Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

OfsrrreÜe Aussteiinngs-Uachrlchieü.
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Eigenthümlichkoit müßt« schon allrin genügen, um die Aufmerksamkeit
unserer „Srziehungsbehördrn" darauf zu lenken. Es unterliegt keinem
Zweifel, daß die vielfachen Erleichterungen, welche geboten werden, dazu
beitragen, den Zuzug derer nach Berlin zu verstärken, welche sich be
lehrende Ferientage an den Ufern der Spree gönnen wollen."
Der Daily Telegraph aus Sheffield, dem englischen Solingen,
zollt der Berliner Ausstellung unbedingte Anerkennung:
„Mitten in einer Sandwüste gelegen, von der Natur vollständig ver
nachlässigt, ist Berlin eine der anziehendsten Städte Europa's geworden.
Keine Kohlenfelder, keine Seehäfen sind in seiner Nähe, und der unge
heure Fortschritt, der uns durch die Ausstellung vor Augen tritt, zeigt,
was menschlicher Geist, harte Arbeit und Ausdauer vollbringen kann.
Für unsern District bieten die dritte, die siebente und die dreizehnte Gruppe,
die sich mit dem Bau- und Jngenieurwesen, Metallen und Maschinen
bau befassen, das meiste Interesse, Dem britischen Besucher giebt die
Ausstellung eine günstige Gelegenheit zu lernen, wie unser eigener In
dustriezweig von den ausländischen Concurrenten verwerthet wird. Es
ist ein kühner Kampf um die Oberherrschaft, und unsere continentalen
Wettbewerber suchen eifrig nach allem, was neu ist, besonders auf dem
Arbeit sparenden Gebiete des Maschinenwesens. Großbritannien hat den
vollen Beweis seiner Tüchtigkeit auf dem Gebiete der Industrie geführt.
Wir begannen niit der Weltausstellung im Jahre 1861 und sind seitdem
immer rüstig weitergeschritten. Jetzt ist es an dem Deutschen, uns zu
zeigen, was er gethan hat, und englische Fabrikbesitzer und selbst praktisch
thätige Arbeiter thäten nicht schlecht daran, wenn sie die Ausstellung be
suchten. Besser, als all' die Vorlesungen, die man halten konnte, wäre
es, ein Comitee von Arbeitern auszuwählen und nach Berlin zu schicken,
damit sie sich durch eigenen Augenschein überzeugen, wie und mit welchen
Werkzeugen die Ausländer arbeiten. Es ist noch reichlich Zeit, derartige
Arrangements zu treffen."
Die Newcastler Presse giebt, was die Beurtheilung der
Berliner Veranstaltung betrifft, derjenigen der anderen Industrie
städte Englands in keiner Weise etwas nach. So schreibt das
Newcastle Daily Journal:
„In Bezug auf ausländische Ausstellungen wird Berlin den ersten
Rang nicht nur für Len bevorstehenden Sommer, sondern auch für die
nächsten Jahre behaupten. In mancher Beziehung wird die Berliner
Gewerbeausstellung unerreichbar dastehen. — Ein so herrliches Unter
nehmen muß Früchte tragen. Die ganze Stadt scheint an dem Erfolg
der Ausstellung von 1896 mitzuarbeiten."
Da Newcastle in Bezug auf Schiffsbanten, Eisenconstructionen
— dort befindet sich u. a. die weltbekamkte Geschützfabrik von
Sir W. Armstrong — und chemische Fabrikation, eine der ersten
Industriestädte Englands ist, so möge hier noch eine andere Aus
lassung derselben Zeitung ihren Platz finden:
„Der Hauptzweck der Berliner Gewerbe-Ausstellung wird es sein,
dem Besucher ein Gesammtbild der Berliner Fabrikindustrie vor Augen
zu führen, um Zeugniß abzulegen von der Ausdehnung und Solidität
der reichshauptstädtischen Gewerke und der Bedeutung Berlins als
Industrie- und Handelsstadt."
Aber noch viel wärmer spricht sich die Newcastle Daily
Chronicle aus:
„Unsere Freunde, die Deutschen, arbeiten tüchtig drauf los, um ihre
Gewerbe-Ausstellung im Mai eröffnen zu können. Alles verspricht einen
sicheren Erfolg. — Schon von Anfang an auf recht beträchtliche
Dimensionen eingerichtet, hat die Berliner Ausstellung mit jeden: Tag
größeren Umfang angenommen. Ohne jeden Zweifel wird es eine Schau
stellung werden, die einer unternehmenden Nation wiirdig ist."
Aus Dublin, Edinburg, Glasgow, Plymouth und allen Gegenden
des vereinigten Königreichs liegen günstige Aeußerungen der
Presse vor.
In keiner andern Großstadt der Welt erscheinen so viel Fach
blätter wie in London. Alle diese Fachblätter beschäftigen sich
ihrer Beschaffenheit nach mit Vorliebe mit der Berliner Gerwerbe-
AuSstellnng.
