Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

10
Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
lampen fortgesetzt. Bei Anbrucli der Dunkelheit lagen vor den
Bogenhallen des Hauptausstellungs-Gebäudes noch Bretterhaufen mit
deren Wegschaffung man indess beschäftigt war. Eine grössere
Anzahl Arbeiter war beschäftigt, gelben Kies auf den Promenaden
gangen zu vertheilen. Die Decorationsstücke wurden fertiggestellt,
doch unten lauerten bereits Leute um die Leitern schnell weg
zuschaffen. Am grossen Springbrunnen vor dem Hauptgebäude
errichtete man zwei Tribünen für phothographische Moment
aufnahmen. Vor dem Haupteingang war man mit der Auf
räumung der Gerüsttheile beschäftigt, die auf einen Haufen
angesammelt waren. In den Bogenhallen wurde bei Licht
gearbeitet. Lange Schläuche wurden gehandhabt, um die Pflanzen
gruppen zu begiessen. Eine grosse Anzahl von Wagen mit Aus
stellungsgegenständen steht noch auf den Strassen und Gängen,
an den Obelisken des Neuen Sees arbeitet man bei Gaslicht,
Nach Einbruch völliger Dunkelheit sind noch die Wege vor
dem Haupt-Ausstellungsgebäude äusserst belebt, in den Wandel
hallen ergehen sich viele Besucher, die sich darüber nicht einigen
können, ob die Gewerbe-Ausstellung fertig ist oder nicht. Heber-
all sind viele Hände thätig um Alles fertig zu stellen, soweit es
im Bereich der Möglichkeit liegt, wie es scheint, mit Erfolg. Um
10 Uhr: Eine Beleuchtungsmaschine ist im Hauptgebäude in Thätig
keit, es wird daselbst bei elektrischem Licht gearbeitet. Von den
Minarets der Moscheen von Kairo leuchten Flammenzeichen, in
Kairo selbst ist Bogenlicht vorhanden. Vor dem Hauptgebäude,
namentlich am neuen See bei den Obelisken sind die Putzer beim
Scheine der Sturmlaternen thätig. Dresseis Restaurant ist schwach
beleuchtet, in der Mitte des Bogenganges vom Wasserschloss wird bei
Gaslicht gearbeitet, ebenso im Gebäude für Unterricht und Wohlfahrts
einrichtungen. In der Tabaks-Ausstellung von Löser & Wolfs am
neuen See packt zahlreiches Personal Tabaksballen und Fässer aus.
Der Park beginnt sich zu leeren, viele Wagen streben eilig den
Ausgangsthoren zu, der Karpfenteich liegt in tiefem Dunkel, viele
Pavillons sind noch erleuchtet.
a) In der Ausstellung.
Die Eröffnung des Theaters Alt-Berlin.
[Abdruck untersagt.]
Eine Art literarisch dramatische Ausstellung will das Theater
Alt-Berlin bieten, zugleich aber auch eine Entwicklungsgeschichte
der Stadt Berlin und eine Verherrlichung der Hohenzolleni-Fürsten,
unter deren Scepter Berlin im Verlaufe der Jahrhunderte zur
Hauptstadt des mächtigen Deutschen Reiches emporgewachsen
ist. Der Ruhm der Hohenzollern, die Liebe des Volkes zu
seinem Herrscherhause, sie werden die Leitmotive bilden, welche
die im Theater Alt-Berlin zur Aufführung gelangenden Bühnen
werke durchziehen. Ein Thema wird behandelt, und an
der Ausführung desselben betheiligt sich ein Dutzend
Schriftsteller, die in ihren Anschauungen sich nicht ergänzen,
sondern entfernen. Bereits früher wurde an dieser Stelle die
Frage aufgeworfen, ob durch eine derartige Behandlung eines
Stoffes der Geist des Einheitlichen erreicht werden kann. Und
die damalige Beantwortung dieser Frage dürfte auch heute noch
Berechtigung haben. Der Stoff umfasst Jahrhunderte mit ihren
wechselvollen Ideen, Ereignissen und Menschen, die von ein
ander verschieden sind, und darum ist die Idee, Autoren aller
Richtungen für die Bewältigung dieser Aufgabe heranzuziehen,
vielleicht nicht nur eigenartig, sondern auch künstlerisch.
Durch Zeit und Handlung abgeschlossene Ereignisse werden
den gewaltigen historischen Stoff illustreren, und da jedes dieser
dramatisirten Ereignisse ein unabhängiges Ganzes bildet, so
erscheint auch der Charakter des Einheitlichen trotz der ver
schiedenen Autoren gewahrt. Die einzelnen Dramen sollen natürlich
auch den Geist der Zeit, in der sie sich abspielen, widerspiegeln,
und gerade die Gegensätze, die sich in der Zusammenstellung der
Verfasser offenbaren, lassen den Schluss zu, dass eine jede Zeit
ihren berufenen Schilderen finden, dass jeder Dichter bemüht sein
wird, aus seiner Individualität und aus dem Geist der von ihm zu
behandelnden Epoche heraus Ereignisse, Menschen und Sitten zu
erfassen und zu charakterisiren.
