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Periodical volume Nr. 114, 9. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
ii 
Sonntag nnd legt .sich an den dem Sonntag folgenden Tagen 
etwas Beschränkung auf. Dann werden erfanrungsgemäss 
die Einnahmen der meisten nicht gerade übermässig mit 
Glücksgütern bedachten Menschen am Ende des Monats 
schmäler und versiegen hei sehr vielen gänzlich. Trotzdem 
fluthete in den Haupttheilen der Ausstellung vom frühen 
Morgenjbis zum späten Abend eine recht grosse Menschen 
menge. Die Arena in Kairo ipit ihren glänzenden bunten 
Aufzügen, die Darbietungen in der Kolonial-Ausstellung und 
Alt-Berlin mit seinen historisch-treu imitirten Strassen und 
Plätzen nahmen das meiste Interesse in Anspruch. Aber 
auch die Marine-Schauspiele, das Kaiserschiff und andere 
Etablissements »waren während des ganzen Tages gut be 
sucht und das Kassenresultat dürfte, die oben angeführten 
Umstände in Betracht gezogen, immer noch so gut sein, dass 
Wiederholungen des Marktages auch in Zukunft sich, sicher 
rentiren dürften. 
V 
Blinder Feuerlärm verursachte gestern wieder gegen 
3 Uhr grosse Aufregung unter den Besuchern des Hauptge 
bäudes und der angrenzenden Pavillons. Die Feuerwehr 
hatte sich auf die Meldung, dass die Kinderbrutanstalt 
brenne, sofort mit der Dampfspritze dahin begeben, doch er 
wies sich die Meldung glücklicherweise als ebenso falsch, 
wie die Mittheilung, dass Feuer im Hauptgebäude ausge 
brochen sei. Man vermuthet, dass Kurzschluss am Feuer 
melder die unnütze Alarmirung verursacht habe. 
9 
Der Sedantag wird in den Marine- Schauspielen 
durch ein Militair-Doppelconcert neben den Elite-Vorstel 
lungen, ferner durch grosse Schlachtmusik, Zapfenstreich, 
bengalisphe Beleuchtung der einzelnen Schiffe des Geschwa 
ders begangen werden. Die Begleitung der Schlachtmusik, 
die von hundertMilitairmusikern ausgeführt wird, bilden viele 
hunderte Kanonenschläge. 
9 
Im Vortragssaal des Riesenfernrohrs finden die 
Vorträge in Zukunft nicht mehr um 2, 4, 6 und '/ 2 8 Uhr, son 
dern um »/gl, V ä 3, J / 2 5 und ’/ a 7 Uhr statt. Der Grund 
hierfür liegt in der Aenderung der Vorstellungszeiten in den 
Marine-Schauspielen. Man will ein Zusammentreffen der beider 
seitigen Veranstaltungen vermeiden, und sind die Vorträge am 
Riesenfernrohr so angesetzt, dass sie durch den Geschützlärm in 
den Marine-Schauspielen nicht mehr gestört werden. 
¥ 
Tin arabischen Cafe. „So also sieht das Urbild un 
serer Kaffeehäuser aus !“ — ist der Gedanke manches Be 
suchers der Ausstellung „Kairo“, wenn er an einem der klei 
nen arabischen Cafes vorbeigeht. Ja, das Urbild unserer 
Kaffeehäuser! Ehe der edle Kolschitzky — sem Andenken 
sei gepriesen — aus dem Lager der Wien belagernden Tür 
ken die Kaffeebohnen holte und nach den Erinnerungen 
früherer Reiseerfahrungen die Kunst der Zubereitung etc. 
