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Volume Nr. 145, 9. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielfa Aussteilunqs - Nachrichten. 
aus. Vor allem ist in dieser Art ein Mantel schön, der von 
buntem gepresstem Plüsch auf schwarzem Grunde hergestellt, 
mit Hermelinfutter geschmückt ist; die Aermel sind von 
braunem Plüsch und so weit, dass dieser Mantel auch als 
Abendmantel über duftigen Toiletten getragen werden kann; 
er ist mit Skunks besetzt. Schliesslich ist der Abendmantel 
eine praktische und beliebte Hülle für den Winter. Seit Ein 
führung dieser Abendmäntel hat sich die Confection gerade 
dieses Bedarfs- und Luxusartikels enorm entwickelt. Die 
sparsame Dame, die es nicht möglich machen kann, Droschke 
oder Taxameter zu fahren, benutzt zu kleineren Gesell 
schaften, Theatern u. s. w. fast stets die Pferdebahn oder sie 
geht zu Fuss, und dazu gehört vor allem der Abendmantel, 
In „Nur ein Preis“ sind ganz wohlfeile Abendmäntel zu 
sehen, in einfachen weichen Wollstoffen mit hübschem Woll- 
steppfutter, Pelerinen u. s. w. ganz wunderhübsch angefer 
tigt,. Maassen, die vereinigten Mäntels,chneider u. s. w. stellen 
ebenfalls sehr solide billigere Sachen aus, die ihren Zweck 
durchaus erfüllen. Man hat sie mit hübschfarbiger Aussen- 
seite, auch wohl oft mit Atlassteppfutter, welches besonders 
in Altgold-Farben sich sehr hübsch macht. Neuerdings 
werden die Mäntel oben mit sehr hübscher Pelerine versehen. 
Diejenigen Abendmäntel, die, ein jedes für sich, den Werth 
eines kleinen Capitals repräsentiren mögen, erregen lauteste 
Bewunderung. Bei Salbacn ist z. B. ein solcher von kost 
barstem lila Seidenplüsch ausgestellt mit Fehrückenfutter 
und Chinchillabesatz, bei Herpich einer von gelbem Seiden 
damast mit Halsstück von gelbem, reich mit Perlen bestick 
tem Sammet, der im Schmucke kostK-re^n sohneeweissen 
Tibetpelzes prangt. Ferner sieht man einen wirklich mär 
chenhaft schönen Mantel dieser Art aus schwarzem, reich mit 
köstlichster bunter Seidenstickerei geschmücktem Seiden 
plüsch ; der grosse fast über die Schultern fallende Kragen, 
der sich vorn herunter in breitem Besatz fortsetzt, ist von 
weissein Tibetpelz. 
So ist für jeden Bedarf gesorgt, für den bescheidenen so 
wohl, wie für denjenigen, der etwas von des Lebens Ueberfluss 
beanspruchen kann. N. v. Brandenburg. 
Treibriemen. 
[Abdruck untersagt-J 
Einer der hervorragendsten Factoren in allen Fabrik- 
Anlagen mit Maschinenbetrieb ist die Uebertrngung der mo 
torischen Kraft der Dampf-, Gas- oder sonstigen Antriebs- 
Maschine auf die Arbeit«- und Werkzeug-Maschinen. Be 
sonders verdienen die Treibriemen Beachtung, da von ihnen 
ein grosser Theil der Betriebs-Sicherheit abhängt. 
Von den aus der Gerberei kommenden Ochsenhäuten 
werden nur die besten zu Kiemen verwendet und von diesen 
wiederum nur die Kernstücke genommen. Natürlich kann 
ein solches Kernlederstück nie eine grosse Länge haben, da 
das Rindvieh nun einmal selten über 2| Meter vom 
vom Kopf bis zum Schwanz zu messen pflegt. Darin dass 
nur solche verhältnissmässig kurze Stücke verwendet wer 
den können, besteht gerade die Schwierigkeit der Treib 
riemen-Herstellung. In den meisten Fällen werden die 
Stück-Enden passend zugeschnitten (abgeschrägt) aufeinan 
der gelegt und unter Zuhilfe na lim e besonderer Maschinen 
mit schmalen, aber festen Lederstreifen vernäht. In anderen 
Fällen wird mit einem besonders präparirten Klebestoff der 
Kiemen zusammengekittet; schliesslich werden zur Befesti 
gung die Nietmethoden verwendet. Alle diese Verbindungs 
Arbeiten müssen mit grösster Sauberkeit und Accuratesse 
vorgenommen werden, da nur so ein gutes, für Transmissions 
zwecke brauchbares Fabrikat gewonnen werden kann. Na 
mentlich müssen die Innenseiten, welche mit den Riemenschei 
ben, jenen an den von der Kraftmaschine in Umdrehung ver 
setzten Achsen befindlichen breiten Eisen, neuerdings auch 
Holzrädern, in directe Berührung kommen, ausserordentlich 
gleichmässig gearbeitet sein und sich möglichst genau an 
schmiegen. Denn die Kiemenkraftübertragung beruht auf 
dem Gesetz der Adhäsion (der Kraft, des Anhaften«); jedes 
einzelne Riementheilchen wird von dem mit ihm in Be 
rührung kommenden Theilchen der Riemenscheibe bei der 
Umdrehung mit fortgerissen und ebenso umgekehrt. Je 
besser der Kiemen nun auf der Scheibe sich anschmiegt, desto 
mehr werden seine Theilchen mitgerissen werden; daraus 
erklärt sich also, dass mit einem guten schmiegsamen 
Riemen eine bedeutend bessere Bewegung«- und Kraftüber 
tragung erzielt und der bei Transmissionen immer vorhan 
dene Kraftverlust bedeutend verringert wird. Man wird also 
bei allen Kiemenlieferungen, um deren Güte zu erkennen, 
darauf zu sehen haben, dass alle Theile, mag der Riemen 
schmal oder breit sein, mit der Antriebsscheibe in gleich 
mässige, eng anschliessende Berührung kommt. 
