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Periodical volume Nr. 149, 13. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
Romane in den weitesten Kreisen bekannt geworden. Als 
Componist kannten wir ihn bisher nur vom Hörensagen; 
wir wusssten, dass gelegentlich einmal eine Operette von ihm 
in Görlitz mit Erfolg gegeben wurde. Der „Pan-Walzer 1 * 
nun ist ein reizendes' Stück voll pikanter Einfalle und von 
jener wohlthuenden Originalität, die stets des Erfolges sicher 
sein wird. Stimmungsvoll in der Introduction, ist er geist 
reich und unmuthig in den übrigen Sätzen, die bald ein 
Pastorale, bald lustig tändelnde Scenen, bald ein poetisches 
Liebesidyll ausdrücken und zum Schluss gleichsam in fröh 
lichem Lachen austönen. Das Ganze ist weniger ein Walzer 
in hergebrachtem Sinne, als vielmehr ein feines Scherzo, das 
in frohe Stimmung getaucht ist. Wie wir hören, ist der 
Componist durchaus Autodidakt, und dieser Umstand muss 
uns in Hinsicht auf die melodische Erfindung sowohl wie auf 
die leicht-flüssige und gewandte Arbeit entschieden Hoch 
achtung vor dem vielseitigen Können ihres Schöpfers ab 
fingen. Das Philharmonische Blasorchester .spielte den 
iVälzer sehr exact und fein, wie überhaupt sämmtliche Stücke 
i es Programms. Wir bedauern nur, dass Herr Baumann 
richt öfters Gelegenheit nimmt, solche musikalischen Elite- 
Abende, z. B. einen internationalen, zu veranstalten. 
* *. * 
* 
Das vorgestrige Elite-Concert brachte noch eine Novi 
tät, die unser sehr geschätzter Referent in seinem Bericht 
nicht erwähnt, weil — er selbst der Componist war. Und die 
Composition betraf gewissermaassen auch uns selbst, nämlich 
unsere „Officiellen Ausstellungs-Nachrichten.“ Trotzdem 
nun die Bescheidenheit zu den hervorragendsten journalisti 
schen Tugenden gehört, drängt es uns doch, einmal auch von 
uns zu sprechen, indem wir — dem Componisten gerecht 
werden. Also, seine Composition trägt den Namen unseres 
Blattes: „Officielle Ausstellungs-Nachrichten“ und ist ein 
Walzer. Oder sagen wir es lieber gleich, eine musikalische 
Dichtung in Walzerform. Es giebt Programm-Musik, die 
das abstracto Nirwana der Inder in Tönen schildert, es giebt 
symphonische Dichtungen, die ganze Romane erzählen, 
warum soll nicht auch das „Milieu“ einer Redaction in Musik 
gesetzt werden? Paul Ertel, der als Musiker ebenso geistvoll 
wie erfindungsreich ist, stellte sich diese Frage. Der würde 
volle Ernst des gestrengen Herrn Chefredacteurs, die fröh 
liche Feier gelegentlich einer Jubiläumsnummer, das mun 
tere Treiben des leicht beweglichen Mitarbeiterstabes, die 
kleinen Moment-Tragödien der abgelehnten Manuscripte, 
die Hexenarbeit der Setzmaschine und die tollen Streiche 
des Druckfehlerkobolds — das giebt für den sinnigen Mu 
siker nicht nur eine Flutli von Inpromptus, sondern gleich 
ein Dutzend moderner, realistischer Symphonieen. Und so 
componirto er denn eine kleine Symphonie, zwar nicht in 
Symphonieenform, sondern als Wälzer. Da hören wir die Ein 
leitung, die einst und würdevoll mit den Blechinstrumenten 
unisono einsetzt gewissermaassen den Auftact, den Beginn der 
ernsten Tagesarbeit. Ein kleiner, gemüthlicher, heiterer 
Satz folgt ... die. Mitarbeiter, das heitere Völkchen, stellt sich 
ein. Und nun fliegt das lose, leicht bewegliche Feuilleton 
auf den Schreibtisch, — in der Composition ein anmuthiger 
Einfall in pikanten Rhythmen, leichtsonnig, wie ein richtiges 
Feuilleton! Die fröhliche Stimmung macht nun dem 
•Ernste Platz. Eine schwermüthige getragene Melodie 
in den Hörnern setzt ein, sentimental, klagend — die 
Empfindung der Mitarbeiter, die ihr ’Manuscript zu 
rück erhalten. Um so munter geht es mit den an 
genommenen Manuscripten zu. Ein pikantes, rasch 
bewegtes Staccato, aus dem man das täctmässige Ar 
beiten der Setzmaschine heraushört, illustrirt in brillanter 
Tonführung die Verwandlung des Geschriebenen in die Setz 
form. Aber in (fieses Staccato setzt plötzlich ein ungeheures 
Thema in C-moll ein, die Schaar der Druckfehlerkobolde 
scheint sich förmlich in den Satz hineinzustürzen, eine wilde 
.Orgie feiernd, wie rechte Satane, die der Fessel entbunden 
werden. Erst der gestrenge Herr Correetor jagt die Bande in 
die Flucht, und in einem fröhlichen Wälzer tönt das Ganze 
aus, das in jedem Satze voll origineller Einfälle, voll pikan 
ter und feiner Harmonie und überall von reizvoller Melodie 
ist. Das liebenswürdige Werk fand wohlverdienten und sehj 
stürmischen Beifall. R. 
