Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs - Nachrichten.
Es können also im Ganzen vier Millionen Loose ausgegeben
werden. Jede Serie von 500 000 Loosen bildet eine besondere
Verloostingskategoric. Der Arbeitsausschuß ist berechtigt,
auf die Ausgabe einzelner Serien zu verzichten. Jede Serie ist
in fortlaufende Nummern 1 bis 500 000 eingetheilt. Bei der
gleichzeitigen Ziehung von mehr als einer Serie gelten die ans
deut Glücksrade gezogenen Nummern zugleich für sämmtliche, im
Voraus zur Ausspielung bestimmte Serien. Der AuSspielnngs-
und Gewinnplan gilt für alle Serien. Gcwiungcgcnstünde werden
nach Schluß der Ausstellung gegen Rückgabe der Gewinnloose an
die Inhaber ohne weitere Prüfung ausgefolgt. Diejcuigen Gewinne,
welche innerhalb 00 Tage nach Schluß der Ausstellung nicht
abgenommen werden, verfallen zu Gunsten der Berliner Gewerbe-
Ausstellung 1896. Die Veröffentlichung der Gewinnlisten und
ocr Bestimmungen, betreffend die Ausspielung und die Abholung
bcr Gewinne, erfolgt im Königlich Preußischen Staats- und
Deutschen Reichsanzeiger und in den von dem Arbeitsausschuß
zu bezeichnenden Blättern. Es befindet sich in jeder Serie je ein
Gewinn von 25 000, 15 000, 10 000 und 5000 Mk. Werth,
3 Gewinne im Werthe ä 2000 Mk., 5 Gewinne 1000 Ml.,
20 Gewinne i\ 500 Mk., 100 Gewinne ;i 300 Mk. und so fort
bis zu den niedrigsten Gewinnen von 5 Mk. im Werthe. Von
diesen niedrigsten Gewinnen hat. jede Serie 9100 Stück.
Die Lotterie-Commission hat beschlossen, vor Eröffnung der
Ausstellung Verfügung zu treffen über die Gewinne dreier Serien.
Sic hält sich hierzu berechtigt, da bereits eine Million Loose von
Mn Bank-Consvrtium Deutsche Genossenschaftsbank von Socrgcl,
Parrisins u. Eo., Darmstädtcr Bank und Berliner Handelsgesell
schaft fest übernommen und bezahlt ist. Als Gewinne werden nur
Ausstellungsgegenstände angekauft, resp. nur Fabrikate von
Ausstellern werden für die Lotterie erworben. Durch die frühzeitige
Bestellung wird es ermöglicht, besonders kostbare Gewerbe-Erzeug
nisse als Ausstellnugs-Gegenstünde zu erhalten und besonders
auch kleineren, aber tüchtigen Gewerbetreibenden die Möglichkeit
der Betheiligung an diesem großen Werke zu geben. Ferner hat
die Lotterie-Commission sich dahin verständigt, die größten Gewinne
nicht einzelnen Firmen zu übertragen, vielmehr unter einheitlicher
künstlerischer Leitung allen in Betracht kommenden Firmen Aufträge
zuzuführen, sobald dieselben sich an der Ausstellung bcthciligcn.
Sv ist z. B. die Herstellung eines großen Tafclscrvices für 25 000
Mark sechs verschiedenen Firmen in Bestellung gegeben.
0 Wie oben gesagt, tvird zunächst Bestimninng getroffen über
Gewinne von drei Serien von Loosen; cs sind also vorläufig
drei Mal die verschiedenen Gewinne, die für jede Serie noth
wendig sind, zu beschaffen.
Die drei Gewinne u 25000 Mark bestehen erstens aus einer
complctcn Wohnungseinrichtung, umfassend ein Speisezimmer, einen
Salon, ein Herrenzimmer. Zn dieser Wohnungseinrichtung gehören
Teppiche, Gardinen, Portieren, Uhren, Kronleuchter, Bilder, Dc-
evrations-Gcgcnstünde, kurzAllcs, was zur vollständigen Ausstattung
einer stilvollen Wohnung nöthig ist. Jedenfalls können je drei Zimmer
für 25 000 Mk. behaglich und vornehm genug ausgestattet
werden. Die beiden anderen Gcwiuc h 25 000 Mk. werden
ans Edelmetall hergestellt. Ter eine Gewinn ist ein Tafel
aufsatz nebst Schaustücken, zu denen noch Messer, Löffel und
Gabeln für 36 Personen hinzukommen. Der andere 25 OOO-Mark-
Getvinn ist ein Tafelscrvicc, das mehr Service, als Schaustücke
enthält: Schüsseln, Näpfe, Saucieren, Flaschen, Kaffee- und
Theeservicc re. Die drei Gewinne L 15000 Mk. bestehen erstens aus
einem Jnwelenschmnck, zweitens aus einer Wohnungseinrichtung
lDaincnzi:nmcr und Wohnzimmer), drittens ans einem Tafclscrvice.
Tic drei Gewinne ä 10000 Mk. bestehen ans einem Jnweleuschmuck,
aus einer ornamentalen Bronze nebst Postament' und einer
Salon-Einrichtung. Von den kleineren Gewinnen nennen wir ein
Flügclinstrnineut für 5000 Mk, einen Wagen oder Schlitten
nebst Geschirr für zwei Pferde für 5000 Mk., Bestecke und Service
iin Werthe von 2000 Mk., ein künstlerisch dccorirtcs Alfenidc-
bcsteck für 1000 Mk., ein Flügclinstriunent für 2000 Mk. und
ein Pianino für 1000 Mk.
