Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Offieielle Aüsstellungs - Nachrichten.
(Gartenbau) Leistungen ausweisen wird, welche diese Abtheilung
zu einem der Glanzpunkte der Ausstellung machen. Zwanzig eng
gedruckte Seiten einer Broschüre füllt das Programm der Gartcn-
ban Ausstellung, welche sich vor allen anderen jemals irgendwo
veranstalteten Gartenbau-Ausstellungen dadurch auszeichnet, das;
die Prodnetc länger als ein Jahr vor Beginn der Ausstellung
auf dem Terrain derselben angepflanzt werden konnten. Für den
Freund schöner Blumen und Gewächse, für die Gärtner und
Gartenliebhabcr, für alle Naturfreunde tvird die Gartenban-
Ansstcllnng in der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1890 allein
eine Reise nach Berlin lohnend machen. Dauer-Ausstellungen
von Topfpflanzen, Frcilaud-Pflanzcn, Baumschnl-Erzcügnisfeu,
Obst und Obstproductcn, Gemüsen, Blumenzwiebeln und Samen
tvcrdcn in der Gartenbau-Ausstellung neben „zeitweiligen Aus
stellungen" zu finden sein, welch' letztere wöchentlich und monatlich,
je nach der Jahreszeit, ihre Prodnetc wechseln und den Triumph
der Arbeit und des Fleißes über den märkischen Sand darstellen
tvcrdcn. Das; auch die Untergruppen Binderei lind Arrangements
ans Blumen, Landschaftsgärtucrci und Dekorationen bei den groß-
artigcn Leistungen, die Berlin auf diesem Gebiete auszuweisen hat,
Vorzügliches bringen werden, ist sicher. Auch die wissenschaftliche
Abtheilung wird sehr gut beschickt sein, da nach dem Programm
AnsstellinigSgcgcnständc wissenschaftlichen Charakters auf besonderen
Antrag beim Grnppenvorsitzcndcn von der Platzmiethe befreit
tvcrdcn.
Die Gruppe XXII hat über 100 Aussteller und 60 000
Quadratmeter Ausstellungsraum im Freien nördlich vom „Neuen
Sec". Es kommen dazu drei Gartcuhallcn in der Nähe der
Mariueschauspicle mit 500 Quadratmetern und sechs Gewächs-
hüuser mit 780 Quadratmeter Fläche. Von größeren Ausstellern
in dieser Gruppe sind zu nennen Oekonomicrath Späth in Banin-
schulcntvcg (Vorsitzender der Gruppe). Diese Firma hat allein
10 000 Quadratm-fier Raum belegt. Sie hat ebenso wie alle
anderen größeren Aussteller die Anpflanzung schon im Frühjahr
1895 begonnen und stellt aus: einen Obstgarten mit Laubengang
von Obstbänmcn, eine größere Gruppe Conifcren, Rosen- (Par
terre und hochstämmige Rosen), Allcebänmc, Schlinggewächse,
Ziersträucher, Bccrcnobst und eine kleine Baumschule. An diese
Ausstellung schließt sich die von Görms in Potsdam und von
Buutzcl in Nicderschönwcidc, welche in einem Rosengarten Tausende
von Rosen angcpflangt haben. Es folgen Koch u. Rohlfs mit
Landschaftsgärtncrci, Hranitzki mit einer Baumschule von Conifcren
und Obstbänmcn, Wrcdow neben Wcndt(Hasenhaide) mit Landschafto-
gürtncrci. Körner ans Steglitz errichtet einen Lawn-Tcunis-Platz mit
gärtnenischen Anlagen. In den letzten Tagen ist beschlossen
worden, die Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Garten
baues in den preußischen Staaten, des Verbandes deutscher
Handelsgärtner und den Verein Deutscher Gartenkünstler zur
Ausstellung zuzulassen, auch wenn deren Mitglieder nicht in Ber
lin tvohncn. Es sind infolgedessen bis jetzt schon 30 Anmel
dung c u v o n a u ß e r h a l b eingegangen, und die Zahl der
selben dürste sich noch bedeutend vermehren. Diesen Ausstellern
ans dem Reich wird ein besonderer Platz, getrennt von der Ber
liner Gartenbau-Ausstellung, zugewiesen. Die auswärtigen Ans-
steller können mit dem Platz sehr zufrieden sein; denn ihre Pro-
dnctc sollen rings um den „Neuen See" herum als Decorations-
stücke Aufstellung finden. Man erwartet von diesen Ausstellern
vor Allem die Ausstellung blühender Pflanzen, tvelche zu reiz
vollen Gruppe» vereinigt werden und eine großartige Staffage
der User des „Neuen Sees" bilden werden. — Der Berliner Ge
müsebau ist verhältnißmäßig schwach vertreten. Fünf Aussteller
tvcrdcn Champignon-Züchterci im Betriebe zeigen. Indeß ist zu
erlvartcn, das; noch andere Gärtnereien, tvelche speciell den Ge
müsebau cultiviren, sich an der Ausstellung bethciligen tvcrdcn.
