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Periodical volume Nr. 138, 2. September 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
ii 
immer mehrere Frauen haben müssen.) „Zwanzig?“ — 
„Liebst Du alle?“ — „0 nein, hiebt alle, nur manchmal und. 
einige !“ — „Ich haben'45 Kinder, aber 6 gestorben.“ — „Wo 
sind denn die?“ — „Zu Hause!“ — „.Ja, um Gotteswillen, 
wer pflegt denn die armen Würmer?“ — „Meine Frauen!“ 
— „Folgen Dir denn alle Frauen?“ — „0, sehr gut, sonst 
prügeln.“ — „Dann möchte ich aber Deine Frau nicht sein !“ 
— „Hab’ ich Sie schon gesagt, dass ich Mann sein mag von 
Sie?“ — Diese Antwort war zu kränkend für die Fragestel 
lerin und sie wendet sich schmollend ab, um ihre Aufmerk 
samkeit einem anderen schwarzen Adonis zuzuwenden. Nächst 
Bruce ist Rudolph sehr gern gesehen, auch August und Bis 
marck sind die bevorzugten Lieblinge der Damen und ver 
stehen es ganz meisterhaft, die lustigen Schwerenöther zu 
spielen. Aber wenn die Dämchen, die so gern mit den 
Schwarzen plaudern und schäkern, wüssten, wie diese selbst 
über sie urtheilen, würden sie wohl kaum noch ein Wort an 
die „unverschämten Nfger“ verschwenden. Gestern war un 
ser Mitarbeiter Zeuge, wie ein Neger nach längerem Gespräch 
mit einem jungen Fräulein vielbedeutend auf die Stirne zeigte 
und murmelte : „Verrück!“ 
V 
Als eine wahre Calamität erweisen sich die zahl 
reichen falschen Feuermeldungen. Auch am gestrigen Dienstag 
wurde unsere Feuerwehr wieder durch die Nachricht alarmirt, dass 
es im-Chemiegebäude brenne, allein glücklicher Weise erwies sich 
auch, diese Meldung, durch Kurzschluss-hervorgerufen, als irrig, so 
dass die Mannschaften sofort wieder aßrücken konnten. Fachleute 
nehmen an,. dass diese Kurzschlüsse auf das Vorüberfahren der 
elektrischen Randbahn zurückzuführen sind. 
bc 
Das Fisch-Kochbuch. Zu den am meisten begehr 
ten Artikeln auf der Ausstellung', gehört unzweifelhaft das 
A [,Fischkochbuch“, welches der Verein Deutscher Fisch 
händler herausgegeben hat und durch die Aufsichtsbeamten 
in der Fischerei-Ausstellung für 20 Pfennige pro Stück ver- 
" kaufen lässt. Die Menge der bisher abgesetzten Bücher 
• zählt bereits nach Hunderttausenden, und fortgesetzt ist die 
Nachfrage eine sehr grosse. Das Buch bietet in der That 
in seinem kleinen handlichen Format eine wahre Fundgrube 
für die praktische Hausfrau, und wer sich selbst erst von 
dem trefflichen Inhalt überzeugt hat, der trägt’s auch weiter 
in den Kreis der Nachbarn und Freunde. — Das „Fischkoeh- 
}fl buch“ kam in’s Gerede, und das ist das beste Schicksal, das 
einem Buche widerfahren kann. In einem fachmännischen 
Vorwort wird auf die Nothwendigkeit und den Nutzen der 
Fischnahrung hingewiesen, dann folgen die Urtheile eines 
englischen Arztes über Fischnahrung und eines Holländers 
über das Schlachten der Fische und daran Schliessen sich 
110 Recepte für die verschiedenartigsten Fischgerichte. Das 
I - sauber ausgestattete Büchlein in seinem hoffnungsgrünen 
(Umschlag gehört zu den praktischsten und empfehlens- 
.werthesten Erinnerungsgaben der Ausstellung. 
I V 
e" Die Postkarten der Berliner Gewerbe-Ausstel- 
i lung\ Es giebt deren mehr Sorten, als sich der kundigste 
^ JBesucher träumen lässt, und man wird erstaunt sein zu erfah 
ren, dass augenblicklich über 145 verschiedene Karten im 
Handel sind. Die Postkarten zerfallen in drei Theile : a.of- 
ficie 11 e Karten, b. nichtofficielle Karten, c. 
Privatkarten, von denen die ersteren im Verlage von 
I. Miesler (12 verschiedene Ansichten der Ausstellung), von, 
Th. Wendisch (13 verschiedene Ansichten von Alt-Berlin) 
;iind von A. & G. Kaufmann (32 Ansichten von Kairo) er 
schienen sind. Nichtofficielle Karten sind von J. 
