Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officieüe Ausstellungs- Nachrichten. ii
sprechenden Publikum kurz mitgetheilt sei, aufgeführt. Der kurdische
Scheich Fayad, bei Damaskus ansässig, hat eine schöne Tochter.
Hassan, sein Neffe, liebt das Mädchen, bittet uni ihre Hand, und —
Fayad diese verweigert —- droht er dem Oheim mit seiner Bache, als
Um sein Schicksal besorgt, ergreift dieser mit Frau und Tochter
die Flucht; Araber eines feindlichen Stammes überfallen die
Reisenden und nehmen sie gefangen. Da aber eilt Hassan, der
das Unglück erfahren, herbei, besiegt die Feinde und rettet Fayad
und Familie; dafür bekommt er schliesslich die Hand der geliebten
Cousine. — Auf die eigenartige Inscenirung und Darstellung
kommen wir noch ausführlicher zurück. Die orientalischen
Specialitäten, Tanz, Gesang, vor allem der ominöse »danse de
ventre« sind in solcher Originaltreue und Virtuosität in Berlin
wohl noch nicht gesehen worden. Alles in allem, es ist dafür
gesorgt, dass die Besucher der Ausstellung Kairo Belehrung und
Amüsement in Hülle und Fülle finden. Dr. L. A.
S
Unsere blauen Jungeno und ihr Hand
werk auf der Ausstellung;. (Die Marine-Schauspiele).
Während gewissermaassen fast jeder Deutsche Soldat ist und
an den Ereignissen in der Armee mit Verständniss Antheil nimmt,
steht er der Marine immer noch ziemlich fremd gegenüber. Das
Interesse für die Streitmacht zur See ist ja im deutschen Publikum
in hohem Maasse vorhanden.Aber das Verständniss und die richtige
Beurtheilung der so mannichfachen Anforderungen, welche an das
Personal und Material einer modernen Kriegsflotte gestellt werden
müssen, ist jedenfalls noch ein verhältnissmässig geringes.
Jedes Mittel und jedes Ereigniss, welches dazu beitragen kann,
uns über das Leben und Treiben unserer Marine zu belehren, ver
dient daher die grösste Beachtung und Anerkennung. Die ver
schiedensten Versuche, durch Marinepanoramen, durch Ausstellung
von Modellen mit erläuterndem Text etc. der Bevölkerung das
Marinewesen verständlicher zu machen, sind schon in früheren Jahren
angestellt worden, aber bis jetzt ist es nie so recht gelungen, dem
Laien ein auch nur annähernd klares Bild hiervon zu geben, denn
vor Allem fehlte den, wenn auch oft künstlerisch vollendeten Dar
stellungen das Leben. Diese Lücke zu füllen ist den Herren K. Leps und
E. Dietert(Berlin) gelungen. Unter der Devise: »Sckeint’s auch Spiel,
so gilt’s doch hehrem Ziel« haben die genannten Herren ein interessantes
und in dieser Art gänzlich neues Unternehmen ins Leben gerufen.
Es sind dies die sogenannten „Marine-Schauspiele“, welche
jedenfalls berufen sind, eine grosse Anziehungskraft auf alle Be
sucher der Ausstellung auszuüben. Dicht am II: inteingang II
zwischen der Treptower Chaussee und der elektrischen Rundbahn,
liegt das den Unternehmern zugewiesene Terrain, von dem ein
recht beträchtlicher Theil, circa 6000 Quadratmeter, in einen See
von 1 Meter Tiefe umgewandelt worden ist. Die Direction
hat sich die Aufgabe gestellt, auf dieser Wasserfläche das
Leben und Treiben unserer Kriegsschiffe in einer der Wirklichkeit
entsprechenden Art darzustellen. Die kleinen, theilweise bis 4 m.
langen Schiffe sind mit vieler Sorgfalt den Originalen nachgebildet.
Vertreten sind die vernehmlichsten Typen unserer Kriegsflotte, wie
Hochseepanzer, Ausfall-Corvetten, Torpedokreuzcr, Avisos u. s. w.
Als Triebkraft für die sauber gearbeiteten und mit grosser Prä
cision functionirenden Maschinen dient Elektricität, welche den
Akkumulatoren entnommen werden kann, selbige liefern auch das
Licht für die Signallampen und die an den Gefechtsmasten an
gebrachten Torpedosucher; es sind dies elektrische Scheinwerfer,
die ihre Lichtstrahlen in Kegelform nach allen Richtungen
hin entsenden können. Die Armirung stimmt in der Zahl
der Geschütze genau mit der der Originale überein. Die Kapelle
Alle diese Apparate und Vorrichtungen werden gleichzeitig mit
der Maschine und dem Schiffe selbst von einem einzigen Manne
bedient, und zwar von einem echten unverfälschten Matrosen.
