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Periodical volume Nr. 144, 8. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
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rühmten Heliogravüren lässt Dittmar Schweitzer jetzt, fünfzig 
Facsimiledrucke nach photographischen Originalaufnahmen 
in elegantem Ganzleinenband erscheinen, dessen Gesammt- 
preis nur zwei Mark beträgt. Es sind vortreffliche neue Auf 
nahmen, ausgezeichnete Reproductionen auf feinem, starkem 
Kunstdruckpapier, in eleganter und gefälliger Ausstattung. 
Diese Vorzüge zu einem so wohlfeilen Preise geboten, 
machen das kleine Prachtwerk höchst empfehlenswerth. Be 
sonders erwähnt mag werden, dass das Album auch eine An 
sicht vom Innern des Mausoleums zu Charlottenburg enthält, 
dessen photographische Aufnahme sonst so schwer erhältlich ist. 
V 
Ein hochinteressantes Werk der Goldschmiede- 
knnst ist seit gestern, allerdings nur auf wenige Tage, in der 
Vitrine des Hofgoldsclnniedes Paul Teige ausgestellt. Es ist das 
grosse Tablett mit Brodkorb und Salznäpfchen, auf welchem dem 
Kaiser Franz Josef von Oesterreich bei seinem bevorstehenden 
Besuch der rumänischen Hauptstadt Bukarest am 28. d. M. nach 
alter Sitte Brod und Salz überreicht wird, worauf die Kunst- 
gegenstände namens der Stadt dem kaiserlichen Gast als Geschenk 
dargebracht werden. Das Service besteht aus massivem, stark ver 
goldetem Silber und ist von Meister Teige nach Motiven einzelner 
Stücke des von ihm in getreuer Nachbildung ausgestellten, berühmten 
Goldsandes von Pietroassa in Rumänien, des Schatzes des ehemaligen 
Westgothenkönigs Atlranarkh (381 n. Chr.) gefertigt. Den Gofdfund 
selbst, der ebenfalls in der Telge’scheh Vitrine ausgestellt ist, haben 
wir bereits ausführlich besprochen. 
ts 
Für Secttrinker und. solche, die es werden möchten, 
muss es ein entzückender Gedanke sein, sich den Inhalt der 
vier grossen Lagerfässer vorzustellen, welche die Fabrik von 
W. Koch im Aufträge der Sectkellerei Schloss Vaux bei Metz 
angefertigt hat. Die jedesmal 70 Hektoliter enthaltenden Ge 
binde sind aus vierzölligen Dauben schmuck und glänzend 
erbaut, in der Gruppe IV zu bewundern. Herr Koch hat auf 
diese in der That musterhafte Leistung denn auch bereits 
ein paar recht angenehme Aufträge von zwei hiesigen 
Brauereien erhalten,. Interessant sind kk r ferner die von der 
Fachschule der Böttcher - Innung ausgestellten Lehrlings 
arbeiten : Barrels, Zuber und sogenannte Ladenfässer. Die 
bunten, mit Schnitzereien gezierten Holzkrüge von Franz 
AVels sind sowohl als Dekorationsstücke wie auch für den 
mannhaften Trinker recht schätzenswerth, aber besonders 
zweckdienlich erscheint ein Butterfass, dessen sinnreiche) 
C'onstruction die sonst so mühevolle Arbeit des Butterns 
selbst einem Kinde möglich macht. Das Fass, welches durch 
seine unmuthige Ausstattung jeder Milchwirthschaft zur 
Zierde gereicht, wird ducli einfache Kurbelbewegung in der 
Daubenrichtung um sich selbst gedreht und ein mit Patent 
schrauben versehenes Guckfensterchen gestattet der Buttern 
den die Kontrole ihrer Arbeit. Uebrigens zeichnen sich auch 
die anderen Arbeiten dieses Ausstellers durch grosse Correct- 
beit und Sauberkeit aus. 
W 
Die Kerkaubande auf der Ausstellung — 
pardon, man könnte da auf ganz sonderbare Vermuthungen 
kommen. Es muss vorausgesagt werden, dass Hugo Kerkau 
der Champion of the World im Serien-Carambolagespiel ist. 
Sein Record von 4285 Points wurde noch nicht überboten. 