Öoldiner (13 Sorten) in den Verkehr gebracht, ausserdem ver 
legten J. Miesler 14 Stück, W. Hagelberg 10 Stück, Rosen- 
»jblatt 8 Stück, Hahne & Werringhaus 1 Stück, Packetfahrt- 
M4esellschaft 2 Stück, Krüger & Co. 6 Stück, Osnabrücker 
'Papierwaarenfabrik 10 Stück, L. Glaser 7 Stück, Max Vogel 
J Stück. Privatkarten endlich giebt es von Groterjan 
Th. Wendisch) 5 Stück, Ainerican-’l heater 1 Stück, Elek 
trischer Thurm 1 Stück, Marine-Schauspiele 1 Stück und 
Riesenzelt 1 Stück. Die Miesler’sehen Karten mit Ansichten 
der Ausstellung sind einfarbig und in Buntdruck herge 
stellt und stehen mit denen von Wendisch (Alt-Berlin) und 
A. & C. Kaufmann (Kairo) künstlerisch am höchsten. Fast 
alle Karten, die aus diesen drei Verlagsanstalten hervor 
gegangen sind, tragen links unten eine Medaillon-Vignette 
mit einer zweiten Ansieht oder den Emblemen des Industrie 
zweiges, dessen Gebäude als Hauptansicht auf der Karte ab 
gebildet. ist. Auch das Portrait des Kaiseis ist einige Male 
vorbanden. Die Ansichten von Kairo bat Moritz Lehmann, 
gezeichnet. Es befinden sieb unter diesen in Farbenstimmung 
und Zeichnung prächtig gelungene Ansichten, die himmel 
weit verschieden sind von denen, die ausserhalb der Ausstel 
lung verkauft werden und deren Ungenauigkeit und schlechte 
Ausführung auf den ersten Blick auffällt. So giebt es, Kar 
ten, die nichts anderes sind, als eine Combination von drei 
Karten des Kaufniann’scken Verlages, betitelt: „Eine Strasse 
in Kairo“; wieder andere geben das Theater Alt-Berlin in 
Dimensionen wieder, die dem Chemiegebäude entsprechen, 
noch andere zeigen Ansichten der Gewerbe-Ausstellung aus 
der Vogelperspective, die so ungenau sind, dass sie selbst der 
kundigste Thebaner nicht; erkennt; ihr Karpfenteich ist 
auf diesen Karten so gross wie der See der Marine-Schau 
spiele, der wiederum von. Schlachtschiffen befahren wird, die 
mit ihren Mästspitzen über den Wassertlrurm heraussagen. 
Lächerlich wirkt endlich eine Karte, die Alt-Berlin darstellen 
soll, während nichts zu sehen ist, als eine Wasserfläche mit 
mattgrauem, gezacktem Gemäuer, überwölbt von einem gelb 
blauen Himmel, dessen Wolken in fein abgemessenen, paral 
lelen Streifen dahinfliegen. 
V 
Girandola in Carlshorst. Die Eisenbahn - Direction 
Berlin hat in Erwartung des starken Verkehrs, der sieh am Sedan 
tag auf der Rennbahn zu Carlshorst bei Gelegenheit des Feuer 
werkes der Girandola entwickeln wird, ausser den falirplanmässigen 
Zügen sechs Sonderzüge eingerichtet, von denen drei (laut Anzeige) 
vou Charlottenburg abgehen und durch die ganze Stadt fahren werden. 
Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Girondola des Sedan 
tages voraussichtlich die letzte dieses Jahres sein, wird. 
« 
Vorsicht beim Hinabsteigen der Treppe zum Bahnhof 
„Ausstellung“! Diese Mahnung an die Ausstellungsbesu 
cher zu richten, erscheint uns für stark freqiientirte Tage 
nicht überflüssig, zumal der Verkehr zur Stadt gegenwärtig 
der kürzeren Tage wegen sich immer mehr und mehr wäh 
rend der Abendstunden abwickele Wenn Tausende und 
Abertausende die steile Treppe zum Perron hinabsteigen, so 
sollten namentlich die „oberen Zehntausend“ bedenken, dass 
sie durch „drängeln“, diejenigen, die auf niedrigerer Stufe 
als sie stehen, unvermeidlich zum Fallen bringen und, was 
ein solcher Sturz unter Umständen für Folgen haben kann, 
ist leicht begreiflich. Als wir uns — so schreibt ein Mitar 
beiter am letzten Montag (Mark-Tag) Abends gegen 7 Uhr 
etwa auf der Mitte der Treppe befanden, hörten wir plötzlich 
jemand hinter uns erschreckt aufschreien; schnell uns um 
wendend, erblickten wir eine ältere Dame mit dem Ausdruck 
höchsten Entsetzens einige Stufen hinabstürzen. Wir wa 
ren .so glücklich sie auffangen zu können und vor Schaden 
zu bewahren. Sie war durch irgend jemand, der es sehr 
eilig hatte, angerempelt worden und hatte das Gleichgewicht 
verloren. Nur zwei Möglichkeiten liegen in einem solchen 
Falle vor, entweder an Rohheit grenzende Rücksichtslosig 
keit oder unglaubliche Unvernunft. — Wir möchten doch 
jedem zu bedenken geben, dass bei sehr starkem Verkehr 
das etwas frühere oder spätere Erreichen des Perrons von gar 
keiner Bedeutung für die schnellere Beförderung ist. Die 
Betheiligung am Wagenstürmen verabsäumt man doch nicht. 
» 
Drei leichte Sessel stehen im Mittelgang des Haupt 
gebäudes vor der Vitrine von J. A. Henkels. Sie sind so 
gewichtig, dass jeder Hauswirtb gegen die Ausstattung einer 
Wohnung mit solchen Salonsesseln energisch protestiren
	        
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