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Volume Nr. 2, 8. Februar 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Offieielle Aüsstellungs - Nachrichten. 
(Gartenbau) Leistungen ausweisen wird, welche diese Abtheilung 
zu einem der Glanzpunkte der Ausstellung machen. Zwanzig eng 
gedruckte Seiten einer Broschüre füllt das Programm der Gartcn- 
ban Ausstellung, welche sich vor allen anderen jemals irgendwo 
veranstalteten Gartenbau-Ausstellungen dadurch auszeichnet, das; 
die Prodnetc länger als ein Jahr vor Beginn der Ausstellung 
auf dem Terrain derselben angepflanzt werden konnten. Für den 
Freund schöner Blumen und Gewächse, für die Gärtner und 
Gartenliebhabcr, für alle Naturfreunde tvird die Gartenban- 
Ansstcllnng in der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1890 allein 
eine Reise nach Berlin lohnend machen. Dauer-Ausstellungen 
von Topfpflanzen, Frcilaud-Pflanzcn, Baumschnl-Erzcügnisfeu, 
Obst und Obstproductcn, Gemüsen, Blumenzwiebeln und Samen 
tvcrdcn in der Gartenbau-Ausstellung neben „zeitweiligen Aus 
stellungen" zu finden sein, welch' letztere wöchentlich und monatlich, 
je nach der Jahreszeit, ihre Prodnetc wechseln und den Triumph 
der Arbeit und des Fleißes über den märkischen Sand darstellen 
tvcrdcn. Das; auch die Untergruppen Binderei lind Arrangements 
ans Blumen, Landschaftsgärtucrci und Dekorationen bei den groß- 
artigcn Leistungen, die Berlin auf diesem Gebiete auszuweisen hat, 
Vorzügliches bringen werden, ist sicher. Auch die wissenschaftliche 
Abtheilung wird sehr gut beschickt sein, da nach dem Programm 
AnsstellinigSgcgcnständc wissenschaftlichen Charakters auf besonderen 
Antrag beim Grnppenvorsitzcndcn von der Platzmiethe befreit 
tvcrdcn. 
Die Gruppe XXII hat über 100 Aussteller und 60 000 
Quadratmeter Ausstellungsraum im Freien nördlich vom „Neuen 
Sec". Es kommen dazu drei Gartcuhallcn in der Nähe der 
Mariueschauspicle mit 500 Quadratmetern und sechs Gewächs- 
hüuser mit 780 Quadratmeter Fläche. Von größeren Ausstellern 
in dieser Gruppe sind zu nennen Oekonomicrath Späth in Banin- 
schulcntvcg (Vorsitzender der Gruppe). Diese Firma hat allein 
10 000 Quadratm-fier Raum belegt. Sie hat ebenso wie alle 
anderen größeren Aussteller die Anpflanzung schon im Frühjahr 
1895 begonnen und stellt aus: einen Obstgarten mit Laubengang 
von Obstbänmcn, eine größere Gruppe Conifcren, Rosen- (Par 
terre und hochstämmige Rosen), Allcebänmc, Schlinggewächse, 
Ziersträucher, Bccrcnobst und eine kleine Baumschule. An diese 
Ausstellung schließt sich die von Görms in Potsdam und von 
Buutzcl in Nicderschönwcidc, welche in einem Rosengarten Tausende 
von Rosen angcpflangt haben. Es folgen Koch u. Rohlfs mit 
Landschaftsgärtncrci, Hranitzki mit einer Baumschule von Conifcren 
und Obstbänmcn, Wrcdow neben Wcndt(Hasenhaide) mit Landschafto- 
gürtncrci. Körner ans Steglitz errichtet einen Lawn-Tcunis-Platz mit 
gärtnenischen Anlagen. In den letzten Tagen ist beschlossen 
worden, die Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Garten 
baues in den preußischen Staaten, des Verbandes deutscher 
Handelsgärtner und den Verein Deutscher Gartenkünstler zur 
Ausstellung zuzulassen, auch wenn deren Mitglieder nicht in Ber 
lin tvohncn. Es sind infolgedessen bis jetzt schon 30 Anmel 
dung c u v o n a u ß e r h a l b eingegangen, und die Zahl der 
selben dürste sich noch bedeutend vermehren. Diesen Ausstellern 
ans dem Reich wird ein besonderer Platz, getrennt von der Ber 
liner Gartenbau-Ausstellung, zugewiesen. Die auswärtigen Ans- 
steller können mit dem Platz sehr zufrieden sein; denn ihre Pro- 
dnctc sollen rings um den „Neuen See" herum als Decorations- 
stücke Aufstellung finden. Man erwartet von diesen Ausstellern 
vor Allem die Ausstellung blühender Pflanzen, tvelche zu reiz 
vollen Gruppe» vereinigt werden und eine großartige Staffage 
der User des „Neuen Sees" bilden werden. — Der Berliner Ge 
müsebau ist verhältnißmäßig schwach vertreten. Fünf Aussteller 
tvcrdcn Champignon-Züchterci im Betriebe zeigen. Indeß ist zu 
erlvartcn, das; noch andere Gärtnereien, tvelche speciell den Ge 
müsebau cultiviren, sich an der Ausstellung bethciligen tvcrdcn. 
