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Volume Nr. 13, 25. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

Gffirielle Ausstellungs Nachrichten. 
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und der Schnelligkeit, mit der die Einräumung geschehen kann, ab, 
ob Alles am 1. Mai saus reproche sich präsentiren kann. Die 
Ueberzeugung, daß die Ausstellung zur rechten Zeit fertig sein wird, 
scheint auch in weiteren Kreisen der Betheiligten sich heransgebildel zu 
haben, denn von Hasten und Drängen bemerkt man nicht viel. 
Nachtarbeiten, wie sie seinerzeit in Chicago in so großem Umfange 
nothwendig waren, werden draußen in Treptow nur an zwei oder 
drei Stellen, wo von Maurern Notharbeiten znm Schutze gegen 
Erdrutschungen aufgeführt werden, vorgenommen. Alles geht in 
Ruhe und Ordnung seinen Weg. Hoffen wir, daß unserer Zuversicht 
die Thatsachen Recht geben. 
Die Sonntagsarbeit in der Gewerbe-Ausstellung. Der 
Regierungspräsident von Potsdam hat bestimmt, daß der gesanimte 
Maschinenbetrieb der Gewerbe-Ausstellung an Sonn- und Festtagen 
von l Uhr Nachmiltags an bis zum Schluß der Ausstellimg in 
Thätigkeit gezeigt werden, und daß diejenigen Maschinen und Unter 
nehmungen, welche zum regelmäßigen Betrieb und zur Personen 
beförderung durchaus nothwendig sind, während des ganzen Tages 
ununterbrochen im Gange erhalten werden dürfen. Der Verkauf 
von Waaren ist an Sonn- und Festtagen mit Ausnahme der 
Stunden von 10 bis 12 Uhr Vormittags gestattet. 
V 
„Wo treffen wir uns?" Diese Frage wird ohne Zweifel 
während der Ausstellung von Freunden und Bekannten vielfach 
aufgeworfen werden und deshalb ist eine Neueinrichtung, welche 
die Berliner Packetfahrt-Actien-Gesellschaft in ihrem Pavillon auf 
dem Ausstellungsplatz ttifft, eine für die Besucher der Berliner 
Gewerbe Ausstellung höchst praktische. Gewiß wird dieselbe all 
seitig niit großem Beifall aufgenommen werden. Es wird ein 
mit alphabetischem Register versehenes „Auskunftsbuch" ansliegen, 
ivelches jedem Besucher gegen Entgeld von 0,10 Mk. zur Ver 
fügung steht und welches den Zweck hat, Verabredungen, Trefforte 
und sonstige Mittheilungen an Angehörige und Freunde ec. zur 
Kenntniß zu bringen. Uni dieses Verfahren verständlicher zu 
niachen, führen wir einige Beispiele an: „Familie A. und Familie B. 
verabreden, Dienstag Nachmittag die Ausstellung zu besuchen, 
wissen jedoch noch nicht, wo sie sich daselbst treffen sollen, und be- 
stinlmen, daß A. den Treffpunkt int Allskunstsbuch der Berliner 
Packetfahrt unter Register A. angeben möge. A. schreibt also in 
das Auskunftsbuch unter Register A.: „3 Uhr Chemische Industrie, 
1 Uhr Cafe Bauer, 5 Uhr Hauptgebäude, Porzellau-Industrie." 
B. schlägt nun im Pavillon der Packetfahrt Auskunftsbuch, Register A. 
auf und wird über die Anwesenheit der Familie A. orientirt; 
oder: Freimd X. und I. verabreden sich, Mittwoch Nachmittag die 
Ausstellung zu besuchen, Näheres Packetfahrt, Ausknnftsbnch; X. ist 
zwar in der Ausstellung gewesen, mußte jedoch wegen Unpäßlichkeit 
dieselbe verlassen, er schreibt unter Register X. seinen Namen und 
die Bemerkung: „wurde unpäßlich, mußte nach Hause gehen", 
A. lvird aus dem Auskunftsbuch über den Aufenthaltsort seines 
Freundes verständigt. Weiter möge als Beispiel angenommen 
werden, es hätten sich zwei Personen in der Ausstellung verabredet 
ilnd können sich, trotz mehrstündigem Suchen, nicht finde», dann 
gehen sie in beit Packetfahrt-Pavillon und schreiben unter deni 
betreffenden Register ihren Aufenthalt ein. Diese Beispiele werden 
den Zweck des Auskunftsbuches genügend aufklären. Es niöge 
noch hervorgehoben werden, daß nur der Einschreibende 0,10 Mk. 
zu zahle» hat, der Nachschlagende nicht. 
Dr. A. An die Ausschmückung des Haupt-Jndnstrie- 
Gebändes wird die letzte Hand angelegt. Die Thür- und Fenster 
nischen der in der Wandelhalle belegeneu Bureaux stir den Verkehr, die 
Presse, die Post x. werden mit zierlichen, roth und goldgeftricheuen 
Holzsäulchen geziert. In dem gewölbten Vorraum wurde in den letzten 
Tage» ein Brunnen mit zwei großen Porphyrschalen und vier 
Thiergestalten ausgerichtet; der Kuppelraum, in Architektur und 
Decoration beendet, wird nun asphaltirt. Sehr reizvoll präsentirt 
sich die kürzlich durchgeführte Vergoldung der Amorettengruppen. 
