Path:
Periodical volume Nr. 141, 5. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

12 Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 
sollte, so ist dieses Geldopfer doch nur verschwindend gering, 
wenn es gelingt, der tückischen Krankheit, die jährlich Tau 
sende unseres Volkes dahinrafft, Herr zu werden. 
Mit diesem warmen Appell an die Reichsregierung 
schloss der Redner seinen ausserordentlich anregenden Vor 
trag, für den ihm der Beifall aller Anwesenden zu Theil 
wurde. 
Die Vorbereitungen für die elektrische Illumi 
nation des Neuen Sees, die Dienstag, 8. d. M., erst 
malig stattfindet und von da ab mehrmals in der Woche 
wiederholt wird, sind in vollem Gange. Zahlreiche Arbeiter 
der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft- sind damit be 
schäftigt, die dreifache Stromleitung an den Seeufern fertig 
zustellen, während gleichzeitig die Hoppenworth’schen Be 
leuchtungskörper beseitigt und durch elektrische Glühlichter 
in den verschiedensten Farbenspielen ersetzt werden. Die 
neue Beleuchtung, die künftig nicht mehr von der Wetter 
laune abhängig ist und in harmonischer Verbindung mit 
der prächtigen Illumination der Fahnde des Hauptgebäudes 
und der malerischen Wirkung der Lichtfontaine steht, dürfte 
ausserordentlich effectvoll werden und voraussichtlich eine 
neue Attraction der Illuminations-Abende bilden. Wie be 
reits früher mitgetheilt, findet die Beleuchtung der Wandel 
gänge um den See durch die weissen Beleuchtungskörper der 
Firma Hoppenworth auch feiner in der bisherigen Weise 
statt. 
V 
Die Direction des Riesen - Fernrohrs hat für 
morgen Sonntag, 6. September, den Eintrittspreis ausnahmsweise 
auf 20 Pfg. herabgesetzt. Die Besitzer der Idealhefte, welche das 
Recht haben, auch an gewöhnlichen Tagen das Fernrohr, das jetzt 
nach allen Richtungen beweglich ist, zu besichtigen, erhalten als 
Entschädigung 2 Postkarten im Werthe von je 10 Pfg., auf denen 
das Fernrohr und Fernrohrgebäude in schön ausgeführtem Bunt 
druck dargestellt ist. Die Vorträge über die Sonne, den Mond, 
die Bewohnbarkeit der Planeten, der Sternschnuppen und Kometen 
werden an diesem Tage nicht zweistündlich sondern allstündlich 
von 12'/z bis 7'/a Uhr Nachmittags stattfinden. Die Kasse wird 
bereits Vonnittag 10 Uhr geöffnet, ihr Schluss erfolgt, wie stets, 
Abends 8 Uhr. 
S 
Die Ziehung der Serie B der Ausstellungs- 
■Lotterie ist auf den betreffenden Loosen für die Tage vom 
23. bis 26. September angezeigt, doch sind gegenwärtig zwischen 
der Lotterie-Commission und Herrn Banquier Ileintze, der die Loose 
im Gcneraldcbit hat, Verhandlungen im Gang, um einen früheren 
Ziehungs-Termin und zwar für die Zeit vom 17. bis 20. d. Mts. 
zu ermöglichen, damit die dritte Serie C nicht zu spät gezogen 
wird. Der Absatz, der Loose ist fortdauernd ein guter und dürfte 
sicher vor Beginn der Ziehung vollständig beendet sein. 
9 
Die Eingeborenen aus den deutschen Kolonieen 
rüsten sich allmählich zum Aufbruch. Schon in wenigen 
\Y neben werden die exotischen Zelte abgebrochen und dort, wo 
jetzt reges Leben und Treiben herrscht, wird die Stille Platz 
greifen. Die Abreise der Schwarzen wird durch den Fahr 
plan der verschiedenen Dampferlinien bestimmt, welche für 
den Rückweg in Betracht kommen. Auch muss noch die 
möglichst günstige Jahreszeit für die Reise benutzt werden. 
Jeder Trupp wird von einem Angestellten der Kolonial-Aus- 
stellung begleitet sein, um für die gute Rückkehr der 
schwarzen Gäste eine sichere Gewähr zu bieten. Die letzten 
Neger dürften am 7. October die Ausstellung verlassen. Jeder 
der Neger nimmt für seine Angehörigen eine Anzahl von Ge 
schenken mit, namentlich sind es Photographieen aus dem 
Leben in der Kolonial-Ausstellung, welche die Anverwandten 
und Frauen in den Tropen erfreuen sollen. 
