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Periodical volume Nr. 148, 12. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
und es ist zu hoffen, dass die Früchte der Arbfit in den Werk 
stätten, in den Familien sich zeigen werden. 
Der Vortrag fand den ungetheilten Beifall bei den zahl 
reichen Anwesenden, von denen viele Fachleute und Inter 
essenten aus gewerblichn und kunstgewerblichen Kreisen 
waren. P. Ks. 
Der Sonntag; als Mark-Tag. Am heutigen Sonn 
abend findet in der Ausstellung eine elektrische Illumination 
der Hauptfacade des Industriegebäud» s und der Ufer des 
•Neuen Sees statt. Morgen Sonntag ist ausnahmsweise ein 
combinirter Marktag eingerichtet; das Eintrittsgeld für die 
Hauptausstellung und die Sonderausstellungen Alt-Berlin, 
Kairo und Kolonial - Ausstellung beträgt, den ganzen Tag 
1 Mark, Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Es wird durch 
diese Einrichtung dem grossen Publikum, das die Ausstel 
lung nur am Sonntag besuchen kann, ein weitgehendes und 
sicherlich mit grossem Dank aufgenommenes Entgegenkom 
men bewiesen. Auch am Sonntag Abend findet elektrische 
Beleuchtung des Hauptgebäudes und der Sce-Hfer statt. 
9 
Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Ge 
sundheitspflege hält heute (Sonnabend) Nachmittag 5 Uhr in 
der Maschinenhalle der Ausstellung eine Sitzung ab, zu der Gäste 
willkommen sind. Die Tagesordnung derselben lautet: a) um 
5 Uhr pünktlich in der Maschinenhalle Herr A. Ilerzbcrg: Führung 
durch die bauhygienische Ausstellung, um 6'/ t Uhr pünktlich im 
hinteren Saale des Gebäudes für Wohlfahrtseinrichtungen, Herr 
Branddirector Giersberg: Demonstration der Ausstellungsobjecte zur 
Verhütung von Schadenfeuern. Nach der Sitzung zwangloses Bei 
sammensein im Münchener Bürgerbräu am Karpfenteich. 
9 
Vom grossen Sportfest. Entgegen den von ge 
wissen Seiten geflissentlich verbreiteten ungünstigen Nach 
richten über eine angeblich mangelhafte Betheiligung der 
Radfahrer-J creine an den J eranstaltungen der Sportwoche 
auf diesem Gebiet, können wir mittheilen, dass die Betheili 
gung der Radfahrer derjenigen der übrigen Sportzweige 
nicht nachstehen wird und dass sich unter ihnen die lebhaf 
teste Theilnahme für das Fest kundgiebt. Das Eintreffen der 
gefeiertsten Meisterfahrer Oesterreichs, Belgiens und Frank 
reichs zu dem grossen Wettkampf mit ihren deutschen Sport- 
collegen ist bereits gesichert und durfte sich derselbe in Folge 
dessen sehr interessant gestalten. An dem Lampion-Rad- 
falirer-Corso in der Ausstellung nehmen sämmtliche Berliner 
Vereine in corpore oder durch grössere Abordnungen Theil 
nnd, da unsere Hauptstadt über 40 000 Radfahrer hat, die 
keinem Vereine angehören, so hat das Comite auch einen 
Preis von 1000 Mark für denjenigen Einzelfahrer im Corso 
gestiftet, der sich durch die hervorragendste und eleganteste 
Leistung auszeichnet. Der Termin für den ersten Nennungs 
schluss geht übrigens heute zu Ende und sind die Nennungen 
bei Herrn Secretair Wertes (Sportgruppe der Ausstellung) 
oder bei Herrn Ernst Kukluk, Markgrafenstrasse 43, einzu 
reichen. 
9 
Allerlei von der Lotterie. Wer etwa der Ansicht 
ist, dass mit der vollendeten Ziehung der ersten Serie unserer 
Ausstellungs-Lotterie die Arbeit der Lotterie-Commission 
für diese Serie abgeschlossen sei, befindet sich in einem 
grossen Irrthum, da er nicht mit der leichtbegreiflichen Neu 
gierde der glücklichen Gewinner rechnet, die Alle wissen wol 
len, was Ihnen Frau Fortuna bescheert hat. Nicht allein 
dass zahlreiche Personen aus Stadt und Umgegend sich täg 
lich nach ihren Gewinnen persönlich erkundigen, es laufen i 
auch aus allen Weltgegenden Hunderte von Briefen ein, deren 
Schreiber zu gleichem Zweck um umgehende Benachrichti 
gung bitten. Viele schicken auch die Gewinnloose mit ein 
und verlangen die sofortige Uebersendung ihres Gewinnes — 
ein Wunsch, der nicht erfüllt werden kann, da die Gegen 
stände vor dem 20. October nicht ausgeliefert werden. Dass 
dies alles Correspondenzen ohne Ende hervorruft, ist begreif 
lich, ebenso, dass dieselben noch lange nicht erledigt sein 
dürften, wenn diejenigen der Serie B. schon wieder beginnen. 
