Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gffirielle Ausstellungs Nachrichten.
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und der Schnelligkeit, mit der die Einräumung geschehen kann, ab,
ob Alles am 1. Mai saus reproche sich präsentiren kann. Die
Ueberzeugung, daß die Ausstellung zur rechten Zeit fertig sein wird,
scheint auch in weiteren Kreisen der Betheiligten sich heransgebildel zu
haben, denn von Hasten und Drängen bemerkt man nicht viel.
Nachtarbeiten, wie sie seinerzeit in Chicago in so großem Umfange
nothwendig waren, werden draußen in Treptow nur an zwei oder
drei Stellen, wo von Maurern Notharbeiten znm Schutze gegen
Erdrutschungen aufgeführt werden, vorgenommen. Alles geht in
Ruhe und Ordnung seinen Weg. Hoffen wir, daß unserer Zuversicht
die Thatsachen Recht geben.
Die Sonntagsarbeit in der Gewerbe-Ausstellung. Der
Regierungspräsident von Potsdam hat bestimmt, daß der gesanimte
Maschinenbetrieb der Gewerbe-Ausstellung an Sonn- und Festtagen
von l Uhr Nachmiltags an bis zum Schluß der Ausstellimg in
Thätigkeit gezeigt werden, und daß diejenigen Maschinen und Unter
nehmungen, welche zum regelmäßigen Betrieb und zur Personen
beförderung durchaus nothwendig sind, während des ganzen Tages
ununterbrochen im Gange erhalten werden dürfen. Der Verkauf
von Waaren ist an Sonn- und Festtagen mit Ausnahme der
Stunden von 10 bis 12 Uhr Vormittags gestattet.
V
„Wo treffen wir uns?" Diese Frage wird ohne Zweifel
während der Ausstellung von Freunden und Bekannten vielfach
aufgeworfen werden und deshalb ist eine Neueinrichtung, welche
die Berliner Packetfahrt-Actien-Gesellschaft in ihrem Pavillon auf
dem Ausstellungsplatz ttifft, eine für die Besucher der Berliner
Gewerbe Ausstellung höchst praktische. Gewiß wird dieselbe all
seitig niit großem Beifall aufgenommen werden. Es wird ein
mit alphabetischem Register versehenes „Auskunftsbuch" ansliegen,
ivelches jedem Besucher gegen Entgeld von 0,10 Mk. zur Ver
fügung steht und welches den Zweck hat, Verabredungen, Trefforte
und sonstige Mittheilungen an Angehörige und Freunde ec. zur
Kenntniß zu bringen. Uni dieses Verfahren verständlicher zu
niachen, führen wir einige Beispiele an: „Familie A. und Familie B.
verabreden, Dienstag Nachmittag die Ausstellung zu besuchen,
wissen jedoch noch nicht, wo sie sich daselbst treffen sollen, und be-
stinlmen, daß A. den Treffpunkt int Allskunstsbuch der Berliner
Packetfahrt unter Register A. angeben möge. A. schreibt also in
das Auskunftsbuch unter Register A.: „3 Uhr Chemische Industrie,
1 Uhr Cafe Bauer, 5 Uhr Hauptgebäude, Porzellau-Industrie."
B. schlägt nun im Pavillon der Packetfahrt Auskunftsbuch, Register A.
auf und wird über die Anwesenheit der Familie A. orientirt;
oder: Freimd X. und I. verabreden sich, Mittwoch Nachmittag die
Ausstellung zu besuchen, Näheres Packetfahrt, Ausknnftsbnch; X. ist
zwar in der Ausstellung gewesen, mußte jedoch wegen Unpäßlichkeit
dieselbe verlassen, er schreibt unter Register X. seinen Namen und
die Bemerkung: „wurde unpäßlich, mußte nach Hause gehen",
A. lvird aus dem Auskunftsbuch über den Aufenthaltsort seines
Freundes verständigt. Weiter möge als Beispiel angenommen
werden, es hätten sich zwei Personen in der Ausstellung verabredet
ilnd können sich, trotz mehrstündigem Suchen, nicht finde», dann
gehen sie in beit Packetfahrt-Pavillon und schreiben unter deni
betreffenden Register ihren Aufenthalt ein. Diese Beispiele werden
den Zweck des Auskunftsbuches genügend aufklären. Es niöge
noch hervorgehoben werden, daß nur der Einschreibende 0,10 Mk.
zu zahle» hat, der Nachschlagende nicht.
Dr. A. An die Ausschmückung des Haupt-Jndnstrie-
Gebändes wird die letzte Hand angelegt. Die Thür- und Fenster
nischen der in der Wandelhalle belegeneu Bureaux stir den Verkehr, die
Presse, die Post x. werden mit zierlichen, roth und goldgeftricheuen
Holzsäulchen geziert. In dem gewölbten Vorraum wurde in den letzten
Tage» ein Brunnen mit zwei großen Porphyrschalen und vier
Thiergestalten ausgerichtet; der Kuppelraum, in Architektur und
Decoration beendet, wird nun asphaltirt. Sehr reizvoll präsentirt
sich die kürzlich durchgeführte Vergoldung der Amorettengruppen.