The Industries and Iron, sowie The Iron and Steel
Trade, besprechen eingehend die Eisenconstructionen des Ausstellung
and heben vor allen Dingen die Aluminiumkuppel des Hauptgebäudes
hervor. Besonders auf deni Gebiete der Elektricität leistet Berlin
bekanntlich Hervorragendes und The Electrician giebt dies un
umwunden zu, indem es der elektrischen Abtheilung im Voraus
einen unbestrittenen Erfolg zusagt. The Amateur Photographie
muntert seine photographirenden Landsleute auf, sich recht zahlreich
an der von der betreffenden Abtheilung der Berliner Gewerbe-
Ausstellung veranstalteten internationalen Photographischen Aus
stellung zu betheiligen. The Fish Monger spricht sich über die
Fischerei-Ausstellung, deren Grotzariigkeik und philmithropischen Ziele
sie ausführlich auseinandersetzt, ganz entzückt aus und macht es
gewiß denjenigen seiner sachkundigen Leser schwer, die vielleicht
darauf verzichten müssen, seiner Aufforderung, fick) in Berlin weiter
zu bildet,, zu folgen.
The Gardcning World erweist der Obst- und Garten-
Ausstellung denselben Liebesdienst, indem sie schreibt:
„Es ist zweifellos, dos; die Abtheilung der Gartenbau-Ausstellung
das lebhafteste Interesse aller Naturliebhaber, die die Ausstellung besichtigen
werden, erregen muß."
The Gentleman verfolgt mit besonderem Interesse die
Kundgebungen des Kaisers Wilhelm zu Gunsten der großen
Berliner Unternehmung, während The Gentlewoman, ein in der
ganzen englisch redenden Welt verbreitetes Blatt, ebenso wacker
den Beweis führt, daß der menschenfreundliche Sinn der Kaiserin
sich auch bei dieser Gelegenheit glänzend bewährt hat.
The Gourt Journal ergeht sich in der Aufzählung der
Regattapreise, die der Prinz von Wales errungen hat und welche
er auf directen Wunsch Kaiser Wilhelms zur Ausschmückung der
Marine-Abtheilung hergeschickt hat. The Gourt Journal theilt
ferner mit, daß Kaiser Wilhelm als Preis für die Marine-Abthei
lung ein silbernes Modell seiner Dacht Meteor, im Verhältniß
von 1 zu 50, auf eineni massiven Silberpostament, gestiftet hat.
In seinem überall verbreiteten Tourist Advertiser theilt der
Inhaber des weltbekannten Cooks Reisebureau mit, daß er als
officieller internationaler Agent der Ausstellung in England Gesell
schaftsausflüge nach Berlin organisirt. Er verspricht seinen Kunden,
daß sie in Berlin wie Gott in Frankreich leben und sich wie Götier
amusiren sollen.
Sowohl Alt-Berlin, als Kairo iu Berlin werden in der
englischen Presse alle möglichen Schmeicheleien gesagt, doch ist es
schwer festzustellen, welcher der beiden so verschiedenartigen Ver
anstaltungen mau den Vorzug giebt.
„Alt-Antwerpen, Alt-Wien — schreibt die in Cardiff erscheinende
Western Mail — wird noch bei Weitem übertroffen werden durch
Alt-Berlin mit seinen 60 Häusern. Die Reproduction dieser ältesten
Stadttheile Berlins ist mit äußerster Genauigkeit ausgeführt."
Von den Londoner Fachblättern möge hier noch ein kurzer
Bericht der London Shipping Gazette and Lloyds Sist folgen:
„Kairo in Berlin tvird einer der größten Anziehungspunkte der
Ausstellung werden; es wird einen würdigen Platz in dem großarllgen
Unternehmen ausfüllen, das Capital, Kunst und Wissenschaft dem Ge
lehrten zum Studium, der Menge zum Vergnügen darbieten werden.
Die iu italienischer Sprache in London erscheinende Zeiümg
Londra-Itoma schreibt:
„Kairo in Berlin wird la rue de Caire auf der Pariser Welt-
Ausstellung 1889 und der Welt-Ausstellung in Chicago 1893 in jeder
Beziehung bei Weitem übertreffen. In Zukunft wird man nicht im
Stande sein, ein noch lebendigeres, poetischeres und lehrreicheres Bild
des alten Wunderlandes zu geben!"
Das ebenfalls in London herausgegebene Blatt: El Eigenere
espagnol schreibt über die gärtnerische Ausstellung!
„Die bekanntesten Gärtner und Bauinschulcnpfleger Berlins haben
sich vereint, um durch die originellen Anlagen und die Pracht ihrer Er
zeugnisse die ganze Welt, die nicht ahnt, wie weit auch in dieser Beziehung
Berlin vorgeschritten ist, zu überraschen."
Die Westminster Gazette versichert ihren Lesern und
Landsleuten, die bekanntlich sehr großen Werth auf das Materielle
legen und denen nichts über die heimathlichen Speisen und Ge
tränke geht, „daß die Erfrischnngs-Abtheilung von einer derartigen
Fürsorge erfüllt sei, daß nicht nur der einfachste Arbeiter, sondern
auch der anspruchsvollste Gourmet, welcher Nationalität er auch
sein möge, dort alles finden tvird, was sein Herz begehrt."
„Zweifellos tvird die Ausstellung" — bemerkt das Blatt
Eike — „ganz ungewöhnlich fesselnd sein und die Besucher werden
massemveise von allen Enden der Welt zusammenströmen."
Schließlich denken The 8t. Paul Gazette und The Vege-
tarian in Worten der höchsten Anerkennung der Mitglieder des
Arbeitsausschusses, Kühnemann, Goldberger und Felisch, deren wohl
gelungene Portraits sie ihren Lesern nicht vorenthalten zu können
glaubten.
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