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Volume Nr. 20, 7. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Officieüe Ausstellungs - Nachrichten. 
er ihm gefallt, und nun im Park die massenhaften Anlagen mit 
Bäumen und Gehuschen, Teichen, Kanälen, Basenflächen und Beeten, 
wie wird ihm dies Alles zu Herzen sprechen. 
Und in dem Waldartigen die verschlungenen Pfade und die 
einzelnen Fachgebäude, freundlich und lustig, bunt bemalt und fröh 
lich geziert, so im Grünen darin, als hätte der Osterhase sie ver 
steckt. Welche Ueberraschung, wenn man immer wieder Neues 
entdeckt, woran man beinahe vorbeigerannt wäre und nach und 
nach inne wird, wie gross und bedeutend die Ausstellung wirklich 
ist, und wie riesig mannigfaltig. Man müsste schon vier Beine 
haben und ein Dutzend Augen. 
Bald fängt es an zu blühen, der grosse Park wird zu einem 
Garten, zu einem Paradies des Fleisses und der Arbeit. Die Spring 
brunnen plätschern, die Maschinen drehen sich, Fahnen flattern, 
Blumen duften, auf dem Gewässer wiegen sich Gondeln, die Wilden 
lagern in Kairo, Alt-Berlin wird lebendig. Musik erschallt, die 
Thore öffnen sich und jubelnd ziehen wir ein, wir Alle miteinander 
aus Nah und Fern. 
Und die Vögel sitzen auf den Zweigen und singen dazu. 
Wie gesagt, es freut sich unermesslich 
Ihre ergebenste 
Wilhelmine Buchholz. 
P. 8. Sie meinen freilich, es wären Sachverständige genug, 
die fachmässig über die Ausstellung schrieben und verlangen von , 
mir mehr Eindruck auf mittlere Familien, wenn ich Sie recht ver 
standen habe; ganz kann ich Ihnen Sachkenntnis doch nicht er 
sparen. Wie und wieso? Das bleibt vorläufig mein Geheimnis. 
Ich nenne Ihnen nur den einen Namen Ottilie. Sie werden es 
schon erfahren. D. 0. 
Der Weg, welchen die Majestäten am Eröffnungstage 
in der Ausstellung nehmen ist der folgende: Von der Landestelle 
zu Wagen bis zum Pavillon des Lokal - Anzeiger. Hier ver 
lassen die Majestäten die Gefährte und schreiten durch die 
Wandelhalle und die Arkaden des Rundbaus vor dem Haupt 
gebäude zur Kuppelhalle. Nachdem hier die Eröffnungs- 
Feierlichkeit stattgefunden hat, beginnen die Majestäten den Rund 
gang durch das Hauptgebäude. Von der Maschinenhalle am West- 
Ende der Haupthalle geht es zurück zum Platz vor dem Haupt 
gebäude, dann zum Portal IV. Von hier aus (bei gutem 
Wetter zu Fuss) über die Coepenicker Landstrasse nach Kairo. 
Nach der Besichtigung Kairos fahren die Majestäten nach der Park- 
allee und besuchen den östlichen Theil der Colonial-Aussfellung. 
Zu Fuss geht es dann wieder über die Park-Allee hinüber durch 
den westlichen Theil der Colonial-Ausstellung südlich vom Karpfen 
teich. Vor dem West-Thor der Colonial-Ausstellung, neben dem 
Hildebrandt’schen Pavillon halten die Wagen, welche die Majestäten 
nach Alt-Berlin bringen. Wenn es die Zeit erlaubt, wird Alt-Berlin 
besichtigt, dann fahren die Majestäten am Hauptgebäude und am 
Pavillon des Berliner Lokal-Anzeiger vorüber bis zum Pavillon der Stadt 
Berlin. Zu Fuss wird dann die Besichtigung der Sport- und Fischerei- 
Ausstellung, sowie des Gebäudes für Chemie, Mechanik, Optik 
und Photographie fortgesetzt. Dann begeben sich die Majestäten 
nach den für die Kaiserfamilie eingerichteten Salons des Bremer 
Lloyddampfers, wo das Frühstück stattfindet. Von dort aus er 
folgt auch wieder zu Wasser die Rückfahrt nach der Stadt. 
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Am letzten Sonntag bot die Ausstellung ein buntbewegtes 
Bild. Da der Tag für die Arbeit freigegeben war, so traf man 
sämmtliche Aussteller mit ihren Beschäftigten, alle Handwerker ete. 
in eifriger Thätigkeit. Ueber dies hatte das herrliche Wetter ein 
nach vielen Tausenden zählendes Publikum nach Treptow gelockt; 
wer im glücklichen Besitze einer Zutrittskarte war, wurde von der 
die Ausstellung im Gcsammtumkrcis umdrängenden Menge beneidet. 