Lehrte, gab es in ganz Europa keinen Kaffee und kein Kaffee 
haus. Was hätten damals all’ die Leute angefangen, die 
tagtäglich Morgens und Abends im Cafe Bauer oder Reiclis- 
hallen, in Paris im Cafe de 1'Opera, in Wien im „Scheidl“ 
sitzen und bei dampfendem Mokka ihre Zeitung lesen, was 
hätten diese Menschen ohne Kolschitzky und das edle ara 
bische Gebräu mit ihren langen Tagen angefangen!? — 
Schlicht, und bescheiden, wie es alle Ahnen sind, repräsen- 
tirt sich auch das arabische Kaffeehaus. Ein schmaler, 
ziemlich dunkeler Raum, an dessen einem Ende der ge- 
gemauerte Kaffeeherd, der zugleich als Buffet dient; ein 
Araber in langem Kaftan hält mit melancholischer Miene die 
Metallkanne in’s Feuer; zwei Kellner, gleichfalls in langem 
Kaftan, bedienen die Gäste, die ans hohen, hölzernen, längs 
den Wänden sich hinziehenden Ruhebänken Platz genommen 
haben. — Nach der Eröffnung der Ausstellung hatte man 
! ;h vor die beiden Thüren des Cafe die aus Palmenrippen 
lochtenen, wie Hühnerkäfige aussehenden Sitze hinge 
llt, und man sah hier oft recht malerische Gruppen, Be 
duinen, Fellachen und uniformirte Musiker, die hier ihren 
Mokka schlürften und Nurjileli rauchten. Aber um den' 
Verkehr nicht zu hemmen, wurden diese Plätze beseitigt. 
9 
Auf dem Gebiete der Damen - Confection 
zeichnet sich unter den zahlreichen ausstellenden Geschäften, 
deren wir grossentheils schon gedachten, s,ehr vort heilhaft 
auch die Firma R. M. Maassen aus, deren geschmack 
voll ausgestattete Vitrine das lebhafte Interesse unse 
rer Damenwelt erregt und stets dicht umlagert ist. Daa 
Confectionshaus Maassen erfreut sich längst eines trefflichen 
Rufes als Specialgeschäft in seiner Branche und hat auch auf 
unserer Ausstellung seine grosse Leistungsfähigkeit voll be 
wiesen. Vor allem geschieht dies durch die prächtigen, ebenso 
elegant als solid gearbeiteten Damenmäntel, unter denen vor 
wiegend zwei das Entzücken der Beschauerinnen bilden: ein 
russischer Zobel mit Kerzköpfen gefüttert und ein Skunks 
mantel mit Feekopffütterung, zwei Stücke, deren sich die 
feinste Dame nicht zu schämen braucht. Ein Prachtstück 
ist auch der Sfal-Plüsch-Mantel, der selbst hei Schnee und 
Regen getragen werden kann, ohne dass seine Qualität da 
runter leidet, und auch die verschiedenen Abendmäntel 
machen der Firma alle Ehre. Dieselbe führt auch zwei sehr 
hübsche Neuheiten vor : reizende Kragen aus schottischem! 
Plaidstoff. und die kleidsamen Tailormaid-Costüme, die sich 
rasch einbürgern dürften. Seit einem halben Jahre hat sieln 
die Firma, die auch in ebenso praktischen wie .eleganten und 
— last not least — billigen Lodenfabrikaten Hervorragendes 
leistet, auf die Herstellung von Damensportkleidern verlegt 
und, wie die ausgestellten Proben beweisen, mit grossem Er 
folg. Die sich in voller Ausstattung präsentirende Rad 
fahrerin, deren weisses Cost.üm zwar etwas difficil, aller hoch 
elegant ist, die schneidigen Bergsteigerinnen in wetterfesten. 
Loden, die reizende und vornehme Schlittschuhläuferin, allö 
bekunden, dass R. M. Maassen auch auf diesem Gebiet sein* 
Tüchtiges leistet. Eine besondere Specialität der Firma ist 
die Engrosfabrikation von Blousen und Jupons in jeglichem 
Stoff und jeglicher Preislage, die wie auch die Lodenmäntel 
und Hohenzollernmäntel einen grossen Exportartikel des; 
strebsamen und soliden Hauses bilden. 
