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Volume Nr. 13, 25. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Gfftrielle AussteUunys-Uachrichte«. 
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Arbeiter sind gegenwärtig mit der Fundamentirung desselben und 
dem Ausbaue der beiden seitlichen Häfen beschäftigt. Auf der 
Bühne wird z. B. die Regenvorrichtung angebracht, durch welche 
eine Feuersgefahr absolut ausgeschlossen ist, da hierdurch die 
Möglichkeit gegeben ist, die ganze Bühne im Zeitraum von einigen 
Sekunden unter Wasser zu setzen. 
Gleich in die ersten Tage der Ausstellung fällt, wie schon 
mitgetheilt, das; große Fest der Kunstakademiker zur Feier 
des 200 jährigen Bestehens der Kunstakademie. Weit über die 
ursprünglichen Pläne hinaus wird es sich zu einem Fest von 
künstlerischer Gestaltung auswachsen, wie es Berlin noch nie ge 
sehen. Der großartige Festzug, welcher dem Festspiel im Theater 
und den Volksbelustigungen in Alt-Berlin vorausgehen wird, 
entwickelt sich auf dem Ausstellungsgelände selbst. Vertreter aller 
Schwester-Institute in Deutschland und der befreundeten Hoch 
schulen, von denen zahlreiche Deputationen bereits angemeldet sind, 
werden in einer Art Blumencorso den imposanten Zug eröffnen, 
dem sich dann zunächst Herolde, Musikkapellen, Fahnenträger re. 
anschließen werden. Der eigentliche Festzug zerfällt in 7 Gruppen; 
jede Gruppe hat einen großen allegorischen Festwagen, auf welchem 
erste Künstlerinnen, auch die der Hofbühnen, bei der Verkörperung 
der Jdealgestalten mitwirken werden. Die Maler eröffnen den 
Zug und bringen in ihm von Apelles bis auf den heutigen Tag 
die großen Meister der Palette und des Pinsels aus allen Zeiten 
zur Darstellung. Die Bildhauer folgen in ähnlicher Weise und 
knüpfen bei Praxiteles an. Die dritte Gruppe bringt mit Modellen 
der größten Ballwerke aller Zeiteil die Architektur zur Darstellung. 
Die darauf folgende vierte Abtheilung bringt in einem großartigen 
Wagenzug, dem Köuigszug, den damaligen Kurfürsten Friedrich 
Wilhelm III., den ersten preußischen König mit seinem Gefolge, 
der gewissermaßen geführt von den schönen Künsten, denen er in 
Prelißen neue Wege geebnet, nach Berlin hinein geleitet wird. 
Volk aller Art schließt sich diesem Zuge als fünfte Gruppe an, 
welcher dann als sechste die Phantasie folgt. Eine Gruppe, in 
ivelcher dem Erfindungsreichthum unserer jungen Künstler voller 
Spielraum gelassen ist: die siebente Gruppe endlich ist, lvie 
es bei den Festen unserer jungen Künstler stets der Fall ist 
und wie es ja auch der Wirklichkeit bei solchen Anlässen ent 
spricht, dem Humor überlassen. ■ An diesem Festzuge sind mehr 
als tausend Personen betheiligt, nur ein Theil von ihnen 
wird in dem Festspiel im Theater mitwirken können, alle 
aber sind bei dein großen Volksfest in Alt-Berlin dann betheiligt. 
Es ist nicht Zufall, daß dieses Fest gerade hierher verlegt worden 
ist, keinen schöneren und glücklicheren Rahmen konnte man sich 
ivünschen, als für ein Spiel, das 200 Jahre zurückverlegt worden 
ist, den gewissermaßen wieder ausgegrabenen wirklichen Schauplatz 
jener Vorgänge. Bon dem großartigen Interesse, welches man 
dem Feste entgegenbringt, zeugt die Thatsache, daß von Kunst- 
mäcenen schon mehr als 8000 Mk. zur Verfügung gestellt worden 
sind und daß ein einziger Berliner Förderer der schönen Künste 
800 Karten bestellt hat, obwohl der Preis der Karte auf 20 Mk. 
festgesetzt ist. Allerdings weist der Kostenvoranschlag für das 
Fest bereits die stattliche Summe von 40 000 Mk. auf. Alt- 
Berlin ist an diesem Tage für das Publikum vollständig ge 
schlossen, es ist während des ganzen Tages den Knnstakademikern 
überlassen. Allerdings dürfen dieselben auf einen gewaltigen An 
drang rechnen, die Vormerkungen bei dem Portier der Kunst 
akademie, wo dieselben auch ferner angenommen werden, über 
steigen alle Erwartungen. Anmeldungen werden auch bei dem 
Direktor von Alt-Berlin, Thiergartcnstraße 8b, entgegengenommen. 
