Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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OfftcieUe AnssteUimqs-Nachrichten.
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der Photographie, und die Ueberlieferungen in Wort und Bild
zeigen viele Lucken. Umsomehr ist zu bewundern, wie es der
Bauleitung gelungen ist, die Idee stilgerecht durchzuführen und ein
in seiner Art vollendetes Ganzes zu schassen, welches den Be
sucher vom ersten Schritt auf Altberliner Boden bis zum Verlassen
desselben im Banne hält. Am sogenannten Karpfenteich des
herrlichen Treptower Parkes liegt Alt-Berlin. Vom Gesummt
Ausstellungsterrain aus gelangt man auf einem weit in den See
l,ineingebauten Laufsteg an ein uraltes, bemoostes und verwittertes,
damals an der Westseite der heutigen Kurfürsten-, damaligen Langen
Brücke befindliches Vorthor; bemerkt sei, daß diese Brücke einstens
die Verbindung zwischen Alt-Cölln und Berlin darstellte. Dort
zahlt man ein Brückenmauthgeld von 25 Pfg. Der Pförtner
laßt die Zugbrücke nieder, und man passirt die Lange Brücke und
das charakteristisch wiedergegebene Alte Spandauer Thor. Von
der Brücke aus sieht mau die alte Stadtmauer und bewundert
links unmittelbar neben dem Thor den wunderbar naturgetreuen
uralten Spandauer Thurm. Rechts erhebt sich die noch heute
bestehende Heilige Geistkirche in vollendeter Nachahmung, geradeaus
das alte (Berliner) Rathhaus mit seiner ureinfachen Bogen-
Architektur, seinem Sitzungssaal und seinem Rathhauskeller; neben
dem Rathhaus befindet sich die ebenfalls allen alten Berlinern
noch bekannte Gerichtslaube. An der Stätte, an welcher der
Rath der Stadt Berlin einst über das Wohl der Bürger Berlins
berieth, wird eine fröhliche Menge bei Musik sich ergötzen, und
in den Räumen der Gerichtslaube, wo einst über Leben und Tod
entschieden ronrde, wird man fröhlich zechen. Wir verlassen den
Rathhausplatz, das Herz Alt-Berlins, und werfen einen Blick in
einige größere und kleinere Seitenstraßen mit ihren alterthümlichen
Scharren — so nannte man im alten Berlin die Laden — und
den Gasthäusern derKnrfürstlichen Zeit, wir machen so dein Mühlen
damm, der Heiligengeiststraße, der alten Spandauer- und der
Georgenstraße, der jetzigen Königstraße, einen Besuch und gelangen
durch das Georgenthor zum Theater „Alt-Berlin". Einen originellen
Zufluchtsort dürfte bei Regcnwettcr der bombensichere Spandauer
Thurm bieten. Die Pforte, die hineinführt, ist klein, schwer fällt
die Thür in's Schloß, doch nun kommt die Enttäuschung; statt
rach Mvderduft duftet es nach feinem Liqueur, und Gasglühlicht
körper erleuchten das fidele Thurmverließ.
Der Eindruck, den Alt-Berlin aus die Phantasie des Be
suchers macht, wird ein um so vollkommenerer werden, als auch
Kellner und Kellnerinnen und Verkäuferinnen im Costüm der
damaligen Zeit gekleidet sein werden. Holz, Gips und alte Dach
steine sind die Hauptbestandtheile des Materials, woraus Alt-Berlin
— mit Ausnahme des Theaters — gebildet worden ist. Dabei
ist die Täuschung so gelungen, daß man sich erst durch Klopfen
von der Unechtheit des Mcnicrwerks überzeugen muß. Alt-Berlin
ist nach den Entivürfen Carl Hoffacker's erbaut, nach dessen Plänen
und unter dessen Leitung bekanntlich auch das altdeutsche Dorf
in Chicago aufgeführt wurde. Die gesammte kaufmännische und
financiclle Leitung hat Handelsrichter I. Kaufmann übernommen und
sic bisher in geschickter Weise durchgeführt. Oscar Reisncr.