Anmeldungen für die Gartenbau Ausstellung 
tv e r d e u fortdauernd von der Gruppe c u t g e g c u - 
genommen. Bei der Eröffnung am I. Mai werden blühende 
Azaleen, Magnolien und Rhododendrocn hauptsächlich den Blnmcn- 
schmnck der großartigen Ausstellung bilden. 
A. Oskar K1 a u s s m a n n. 
Die Verkehrsmittel der Ausstellung. 
(Hierzu der V e rk c h r s p l an auf der vierten Seite des 
U in s ch l a g s.) 
Von den Verlehrsmitteln zur Ausstellung konuueu vor Allem in 
Betracht: Die Pferdeeisenbahu, die elektrische Bahn von Siemens und 
Halske, die Stadt- und Ringbahn, die Berlin-Görlitzer Bahn, die Spree- 
dampffchifffahrt, die Omnibnsgesellschaften und die Droschken. 
Die Berliner Pferdeeisenbahn richtet zwei elektrische 
Linien nach der Ausstellung ein, welche bereits im Ban begriffen sind. 
Die eine führt vom Dönhoffplatz durch die Ritterstraße mit einer Ab 
zweigung nach der Reichenbergerstraße und Glogauerstraße. Die zweite 
elektrische Linie der Pferdebahn geht vom Zoologischen Garten durch die 
Kurfürsten-, Maaßenstraße, die Bülow- und Aorkstraße, über die Belle- 
Alliance-Brücke, die Gitschiner-nnd Skali.. rstraße entlang bis zum Haupt- 
portal der Gewerbeausstellung; die beiden Linien erhalten oberirdische 
Straßenzuleitung ; in der Rahe von Kirchen und an besonders schwierigen 
Stellen, z. B. in der Nähe des Halleschen Thors resp. der Bellealliancc- 
Brücke, erfolgt unterirdische Zuleitung. Die elektrischen Züge 
der Pferdebahn werden aus zwei Wagen bestehen, von denen 
der erste 31, der zweite 80 Personen aufnehmen kann. Es soll 
Minutenverkehr unterhalten werden. Das Fahrgeld wird nach dem ge- 
ivöhulichen Tarif der Pferdeeisenbahn berechnet. Die elektrischen Linien 
fahren durch das Hanptportal ungefähr 100 m in die Ausstellung 
hinein, hier legen die Wagen um und fahren ohne Aufenthalt zurück. 
Bon Pferdebahnlinicn mit Pfcrdebetrieb find für den Ausstellungs- 
verkehr besonders wichtig die vom Spittelmarkt, vom Bahnhof Friedrich- 
straße und von der Großgörschenstraße ausgehenden. Alle Linien, die 
bisher am Schlesischen Thor endeten, werden bis zur Ausstellung ver 
längert. Die Ausstellungs-Haltestelle der Pferdebahn befindet sich am 
Städtischen Steindepot an der Spree. Es wird eine Abfahrtsanlnge 
mit vierfacher Auskrenzung gebaut. Da Steigungen nicht zu über 
winden sind, werden auf diesen Pferdebahnlinien fast ausschließlich 
Berdeckwagen verkehren, welche 50 Personen auf einmal befördern können. 