Ein geschmackvoller Aufbau entstand in der Halle der Papier- 
gruppe: auch die Pavillons der Textil- und Bekleidungsbrauche 
sind fertiggestellt. ■— Ein Aussteller der Kurz und Galanterie 
waarengruppe hat seine Spinden bereits mit Bijouterieen gefüllt; 
andere sind beschäftigt, durch Jnnenbekleidung der Schränke mit 
farbigem Sammet, Draperieen ec. für die auszustellenden Waaren 
einen geschmackvollen Hintergrund zu schaffen. 
Die Front des Nnterrichtsgebäudes wird mit reichen Figuren 
und Bilderschmuck versehen. 
Der erste fertige Schrank im Ausstellungspalast ist der 
des Herrn Paul Hübner in Gruppe VI, Kurz- und Galanterie- 
waaren. Derselbe wurde ani Sonntag, Nachmittag 5 llhr, nach 
zweitägiger Arbeit zur Eröffnung fertig gestellt. Diese Notiz 
dürfte geeignet sein, auch andere Aussteller zur Beschleunigung 
ihrer Arbeiten anzuspornen. 
Unter den Andenken an die Gewerbe-Ausstellung 
nehmen die officielleu Postkarten einen hervorragenden Platz ein. 
Dieselben sind im Aufträge des Arbeits - Ausschusses von Herrn 
I. Miesler in zwölf Mustern angefertigt, welche die verschiedenen 
Ansichten der Ausstellung wiedergeben. Die Ausführung der 
Karten ist die denkbar beste, die Farben sind sehr zart und duftig 
gehalten und aus diesem Grunde wird die Sammlung jedem Ein 
heimischen und Fremden als bleibendes Andenken hoch willkommen 
sein. — Eine eigenartige Reclame versendet die Osnabrücker Papier - 
waarenfabrik, welche das Hammer-Placat in origineller Weise ver 
wendete. Die Firma stellt ihren Geschäftsfreunden sowohl die 
beiden Telephons in ihrem Geschäftshause in der Ritterstraße, als 
auch dasjenige in der Ausstellung (Gruppe XVI) unentgeltlich zur 
Verfügung. 
Die Brutanstalt der Biologischen Station „Müggel 
see" bei Friedrichshageu wird zum 1. Mai nach der Aus 
stellung in Treptow verlegt, um in deni Bruthaus des Fischerei- 
gebäudes die Entwicklung der Lachse, Forellen und Saiblinge 
vorzunehmen. Infolge der kühlen Witterung war es möglich, die 
Brut soweit zurückzuhalten, daß sie noch einige Wochen in den 
Apparaten gehalten werden kann. Interessenten, welche das Aus- 
brüten kennen lernen wollen, sollten ihren Besuch der Ausstellung 
daher möglichst frühzeitig einrichten. 
Für Berlin besteht bereits seit dem Jahre 1347 die 
Bestimmung, daß die Gastwirthe gehalten sind, in allen Gastzimmern 
ein bei dem Polizeipräsidium vorgelegtes und dort gestempeltes Ver- 
zeichuiß der von ihnen festgestellten Preise anzuschlagen, wovon ein 
mit der Unterschrift des Gastwirths versehenes Exemplar bei den 
Polizeiakten bleibt. Diese Preise dürfen zwar mit dem Anfange 
eines jeden Monats abgeändert werden, bleiben aber so lange in 
Kraft, bis die Abänderung dem Polizeipräsidium angezeigt und 
das abgeänderte, gestempelte Verzeichniß in den Gastzimmem an 
geschlagen ist. Diese Bestimmungen sind seither fortdauernd in 
Geltung geblieben und werden auch unter der geltenden Gewerbe 
ordnung weiter gehandhabt und eintretenden Falls nach diesm be 
straft. (ß 148 Ziffer 8 der Reichs-Gewerbeordnung.) Ans Anlaß 
der diesjährigen Gewerbe-Ausstellung und des zu erwartenden ver 
mehrten Fremdenverkehrs hat das Polizei-Präsidium die Polizei 
Reviere angewiesen, sämmtliche Gastwirthschaften auf die genaue 
Einhaltung dieser Vorschriften zu kontroliren. 
Die Pavillons im Ausstellungspark. 
^Abdruck untersagt.) 
Die officiellen Baulichkeiten in Treptoiv, wie die Industrie- 
Halle, das Hauptrestaurain, das Chemiegebäude u. s. w., geben 
mit ihrem großen Maßstabe und einer ausgeprägteren Grnppirung 
im malerischen Sinne gewissermaßen die Fixpunkte des wechsel- 
reichen Bildes da draußen, den ästhettschen Grnndton des ganzen 
Werkes ab. Im Einzelnen aber treten noch als reizvolle Begleit 
erscheinungen neben ihnen zahllose andere Schöpfungen auf, die.
	        
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