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Die Hofkapelle des Khedive von Egypten, die bereite
in Hamburg niit bestem Erfolge gespielt hat, wird am nächsten
Sonntag, 26. April, in der Wohlthätigkeits - Matinäe des
Berliner Theaters hier zum ersten Male concertiren. Die Truppe
gehört zur Leibgarde des Khedive Abbas Hilmi, der bekanntlich
ein großer Verehrer Richard Wagner's lind selbst ausübender Ton-
künstler ist. Die Khedivialkapelle zählt 115 Musiker, durchweg
Araber. 60 Manu davon sind unter Leitung des Majors Faltis
Bey und unter besonderer Zustimmung des Khedive, der damit der
deutschen Regierung und Rcichshauptstadt seine Sympathie bekunden
wollte, nach Berlin gekommen und werden vom l. Mai ab in
der „Ausstellung Kairo" Cvilcerte veranstalten. Die Truppe wird
bereits am Sonntag in Uniform spielen. Die Matinee beginnt
am Sonntag pünktlich um 12 Uhr.
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u. Das Theater Alt-Berlin wird, wie wir erfahren, am
30. d. M. eine Probe - Aufführung vor geladenem Publikum ver
anstalten. Die erste öffentliche Vorstellung beginnt Freilag, den
l. Mai, Abends 8 Uhr; in Scene geht Bleiblrens „Wendentaufe",
Wolzogens „Die schwere Noth" und „Das Ringelslechen".
Herrn Verwaltungsgerichtsdirector Graf P. in L. Wir
verweisen auf den früheren Verkehrsplan der letzten Seite unseres Umschlags.
Ein neuer, weit größerer Plan der Ausstellung, welcher die Orientirung
sehr leicht macht, ist für uns in Arbeit. Dieser dürfte nach seinem
Erscheinen Ihre Wünsche vollständig erfüllen.
L. K. in Berlin. Wir werden den versprochenen zweiten Artikel
über den „Ban der Untergrundbahn" bringen, sobald die Arbeiten
genügend fortgeschritten sind. Bis jetzt ist Material für einen solchen
Artikel »och nicht vorhanden.
Herrn M. S. in Charlottenburg. Sie müßten sich wegen
einer solchen Stellung an den Arbeits-Ausschuß wenden. Es wäre dies
aber jetzt zu spät, da natürlich sämmtliche verfügbaren Stellen bereits
besetzt sind.
Geschäftliche Mittheilnngen.
Eine Firma, deren Name noch vor wenigen Jahren in der Berliner
Groß-Jndustrie kaum genannt wurde, wird ans der diesjährigen Gewerbe-
Ausstellung zum ersten Male Gelegenheit haben, zu zeigen, was in einer
kurzen Spanne Zeit durch enrsigen Fleiß und unterstützt durch die nöthigen
Capitalien, geleistet werden kann. Wir meinen die Maschinenfabrik Actien-
Gesellschaft Petz old u. Co., die (wie unser Gewährsmann uns mittheilt)
es von einigen 50 Arbeitern vor ca. sechs Jahren aus gut über 500 Arbeiter
gebracht hat, und deren Fabriken in Berlin und Jnowrazlaw (Posen) tvahre
Musteranlagen zu nennen sind.
Es läßt sich schon heute versichern, daß die Ausstellungsobjecte dieser
Firma mit die interessantesten der Gruppe XIII, Abtheilung für Maschinen
bau, sein werden. Nicht allein ivird sie in der großen Maschinenhalle
vier Dampfmaschinen diverser Größen und Systeme,'von denen die grüßte,
eine liegende Compound-Ventil-Maschine System Walter, ihre Kraft von
ca. 120 Hk in den Dienst der elektrischen Beleuchtung der Ausstellung ge
stellt hat, sondern die Firma wird, was sie sonst noch Hervorragendes in
der Anlage industrieller Etablissements leistet, in einem'eigenen Pavillon
zeigen, und behalten wir uns eine eingehende Besprechung dieser Sondcr-
Ausstellung vor; heute sei nur erwähnt, daß der Pavillon gerade gegenüber
dem Hauptausgange der großen Gewerbehalle liegt und sowohl durch diese
günstige Lage als auch durch seine Grüßen-Verhältnisse und architektonische
und künstlerische Ausstattung durch den Ausstellungs - Architekten Herrn
Bruno Schmitz Jedermann sofort auffallen muß. Dieser Pavillon wird den
Besuchern die Haupt-Specialitäten der Firma neben dem Dampfmaschiirenbau
vorführen; der Mitteltract des Gebäudes wird eine coviolette automatische
Weizenmühle im Bewiebe beherbergen, während die seitlichen Annexe ein
Sudhaus und eine Darnpf-Wasch-Anstalt aufnehmen sollen. Nach dem, was
wir von der Firma gesehen und gehört haben, hegen wir keinen Zweifel,
daß Fachleute sowohl wie Laien an den vielseitigen interessanten Ausstellungs-
Obzccten der Firma Vergnügen finden werden.