Die elektrische Eisenbahn von Siemens u. Halske 
geht von der Behrenstraße aus und mündet vor der Aus 
stellung nicht in die Treptower Chaussee, sondern in die 
Köpenicker Landstraße ein. Der Betriebs - Bahnhof dieser Bahn 
befindet sich südlich voin Vergnügungspark. Die Linie wird durch die 
Parkallee bis zur Treptower Chaussee durchgeführt. Ueber Fahrpreise, 
Fahrpläne u. s. w. ist von der Firma Siemens u. Halste bis jetzt noch 
nichts zu erfahren. 
Die Eisenbahn-Ringbahn erhält ein drittes und 
viertes Geleis, welches vom Potsdamer Bahnhof bis zum Bahnhof 
Treptow führt und lediglich dem Verkehr der Ausstellungszüge dienen 
wird. Vom Bahnhof Treptow führt eine besondere Abzweigung hin 
unter nach dem Ausstellungshahuhof, der au der Südostecke der Special- 
ausstcllung Kairo liegt. Die Umbauten auf den Bahnhöfen Potsdamer 
Bahnhof, Tempelhof, Stralau-Rnmmelsburg und Treptow sind in 
vollem Gange und werden rechtzeitig fertiggestellt werden. Die ver 
ursachten Kosten betragen 4 Millionen Mark. Die Tarife und Fahr 
pläne für die besonderen Ausstellungszüge unterliegen augenblicklich, 
wie uns d i e E i s e n b a h n d i r e c t i o n Berlin mit 
theilt, der Genehmigung des Ministers. , Wir hoffen in nächster 
Zeit Genaueres und Authentisches über den Betrieb auf der Ringbahn, 
speciell der Ausstellungsbahn, unsern Lesern mittheilen zu können. — 
Wie bekannt, wird die Stadtbahn vom 1. Mai ab ihren Verkehr bis 
2 Uhr Nachts aufrecht erhalten, und wird auch die Ringbahn von 
Treptow aus, wenn Bedarf vorhanden ist, also besonders an Sonntagen, 
auch noch nach 2 Uhr Nachts Extrazüge ablassen. Für den Osten 
Berlins wird der Gorliher Bahnhof ein wichtiger Ausgangspunkt zur 
Beförderung von Besuchern nach der Ausstellung sein. Es sind hier 
Vorkehrungen getrosten, uni täglich 100 000 Menschen hin und zurück 
zu befördern. 
Die Omnibnsgesellschaften haben jetzt schon ihre 
Pferdebestände complctirt und werden ihre nach dem Osten führenden 
Linien bis zur Ausstellung verlängern. 
Auch die Droschken Berlins, besonders die Zeitmesser, werden 
vermehrt. Wie verlautet, sollen auch besonders luxuriöse Droschken 
mit Gnmmirädern und elektrischer Beleuchtung im Innern in den 
Dienst gestellt werden. Es hat sich ferner eine Gesellschaft gebildet, 
welche raai- coachcs vom Centrum der Stadt nach der Ausstellung 
gehen lasse» will. Für die Droschken ist ein Halteplatz westlich von 
der Ringbahn und südlich von der Treptower Chaussee vorgesehen. 
Ans diesem Halteplatz wird jetzt schon eine Gastwirthschaft für die 
Kutscher und eine Ausspannung errichtet. Letztere ist so groß angelegt, 
daß gleichzeitig 500 Wagen dort halten können. 
Der Dampferverkehr ans der Spree wird großartige Dimen 
sionen annehmen. Der Magistrat beabsichtigt, eine öffentliche Dampfer- 
Anlegestelle am linken Ufer der Spree oberhalb der Waisenbrücke zu 
errichten. Ferner ist die Erbauung einer Dampfer-Anlegestelle am 
Gröben-Ufer in der Nähe der Oberbaum-Brücke in's Auge gefaßt. 
Die Dampfer-Gesellschaft „Stern" hat neue, gewaltige Dampfer zur 
Personenbeförderung bestellt. Die Motor-Gesellschaft errichtet eine 
besondere Dampfer-Anlegestelle am städtischen Steindepot an der Ring 
bahn in Treptow. Sic hat ferner drei Anlegestellen am Spree-Ufer, an 
der Nordseite der Ausstellung. Hier werden auch Slnlegestellen für die
	        
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