche 
Toiletten ausgestellt. 
Da ist z. B. bei Orgler und Fidelmann ein sehr hübsches 
seidenes Kleid, welches kupferfarbene, schmale, gezahnte 
Blätter auf tiefdunkelgrünem Grunde zeigt. Die Taille hat 
einen Einsatz von plissirtem, schwarzem Atlas, Kragen und 
Aermel-Epaulettes bestehen aus tiefgrünem Sammet mit Ap 
plication prachtvoller, schwarzer Points; der Ünteräfmel ist 
in schmale Querfalten gezogen und hat oben die kurze 
Schoppe. Eine andere Fütrf-TJhr-Thee-Toilette ist hell; 
sie besteht aus schwarz-weiss, schmal und breit gestreifter 
Seide; die Taille ist mit sehr schönen weissen Spitzen ge 
schmückt, den Abschluss bildet sehr wirkungsvoll der breite, 
faltige, hellviolette Atlasgürtel. 
Die beiden bei Lüders ausgestellten, schwarzen Gesell 
schafts-Toiletten dürften sich für ganz junge Frauen nicht 
ganz comme il saut erweisen; für Frauen in reiferen Jahren 
jedoch kann man sich kaum etwas Schöneres, Eleganteres 
und Vornehmeres denken. Die eine besteht aus schwerer, 
schwarzer Moiree-antique, der Kock ist, wie fast stets, ganz 
schlicht gehalten. Für helle Toiletten wird sich zum Winter 
vielfach der Plisseerock und auch der besetzte Rock einfin 
den. Die Taille, die einen schmalen Einsatz vorn von dunkel 
grünem Sammet hat, ist reich mit den schönsten, breiten, 
schwarzen Spitzen geschmückt und mit schwarzer Jet-Perlen- 
und Flitterstickerei verziert. 
Die andere ist von schwarzem Damast mit Spitzenbesatz 
-— der obere Theil der Taille ist vorn reich mit viereckig ge 
schliffenen Jetsteinen benäht. Der hohe Halskragen zeigt 
rückwärts eine grüne Schleife. 
Im Pavillon Gerson ist als Novität eine sehr hübsche 
Toilette zu sehen. Aus glänzender Seide zeigt sie hjmbeer- 
rothe Blätter. Die Taille hat grosse, dreieckige Aufschläge 
von gleichfalls himbeerrothem Sammet mit Stahlperlen und 
Stahl-Filigran reich bestickt. Einen ebensolchen Ausputz 
zeigen die Aermelstutzen. 
Zu grösseren Gelegenheiten, etwa Diner oder Soiree, sind 
bei Rosenthal neben einer in buntester Chineseide prangen 
den Robe, eine Toilette von schwarzem Sammet und eine von 
dottergelber Moiree-antique ausgestellt, die schon durch die 
decolletirten Taillen ihre Bestimmung, zu grösseren Festen 
getragen zu werden, verrathen. 
Das schwarze Sammetkleid ist reich mit schwarzem Jet 
und Perlen, die Taille mit einem Abfall von breiter, 
weisser Spitze verziert, die Taille des gelben Moiree-Gewan- 
des ganz und gar mit weissem Spitzenstoff überzogen. Wie 
der taucht zum Herbst der lange Promenadenmantel auf, der, 
nach Art der Baby-Kleider mit Halsstück gearbeitet, zum 
Frühling in mit Spitze ganz und gar überzogener Seide neu 
war und als Promenaden- und Brunnenmantel dienen sollte. 
Er scheint aber nicht viel Freunde und Freundinnen gefun 
den zu haben. Ein kostbarer Herbst-Promenaden-Mantel 
dieser Art ist bei Gerson ausgestellt. Bestehend aus Plüsch, 
der auf schwarzem Grund bunt gepresst ist, zeigt er um den 
•Hals und vorn herunter eine reiche, zweiseitige Rüsche von 
schwerer, schwarzer Seide, die wiederum eine ganz schmale 
Einfassung von gelber Seide hat. 
N. v. Brandenburg. 
Bei den Bienen. 
[Abdruck untersagt.] 
„Bienenfleiss“ liess jenes Riesenwerk erstehen, das laute 
als Berliner Gewerbe-Ausstellung die Bewunderung der Welt 
erregt. Bienenfleiss hat all die Einzelheiten geschaffen, die 
sich im Rahmen des Treptower Parkes zu einem grossartigen 
Ganzem vereinen, die Biene, das Sinnbild des rastlosen Fleis 
ses durfte mit Recht einen Platz in Treptow beanspruchen. 