Se. Majestät der Kaiser äußerte gelegentlich seines Besuches in der Aus
stellung, einem Mitglieds des Arbeits-Ausschusses gegenüber, den Wunsch,
daß während der Dauer der Ausstellung in genügender Weise für Ver
pflegung der Minderbemittelten gesorgt wurde. Es geschieht dieses in aus
giebigster Weise in der Abtheilung „Ausstellung für Volksernährung",
welche unter Leitung des Herrn Herrmann Abraham steht, eines Mannes,
der durch seine Gründungen von Volksküchen, Kinderasylen, einem Mädchen-
heims und anderen gemeinnützigen Werken sich um das Volkswohl verdient
gemacht hat. Es sollen in dieser Ausstellung für Volksernährung, neben
Erfrischungs-Getränken aller Art, etwa hundert verschiedene Speise» in
Portionen zu zehn Pfennige» abgegeben werden, Fleischgerichte, Suppen
und Gemüse. Die Lieferanten des hierzu nöthigen Materials sind verpflichtet,
nur Prima-Waaren zu liefern, und will die Direction zeigen, daß es möglich
ist, bei Massen-Lieferungen für zehn Pfennige eine schmackhafte und saubere
Portion Essen zu geben. Selbst der Gourmet soll auf seine Rechnung
komme», da auch Spargel, Blumenkohl und andere feine Gemüse, wie auch
eingemachte Früchte für 10 Pf. erhältlich fein werden. Besonders dcn An
gestellten und Arbeitern, die gezwungen sind, während etwa fünf Monate
im Ausstellungsgebiete selbst sich mit Speisen zu versorgen, dürste dieses
Unternehmen zu Gute kommen. Auch für Vegetarier ist gesorgt, da in einer
besondere» Abtheilung dieser Ausstellung für Volksernahrung streng nach
vegetarische» Grundsätzen gekocht wird.
Ain Haupteingang der Nordpol-Ausstellung, an der Coepenickcr Land
straße, hat Herr Ernst Geißler, der Mitinhaber deS Lass Union in der Alten
Jacobstraße, ein Cafs - Restaurant errichtet, welches den Namen Grand
Caf>; Union führt. Ist der Bau ini Aeutzeren auch sehr einfach gehalten, so
ist es ini Inneren desto behaglicher. Guirlanden und Blumenschmuck zieren
das sauber gehaltene Lokal, welches im Verein mit den dargebotenen guten
Getränken und Speisen für jeden Besucher einen angenehmen Aufenthalt
biete» wird. Sonntag, den 26. April, wird das Cafe eröffnet werden, was
wir hiermit dcn vielen Freunden und Bekannten des Herrn Ernst Geißler
notificirt haben ivollen.
Es naht die Zeit, ivo die Jnsecten, insbesondere Fliegen, Mücken,
Käfer u. s. w. uns plagen. Um uns von der lästigen Plage zu bcfteien,
hat die Firma Bernstein u. Zeidler, Berlin W, Mauerstr. 38, einen
Fliegen- (Jnsecten-) Fänger erfunden, der alles Dagewesene übertrifft und
der bei Tag ivie in der Nacht sicher functionirt. Der einfach constrnirte
Apparat dürste besonders Ladeninhabern willkommen sein, welche durch die
Jnsectenplage empfindlichen Schaden erleiden, und der billige Preis von
Mk. 1,50, den die Fabrikanten für den patcntlich geschüyten Fliegenfänger
fordern, ivird deinselbcn in kurzer Zeit weiteste Verbreitung verschaffen.
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