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Periodical volume Nr. 146, 10. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

io Usficielle Ausstellungs- Nachrichten. 
tunken kineinzuflechteii, dass er bei allen Zuhörern, auch 
bei denen, welche den ersten Vortrag gehört hatten, die leb 
hafteste Aufmerksamkeit erweckte. 
Im Vergleich zvi den fischreichen Strömen in (Kalifornien 
•und im Innern Asiens — so etwa führte der Vortragende 
uns —- hat Deutschland niemals einen übermässigen Reich 
thum an Fischen besessen. Unsere Ströme waren in früheren 
Zeiten die einzige brauchbare Fahrstrasse, deren sich der 
Mensch zu Ansiedelungs- und gewerblichen Zwecken be 
mächtigt hat. Der heftigste Feind der Fische ist und bleibt 
der Mensch, der ohne Wahl die Fische fängt, wo immer er 
ihrer habhaft werden kann, und so am meisten zu ihrer Ver 
minderung beiträgt. Mit der fortgesetzten Regulirung der 
Wasserstrassen werden gleichzeitig die besten Laichstellen 
der Flussbewohner zerstört, der Pflanzenreichthum an den 
Ufern wurde vernichtet und damit den Fischen die Haupt 
nahrung entzogen. Auch die Industrie trat störend da 
zwischen; sie legte Mühlen, Turbinen und Wehre an und 
fügte namentlich durch die Verunreinigung des Wassers mit 
löslichen und unlöslichen Stoffen den Fischen und ihrer 
Fisch,Vermehrung grossen Schaden zu. Die löslichen Stoffe, 
die das blosse Auge nicht zu entdecken vermag, können direct 
zu einer Vergiftung des Wassers führen, so dass dadurch den 
Fischen Tod und Verderben droht. Die unlöslichen Stoffe 
dagegen tragen zu einer allgemeinen Trübung des Wassers 
l>ei, und die trübenden Bestandtheile setzen sich in die 
Kiemen der Fische, verhindern häufig den Process des Ath- 
mens und führen so zum Erstickungstod der Thiere. Eine 
noch grössere Gefahr erwächst aus den farbigen SubVmzen, 
welche viele Industrieen den Flüssen zuführen. Aber zum 
Glück sorgt die Natur in diesem Falle selbst für die Reini 
gung des Wassers, da gerade diese fauligen. Substanzen von 
einer gewissen Sorte von Bakterien als Nahrung aufgenom 
men und somit dem Wasser entzogen werden. 
Die zunehmende Bevölkerung führte aber auch zur 
Trockenlegung von Sümpfen und vor allem durch eine ge 
regelte Landwirthschaft zur Entwaldung des Landes und da 
mit zum theilweisen Versiegen von früher wasserreichen Zu 
flüssen. Durch die Austrocknung der Sümpfe gingen wieder 
zahllose gute La ich,stellen verloren, und die Abholzung der 
Wälder führte einen zeitweisen Wassermangel in den Bächen 
und eine reissende Stromkraft in den Flüssen herbei, was 
wiederum zur Zerstörung des Fischbestandes und namentlich 
der jungen Brut beitrug. Die verminderte Wassermenge 
hatte eine \ erflachung der Gewässer im Gefolge, und daraus 
ergab sich die Nothwendigkeit einer Vertiefung der Fahr 
rinne, die Herstellung des Ideals aller Wasserbautechniker, 
der Schifffahrtsrinne mit vielfach, sogar durch Mauerwerk 
befestigtem Ufer, die Entfernung vonSchilf und anderen Ufer- 
pflänzen, als nothwendigen Requisiten für Ablage und An 
haftung des Laiches. Viele Fische freilich laichen gar nicht, 
wenn ihnen die Ablagestellen für ihre Fortpflanzungspro- 
ducte entzogen werden. Sie resorbiren ihre Eier wieder, ge 
deihen im kehligen, wenn sie die erforderliche Nahrung ha 
ben. Aber diese Nahrung ist in demselben Sinne abhängig 
von flachen, sieh stark erwärmenden, ruhig fliessenden oder 
stagnirenden Uferstellen mit dem erforderlichen Pflanzen 
wuchs. In rasch fliessenden Gewässern kann die Fi sch na h- 
rung nicht gedeili.cn, muss also die Zahl der Fische naturge- 
miiss abnehmen, auch wenn der Mensch bei steigender Be 
völkerungsziffer nicht, gleichzeitig den Fischen stärker nach 
stellt, ab für seinen Nahrungsbedarf nothwendig ist. An je 
dem Y\ asserlauf finden sich aber immer noch Stellen zur Ver 
mehrung der Friedfische, d. h. derjenigen Fische, welche auf 
die Kleinfauna des Wassers angewiesen sind, Stellen, die 
auch als Laichplätze zur Erhaltung der betreffenden Arten 
von grösster Wichtigkeit sind. 