Derselbe ist derartig an Bord untergebracht, dass er Alles über
sehen kann, ohne selbst von aussen sichtbar zu sein. Er ist ge
wissermaassen die Seele des kleinen Schiffes. Von einem Schiffe,
welches des Kaisers Yacht »Hohcnzollern« darstellt, eine Höhe
von acht Metern bat und characteristisch mit Schornstein und
Takelage, Fallreppstreppen, Sonnensegel ausgestattet ist, überblickt
man von Tribünen, die einigen Tausenden von Zuschauern
Platz bieten, die Schauspiele. Das Innere des Riesenbaues
enthält u. A. zwei auf das Eleganteste ausgestattete Restaurations
Säle sowie einen in hellen Farben mit reicher Goldverzierung ge
haltenen Speisesalon, der mit seinen Stuckmarmorsäulen, gekrönt von
schwer vergoldeten Capitalen, einen überraschend vornehmen [Eindruck
macht. Durch ein reichausgestattetes Portal gelangt man dann in den
kaiserlichen Salon, der für etwaige Besuche der Kaiserlichen Familie
vorgesehen, dementsprechend auf das Reichste ausgestattet ist. Vom
Vorraum dieses Salons führt eine breite Treppe direct nach der
Kaiserlichen Loge, von deren Balcon man den Marine-Schauspielen
beiwohnen kann. Die Architektur ist nach den Plänen des Archi
tekten G. Meyer ausgeführt.
Ein geladenes Publikum konnte bereits gestern die Marine-
Schauspiele bewundern. Die Uebungen bestanden aus einer
Flottenparade und aus einem Angriff auf einen wirksam ver
theidigten Seehafen und boten ein fesselndes Bild von dem Wirken
unserer Kriegsmarine.
Nach den Schaustellungen fand ein Diner statt, bei welchem
Herr Dieter den begeistert aufgenommenen Toast auf den Kaiser,
dessen Initiative die ganze Veranstaltung zu danken ist.
der II. Matrosen - Division unter Leitung des Musikdirectors
Wöhlbier führte die Tafelmusik und erntete für ihre Leistungen,
namentlich aber für die Ausführungen historischer Feldmärsche und
Fanfaren mit den althistorischen Trompeten, allgemeinen Beifall.
Das »Theater Alt-Berlin« beginnt mit seinen Aufführungen
am Freitag, 1. Mai, Abends 7 7 S Uhr. Es ist nothwendig ge
worden, das Programm der ersten Vorstellung ein wenig zu ver
schieben. Der ganz ungeahnten Ausdehnung, welche die Ausstellung
gewonnen, ist es zuzuschreiben, dass die „Lichtanlage, nicht recht
zeitig fertiggestellt werden konnte. Darunter leidet kein Unter
nehmen schwerer, als das Theater »Alt-Berlin«, das mit grossartigen
Lichteffecten wirken will. In allererster Reihe bedarf Carl Bleib
treu's Dichtung »Die Wendentaufe« einer lichtstrahlenden Um
rahmung. Für dieses Bild sind denn auch eine ganze Reihe von
blendenden Beleuchtungswirkungen vorgesehen. Aber gerade diese
können nicht früher inscenirt werden, als bis die Lichtanlage in
ihrer ganzen Ausdehnung functionnift. So musste man die Erst
aufführung der »Wendentaufe« um’eine .Woche verschieben. Dem
nach beginnen die Vorstellungen mit Ernst Freiherrn von Wol-
zogen’s »Die schwere Noth«, dem das Märkische Ringel
stechen folgt.
&
Füllung' des Biesenfesselballons. Eine eigene
Gasanstalt ist, wie schon mitgetheilt, für die Füllung des
Riesenfesselballons errichtet worden. Dieselbe wird von dem
bekannten Chemiker, Professor Raoul, geleitet. Ueber die Ein
richtung der Gasanstalt liegen uns folgende Angaben vor:
Die Pictet’sche Wasserstoffgasfabrik ist in ihrer Ausführung,
und zwar in etwas kleinerem Maassstabe, der gleichartigen Anlage
der hiesigen Luftschiffer-Abtheilung nachgebildet. Der Preis der
Anlage beträgt ca. 30 000 Mark. Der Gasometer besitzt einen
Durchmesser von 8 */ 2 m und fasst 200 cbm. Die Darstellung des
Gases erfolgt entweder aus Salzsäure und Zink oder aus Schwefel
säure und Eisen; es sind hierfür, in Anbetracht der Grösse des
Ballons, ganz ungeheure Quantitäten dieser Materialien erforderlich;
so werden zum Beispiel für die erste Füllung des Ballons allein
50 000 kg Schwefelsäure erfordert. Die Ueberleitung des Gases
zu dem Ballon erfolgt durch eine unterirdische, ca. 200 m lange
Rohrleitung von 15 cm lichter Weite. Mit der speciellen Leitung
der Fabrikation ist Herr Ossyra, ein auf diesem Gebiete ganz be
sonders erfahrener Chemiker, betraut. Schliesslich sei noch be
merkt, dass das in der Pictet’schen Fabrik gewonnene Gas noch
einem zweiten Ballon, dem auf dem Gebiete der Colonialausstellung
placirten lenkbaren Luftschiffe des Herrn Dr. Wollfett, zur Füllung
dient; dieses letztere fasst ungefähr 900 cbm Gas.
Der Fesselballon wird Freitag in frühester Morgenstunde
mit Wasserstoffgas gefüllt werden und wird am Sonntag die erste
Auffahrt für das Publikum stattfinden. Eintritt pro Person 20 Pfg..
die Auffahrt pro Person 5 Mk.
V
Die Theilnahme für das am 5. Mai in Alt-Berlin und der Aus
stellung stattfindende Fest der Kunstakademiker ist nach
den bisher eingegangenen Theilnchmer-Meldungcn eine ganz ausser-
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