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Volume Nr. 13, 25. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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GfficieUe Ausstellung» Nl"1srichte«. 
Durch den Zeichenunterricht, welcher ja auch auf die Bildung 
der Hand abzielt, kann er keineswegs genügend ersetzt werden. 
Tie Muskelkraft, welche beim Zeichnen aufgewendet wird, ist 
natürlich nur sehr gering, und doch können Muskeln und Bewegungs 
nerven nur erstarken, wenn sic oft, >vie das bei der Handarbeit 
der Fall ist, in die Lage versetzt werden, auch grössere Hindernisse 
zu überwinden. Und hier bei der Handarbeit giebt es nicht bloß 
mit einer leichte» Bleifeder einseitig Striche zu ziehen, sondern 
hier giebt es unter Anwendnng verschiedenster Werkzeuge auch zn 
heben, zu ziehen, zu stoßen, zn beuge» und zu strecken. Daß 
aber die Hand hierbei mehr gekräftigt und allseitiger 
gebildet wird, ist klar. Ferner hat der Schüler beim Zeichen- 
Unterricht fast nur die Form zu beobachten, dagegen muß 
er beim Handfertigkeits-Unterricht neben der Form auch die 
verschiedenen Eigenschaften des Materials berücksichtigen, er muß 
sich über den inneren Ban des Gegenstandes und über das 
Verhältniß der einzelnen Theile genau unterrichten, er kommt 
häufig in die Lage, darüber nachzudenken, ob sich dieses oder jenes 
Werkzeug für einen bestimmten Theil der Ausführung besser eigne, 
er stoßt öfter auf unvorhergesehene Schwierigkeiten, wobei er 
znm Nachdenken, Untersuchen, Erfinden angeregt wird; kurz, 
es ivcrden hier mehr Sinne und Kräfte in Thätigkeit versetzt 
als dort. 
Man darf auch nicht vergessen, daß das Kind für die Dinge 
selbst immer ein größeres Interesse zeigt, als die bloß zeichnerische 
Darstellung derselben. Der jedem Kinde innewohnende Thüügkeits- 
»nd Schaffenstrieb drängt dasselbe schon in frühester Jugend zur 
Beschäftigung mit Gegenständen hin, deren Lage es verändern, die 
cs umgestalten, bei welcher cs sich schöpferisch thätig zeigen kann. 
Der Baukasten, welcher ihm diese Gelegenheit bietet, gilt daher mit 
Necht als eins der besten Beschäftignngsmittcl. Aber der Hand- 
fcrtigkeitsnnterricht leistet zur Befriedigung des Bedürfnisses, zu 
gestalten, zn schaffen, sich praktisch thätig zu erweisen, noch mehr. 
Hier hat der Knabe nicht nur fertige, genau abgepaßte Steine 
und Klötzchen zusammenzusetzen, hier muß er selbst messen, ab 
schätzen, schneiden, hämmern, hier erhält er Gelegenheit, aus eigener 
Anschauung kennen zn lernen, was hart, weich, spröde, zähe und 
fest ist, hier wird auch das Blut in Wallung gebracht und so ein 
Gegengewicht gegen die Anstrengung des Geistes geschaffen. Und 
»'ährend das Product des Baukastens durch eine Handbewegung 
zerstört werden kann, ist das hier geschaffene Werk ein dauerndes 
und verschafft ihm oft das wohlthuende Gefühl, Vater oder 
Mutter, Bruder oder Schwester durch das Werk seiner Hände 
erfreuen zn können. 
Wenn nian also beim Handsertigkeitsnntcrricht aus den gelverb 
lichen Arbeiten für die Kleinen die einfachsten Elemente heraus 
sucht, wenn man sie dabei schon frühzeitig ihre Hände gebrauchen 
iilid das einfachste Werkzeug handhaben lehrt, so fördert man die 
allgemeine Ausbildung und will keineswegs einem dein Leben 
vorgreifenden Abrichten für ein Handwerk Vorschub leisten. 
Dieser Unterricht soll auch nicht einen Theil der Vorbereitung für 
ein bestimmtes Fach Übernehmen; nein, wie z. B. das Gymnasium 
als grundlegende Anstalt für die Universität die Pflicht hat, seine 
Schüler dahin zu befähigen, daß sie sich später je nach Neigung 
dieser oder jener Facultüt zuwenden können, um jetzt erst 
die besondere Ausbildung für ein bestimmtes Fach der Wissen 
schaft mit Erfolg zn betreiben, so soll auch die Schiller- 
werkstatt nur die grundlegende Kenntniß, nur dasjenige, was 
als erste Voraussetzung zur Erlernung eines jeden Handwerks 
gelten muß, nämlich Geschicklichkeit der Hand, Uebung des Auges 
und praktischen Sinn, vermitteln. Wer sich also diese grund 
legende Kenntniß und Fertigkeit in seiner Jugend erworben hat, 
der wird, falls er ein Handwerk ergreift, für jedes Fach besser 
vorbereitet sein, und die Industrie wird einen so vorgebildeten 
Arbeiter als werthvollerc Hilfskraft aufnehmen können. Nahe 
liegt auch der Gedanke, daß es für das Allgemeinwohl von nicht 
zu unterschätzendem Werthe ist, wenn diejenigen, die im späteren 
Leben dem Gewerbe fern bleiben, wenigstens in ihrer Jugend Ge 
legenheit haben, die körperliche Arbeit kennen z» lernen, wenn sic 
aus eigener Erfahrung wissen, welcher Fleiß, welche Mühe und 
welche sonstigen Eigenschaften dazu gehören, eine gute Arbeit her 
zustellen. Sie werden solche Arbeiter besser schützen und den 
jcnigen. der sie hervorbringt, achten lernen. 