Anmeldungen für die Gartenbau Ausstellung
tv e r d e u fortdauernd von der Gruppe c u t g e g c u -
genommen. Bei der Eröffnung am I. Mai werden blühende
Azaleen, Magnolien und Rhododendrocn hauptsächlich den Blnmcn-
schmnck der großartigen Ausstellung bilden.
A. Oskar K1 a u s s m a n n.
Die Verkehrsmittel der Ausstellung.
(Hierzu der V e rk c h r s p l an auf der vierten Seite des
U in s ch l a g s.)
Von den Verlehrsmitteln zur Ausstellung konuueu vor Allem in
Betracht: Die Pferdeeisenbahu, die elektrische Bahn von Siemens und
Halske, die Stadt- und Ringbahn, die Berlin-Görlitzer Bahn, die Spree-
dampffchifffahrt, die Omnibnsgesellschaften und die Droschken.
Die Berliner Pferdeeisenbahn richtet zwei elektrische
Linien nach der Ausstellung ein, welche bereits im Ban begriffen sind.
Die eine führt vom Dönhoffplatz durch die Ritterstraße mit einer Ab
zweigung nach der Reichenbergerstraße und Glogauerstraße. Die zweite
elektrische Linie der Pferdebahn geht vom Zoologischen Garten durch die
Kurfürsten-, Maaßenstraße, die Bülow- und Aorkstraße, über die Belle-
Alliance-Brücke, die Gitschiner-nnd Skali.. rstraße entlang bis zum Haupt-
portal der Gewerbeausstellung; die beiden Linien erhalten oberirdische
Straßenzuleitung ; in der Rahe von Kirchen und an besonders schwierigen
Stellen, z. B. in der Nähe des Halleschen Thors resp. der Bellealliancc-
Brücke, erfolgt unterirdische Zuleitung. Die elektrischen Züge
der Pferdebahn werden aus zwei Wagen bestehen, von denen
der erste 31, der zweite 80 Personen aufnehmen kann. Es soll
Minutenverkehr unterhalten werden. Das Fahrgeld wird nach dem ge-
ivöhulichen Tarif der Pferdeeisenbahn berechnet. Die elektrischen Linien
fahren durch das Hanptportal ungefähr 100 m in die Ausstellung
hinein, hier legen die Wagen um und fahren ohne Aufenthalt zurück.
Bon Pferdebahnlinicn mit Pfcrdebetrieb find für den Ausstellungs-
verkehr besonders wichtig die vom Spittelmarkt, vom Bahnhof Friedrich-
straße und von der Großgörschenstraße ausgehenden. Alle Linien, die
bisher am Schlesischen Thor endeten, werden bis zur Ausstellung ver
längert. Die Ausstellungs-Haltestelle der Pferdebahn befindet sich am
Städtischen Steindepot an der Spree. Es wird eine Abfahrtsanlnge
mit vierfacher Auskrenzung gebaut. Da Steigungen nicht zu über
winden sind, werden auf diesen Pferdebahnlinien fast ausschließlich
Berdeckwagen verkehren, welche 50 Personen auf einmal befördern können.