Dazu kommen noch die hunderterlei, manchmal recht drolli 
gen, zuweilen aber auch unerquicklichen Unterhaltungen 
und Auseinandersetzungen mit den Gewinnern, die alle mög 
lichen und unmöglichen Wünsche bezüglich des Umtausches, 
des Verkaufes etc. der Gegenstände vorbringen oder ihre naive 
Unzufriedenheit darüber aussprechen, dass sie gerade das und 
nichts anderes, was ihnen besser passte, gewonnen hätten. 
Dass dabei den im allgemeinen überaus liebenswürdigen und 
höflichen Beamten zuweilen die Galle überläuft, ist verständ 
lich und man wird begreifen, dass neulich ein Jüngling, der 
eine Badeeinrichtung im Werthe von 200 Mark gewann, auf 
seine brutale Frage: „Ja, wat soll ick denn mit den Krempel 
machen?“ die prompte Antwort erhielt: „Wie wär’s,wenn Sic 
sich mal darin waschen würden?“ - Von anderen hört man 
wieder die vergnügte Aeusserung: „Ach, das habe ich mir 
gerade gewünscht!“ und ihr Kummer ist nur, dass sie ihren 
Gewinn nicht gleich mitnehmen können. Dass Viele das Ge 
schenk der Glücksgöttin sofort verkaufen möchten, ist kein 
Wunder, so z. B. die Plätterin, die den ihr zugefallenen zwei 
ten Hauptgewinn, einen Brillantschmuck, für 10—12 000 Mk. 
losschlagen möchte. Der junge Kaufmann, der ebenfalls einen 
Schmuck, allerdings nur im Werthe von 2000 Mark gewann, 
möchte 1500 Mark dafür haben, während der Gewinner eines 
prächtigen Bettes von Jordan im Preis von 1000 Mark, dieses 
für 500 Mark ausbietet und noch am ehesten einen Käufer 
finden dürfte. Auch der Herr Oberstlieutenant, der, wie er 
constatirt, ein Dutzend Photographie-Albums besitzt und von 
Frau Fortuna ein dreizehntes als 300 Mark-Gewinn bescheert 
bekam, möchte dasselbe ä tout prix losschlagen. Die Milch 
frau aus der Nähe Berlins aber, welche das kostbare Porzellan 
im Werthe von 2000 Mark gewann, wird dasselbe ihrer Toch 
ter, die sich demnächst verheirathet, als Aussteuer mitgeben. 
Hoffentlich hält sich diese Tochter kein Berliner Dienst 
mädchen, sonst dürfte diese zerbrechliche Herrlichkeit bald 
einige „Lücken“ aufweisen. Ob die beiden Landwirthe aus 
Oranienburg, die das prächtige LouisPetri’sche Schlafzimmer 
ä 1000 Mark auf ein gemeinschaftliches Loos gewannen, das 
selbe auch gemeinschaftlich bewohnen oder die einzelnen 
Stücke unter sich vertheilen werden, steht noch nicht fest — 
vielleicht wäre es das Praktischste, wenn sie nochmals das 
Glück unter sich versuchten, und den Gewinn „ausknobelten“. 
Die schöne Bronzestatue des Kaisers, ein 300 Mark-Gewinn, 
ist einem Portier der Ausstellung zugefallen, jedenfalls eine 
hübsche Erinnerung an seine halbjährige Thätigkeit im 
Treptower Park. Dass der achtjährige Knabe, der eine Koch 
maschine aus künstlerisch bemalten Kacheln für 300 Mark 
gewann, schon ein Verständniss für diesen »Segen der Glücks 
göttin hat, bezweifeln wir — vielleicht wäre ihm ein Schau 
kelpferd oder eine Blechtrommel lieber gewesen. Frau For 
tuna kann es eben nicht jedem recht machen, es geht ihr da 
rin, wie der vielgeplagten Lotterie-Commission. 
9 
Ein hübschesKunstwei’k auf dem Gebiet der Mosaik- 
Arbeit ist gegenwärtig über dem Haupt-Eingang der Sarg- 
Ausstellung angebracht — ein Bild, als dessen Motiv sich die 
ausführenden Künstler das liebliche „Märchen vom Thränen- 
krüglein“ erwählten. Das höchst stimmungsvolle Mosaik- 
Tableau, auf dem namentlich die wunderbare Mädchengestalt 
mit Krug und Oelzweig auffällt, ist aus vielen Tausenden von 
farbigen Steinehen zusammengesetzt und kostete die Ver 
fertiger, die Herren Edmund v. Payer und Joseph, Wild eine 
fast anderthalbjährige Arbeitszeit, 
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