Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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OfftcieUe AussteUuttgs -Äachrichtett.
weder etwa- Außergewöhnliches noch etwas Gefährliches. Im
großen Saal, in dem Gegenstände und Apparate der Hochsee-
fischerei ausgestellt werden, herrscht besonders reges Leben und
Treiben. An den Wänden sind enorme Netze und Reusen
in geschmackvoller Anordnung neben Aalkörben, Fangleinen
und allen anderen nur möglichen Apparaten, deren Ziveck
und Name nur dem Eingeweihten eigentlich klar ist, auf
gehängt. Hunderte von Kisten mit mehr oder minder warnenden
und ermahnenden Inschriften, wie „Vorsicht!" „Vorsichte!" „ganz
vorsichtig!" „Nicht stürzen", „Piano", »fragile«, lassen in ihrem
Innern zerbrechliche Dinge vermuthen. Auf dem Fußboden stehen
soeben ausgepackte Modelle von Schleppnetzen, Häringsreusen und
waden — (unter Häringswaden versteht man kanunerartig an
einandergereihte Netze, die Häringe selbst haben keine Waden) —
daneben liegen Aalangeln, Fischkäscher und die verschiedenartigsten
Netze und Köder. In einem Nebenrauni provisorisch untergebracht
ist eine prachtvolle Sammlung von Schiffsmodellen, meistens oder
vielmehr ausschließlich Fischerfahrzeuge. Da sind die breiten und
flachen Buttjollen, die man auf der Unterelbe mit ihrem theilmeise
sehr flachen Fahnvasser benutzt, daun ivieder elegante und schlanke
amerikanische Kutter, schnellsegelnde Fahrzeuge, die tveit hinaus
gehen in See. Von Rügen sind Modelle der Zeesener-Boote
gekommen, so genannt nach den Zeesen, einer besonderen
Art Netze, die dort üblich ist. An der Wand hängen Rügener und
Mönchsguter Trachten, die bekannten charakteristischen Hauben und
Röcke der Frauen — ladies first — und derbe Seestiefel und Flaus
röcke der Männer, nicht zn vergessen auch Oelröcke und Südwester.
Es werden Büsten oder vielmehr ganze Figuren in den verschiedenen
Fischertrachten — Rügen, Helgoland, Swinemünde rc. — ausgestellt
werden. Der Mecklenburgische Seefischerei-Verein, eine Section des
großen Deutschen Seefischerei-Vereins, ist besonders stark mit Aus
stellungs-Gegenständen vertreten und wird auch die Fischerflottille,
die vor dem Gebäude in der Spree liegen wird, um ein Fahrzeug
vermehren. Dasselbe, wenn ich nicht irre: ein Zeesener Boot, wird
in diesen Tagen nach hier geschleppt werden—abgegangen ist es bereits.
Von Rostock und Rügen sind eine Anzahl Fischer hierher gekommen
und sind nunmehr hier beim Aufstellen der Ausstellungs-Objecte, soivie
mit dem Zusammensetzen und Auftakeln der kleinen Schiffsnwdelle be
schäftigt. Es würden sich auch hier wohl schwerlich kundige Thebaner
- finden lassen, die die verzwickten und schwierigeit Auftakelungen
vornehmen könnten, ohne heillosen llnsinn anzurichten. Viel Arbeit
hat das Comitee, an dessen Spitze der unermüdliche Dr. Ehrenbaum
steht, mit dem Bau der Kühlanlage, und wenig fördernd und an
genehm ist es dem Letzteren, daß ihn alle Augenblick die Herren
Berichterstatter der Zeitungen und sonstige neugierige Leute mehr
oder minder — meistens mehr umständlich — über alle möglichen
Dinge interviewen. — In dem hinteren Theil der Fischcrciausstellungs-
halle hat der Sport einen Platz gefunden. Bis jetzt sind schon
einige Boote, meist Rennboote, und ein wundervoller und eleganter
kleiner Klltter ausgestellt, nach den Anstrengungen aber, die geniacht
werden, ist ltns sicher, daß wir in der nächsten Nnmnier einen
ausführlichen Bericht über die fertige Sportabtheilung bringen
können, in der am nächsten Sonntag die vom Kaiser zur Aus
stellung bestimmten interessanten Gegenstände ankommen.