Die elektrische Eisenbahn von Siemens u. Halske
geht von der Behrenstraße aus und mündet vor der Aus
stellung nicht in die Treptower Chaussee, sondern in die
Köpenicker Landstraße ein. Der Betriebs - Bahnhof dieser Bahn
befindet sich südlich voin Vergnügungspark. Die Linie wird durch die
Parkallee bis zur Treptower Chaussee durchgeführt. Ueber Fahrpreise,
Fahrpläne u. s. w. ist von der Firma Siemens u. Halste bis jetzt noch
nichts zu erfahren.
Die Eisenbahn-Ringbahn erhält ein drittes und
viertes Geleis, welches vom Potsdamer Bahnhof bis zum Bahnhof
Treptow führt und lediglich dem Verkehr der Ausstellungszüge dienen
wird. Vom Bahnhof Treptow führt eine besondere Abzweigung hin
unter nach dem Ausstellungshahuhof, der au der Südostecke der Special-
ausstcllung Kairo liegt. Die Umbauten auf den Bahnhöfen Potsdamer
Bahnhof, Tempelhof, Stralau-Rnmmelsburg und Treptow sind in
vollem Gange und werden rechtzeitig fertiggestellt werden. Die ver
ursachten Kosten betragen 4 Millionen Mark. Die Tarife und Fahr
pläne für die besonderen Ausstellungszüge unterliegen augenblicklich,
wie uns d i e E i s e n b a h n d i r e c t i o n Berlin mit
theilt, der Genehmigung des Ministers. , Wir hoffen in nächster
Zeit Genaueres und Authentisches über den Betrieb auf der Ringbahn,
speciell der Ausstellungsbahn, unsern Lesern mittheilen zu können. —
Wie bekannt, wird die Stadtbahn vom 1. Mai ab ihren Verkehr bis
2 Uhr Nachts aufrecht erhalten, und wird auch die Ringbahn von
Treptow aus, wenn Bedarf vorhanden ist, also besonders an Sonntagen,
auch noch nach 2 Uhr Nachts Extrazüge ablassen. Für den Osten
Berlins wird der Gorliher Bahnhof ein wichtiger Ausgangspunkt zur
Beförderung von Besuchern nach der Ausstellung sein. Es sind hier
Vorkehrungen getrosten, uni täglich 100 000 Menschen hin und zurück
zu befördern.
Die Omnibnsgesellschaften haben jetzt schon ihre
Pferdebestände complctirt und werden ihre nach dem Osten führenden
Linien bis zur Ausstellung verlängern.
Auch die Droschken Berlins, besonders die Zeitmesser, werden
vermehrt. Wie verlautet, sollen auch besonders luxuriöse Droschken
mit Gnmmirädern und elektrischer Beleuchtung im Innern in den
Dienst gestellt werden. Es hat sich ferner eine Gesellschaft gebildet,
welche raai- coachcs vom Centrum der Stadt nach der Ausstellung
gehen lasse» will. Für die Droschken ist ein Halteplatz westlich von
der Ringbahn und südlich von der Treptower Chaussee vorgesehen.
Ans diesem Halteplatz wird jetzt schon eine Gastwirthschaft für die
Kutscher und eine Ausspannung errichtet. Letztere ist so groß angelegt,
daß gleichzeitig 500 Wagen dort halten können.
Der Dampferverkehr ans der Spree wird großartige Dimen
sionen annehmen. Der Magistrat beabsichtigt, eine öffentliche Dampfer-
Anlegestelle am linken Ufer der Spree oberhalb der Waisenbrücke zu
errichten. Ferner ist die Erbauung einer Dampfer-Anlegestelle am
Gröben-Ufer in der Nähe der Oberbaum-Brücke in's Auge gefaßt.
Die Dampfer-Gesellschaft „Stern" hat neue, gewaltige Dampfer zur
Personenbeförderung bestellt. Die Motor-Gesellschaft errichtet eine
besondere Dampfer-Anlegestelle am städtischen Steindepot an der Ring
bahn in Treptow. Sic hat ferner drei Anlegestellen am Spree-Ufer, an
der Nordseite der Ausstellung. Hier werden auch Slnlegestellen für die
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