V 
Der Berliner Fröbelverein hat in seiner Ausstellung 
im Wohlfahrtsgebäude gestern ein grosses Placat anbringen 
lassen, welches alle Freunde der Jugenderziehung herzlich 
bittet, den Verhandlungen des Deutschen Fröbel-Verbandes 
im Chemiegebäude der Ausstellung am Montag, 7. d. M. 
von 1 bis 5 Uhr und Dienstag, 8., von 12 bis 5 Uhr beizu 
wohnen. — Besonderes Interesse erweckt aus Anlass des Frö 
bel-Verhandstages die kleine Ausstellung von Bildern und 
autographischen Aufzeichnungen hervorragender Mitarbeiter 
am Fröbel-Werk. Man sieht dort neben einem Bilde von 
(Fröbel selbst solche von Diesterweg, Langethal, Barop, Mid 
dendorf und der Frau Baronin von Mahrenholtz-Bülow. Fer 
ner verschiedene Landschaftsbilder, so die Fröbel’sehe Er- 
ziehuns-Anstalt in Keilhau, die Pulvermühle in 
Blankenburg hei Rudolstadt, in welcher Friedrich 
Fröbel im Jahre 1843 wohnte, den Fröbelthurm in Oberweis 
bach in Thüringen und das Grabdenkmal Fröbel’s. Daneben 
sind eine Anzahl sehr interessanter Originalbriefe ausgestellt, 
welche die obengenannten Personen an Freunde der Fröbel- 
sache, an junge Lehrer und Erzieherinnen vor vierzig und 
fünfzig Jahren geschrieben haben und die hei jedem Auto- 
graphen-sammler die Begierde nach ihrem Besitz erwecken 
dürften, 
V 
Wetterpropheten in der Ausstellung! Der 
Regen regnet jeglichen Tag und täglich sieht man die trau 
rigsten Mienen und hört man die bittersten Klagen von Be 
suchern und Ausstellern oh des schlechten unerfreulichen 
Wetters. Man muss sich nur die Enttäuschung der Aus 
steller und vor allem der Besitzer oder Pächter von Restau 
rants und Vergnügungslokalen vorstellen, wenn das melan 
cholisch-eintönige Geräusch, des Regens an die Fenster 
schlägt, man muss nur verstehen, was ihr tiefer Seufzer alles 
ausdrückt, um die brennende Neugierde zu begreifen, mit der 
sie die Wetterkarten und Prognosen in den Zeitungen stu- 
diren und das Barometer befragen. Es genügt ihnen nicht, 
am Morgen jeden Tages ihren begreiflichen Wissensdurst 
zu stillen, schon tags vorher wollen sie wissen, oh nicht Frau 
Sonne endlich einmal den Kampf mit den Wolken aufnehmen 
und siegreich von Früh bis Abend am Firmament leuchten 
wird, auf das sich endlich alles wende. So h,at sich im Laufe 
der Zeit ein Wettkampf zwischen ihnen herausgebildet, den 
besten Wetterpropheten zu finden, auf dessen Prognose sie 
sich fest verlassen können. Die einen schwören auf das Ba 
rometer vor dem Chemiegebäude, die anderen halten das Ba 
rometer von Fliess für das Alleinmaassgebende. Die meisten 
jedoch kümmern sich nicht um die genauen Apparate der 
Wissenschaft, ihre Wetterpropheten sind solche, die von 
Vater und Grossvater erprobte Resultate und Beobachtungen 
geliefert, von diesen halten sie etwas—alles andere„imponirt“ 
ihnen nicht. So sendet der Inhaber eines grossen Restau 
rants jeden Morgen einen seiner Angestellten in das Fisclie- 
reigehäude und lässt nachsehen, oh der Laubfrosch im Aqua 
rium hoch oben auf seiner Leiter oder unten in der schlam 
migen Erde sitzt, und ein Conditoreibesitzer kostet mit ernster 
Miene seine Sahne — ist sie sauer — dann regnet’s natür 
lich ! Die Damen haben einen noch untrüglicheren Wetter 
propheten — ihr Haar. Kräuselt sich dasselbe morgens — 
dann ändert sich das Wetter zum Schlechten, und dann 
heisst’s dunkle Kleider anziehen ! Der Wurzelsepp im Ver 
gnügungspark — eine „Autorität” auf dem Gebiete des 
Wetterprophezeiens — kündet unter Schütteln seines Kopfes 
„untrüglich” seinen ihn täglich darum consultirenden Kun 
den das kommende Wetter. Und schliesslich — der Fessel 
ballon ! Mit gespannter Miene verfolgen die Aussteller die 
Richtung, die er hei seinem ersten Aufstieg am Morgen 
nimmt — geht er nach Nordosten -» dann regnet’s sicher ! 
e
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.