Ein geschmackvoller Aufbau entstand in der Halle der Papier-
gruppe: auch die Pavillons der Textil- und Bekleidungsbrauche
sind fertiggestellt. ■— Ein Aussteller der Kurz und Galanterie
waarengruppe hat seine Spinden bereits mit Bijouterieen gefüllt;
andere sind beschäftigt, durch Jnnenbekleidung der Schränke mit
farbigem Sammet, Draperieen ec. für die auszustellenden Waaren
einen geschmackvollen Hintergrund zu schaffen.
Die Front des Nnterrichtsgebäudes wird mit reichen Figuren
und Bilderschmuck versehen.
Der erste fertige Schrank im Ausstellungspalast ist der
des Herrn Paul Hübner in Gruppe VI, Kurz- und Galanterie-
waaren. Derselbe wurde ani Sonntag, Nachmittag 5 llhr, nach
zweitägiger Arbeit zur Eröffnung fertig gestellt. Diese Notiz
dürfte geeignet sein, auch andere Aussteller zur Beschleunigung
ihrer Arbeiten anzuspornen.
Unter den Andenken an die Gewerbe-Ausstellung
nehmen die officielleu Postkarten einen hervorragenden Platz ein.
Dieselben sind im Aufträge des Arbeits - Ausschusses von Herrn
I. Miesler in zwölf Mustern angefertigt, welche die verschiedenen
Ansichten der Ausstellung wiedergeben. Die Ausführung der
Karten ist die denkbar beste, die Farben sind sehr zart und duftig
gehalten und aus diesem Grunde wird die Sammlung jedem Ein
heimischen und Fremden als bleibendes Andenken hoch willkommen
sein. — Eine eigenartige Reclame versendet die Osnabrücker Papier -
waarenfabrik, welche das Hammer-Placat in origineller Weise ver
wendete. Die Firma stellt ihren Geschäftsfreunden sowohl die
beiden Telephons in ihrem Geschäftshause in der Ritterstraße, als
auch dasjenige in der Ausstellung (Gruppe XVI) unentgeltlich zur
Verfügung.
Die Brutanstalt der Biologischen Station „Müggel
see" bei Friedrichshageu wird zum 1. Mai nach der Aus
stellung in Treptow verlegt, um in deni Bruthaus des Fischerei-
gebäudes die Entwicklung der Lachse, Forellen und Saiblinge
vorzunehmen. Infolge der kühlen Witterung war es möglich, die
Brut soweit zurückzuhalten, daß sie noch einige Wochen in den
Apparaten gehalten werden kann. Interessenten, welche das Aus-
brüten kennen lernen wollen, sollten ihren Besuch der Ausstellung
daher möglichst frühzeitig einrichten.
Für Berlin besteht bereits seit dem Jahre 1347 die
Bestimmung, daß die Gastwirthe gehalten sind, in allen Gastzimmern
ein bei dem Polizeipräsidium vorgelegtes und dort gestempeltes Ver-
zeichuiß der von ihnen festgestellten Preise anzuschlagen, wovon ein
mit der Unterschrift des Gastwirths versehenes Exemplar bei den
Polizeiakten bleibt. Diese Preise dürfen zwar mit dem Anfange
eines jeden Monats abgeändert werden, bleiben aber so lange in
Kraft, bis die Abänderung dem Polizeipräsidium angezeigt und
das abgeänderte, gestempelte Verzeichniß in den Gastzimmem an
geschlagen ist. Diese Bestimmungen sind seither fortdauernd in
Geltung geblieben und werden auch unter der geltenden Gewerbe
ordnung weiter gehandhabt und eintretenden Falls nach diesm be
straft. (ß 148 Ziffer 8 der Reichs-Gewerbeordnung.) Ans Anlaß
der diesjährigen Gewerbe-Ausstellung und des zu erwartenden ver
mehrten Fremdenverkehrs hat das Polizei-Präsidium die Polizei
Reviere angewiesen, sämmtliche Gastwirthschaften auf die genaue
Einhaltung dieser Vorschriften zu kontroliren.
Die Pavillons im Ausstellungspark.
^Abdruck untersagt.)
Die officiellen Baulichkeiten in Treptoiv, wie die Industrie-
Halle, das Hauptrestaurain, das Chemiegebäude u. s. w., geben
mit ihrem großen Maßstabe und einer ausgeprägteren Grnppirung
im malerischen Sinne gewissermaßen die Fixpunkte des wechsel-
reichen Bildes da draußen, den ästhettschen Grnndton des ganzen
Werkes ab. Im Einzelnen aber treten noch als reizvolle Begleit
erscheinungen neben ihnen zahllose andere Schöpfungen auf, die.
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