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Ein Kunstwerk über die Berliner Gewerbe* 
Ausstellung. Im Verlage der Werner Company, Berlin 
Equitable-Gebäude, der das deutsche Publikum schon so 
manche schöne Gabe verdankt, ist soeben ein neues schönes 
Werk erschienen, das in der Ausstattung seinen Vorgängen? 
sich würdig an die Seite stellt, seinem Inhalt nach aber uns 
um Vieles näher berührt. Der Verlag hat nämlich eir 
„Prachtalbum photographischer Aufnahmen der Berliner Ge 
werbe-Ausstellung 1896“ zur Ausgabe gebracht und, wie er 
der Titel besagt, damit ein wirklich hübsches Album dieser 
sehenswerthesten Ausstellung geschaffen. In dem auf bestem 
amerikanischen Kunstdruckpapier, in grösstem Quartformat 
hergestellten Werke, welches über einen hervorragenden 
Bilder-Reichthum von ca. 225 naturgetreuen, vielfach ganz 
seitigen Illustrationen verfügt, ist nichts vergessen, weder dir 
leitenden Männer, noch die Bauwerke, noch das Innere der 
einzelnen Baulichkeiten. Der landschaftlichen Scenerieer 
und des vielbewegten Lehens und Treibens im Ausstellungs 
park ist mit derselben Sorgfalt gedacht, und so wird selbst der 
genaueste Kenner der Ausstellung beim Durchblättern des 
Albums um so weniger etwas vermissen, als auch die Sonden 
Ausstellungen gleiche sorgfältige Beachtung gefunden haben 
Wer aber das in Treptow Geschaffene nicht kennt, dem wird 
es hier in allen seinen Einzelheiten in Wort und Bild vor 
Augen geführt. Der künstlerische Schmuck ist von den ersten 
Reproductions-Anstalten ausgeführt und müssen wir aucl 
die besonders schöne Druckausstattung hervorheben. Es iss 
ein vornehmes Prachtwerk, welches durch seine Vielseitig 
keit die Perle aller Ausstellungs-Erscheinungen genannt 
werden darf und im Stande ist, eine Erinnerung und Zierde 
jedes Familientisches zu bilden, zumal der Preis des eleganter 
Buches nur 6 Mark beträgt. Das erklärende Geleitwort 
giebt Paul Lindenberg, wobei ihm jedoch eine stattliche 
Reihe trefflicher Männer zur Seite gestanden haben. 
9 
Die hundertste Gruppe. Durch Carl Stangen’.* 
Reise-Bureau ist am 9. d. M. die einhundertste Gruppe von 
Fremden geführt worden. Aus den Unterschriften eines 
kleinen Anerkennungsschreibens, das der Firma von dieser 
Gruppe zuging, ist zu ersehen, das die Besucher der Ausstel 
lung sich vielfach aus fremden Ländern zusammensetzen, 
Berlin C., Grand-IIötel Germania, 9. September 1898 
(Director Engel.) 
An Carl Stangen sen. 
Fröhlich hier die Gläser klingen 
Auf Dein Glück und gut Gelingen! 
Denn was Du in Berlin vollbracht, 
Dir Ehr’, den Fremden Freude macht. 
Dem Verkehr ein neues Leben 
Gabst Du durch Dein rauthig Streben, 
Werde weiter stets- bewundert 
Wie von Deiner Gruppe.„Hundert!* 
Die 1. und II. Klasse der Jubiläums-Gruppe, 
Dykstra aus Holland, Beamter in Java-Indien. Benno 
Pain, London. Alfred Freiherr von Lederer, Wien. Frie 
drich Freiherr von Lederer, Wien, Fabian!, Rechtsanwalt, 
Warschau. Konstantin Viertel. Kaufmann, Warschau. 
Frau Margarete Viertel geb. Sambuc, Warschau. Df. jur. 
Bertsch, Waiblingen. Württemberg. Oskar Pollak, Stud. 
jur., Wien. Director Büchner, Stuttgart, Director Groschny, 
Breisach. Baden. Director Lehmann und Sohn, Linden 
burg, Oesterreich. Reyersbach, Banquier, Hannover. 
Koscbmider, Landwirth, Przytorznica, Posen. J7nger, Che 
miker, Crefeld. Adolf Sambl, Kaufmann, Prag. J. Pelinek- 
Stratingh, Bergun-Niederlande. Dr. Alex. Szana, Temcv- 
var. Siegmund Szana, Budapest. 
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