Sv kann also der Handferügkeitsunterricht durch die Er- 
I weckuug des Sinnes für Fleiß und Arbeitsamkeit und durch die 
Vermittelung des Verständnisses für gewerbliche Arbeit auf die 
Prodnctivnskraft unseres Volkes befruchtend einwirken, voraus 
gesetzt, daß er in methodischer und zielbeivnßter Weise betrieben 
ivird. Das ist aber in unseren Schülerwerkstätten der Fall. Die 
bei den anderen Unterrichtsgegenständen anerkannten und be 
währten Grundsätze sind auch hier maßgebend. Mit den ein 
fachsten Vorübungen, mit den leichtesten Arbeiten ivird begonnen: 
jeder folgende Gegenstand »'eist einen kleinen Fortschritt ans, er 
fordert die Handhabung neuer Werkzeuge, die Ueberwindung wider- 
standsfähigeren Materials und steigert so unter steter Rücksicht 
nahme auf die Körper- und Geisteskräfte des Kindes allmählich 
die Anforderungen an seine Leistungsfähigkeit, bis ihm schließlich 
auch die Anfertigung schwierigerer Sachen ganz gut gelingt. 
Hierbei wird gleichzeitig auf die größte Sauberkeit und Genauig 
keit der Ausführung, auf die rechte Entwickelung des Formen-, 
Farben- und Schönheitssinnes und auf die Bildung des Ge 
schmackes in rechter Weise hingearbeitet. Die Erfolge eines solchen 
vernünftigen Unterrichts bleiben denn auch nicht aus. Die kleinen, 
gefügigen Finger fördern bald Sachen zu Tage, die bei Unein 
geweihten den Zweifel erregen, ob sie auch von Kinderhand her 
gestellt sind. Wer aber den großen Eifer, die aus den Augen 
hell leuchtende Freude der kleinen Arbeiter gesehen, wer das Ent 
stehen der nach verhültnißmüßig kurzer Zeit gut gelungenen Er 
zeugnisse ihres Schaffens beobachtet hat, der ist des Zweifels 
überhoben und kommt zu der Ueberzeugung, daß die durch eine 
solche Schule gegangenen Knaben, was sie auch werden mögen, 
ihren Platz im späteren Leben besser ausfüllen werden, als cs 
ohne diesen Unterricht der Fall sein würde. 
Aus diesen Andeutungen dürfte wohl hervorgehen, daß die 
Berliner Schülerwerkstätten bestrebt sind, die Erziehung des 
Einzelnen zu unterstützen und zu erweitern und damit zugleich der 
Wohlfahrt des Volkes zu dienen. Ihre Products haben daher 
mit Recht einen Platz zwischen Erziehung und Wohlfahrt ange 
wiesen erhalten. F. Groppler. 
Die Berliner Gewerbe-Ausstellung 
und das Ausland. 
tAbdruck untersagt^ 
Die großen politischen Zeitungen Londons, an der Spitze die 
Times, haben der Berliner Gewerbe-Ausstellung wiederholt in 
rühmlichster WeiseErwähnung gethan, aber in richtigem journalistischen 
Takt beschränkten sie sich mehr oder weniger auf Voranzeigen, um 
erst nach Eröffnung der Ausstellung sich ausführlicher mit derselben 
zu befassen. 
Desto zahlreicher und eingehender sind die Besprechungen der 
Ausstellung in den leitenden Provinzialblättern. Gerade die Städte, 
die sich durch Handel und Industrie einen Weltruf errungen haben, 
sind es, die sich der sie am meisten interessirenden Einzelheiten der 
Ausstellung bemächtigen und sie mit wirklicher Sachkenntniß erörtern. 
Keine größere Genugthuung für die Vorkämpfer der Berliner 
Gewerbe-Ausstellung, als die folgenden Auslassungen des in 
Manchester — bekanntlich das englische Chemnitz in gewaltig ver 
größertem Maßstab - erscheinenden Manchester Examiner, des 
berufensten Dolmetschers der dort herrschenden Meinung: 
„Die Berliner Gewerbe-Ausstellung wird der langen und liebevollen 
Vorbereitung völlig entsprechen. Sie umfaßt einen größeren Flächenraum, 
als je zuvor eine Ausstellung in Europa und wird einzig dastehen. Ihr 
Hauptzweck ist, den Besuchern die Leistungsfähigkeit der Berliner Industrie 
auf allen Gebiete» interessant und lehrreich vor Augen zu führen: sie 
soll jedermann von der Vielseitigkeit und Solidität der Berliner Erzeug 
nisse überzeugen und die Bedeutung Berlins als Handels- und Industrie- 
Centrum erster Größe außer jeden» Zweifel stellen. Eine derartig an 
gelegte Ausstellung wird zweifellos einen großartigen Erfolg erzielen." 
Ans Birmingham, der zweitgrößten Handelsstadt Englands, 
könnten wir die wohlthnendsten Preßstimmen ans den Birmingham 
News, der Birmingham Daily Gazette, der Birmingham Daily 
Post—iittb vielen anderen Zeitungen anführen, beschränken uns jedoch 
heut ans die Birmingham News, die sich folgendermaßen äußern: 
..Die Handelsschulen, eine ganze besondere Einrichtung Deutschlands, 
iverden auf der Ausstellung in voller Thätigkeit vorgeführt werden. Diese
	        
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