Und dabei ist Kerkau ein zwanzigjähriger Mensch! Die 
,,Bande“, um die es sich hier handelt, ist seine patentirte 
Erfindung und wird von der Neuhusen'sehen Billardfabrik 
auf der Ausstellung producirt. Diese Firma, der ihre Lei 
stungsfähigkeit einen Weltruf erworben hat, präsentirt 
ausserdem verschiedene Neuheiten, wie z. B. das Tischbillard, 
ein durch einfachen Hebeldruck von der Billardhöhe zur 
Tischhöhe herabzustellendes Billard, das mit elegant gear 
beiteten Platten überdeckt wird und bis zu einer Tafel für 
30 Personen ausgezogen werden "kann. Eine ähnliche Er 
findung zeigt übrigens auch C. Pitsch, dessen Tischbillard 
ebenfalls durch Hebeldruck in einen allerdings nicht aus 
ziehbaren Speisetisch verwandelt werden kann, nur dass dies 
hier dadurch geschieht, dass die „Platte“ zur Höhe der 
„Bande“ erhoben wird und somit die später aufzulegenden 
Tischplatten überflüssig werden. Eine andere Specialität der 
Firma I. Neuhusen ist ein Spieltisch „Kosmos“, auf dem sich 
sämmtliche Spiele spielen lassen, die ein vernünftiger Mensch 
anständigerweise spielen kann. Durch ein paar Handgriffe 
giebt man dem Tisch leicht das für das beabsichtigte Spiel 
nöthige Exterieur. Ebenso neu als interessant ist das „Me 
teorspiel“, ein Metallaufsatz mit flach zulaufendem Rande 
und runden, kugelartigen Vertiefungen, in welche, nachdem 
man den Aufsatz mitten auf die Platte des Billard gestellt 
hat, die Kugeln hineingebracht werden müssen. Dies Spiel 
ähnelt in gewisser Hinsicht dem bereits älteren und daher 
mehr bekannten Jeu de baraque, welches die Neuhusen’sche 
Billardfabrik gleichfalls ausgestellt hat. Vielleicht wäre, um 
die Utensilien des Billardspieles zu viervollständigen, das 
„Reform-Queue“ noch zu erwähnen, dessen Handgriff (für 
leicht transpirirende Spieler) mit Kork gedeckt ist. Ausser 
dem aber muss auf die geradezu pompöse Ausstattung der 
Neuhusen’sehen Billards hingewiesen werden, von denen das 
eine aus Palisander mit Bronzebeschlägen ein anderes in 
geschnitzter Natureiche an feineren Geschmack fast noch 
überbietet. Ebenfalls in hier sogar vergoldeter Eichen 
holzschnitzerei gehalten und mit dem Portrait des Kaisers 
geschmückt ist das hiernach benannte Kjaiserbillard, welches 
. Schulz ausstellt und bei welchem der Beschauer auch einen, 
Begriff von der eigentlichen „Platte“ erhält; in diesem Falle 
einer sehr klaren Marmorplatte (bei billigen Billarde verwen 
det man gewöhnlich Granit), welche unter dem sie später be 
deckenden grünen Tuche hervorleuchtet. 
9 
Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern. 
(Montag) Morgen 10 Uhr in der Nähe des Hauptportals, wol 
ein Fuhrmann mit einem Wagen der Bierbrauerei von Bier! 
hielt. Beim Herannahen der elektrischen Rundbahn scheute; 
das Pferd heftig und versetzte, seinem Führer einen starken 
Hufschlag gegen das Schienbein, der das Fleisch bis auf den 
Knochen löste und die innere Knochenhaut zerriss. Der Ver 
unglückte wurde zunächst von der Sanitätswache behandelt 
und dann mittels Krankenwagen nach, der Heilanstalt der 
Grauen Schwestern in der Niederwallstrasse gebracht. 
9 
In der Sanitätswache sind in den letzten 24 Stunden 
17 Fälle behandelt worden. — Die Unfallstation wurde innei- 
halb der letzen 48 Stunden in 20 theils leichteren, theils schwereren 
Fällen, darunter einer stärkeren arteriellen Blutung in Anspruch 
genommen. In zwei Fällen wurde der Krankentransportwagen 
requirirt. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
{Weitere Sehenswürdigkeiten werden auf Verlangen in diese Rubrik 
aufgenommen) 
Abgeordneten-Haus, Leipzigerstr. 75. Eintrittskarten parterre, Abds.vorher v. 5 Uhr ab. 
Aquarium, Unter den Linden 68a. 9—7. Wochentags 1 M., Sonntags 50 Pf. 
Kinder die Hälfte. . 
Berg- und Hüttenmuseum, in der Geologischen Landesanstalt, Invalidenstr. 44b 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uhr- 
Berliner Raihhaua, (mit Ausnahme Donnerstags und Freitags) 11—3 Uhr. 
Beuth-Schinkel-Museum, Charlottenburg in der techn- Hochschule. Montags und 
Donnerstags von 10—12 Uhr. 
Bibliothek der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im 
König! Museum für Völkerkunde, Eingang Prinz Albrechtstrassc- Be 
suchszeit von 10—3 Uhr- .... , nr „ 
Bibliothek in der König! Bau-Akademie an der Schleusend rucke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. 
Bibliothek, König!, am Opernplatz- 1—2 Uhr. . 
BibliotheK des Kunstgewerbemuseums, Prinz Albrechtstr. Besuchszeit v. 10—10 UhlV 
Bibliothek der polytechn Gesellschaft, Neue Friedrichstr. 35. 2—3 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr. 9. 9—1 Uhr. 
Botanischer Garten, Potsdamerstr. 75. 8 -12, 2—7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse. Burgstrasse und Kriedriohstrassen-Ecke, 12-2 Uhr, ausser Sonntag. 
Depeschensaal des „Berliner Lokal-Anzeiger“, Unter den Linden 3 Eintritt frei 
Flora-Etablissement. Palmen- n Blumengärten in Charlottenburg. Eintritt 1 Mk. 
Friedrichshain, mit dem Denkmal Friedrichs des Grossen. Platz vor dem Lands 
berger Thor, Ruhestätte der im März 1848 Gebliebenen. 
Königs Institut für Glasmalerei, Charlottenburg. Berlinerstr. 9 (beim Chausseehaus) 
täglich ausser Sonntags von 9—4 Uhr. .. . , 
Königliches Kunstgewerbemuseum, Prinz Albrechtstr. 7. Wochentags mit Ansnamno 
des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. IO—8 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer von 12-6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3, 12—4, 
12—5 Uhr. . . .. «r 
König! Museum, Gemälde, Sculpturen, Antiquarium, Antike Vasen u. Bronzen, 
Egyptisches Museum, Kupferstichsammlung etc Wochentags mit Ausnahme 
d. Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, SonntAgs im 
Sommer v. 12—6 Uhr, im Wint je nach der Jahresz- v. 12—3, 12—4, 12— 5 IJhr.* 
Köniol Porzellan-Manufactur, Wegelystrasse. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 
Freitag. Vorm- bis 12 Uhr.
	        
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