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Periodical volume Nr. 143, 7. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Offieielle Ausstellungs- Nachrichten. 13 
Toilette ihren Schnitt und Charakter nach ihnen einrichten 
mm Sind die Muster, wie hier, sin/uverständig und graziös 
gezeichnet, so mag diese Garnituren-Tyrannei ebenfalls hin 
gehen. In minder strenger Gesetzmässigkeit bewegen sich 
alle anderen, meist sehr zu loberden Muster. Vornehmlich 
die farbigen Guimpen und Bordüren in Schmelz, Jet, Iris- 
Perlen und-Pailletten, sowie in weissen Points auf schwarzem 
Grund gewähren volle Bewegungsfreiheit. Aehnlich in den 
Objecten und von gleicher Trefflichkeit der Ausführung ist 
die Collection von M. Schöneberg, deren Musterfülle noch be 
reichert wird durch Point-Applications-Stoffe und Tülls, die 
zu Blousen- und Taillen-Garnituren verwendet werden, neben 
ergänzenden Passementerieen, wie die „letzte Mode“ ernsthaft 
behauptet. Anders geartet sind die Ausstellungs,-Objecte 
von Max Hausdorff & Co. Offenbar eine Specialität für 
ganz bestimmte Confectionszwecke, vielleicht für die Mützen-, 
Pelz- oder Mädchenmäntel-Confection : Blacks, Ornamente, 
Knöpfe und Bordüren von Soutache-Verschnürung, unter 
setzt mit schmalen weissen oder schwarzen Pelz-Streifchen, 
ergänzt durch Gold- und Silberschnüre, weisse und schwarze 
Perlchen. 
S 
Spanisches Sohr. Bei diesen Worten. — so schreibt 
unser Hy-Mitarbeiter — beschleicht es uns, wie eine düster 
wehmüthige Erinnerung aus den Tagen unserer Kindheit. 
Vielleicht wird es darum dem einen oder anderen eine kleine 
Genugthuung bereiten, wenn er erfährt, dass der sogenannte 
„gelbe Onkel“ keineswegs aus dem stolzen Spanien stammt, 
sondern einfach von China und besonders von der Insel Ma- 
lacca bezogen wird. Fritz Heyn & Co. (in der Gruppe IV 
unserer Ausstellung) heisst die Firma, welche diese chine 
sischen Bohre in grossen Mengen importirt. Allerdings 
werden dieselben nicht nur zur — Erziehung verwandt, son 
dern zum weitaus grösseren Theil bedient sich der Korbma 
cher dieses Materials. Das zu dem Zweck hergerichtete Rohr 
unterscheidet sich in das unter dem Namen „Peddigrohr“ 
in den Handel gebrachte geschälte Rohr und in die unter 
der Bezeichnung „zugerichtetes Chinarohr“ verkaufte Schale 
desselben. Naturell, d. h. ungefärbt, gefärbt, zum Theil so 
gar vergoldet, andererseits auch, wieder lackirt, werden die 
Chinarohre zu ganzen Meublements verflochten, wie sie bei 
spielsweise die Firma F. Ancion & Co. in reicher Auswahl 
und geschmackvollster Ausführung zur Ausstellung gebracht 
hat. Für den Garten, für die Veranda, aber auch für das 
Zimmer eignen sich diese leichten, zierlichen Möbel vorzüg 
lich und zu einer der jetzt so beliebten japanischen Decora- 
tionen würde das aus dunklem Bambusrohr mit vergoldeten 
Knöpfen und Chinamatte hergestellte Meublement derselben 
Firma brillant passen. Ungemein weich, und bequem sind 
die Binsenstühle und Sessel von Ad. Schaffer, dessen nur 1 
Ko. schwerer Rundreisekoffer eben seiner Leichtigkeit wegen 
viel Anklang findet. F. Bergmann sorgt für ein gutes und 
sicheres Fortkommen der Nachkommenschaft, indem er 
hübsch geflochtene Kinderwagen ausstellt, E. Runtzke hat 
neben sehr schönen Stühlen in Lyraform aus verschieden 
farbigem Rohrgeflecht elegant gamirte Reisekörbe angefer 
tigt, deren Preis allerdings von dem einfacheren, aus Weiden 
geflochtenen Fabrikat seines Nachbars Fritz Schumann unter 
boten wird. —- 
9 
Welche Nationalflagge führt das Kaiserschiff 
„Bremen“? Die Beantwortung dieser Frage scheint höchst 
einfach — manchem vielleicht überflüssig; dem ist aber nicht 
so. Man erinnere sich, wie kürzlich behauptet wurde, die 
Farben der Stadt Berlin seien seit 400 Jahren schwarz-roth- 
weiss, während sie es erst seit 1866 sind, und man denke 
daran, dass allgemein zu lesen war, als die Russen nach 
Toulon gingen, die russischen Farben seien blau-weiss-roth, 
während sie nach wie vor schwarz - orange - weiss sind. — 
Kaiserschiff „Bremen“ führt hier auf der Ausstellung nur 
auf seinem winzigen Maste die Comptoirflagge, die Lloyd 
flagge : Den Schlüssel — Bremens Wappen — gekreuzt mit 
dem Anker, und beide Embleme von Eichenlaub umschlun 
gen, alle blau in weissem Felde. Die Nationalflagge würde 
im Heck, dem hintersten Ende wehen. Es ist nun. 
allbekannt, dass die deutsche Handelsflagge sehwarz- 
weiss-roth führt, und daher scheint es selbstverständ 
lich, dass auch die „Bremen“, wenn sie hier die Nationalflagge 
setzen würde, diese allbekannten Farben zeigen würde. 