Im grossen Industriepalast wiederhaben die Wände von den wuch 
tigen Hammerschlägen, es wurde gesägt und gefeilt, dazwischen er 
tönte ein Liedchen zum Zeitvertreib oder lustiges Pfeifen; der Kuppel 
saal war unablässig erfüllt von einer wie verzückt zur Decke starrenden 
Menge; im Hauptrestaurant schossen die Kellner hin und her, dort 
wurde schon kräftigst getafelt; im Münchener Bürgerbräu konnten 
die neu angekommenen bayerischen »Heben« gleich ihre gerühmte 
Tüchtigkeit erproben; Haus und Terrasse waren dicht besetzt. Eben 
so lebhaft ging es in der Victoria-Brauerei zu. Auch im »Nassen 
Viereck« ging es hoch her; Siechen’s und Habel’s Brauereien, 
Bodega und Cafe Wadzeck hatten schon eröffnet und sahen zahl 
reiche Gäste. Gegen y 2 5 Uhr, als sich der Himmel schwarz umzog, 
dev Wind mächtige Staubwolken emporwirbelte und bald grosse 
Tropfen niederklatschten, schien die Freude ein vorzeitiges Ende zu 
finden; aber bald klärte sich der Himmel wieder, und nach 5 Uhr 
war der Andrang der Aussteller und Restaurateure vor dem Haupt 
eingange noch so stark, dass im fröhlichen Eifer die bereits 
um V 2 5 Uhr geschlossenen Pforten eingedrückt wurden und sich 
eine huudertköpfige, arbeitseifrige Schaar durch die Breschen des 
Bretterzauns in den Ausstellungspark ergoss. Noch nach 8 Uhr 
herrschte eine überaus rege Thäthigkeit. — 
V 
Die Ausübung der Polizei auf dem Ausstellungsplatze 
und dessen Umgebung liegt iii erster Linie dem Amtsvorsteber von 
Treptow ob, das Berliner Polizeipräsidium ist darum nur in 
einigen Beziehungen direct betheiligt. Der Polizei-Präsident von Berlin 
übt als Commissar des Ministers die veterinärpolizeilichen Functionen 
für das ganze Gebiet der Ausstellung aus. Die Strom- und Seliiff- 
fakrtspolizei auf den in Frage kommenden Theilen der Spree, die 
auch sonst bereits zum Theil in den Händen des Polizei-Präsidenten 
von Berlin lag, wird in erweitertem Umfange während der Ausstellungs 
zeit von ihm wahrgenommen werden und sich insbesondere auf die ge 
summte strompolizeiliche Aufsicht, den Betrieb der Personen-Dampf- 
schifffahrt und die Laudungs- und Abfahrtsstellcn in Treptow richten. 
— Zur Wahrnehmung des eigentlichen polizeilichen Exccutivdienstes 
hat der Polizeipräsident von Berlin während der Dauer der Aus 
stellung 2 Officicre, 3 Wachtmeister und 42 Schutzmänner nach 
dem Amtsbezirk Treptow abcommandirt, denen der Aufsiclitsdienst 
auf der Treptower Chaussee und der Coepenicker Landstrasse, westlich 
des Bahnkörpers der Ringbahn, und auf dem Bahnhof Treptow 
obliegt. Für dieses Commando ist auf dem eiscnbahnfispalischen 
Gebäude ein provisorisches . Wachgebäude eingerichtet worden.' 
Ausserdem wird zur Abwehr von gewerbsmässigen Verbrechern und 
von Prostituirten die erforderliche Anzahl von Berliner Criminal- 
und Sitten-Polizeibeamten auf dem Ausstellungsgelände dienstlich 
thätig sein. 
S 
Kassen und Billetverkauf. Für das Ausstellungsgelände 
sind im Ganzen sieben Kassen stellen errichtet. Als Haupteingang 
wird derjenige von der Treptower Chaussee aus betrachtet hei, 
welchem sechs Kassengebäude mit zwölf Schaltern aufgcstells sind. 
Der zweite Haupteingang gegenüber dem Ausstellungsbahnhof am 
Coepenicker Weg, hat vier Kassengebäude mit acht Verkaufsstellen; 
die übrigen fünf Eingänge, am Coepenicker Weg, Parkallee und 
Treptower Chaussee (Treptower Seite) hat je ein Kasscngebäude mit 
zwei Verkaufsstellen. — Im Einverständnis mit dem Arbeitsaus-, 
schuss hat das Betriebsamt der Stadt- und Ringbahn den Verkauf 
von Eintrittskarten zur Ausstellung übernommen und am Montag 
bereits 300 000 Billets erhalten. Die Eintrittskarten werden an 
den Schaltern der Stadt- und Ringbahnhöfc verkauft werden. Auch 
die Dampfergescllschaften haben sich zur Uebernahme des Vertriebes 
der Eintrittskarten bereit erklärt, und es werden selche an den 
sämmtlichen Fahrscheinverkäufestellen abgegeben Personen, welche 
die Ausstellung besuchen-und hei der Fahrt einen Dampfer benutzen, 
müssen unbedingt schon vorher im Besitz von Eintrittsharten sein,
	        
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