V
Die Unfallstation auf der Gewerbe-Ausstellung. Die auf
dem Gelände der Berliner Gewerbe-Ausstellung am Eingang vom
Haupt-Ausstelluugsbahuhof belegeue Unfallstation wird am 27. April
in Betrieb gesetzt werden und zunächst in der Zeit von Vormittag
10 Uhr bis Abend 12 Uhr Hilfe Suchenden in gleicher Weise
wie die Sanitätswache, welche in der Nähe des Portals III errichtet
wurde und schon seit längerer Zeit in Thätigkeit ist, zur Verfügung
stehen. An dem Dienst in der Unfallstation werden sich sämmt
liche Aerzte der Berliner Unfallstationen betheiligen. Auf Wunsch
seiner Collegen hat Herr Dr. Bode, dirigirender Arzt der Unfall
station I, die Oberleitung übernommen. Der Dienst ist derart
geregelt, daß jederzeit ein Arzt, zu besonders verkehrsreichen Zeiten
auch niehrere Aerzte, ferner Oberin und Wärterpersonal zur Hilfe
leistung bereit sind. Krankentransportgeräthschafteu jeglicher Art,
insbesondere eine Anzahl von Krankenwagen mit Bespannung,
befinden sich in dem neben der Station errichteten Stall- und
Remise-Gebäude und stehen zum Transport innerhalb des Aus
stellungsterrains und nach der Stadt in Bereitschaft. Die Unfall
station auf der Ausstellung enthält einen Vorraum, ein Operations-
zimmer, einen Verbandraum, ein Zimmer mit einigen Betten, ein
Zimmer fiir den Arzt und Nebenräume und ist mit vollständiger
Ausrüstung versehen, die zum größten Theil die Firma Moritz
Böhme hier geliefert hat. Mit dieser Hilfsbereitschaft, wie sie
seitens der Unfallstation und der Sanitätswache geboten wird,
dürfte allen Anforderungen bei Erkrankungen und Unfällen von
Besuchern und Angestellten entsprochen werden können. In Chicago,
welches 28 Millionen Besucher in seiner Weltausstellung aufwies,
wurde im Sanitätsamt der letzteren in 19 000 Fällen, unter welchen
sich 12 000 frische Fälle befanden, ärztliche Hilfe geleistet. Die
Mehrzahl der Fälle betraf Angestellte der Ausstellung. Falls sich
hier in Berlin die Verhältnisse nicht ivesentlich günstiger gestalten,
würde man im Hinblick auf die in der Berliner Gewerbe-Aus
stellung zu erwartende Besuchsziffer auf ca. 5000 oder durch
schnittlich pro Tag auf 30 ärztliche Versorgungen vorbereitet sein
müssen.
Eine Beschwerde über das Verhalten der Post einem
der Herreir Aussteller gegenüber, welche uns durch Vermittelung
des Arbeitsausschusses zuging, dürfte geeignet sein, weitere Kreise
bei Anfertigung besonderer Ausstellungs-Couverts zur Vorsicht zu
veranlassen. Der Thatbestand ist folgender: Gebr. Grumach ver
senden seit einiger Zeit Couverts, auf deren Rückseite sich ein
Stempelvermerk mit dem Inhalt: „BerlinerGewerbe-Ausstellung1896.
Unsere Firma stellt aus: Gruppe 1, Textil. Gnippe 21, Sport."
befindet. Nachdem sämmtliche Briefe mit vorstehendem Vermerk
circa zwei Wochen hindurch unbeanstandet befördert waren, kamen
am 20. April eine Anzahl Briefe mit dem gleichen Vernrerk und
der nachfolgenden Postverfügung zurück: „Berlin 0., 20. April 1896.
Die anbei zurückerfolgenden Sendungen sind zur Beförderung mit
der Post nicht geeignet, weil dieselben unzulässige Vermerke ent
halten, und deir bestehenden Bestimmtmgen gemäß derartige Sen
dungen mit der Post nicht versandt werden dürfen. Kaiserliches
Brief-Postamt. Brief Annahme. I. A.: Pölling." Die bezügliche
Bestimmung der Post lautet aber: „Der Absender darf auf der
Außenseite einer Postsendung außer den auf die Beförderung be
züglichen Angaben noch Namen, Stand bezw. Firma und Woh
nung vermerken. Bei Briefen können weitere Angaben und Ab-
bildungen, welche sich auf den Stand, die Firma oder das Ge
schäft des Absenders beziehen, unter der Bedingung hinzugefügt
werden, daß die sämmtlichen nicht die Beförderung betreffenden
Vermerke in ihrer Ausdehnung ettva den sechsten Theil des Brief
umschlages nicht überschreiten und am oberen Rande des Brief
umschlages auf der oberen Seite oder Rückseite sich beziehen."
Diese Bestimmung scheint uns nach Kenntnißnahme der beanstan
deten Couverts uicht verletzt zu sein. Es wäre immerhin inter
essant zlt erfahren, von welchen Gesichtspunkten die Post früher
bei der Annahme und jetzt bei der Beanstandung der Briefe
ausging.
V
R-n. (Die officiellen Bauten.) Wenige Tage sind es noch,
die, uns von der Eröffnung der Ausstellung trennen, und je näher
der I.Mai heranrückt, desto intensiver wird überall gearbeitet, um
ein fertiges Bild zu bieten. Die officiellen Bauten sind soweit
fertig, im Gebäude für Chemie ist schon fleißig eingeräumt worden,
nicht minder im Gebäude für Fischerei, Nahrungsmittel u. s. w.
Jnr Hauptgebäude wird noch viel gezinmiert und getischlert, und
einzelne Aussteller, die schon vor einigen Tage» ihre Ausstellungs-
objecte aufstellen wollten, mußten wegen des Staubes, den dieHand-
werker immer noch machen, davon zunächst Abstand nehmen. In
der großen Kuppel ist letzthin, nachdem die Malergerüste gefallen
waren, die prächtige Orgel freigelegt worden, und jetzt ist man
dabei, sie zu stimmen und nachzuprüfen. Das Gebäude der Stadt
Berlin ist innen und außen fertig, gesäubert und schon zum großen
Theil mit Ausstellungsobjecten gefüllt — es dürfte nächst dein
Chemiegebäude am ehesten fertig sein. Das Haus für Gas- und
Wasseranlagen ist imnier noch nicht so weit, wie es tvohl seilt
müßte, imnierhin aber haben wir seinetwegen keine Bedenken rmd
sind der Erwartung, daß es schon zur rechten Zeit bereit sein wird.
Im Gebäude fiir Unterricht ist man erfreulich vorgeschritten, die
Decorationen sind abgeschlossen, und es hängt dort, ebenso wie in
den anderen Abtheilungen, nunmehr wesentlich von den Ausstellern
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