14. In nuferem Aufsatz über Alt-Berlin lNr. 5) gaben wir 
der Ansicht Ausdruck, daß die Berliner dem Beispiele der Stadt 
vertreter und vornehmen Familien Antwerpens, die in Alt- 
Antwerpen Häuser und Zimmer gemiethet hatten, in denen sie zu 
bestimmten Stunden Empfänge abhielten, folgen sollten. Wir 
hoben hervor, daß es für unsere Stadtverordneten etwas Au- 
heimelndcs haben müßte, auf dem weiten Ausstellungsgebiete eine 
Stätte zu wissen, an der sie zu Hause sind. Und ebenso, wie die 
Lenker unserer Stadt in dem stilvoll ausgestatteten Saal des 
alten Rathhauses in gemüthlich charakteristischer Weise ein Stück 
modernen Berlins reprüsentiren dürften, könnten es unsere vor 
nehmen Familien den Antwerpenern gleichthun und durch kleine 
Empfänge und Feste, die sie für ihre Freunde in geschmackvoll 
ausgestatteten Salons der sestconstruirten Häuser von Alt-Berlin 
veranstalten, ein Stück modernen Berliner Gesellschaftslebens ver 
anschaulichen. Es würde nicht nur der Ausstellung und Alt- 
Berlin einen eigenen Reiz verleihen, wenn die Vertreter unserer 
Stadt und unserer Gesellschaft im veralteten Rahmen ein modernes, 
stisches Bild schafften, es würde auch dem ganzen Unternehmen 
zu Gute kommen und ein anmuthendes, förderndes Relief ver 
leihen, wenn unsere vornehmen Kreise zeigen wollten, daß sie sich 
in der Ausstellung wie zu Hause fühlen möchten. Die Direction 
von „Alt-Berlin" ist, wie wir erfahren, der von uns angeregten 
Idee näher getreten, mußte jedoch die Verwirklichung derselben 
aufgeben, da die Feuerpolizei sich aus Gründen der Sicherheit 
gegen das auch nur zeitweise Bewohnen. einzelner Häuser von 
Alt-Berlin aussprach. 
V 
Dr. A. Für die freien Concerte, welche täglich vom Arbeits- 
Airsschuß im Ausstellungsparke veranstaltet iverden, ist vom Betriebs- 
Bureau eine der großen Besuchsschaar entsprechende Zahl von 
Sitzplätzen vorgesehen. Auf der Terrasse vor dem Hauptgebäude, 
dann in den Alleen, welche den „Neuen See" einschließen, sowie 
in den Gartenpartieen anr Karpfenteich und anr Ufer der Spree ist 
für eine große Zahl von Ruheplätzen in Form von Bänken und 
von Klappsllihlen gesorgt worden. Mit der Lieferung der letzteren 
sind vorläufig drei Firmen betraut; lediglich fiir die Benutzung der 
Klappstühle ist eine kleine Gebühr von 6 bis 10 Pf. in Aussicht 
genommen. 
Dr. A. Ein Theil der Baulichkeiten im „Vergnügungs 
parks" ist völlig fertiggestellt. Sehr originell ist die Außenseite 
des Hagenbeck'scheu Grönland-Panoramas ausgestaltet, nämlich in 
Form eines vielzackigen, mit Schnee bedeckten und mit Eiszapfen 
behängten Eisberges. Die an der Westseite, also der Colonial 
auSstellung gegenüber, belegenen Käfige sind derart ausgelegt, daß 
die Besüen aus den Höhlen herauszukommen scheinen. — Das 
American-Theater ist auf etwa doppelt soviel Gäste berechnet, als 
das Stamnihaus in der Dresdenerstraße; das Parterre ist nach altem 
Brauch als Restaurant eingerichtet. — In der „Weltmusik" sind die 
Abtheilungen „Kreml" in Moskau, italienische Osteria mit schönem 
Neapel- und Vesuvpanorama, dann der Alt-Wiener Gasthausgarteu, 
ein prächtiges oberbayerisches Gebirgsstübel und eine »Osärela« 
(Schenke in der ungarischen Puszta) vollendet. — Im Nordpark 
wird das Gebäude des Alpen-Panoramas durch künstliche Fels 
gruppen, an welche sich die Bemalung der Außenwände anschließt, 
zu einer hochragenden Gebirgsmasse gestaltet. Eine halbzerfallene 
Mauer zieht sich von dem Tiroler-Schloß über die Felsen zur An 
höhe hinan. 
Die Eröffnung der internationalen Kunstausstellung 
im Ausstelluiigspalast am Lehrter Bahnhof erfolgt Sonntag, 
3. Mai, durch einen feierlichen Festakt. Darauf wird ein Mahl 
im großen Speisesaal des Ausstellungsparkes stattfinden, an dem 
die Vertreter der Behörden, die i» Berlin anwesenden Abgesandten 
der auswärtigen Staateit und Kunstplätze vereint mit der gcsaiitinteii 
Berliitcr Künstlerschaft Theil nehmen werden. Für das Publikum 
wird die Ausstellung am Eröffnungstage sofort nach Beendigung 
des Festaktes zugängig sein, und zwar gegen ein Eintrittsgeld von 
drei Mark für die Person. Die Dauerkarten zu sechs Mark berech 
tigen jedoch schon an diesem Tage zum Eintritt während der all 
gemeinen Besuchszeit. 
Ein Kenner und Enthusiast von Alt-Berlin schreibt »ns: 
Alt-Berlin! Das Wort hat nicht nur einen Zanberklang für 
alle Berliner, sondern auch für alle diejenigen, welche ans frühere» 
Ausstellungen Alt-Wien, Alt-Antwerpen oder das altdeutsche 
Dorf in Chicago gesehen und sich an der Romantik dieser ge 
treuen mittelalterlichen Nachbildungen von Bauwerken und Stadt 
theilen aus der Zeit unserer Voreltern erfreut haben. Nicht Alles 
an „Alt-Berlin" ist geschichtlich. Vieles mußte die Phantasie des 
Architekten ersetzen, denn unsere Vorfahren kannten nicht die Kunst
	        
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