Der kleine Pavillon, in dem der Treptower Bienenwirth 
Herr Gühler die Erzeugnisse seiner Bient nzuckt ausgestellt 
hat, liegt direct am Eingänge des Vergnügungsparkes zu 
Füssen der grossen Verbindungstreppe. Man könnte in die 
sem Arrangement beinahe eine hübsche Symbolik vt rmuthen. 
Wollte man damit sagen, dass es nur durch „Bienenfleiss“ 
zum Vergnügen geht! Die Mahnung wäre gar nicht übel. 
Jedenfalls gehört der Bienenpavillon zu den interessantesten 
Schaustellungen auf dem Treptower Gebiet. 
Die Hauptsehenswürdigkeit, bildet der eigentliche Bie 
nengarten. Gegen das Publikum durch hohe Glaswände 
abgeschlossen, treiben einige zwanzig Bienenvölkchen darin 
ihr Wesen. Statt der früheren unpraktischen Bienenkörbe 
hat man die neuen Holzhäuser mit Glasfenstern und heraus* 
nehmbaren Rahmen angewandt. Für die Gewinnung des 
j Honigs sind diese von eminenter Bedeutung. Wollte man 
bei den kegelförmigen Körben die Honigs mite beginnen, so 
musste der Schwarm zuerst ausgeräuchert und dann der Korb 
Vollständig umgestülpt werden : bi den Holzhäusern hat man 
dies sehr viel bequemer. Die Bienenstöcke neuerer Bauart 
gleichen in mehrere Schubfächer getheilten Schränkchen. Je 
des Fach wird auf einer Seite durch ein Glasfensterehen, auf 
der anderen durch eine Holzklappe geschlosse n, auch das Fen 
ster ist mit einer Klappe bedeckt. Im Innern jedes Faches 
sind viereckige Rahmen eingefügt, in denen die Bienen nun 
ihre Waben bauen. 'Durch das Fenster kann der Imker 
kontroliren, wie weit der Bau gediehen ist. Sind die Waben 
mit Honig gefüllt, so werden die Bienen abgestrichen, die, 
Rahmen herausgenommen, in die Centrifuge gesetzt und aus 
geschleudert, um dann gleich wieder in den Stock zu kommen. 
Während beim Korbhonig sehr oft Wachstheilchen mit in die 
Honigmasse rinnen, bleibt dieselbe beim ausgeschleuderten 
Rahmenhonig vollkommen rein. 
Als ein Beispiel der grossen Anerkennung, welche die 
Holzstöcke in Imkerkreisen finden, sei nur erwähnt, dass auch 
die Herero solche mit. nach Afrika nehmen werden, um sie 
dort an Stelle der alten Körbe einzuführen. Vit 1 Heiterkeit 
erregt auch beim Publikum der Wohnort zweier Bienenvölk 
chen, von denen das eine in einem alten Cylinderhut, „mein 
Bräutigamshut“, wie ein Zettel besagt, das andere in Gross* 
mutters Kaffeewärmer sein Domicil aufgeschlagen hat. 
An den Wänden des Bienengartens ist eine Sammlung 
von Bildnissen deutscher Imker ausgestellt. 
Im Vorraum des Pavillons fällt, zuerst eine Sammlung 
verschiedener Wachs- und Honigarten in die Augen. Aller 
Herren Bänder und alle Blüthen sind vertreten. Da ist der 
Elsässer Honig aus Esparsetteklee, goldgelb und durchsichtig 
klar wie Wasser. Der Weisskleehonig' aus Westpreussen 
steht ihm nicht nach. Im tiefsten goldigen Braun prangt 
der Binden- und Akazienhonig, während der von den Blüthen 
der Pussta an leuchtenden Bernstein erinnert. Tiefdunkel, 
beinahe schwarz ist der Honig, den russische Bienen gesam 
melt, in wunderbaren Krystalli sinnigen präsentirt sich jener 
aus den Gefilden Mexikos, der aus Eukalyptusblüthen auf 
Neu-Seeland gewonnene ähnelt in der Farbe dem Binden 
honig. 
Auch das Wachs hat versehn de ne Färbungen. Wie 
schwarzer Marmor zeigt sich jenes aus dem dunkeln Erdtheil, 
in bräunlicher Tönung das von Chile. Das ägyptische Wachs 
ist lichtgelb, das einheimische Treptower von zartem Ginn. 
Auch verschiedene Honigfälschungen sind ziunVergleicb 
ausgestellt. Der Unterschied ist für Baien gar nicht zu 
merken. Sachverständige finden kaum heraus, wo der Zucker- 
syrup anfängt und das Bienennroduct aufhört.
	        
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