Da alle die genannten Factoren auf eine Verminderung 
der Fischbestände hinwirken, ist es eine für die gesummte 
iVolkswirthschaff hochbedeutsame Frage, wie diesem Uebel- 
stande abzuhelfen und im Gegentheil für eine Vermehrung 
der Fischbestände gesorgt werden kann. Um zunächst 
Wie vorher erwähnten Schädigungen, welche aus den ver 
schiedensten Industrieen unseren Flussfischen erwachsen, 
abzuwenden, ist es nothwendig, Mittel und Wege zu finden, 
um mit Hilfe der Chemie die Abwässer zu reinigen, was bei 
einigermaassen ausreichenden Mitteln ohne allzugrosse Mühe 
geschehen kann. Die löslichen Bestandtheile, welche durch 
Wasservergiftung den Tod der Fische herbeiführen, können 
in unlösliche und feste Stoffe verwandelt werden und das 
trübe Wasser ist auf Rieselfeldern und Filtern leicht zu 
reinigen. 
Helfend und fördernd aber tritt vor allem die künstliche 
Fischzucht ein, sie ist geeignet, ein gänzliches Aussterben 
der Fische dauernd zu verhindern. Mögen auch nach und 
nach die offenen Ströme für die Fischzucht verloren gehen, so 
wird man immer grössere Aufmerksamkeit den Teichen und 
Seeen zuwenden müssen und in ihnen die Fischzucht rationell 
betreiben. Es liegt somit keine Gefahr vor, dass der Fisch 
jemals aus der Reihe der menschlichen Nahrungsmittel ge 
strichen werden müsste. F. Kz. 
Vom grossen Sportfest. Eine der interessantesten 
Veranstaltungen auf dem Gelände der Ausstellung verspricht während 
der Sportwoche das Fechtturnier in dem eigens dazu hergestellten 
Theater Alt-Berlin zu werden. Bei demselben werden die ersten 
Kräfte aller Waffengattungen um die Meisterschaften von Deutsch 
land kämpfen und wird dem grösseren Publikum dadurch Gelegen 
heit gegeben, derartige Wettkämpfe, die sich sonst nur im engeren 
Kreise abspielen, aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Zu 
dem am 24. d. M. stattfindenden Rennen in Carlshorst hat der 
Verein für Hindernissrennen, wie er dem geschäftsführenden Aus 
schuss des Sportcomite anzeigte, allen activen Theilnehmern an 
dem Sportfest freien Eintritt zum Sattelplatz gewährt. , 
* 
Der gestrige combinirte Marktag war von einem 
Wetter begünstigt, wie es sich der enragirteste Ausflügler nicht 
herrlicher wünschen kann, und er gestaltete sich in Folge dessen, 
gleich dem vorgestrigen Dienstag, zu einem ausserordentlich ertrags 
reichen für die Ausstellung und genussvollen für die Besucher, die 
schon vom frühen Morgen ab in bellen Schaaren in den Park 
strömten, der Sich in sonnengoldiger Herbstseliönheit präsentirte. 
Um die Mittagszeit bereits ergingen sich viele Tausende meist in 
den Sonderaüsstellungen Alt-Berlin, Kairo und der Kolonial-Aus- 
stcllung, wo zeitweise ein solcher Andrang herrschte, dass der Ver 
kehr stockte. In den letzteren beiden erschienen die Vertreter der 
verschiedenen Völkerschaften in. voller Gala und erfreuten sich 
gestern ganz besonders der Sympathie des Publikums, das sie in 
lebhaft bewegten Gruppen umstand, und angelegentlich internierte, 
wobei es hei der mangelhaften Sprachkenntniss der Schwarzen zu 
manch’ heiterer Scene kam. In Alt-Berlin trägt das Leben und 
Treiben stets einen volksfestartigen Charakter; gestern war dies 
mehr denn je der Fall und so herrschte ein solch’ lustiger Trubel, 
dass der stille Beobachter seine helle Freude daran haben konnte. 
Immer neue Schaaren brachten am Nachmittag die zahlreichen Ver 
kehrsgelegenheiten, die gestern wieder brillante Geschäfte machten, 
und gegen Abend war der Andrang von Einheimischen und Frem 
den so gross, dass der Park einen vollständigen Sonntagsanblick 
gewährte. Auch die Restaurants und Schaustellungen des Ver 
gnügungsparks waren stark frequentirt. Gegen G l / 2 Uhr umzog 
sich allerdings der bisher so freundlich dreinschauende Himmel mit 
Wolken und es schien, als ob der leidige Regengott uns wieder 
eine unliebsame Ueberraschung bereiten wollte. Aber der tüchtige 
Regen, den er nach neun Uhr herabsandte, vermochten dem fröh 
lichen Leben und Treiben keinen Eintrag mehr zu thun. 
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