9 
Die Sanitätswache ist in den letzten 24 Stunden in 
31 Fällen in Anspruch genommen worden. — Auf der Unfall 
station kamen in den letzten 24 Stunden 17 Fälle zur Be 
handlung. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
(Weitere Sehenswürdigkeiten werden ans Verlangen in diese Rubrik 
aufgenommen) 
Abgeordneten-Haus,Leipzigerstr.75. Eintrittskarten parterre, Abds.vorher v. 5 Uhr ab. 
Aquarium, Unter den Linden 68 a. 9—7. Wochentags 1 M., Sonntags 50 Pf 
Kinder die Hälfte. 
Berg- und Hüttenmuseum, in der Geologischen Landesanstalt, Invalidenstr. 44. 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uhr- 
Berliner Ra'hhaus, finit Ausnahme Donnerstags nnd Freitags) 11—3 Uhr. 
Beuth-Schinkcl-Museum, Charlottenburg in der techn- Hochschule. Montags nnd 
Donnerstags von 10-12 Uhr. 
Bibliothek der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im 
König!. Museum für Völkerkunde, Eingang Prinz Albrechtstrasse. Be 
suchszeit von 10—3 Uhr. ... 
Bibliothek in der Königs- Bau-Akademie an der Schleusenbrücke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. 
Bibliothek, Königs, am Opernplatz 1—2 Uhr. 
BibliothoK des Kunstgcwo, bo-Museums, Prinz Albrechtstr. 7. Besuchszeit v. 10—10 UhN 
Bibliothek der polytcchn. Gesellschaft, Neue Friedrichstr. 35. 2—3 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr. 9. 9—1 Uhr. 
Botanischer Garten, Potsdamerstr. 75. 8-12, 2—7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse. Bnrgstrasse und Friedrichstrassen-Ecke, 12-2 Uhr, ausser Sonntag. 
Depeschensaal des „Berliner Lokal-Anzeiger“, Unter den Linden 3 Eintritt frei. 
Flora-Etablissement. Palmen- n. Blumengärten in Charlottenburg. Eintritt 1 Mk. 
Friedrichshain. mit dem Denkmal Friedrichs des Grossen. Platz vor dem Lands 
berger Thor, Ruhestätte d, r im März 1848 Gebliebenen. 
Herrenhaus, Leipzigerstr. 3. Eintrittskarten im Bureau daselbst. 
Historisches Museum im Schloss Monbijou (reich an Gegenständen aus der vater 
ländischen Geschichte) 10—3 Uhr. IA nt n 
Hygienisches Museum, Klosterstr.35. Sonntags 11—1 Uhr, Dienstags u. r eitags 10—2 Uhr« 
Königl. Institut für Glasmalerei, Charlottenburg. Berlinerstr. 9 (beim Chausseehaus) 
täglich ausser Sonntags von 9—4 Uhr. , . . , 
Königliches Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albrechtstr. 7. Wochentags mit Ausnahme 
des Montags v. 10-4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer von 12-6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3, 12—4, 
12—5 Uhr. . . .. ,, „ 
König! Museum. Gemälde, Sculpturon, Antiquarium, Antike Vasen u. nronzen 
Egvptiscnes Museum, Kupferstichsammlung etc Wochentags mit Ausnahme 
d. Montags v. 10-4 Uhr im Sommer, v 10-3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer v. 12—6 Uhr, im Winfc je nach der Jahresak y. 12—3, 12—4, 12 5 Uhr. 
Könial Porzellan-Manufactur, Wegelystrasse- Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. 
Freitag. Vorm bis 12 Uhr. 
König) Schloss, Meldung beim Kastellan, 10 bis l Uhr. 
Könjgi. Schloss in Charlottenburg. Meldung beim Kastellan.
	        
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