Jede Gruppe wird bei der Beschaffung von Gewinnen für die
Lotterie berücksichtigt. Tic größeren Gewinne find nach tünst-
lcrischcn Entwürfen bereits in Arbeit, und wir werden in einer
der nächsten Nummern Gelegenheit nehmen, über die erst in
voriger Woche cndgiltig festgestellten künstlerischen Pläne für die
Hauptgewinne Näheres zu berichten.
Airs märkischem Sand.
In mühevollem, jahrhundertelangem Ringen hat die Be
völkerung der Mark Brandenburg die unfruchtbare Scholle der
Heimath bezwungen. In des „heiligen römischen Reiches Streu
sandbüchse" ist durch unermüdlichen Fleiß, durch rastloses Schaffen
nicht nur die Weltstadt Berlin errichtet, sondern auch der
sterile Boden in der Umgebung dieser Stadt in einen Garten
verwandelt worden. Dem Boden der Mark Brandenburg ringt
des Gärtners Fleiß Prodncte ab, für welche die gesammtc Welt
Abnehmer ist. Nach Japan und China, nach Nord- und Süd-
amcrika, nach Südafrika gehen in großen Mengen die in den
Baumschulen der Umgebung Berlins gezüchteten Conifcren und
Obstbänmc. Holland, Rußland, England, Schweden und Nor
wegen, das gesammte Deutsche Reich beziehen Blumenzwiebeln
und Blattpflanzen aus der ehemaligen „Rcichsstrcusandbüchsc".
Wer hätte es noch vor hundert Jahren für möglich
gehalten, daß der märkische Sand für die Tropen Zucht-
pflanzen liefern würde! Was- würden die Spötter ver
gangener Zeiten dazu sagen, wenn sie jetzt erfahren
würden, daß keine Stadt Europas sich in der Baum-
schnlenzucht mit Berlin messen kann!
Ter Gartenbau in der Mark Brandenburg ist Jahrhunderte
alt. Als 1685 die vertriebenen Hugenotten in die Mark kamen,
fanden sie bereits in der Umgegend Berlins zahlreiche Gärt
nereien. Tic Franzosen brachten eine Verbesserung der Garten
kunst, in der sie damals den Märkern überlegen waren, und die
Nachfolger des Großen Kurfürsten, insbesondere die Könige
Friedrich Wilhelm 1. und Friedrich II. ließen cs sich angelegen
sei», die Wüstenei in der Umgebung Berlins zu einem Garten
umzugestalten. Obstbaumzucht, Blumen- und Gemüsebau ent
wickelten sich in immer reicherem Maße in der Umgebung Berlins.
Die Prodncte des märkischen Gartenbaues fanden aber bis vor
30 Jahren nur in Berlin und in nächster Nähe Absatz.
Das Jahr 1865 bezeichnet den Beginn einer neuen Epoche
in der Berliner Gärtnerei. Die Einführung der Baumschnlcn-
zucht. Bis vor 30 Jahren hatte Berlin und seine Umgebung
iin Ganzen 58 Morgen Baumschulen; heute sind mehr als
2000 Morgen Baumschulen in Cultur. Fleiß, Vorsicht und
Geschicklichkeit in dieser Specialität des Gartenbaues förderten
großartige Prodncte zu Tage, welche bald iin Deutschen Reiche
und dann weit über dessen Grenzen hinaus Absatz fanden. Der
viclgeschmähte märkische Sand erwies sich sogar als sehr günstig
für die Bcwurzclnng der jungen Bäume. Die Berliner Bnum-
schnlcnzüchtcr verwendeten äußerste Sorgfalt auf die Verpackung
der zu versendenden Bäumchen und eroberten sich durch diese Für
sorge bei der Verpackung, welche die Ankunft lebensfähiger Waare
am Bestimmungsorte garantirt, den Weltmarkt. Siegreich
wurde alle Concurrcnz aus dem Felde geschlagen; denn nur
die Berliner Prodncte kamen, wie erwähnt, in Folge der sorg
fältigen Verpackung lebensfähig an den überseeischen Bestimmungs
orten an. Kein Platz der Welt versendet heute so viele Banm-
schulcnproductc wie Berlin und Umgegend. Der märkische Sand
erwies sich auch bei geschickter Bearbeitung und fürsorglicher Be
handlung der Pflanzen günstig für die Production von Blumen
zwiebeln, für welche der Weltmarkt früher Haarlem in Holland
war. Heute hat Berlin Haarlem in der Production und dem Export
von Hyacinthen,Tulpen und Maibluinen anfdcm Weltmärkte geschlagen,
und speciell in der Production von Maiblumen, welche in Massen
nach Amerika und England gehen, steht Berlin unerreicht da.
Für ganz Deutschland liefert die Berliner Gärtnerei die so
genannten „Marktpflanzen": Flieder in Töpfen, Rosen, Azaleen,
Camellien mit Knospen u. s. >v.
Unter solchen Umständen ist es nur natürlich, wenn in der
Berliner Gewerbc-Ansstellung von 1896 die Gruppe XXII
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