Dies hat man in neuerer Zeit durch die Herstellung so 
genannter Kettenriemen in vollkommener Weise zu erreichen 
versucht. Diese Riemen bestehen aus lauter kleinen, unge 
fähr 5 cm langen Gliedern, welche mittels eiserner Stifte 
und Bolzen gelenkartig zusammengefügt werden. Derartige 
Treibriemen haben zwar infolge der vorhandenen Unterbre 
chungen nicht eine ebenso grosse Grundfläche — wenn man 
sich so ausdrücken kann — wie die gleichbreiten Vollriemen, 
besitzen aber in ihrer ganzen Fläche eine tadellose Schmieg 
samkeit,; ausserdem lassen sie sich bedeutend leichter auf 
eine grössere, Breite ausdehnen, als dies gewöhnlich der Fall 
ist. Ferner werden noch Baumwolltreibriemen herge 
stellt, welche sich jedoch nicht gut bewährt zu haben 
scheinen, wenn ihnen auch die Erzielung eine nahezu ge 
räuschlosen Betriebes gutgehalten werden muss. Zu erwäh 
nen sind auch die Lederseile, welche zu geringeren Kraft« 
und Bewegungsübertragungen vorzüglich sind. 
Kommen wir nach diesen Einführungen zu den eigent 
lichen Ausstellungsobjecten. Da finden wir in erster Linie 
die in der Treibriemenbranche bereits hinlänglich bekannte 
Fabrik von Franz PretzeT & Co. sowohl in der Maschinenhalle 
als auch in der Gruppe für Lederindustrie. Hier sehen wir 
in mehreren Exemplaren die bereits erwähnten Kettentreib 
riemen. In einer Breite von 80 bis über 500 mm werden 
dieselben in vorzüglicher Arbeit als Specialität hergestellt. 
Bemerkenswerth ist ein Kettenriemen von 280 mm Breite, 
welcher bei einer Centrifugalpumpe der Hoppe’schen Ma 
schinenfabrik arbeitet und bei einem Scheibendurchmesser 
von 300 mm und einer Geschwindigkeit von 780 Umdrehun 
gen 14 000 Liter Wasser pro Minute zu heben hat und diese 
Arbeit spielend leistet. Weiter sind auch die anderen Treib 
riemen dieser Firma Beweise vorzüglicher Leistungsfähigkeit. 
Die Fabrikate sind in origineller Art ausgestellt, indem Treib 
riemen für elektrischen Betrieb in den Breiten von 500 bis 
100 mm radförmig aufgewickelt worden sind. Das Material 
zu dieser Rolle ist aus den Mittelbahnen von 1385 Ochsen- 
häuten — wie der Prospect angiebt — hergestellt. Die 
Länge der aufgerollten Riemen beträgt zusammen 1807 m, 
der- Durchmesser der Rolle beläuft sich auf 3,75 m, während 
der Umfang auf 11,77 m gerechnet wird. Bei einem Gewicht 
von3070kg repräsentirt dieses Ausstellungsobject einen Werth 
von 23 027 Mk. Besonders bemerkenswerth ist ausserdem die 
zum Verbinden zweier aufeinandergelegter Riemen von der 
Firma, welche im Jahre 1881 bereits den nunmehr seit fünf 
zehn Jahren Tag und Nacht ununterbrochen im Betriebe be 
findlichen, grössten Treibriemen der Welt geliefert hat, ver 
wendete sogenannte versenkte Naht; dieselbe zeigt sich 
schlangenlinienförmig quer durch die Riemen und ist an der 
Innenseite eingelassen, so dass jeder grössere Reibungswider 
stand vermieden ist. 
Weiter finden wir die Fabrik von Ferdinand Ziegler 
vertreten, welche sich, wie der Augenschein lehrt, ebenfalls 
durch sehr gute Fabrikate auszeichnet. Sodann kommt die 
namentlich in landwirtkschaftlichen Kreisen allgemein be 
kannte Firma Tennert, sowie Otto Koehsel & Sohn, welche, 
wie in der permanenten Ausstellung der Kgl. Landwirth 
schaft liehen Hochschule so auch hier besondere Anerkennung 
verdienen. Auch Gustav Krantz, Reiche & Schulz, A. Born,
	        
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