Das ist ein Irrthum ! Die Bremen hier müsste die National 
flagge mit dem Eisernen Kreuz setzen, denn ihr Führer 
wie der zweite Offleier hier, die Herren Konter und Hagen- 
meyer, sind Offleiere des Beurlaubtenstandes der Kaiser 
lichen Marine, und diejenigen See-Officiere, welche als Offl- 
ciere der Kaiserlichen Marine angehören, haben vom Kaiser 
das Recht erhalten, das Eiserne Kreuz in der Nationalflagge 
zu führen. Zwar ging durch die Blätter kürzlich eine Notiz :j 
Die Hamburger Packetfahrt und der Lloyd hätten für ihre 
Officiere auf dieses Recht verzichtet. Das ist natürlich voll 
ständig aus der Luft gegriffen, denn einmal ist der Wunsch 
des Kaisers für dessen Officiere selbstredend Befehl, anderer 
seits kann man die Ausführung den Gesellschaften einfach! 
befehlen, denn diese Ordre hat ihren Zweck, sogar einen dop 
pelten. Einmal will man See-Officiere dadurch veranlassen, 
den Kaiserlichen See-Officier anzustreben, andererseits ist 
es für Kriegsschiffe resp. im Falle eines Krieges für See 
behörden nicht unwichtig zu wissen, dass der Führer eines 
Kauffahrers auch mit den Seewaffen umzugehen versteht. Die 
Nationalflagge des Kaiserschiffes hier ist also die schwarz- 
weiss-rothe Flagge mit dem Eisernen Kreuz. 
9 
Isolirmaterial und Wärmeschutzmasse. Eine 
hochinteressante Ausstellung ihrer Fabrikate veranstaltet 
in Gruppe XIII (Maschinenbau, Schiffsbau und Transport 
wesen) die rühmlichst bekannte und vielfach, prämiirte Firma 
Posnansky und Strelitz, die namentlich durch ihre feuersi 
chere Leroy’sche Wärmeschutzmasse zurlsolirung von Rauch 
rohr« n etc. einen weitverbreiteten Ruf geniesst. Auch die 
übrigen Specialitäten des Geschäfts, das 1868 gegründet, 
heute durch Fabriken in Köln, Wien, Witkowitz (Mähren), 
Pest und Lodz (Russland) vertreten ist, die Korkformstücke', 
Korkplatten und Isolirschläuche gemessen eine allgemeine 
Verbreitung und erweisen sich überall als ausserordentlich 
zweckentsprechend. Die Versuche, die der Ingenieur Herr 
Paul Müller in Magdeburg im Jahre 1895 mit zehn verschie 
denen Wärmeschutzmitteln durchführte, ergaben für die Le 
roy’sche Wärmeschutzmasse der Firma Posnansky und Stre 
litz das vorwiegend günstigste Resultat, und macht sich nach 
Müllers Berechnung die Umhüllung mit diesem Fabrikat 
bereits in 94 Tagen bezahlt. Die Korkformstücke der Firma 
sind vermöge ihrer praktischen Construction geeignet zur 
Umhüllung jeglicher Art von Dampfbehältern, und auch für 
überhitzten Dampf liefern die Aussteller unter Garantie der 
Haltbarkeit besondere Fabrikate. Die vorgeführten Kork 
platten sind, wie die Praxis lehrte, ganz besonders für die Iso- 
lirung von Wänden und Decken, sowie zum Schutz gegen 
das Durchdringen von Kälte,Wärme und Feuchtigkeit bestens 
zu empfehlen. Isolirschläuche fabrieirt die Firma sowohl in 
Jute- wie auch in Asbestumklöppelung und zwar in einer 
Umspinnung von 36 Jute- oder Asbest-Fäden, was die Isolir- 
fähigkeit der Schläuche wesentlich erhöht. Schliesslich wol 
len wir nicht unerwähnt lassen, dass die Herren Posnansky 
und Strelitz auf unserer Ausstellung sowohl wie. auf der Mil 
lenniums-Ausstellung in Pest alle Isolirarbeiten ausgeführt 
und mitderselben ihre Leistungsfähigkeit voll bewährt haben» 
V 
Menschliche Eitelkeit. Es hat einmal drei Leute 
gegeben, die in einer Ausstellung ausstellen wollten ! Jeder 
von ihnen wollte aber etwas vorführen, das Aufsehen errege 
und Männlein wie Weiblein gleich stark anziehe. Sie setzen 
unter sich einen Preis aus für das in dieser Hinsicht beste 
Ausstellungsobject. Nun fingen die drei an zu grübeln und 
zu arbeiten, sie schlossen sich tagelan in ihr Arbeitszimmer 
ein, und je näher der Eröffnungstag der Ausstellung kam, 
desto mehr strengten sie ihr Gehirn an. desto nervöser und!
	        
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