Carl Bleibtreu und Adalbert von Haustein, Conrad Albert!
und Axel Delmar, Ernst von Wolzogen und Julius Keller, Alexander
von Roberts und L. Hermann, das sind die Hauptautoren von
Alt-Berlin, die in gewissem Sinne unsere literarischen Gegensätze
repräsentiren. Und die letzteren werden sich hier berühren, die
Romantiker und die Realisten, die Meister, des feinen Humors und
die der lustigen Posse, die Wahrheitsfanatiker, die nur das
Wahre für schön halten, und die Schönheitsschwärmer, für
die nur das Schöne als Wahrheit gilt. Vor einem ge
ladenen Publikum wurde gestern Abend das Theater Alt-Berlin
eröffnet, und zwar mit einem Berlinischen Zeitbilde aus dem
Jahre 1348 »Die schwere Noth«, das Ernst von Wollzogen
zum Verfasser hat, sowie dem Schaustück »Märkisches Ringel-
stechen«. Das strahlend eileuchtete Haus, dessen innere und
äussere Architektur und Einrichtung von uns wiederholt be
schrieben wurde, gewährte einen glanzvollen, echt modernen
Anblick, der in eigenartigem Contrast stand zu dem um den
eigenartigen Theaterbau lagernden alten, gemüthlichen Stätten.
Eine frische, frohe Stimmung durchzog die Massen, welche
den einfach gehaltenen, und in seiner Ausdehnung, Anlage
und originellen Ausschmückung doch imposant wirkenden
Zuschauerraum bis zum letzten Platz besetzt hatte; das feiertägliche
Gepräge des Ganzen wurde durch Guirlanden, die sich in
malerisch umschlungener Weise von den Malereien des Plafond
herab um die Wände und Rangbrüstungen zogen, in belebender,
hoffnungsfroher Weise erhöht wurde. Ueber den Werth und
Inhalt des Berlinischen Zeitbildes, das als decoratives Schlussbild
den Brand von Berlin bringt, über den Eindruck, den das mit
dialogisirten Volksscenen vermengte prächtige Massen- und eques-
trische Schauspiel «Märkisches Ringelstechen« hervorbringt, über
die Leistungsfähigkeit des Künstlerpersonals und der Statisterie
soll in der morgigen Nummer eingehend berichtet werden.
Aus Kairo. Vor einem geladenen Publikum hat das kunst
reiche Werk der Herren Wohlgemut!), Möller und Lehmann am
letzten Dienstag seine Generalprobe — »Beleuchtungsprobe« hiess
es auf den Einladungen -—- bestanden. In der grossen Pariser
Kunstausstellung nennt man diese alljährlich in festlicher Weise
veranstaltete Vorbesichtigung »jour de vernissage« —; in Kairo
hat der Regen das »Firnissen« der Bilder übernommen; Mensch
und Thier, Häuser und Palmen trieften von dem in Original-Kairo
so seltenen, und so flehentlich herbeigerufenen, segensreichen Nass.
Aber trotz Regen und Pfützen herrschte eine angeregte Stimmung;
man betrachtete mit Interesse die farbenprächtigen orientalischen
Aufzüge, die kunstvollen Bauten, die Bazare der Händler, die
Terrassen der Restaurants und die Cafes waren von einem festlich
angeregten vornehmen Publikum erfüllt. An das Fest-Diner, das
mit dem Kaisertoast eröffnet wurde, schlossen sich einige Vorführungen
an, welche einen Vorgeschmack von dem geben sollten, was man in
Kairo an künstlerischen Darbietungen zu sehen und zu hören be
kommen wird. Die Hofkapelle Sr. Hoheit des Khedive unter Leitung
des Majors V. Fr. Faltis bewährte sich als tüchtig geschultes Corps,
das unter lebhaftem Beifall deutsche, österreichische und arabische
Tonstücke — unter denen ein von dem Khedive Abhas Hilmi II.
componirter Marsch besonders gefiel — charakteristisch und mit
grosser Präcision zur Ausführung brachte. Bei einem Rundgange durch
die Ausstellung Kairo präsentirte sich eine grosse Zahl einladender
Restaurants und Cafes, meist ersten Ranges; so das mit feenhafter
orientalischer Pracht ausgeschmückte Wein-Restaurant »Zum Khedive«
von A. Wilhelms, und das in Shephard’s Hotel« etablierte Cafe
Stern. Die grossen orientalischen Aufzüge, welche unter freiem Himmel
in der Arena stattfinden werden, bedürfen günstiger Witterung, um ihre
Wirkung zu erproben; hingegen lässt sich von den Kräften des »Orien
talischen Theater» und »Egyptisclien Cafe chantant« schon jetzt viel
lobendes erzählen. Im Theater wurde ein »Kurdisches Drama«,
dessen Inhalt hier zum besseren Verständniss dem nicht arabisch
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.