Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gfstcielle AussteUungs Nachrichten.
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zurufen in dem Moment, wo Se. Majestät in das eigent
liche Herz des Berliner Ruderlebens, in die durch die jähr
lichen Trainingsfahrten in Betracht kommende Wasserfläche in
Stralau-Treptow einfährt. Deshalb möchten wir eine Auffahrt in
Gigbooten, möglichst einheitlich Vierer, in Vorschlag bringen; die
Boote müßten Punkt zehn sich an der Verbindungsbahn sammeln
und würden nach Pasfiren Ihrer Majestäten sich anschließen, nach
dem ein donnerndes Hipp Hipp Hurrah denselben den ersten Gruß
aus den dazu berufensten Kreisen entgegen gebracht hat. Wenn
es sich auch um einen Wochentag handelt, so dürfte doch möglich
sein, von jedem Verbandsverein ein Boot, von den größeren viel
leicht zwei bis drei Boote flott zu machen, so daß eine Flottille
von 16—20 Vierern unseren: Kaiser den Beweis liefern wird,
daß wir Ruderer auch an der gewerblichen Entwickelung des ersten
Rudersportplatzes Deutschlands gern und verstündnißvoll theil-
nehmen. Ein entsprechender Flaggenschmuck der Boothäuser wird
den feierlichen Eindruck in günstiger Weise beeinflussen/'
Mehrere Mitglieder des Staatsministeriums und der
Reichsregierung mit ihren Damen statteten am Montag Nach-
inittag 3 Uhr dem Terrain der Berliner Gewerbe-Ausstellung einen
längeren Besuch ab. Ihre Führung hatten die Herren des Arbeitsaus
schusses und Stadtverordneter Rosenow übernommen. Erschienen
waren der Ehrenpräsident der Ausstellung, Handelsminister v. Berlepsch,
auf dessen Anregung der Besuch zurückzuführen war, Staatssecretair
v. Boeüicher, Landwirthschaftsminister v. Hanimerstein-Loxten, Cultus
minister Dr. Bosse, Kriegsnrinister General Bronsart v. Schellen
dorff und der Minister des Königlichen Hauses v. Wedel. Die
Besichtigung dehnte sich bis tO/z Uhr Abends ans und erstreckte
sich auf den größten Theil des Ausstellungsgeläudes, des Alpen-
panoramas, sowie auf die Ausstellungen Alt-Berlin und Kairo.
Die Colouial-Ausstellnng und der Vergnügungspark wurden nicht
besucht. Der Eindruck, den die einflußreichen Gäste gewannen,
war nach dem übereinstimmenden Urtheil Aller ein großer und
überwältigender: Es sei kein Zweifel, daß das. was die Ausstel
lung äußerlich biete, weit über den Rahmen einer lokalen Ausstel
lung hinausgehe. Von Bord des Modells der „Hohen,zollern"
ans wurde eine Aufführung der Marineschauspiele in Augenschein
genommen. Die Firma Siemens n. Halske hatte ferner einen
der Wagen, die auf der neu angelegten elektrischen Bahn zur Aus
stellung cursiren, zur Verfügung gestellt, und ans ihn: wurde eine
Fahrt von dem Viaduct ans der Köpeuicker Landstraße bis zur
Colonial-Ansstellnng unternonnnen. Zufällig begegnete inan hierbei
dem ersten Wagen, den die Firma Gebrüder Naglo ans der von
ihren Elektricitätswerken aus gespeisten Ausstellungsbahn laufen
ließ. Nach Schluß der Besichtigung fand sich die Gesellschaft im
Restaurant von Dressel u. Adlon zusammen,, wo ein vom Herrn
v. Berlepsch gespendeter Imbiß ihrer harrte. An der Tafel trank
Herr v. Boetticher auf das Gelingen der Ausstellung; Herr
v. Berlepsch widmete sein Glas den Damen, die er aufforderte,
so oft tvie möglich auf der Ansstelftmg zu erscheinen und so in
ihrer Weise zum Gelingen derselben beizutragen.
Das „Goldene Buch der Stadl Berlin", das bekannt
lich in der Rotunde des Haupt-Jndustriegebändes auf der Gewerbe-
Ausstellung ausliegen wird, ist von heute ab bis zum Eröffnungs
tage der Ausstellung in dem Schaufenster der Tabak- und Cigarren
fnbrik von Loeser & Wolfs, Friedrichstr. 165, Ecke der Behrenstraße,
ausgestellt. Dasselbe, nach den Mtwürfen von Peter Geh vom
Hof-Bnchbindermeister Collin in gepunztem Leder ausgeführt, zeigt
i» seiner Hauptfigur die Berolina, welche auf einem Throusessel
sitzt und die Namen in's „Goldene Buch" einschreibt, die allegorischen
Figuren von Handel und Industrie, Kunst und Geiverbe sind rechts
und links placirt; zu ihren Füßen liegt der Berliner Bär, der mit
seiner Pranke das Reichswappen hält, während man im Hinter-
-gründe den Thur»: des Rothen Hauses als Wahrzeichen Berlins
erblickt. Man hofft, daß Seine Majestät der Kaiser am Eröffnungs
tage als erster Besucher sich einzeichnen wird.
M-y. Die Aufgänge und Ranrpen zu dem Halbrund des
Hauptgebäudes sind als fertig zu betrachte», ebenso ist bic Um
gebung des großen Springbrunnens weit vorgeschritten, der kleinere
Springbrunnen in: Mittelbau der Bogenhalle ist aufgestellt. Am
neuen See werden an der halbrunden Treppe gegenüber dem
Wasserschloß zwei hohe Obelisken errichtet, auch wurden hier nörd
lich und südlich des neuen Sees zwei Musikpavillons gebaut.
Auf der den Ausstellungspark durchschneidenden Treptower Straße,
gegenüber dem Gebäude der Stadt Berlin, wurden niächtige Blöcke
aus Syenit, schwedischem und deutschem Granit und roh bearbeitete
große Säulen aufgestellt, fenier sind Geleis-Anlagen, Wärterhäuschen
und Wartehallen aus Wellblech mit Oberlicht, Sigualmasten, Weichen,
Schutzbarritzren, Brückenmaterial, Träger ec. hier placirt, am west
lichen Ausgang tvird soeben eine Feldbahnanlage hergestellt.
s
Folgende Verkehrsnachrichten für die Berliner Gewerbe-
Ausstellung dürften allgemeines Interesse erwecken:
Die Strecke Hollmannstraße—Görlitzer Bahn der elektrischen
Ausstellungsbahn hofft die Firma Siemens u. Halske in den letzten
Tagen dieses Monats fertigstellen zu können, sodaß die Inbetrieb
setzung dieses Theiles der Linie Behrenstraße—Treptow noch recht
zeitig zur Eröffnung der Gewerbe-Ausstellung erfolgen kann. Die
dann noch fehlende Theilstrecke Behrenstraße—Hollmannstraße dürfte
erst gegen Mitte Mai betriebsfähig herzustellen sein. — Der Sonn
tag Nachmittag sah trotz seines zweifelhaften Wetters einen Andrang
nach Treptow, der geradezu unbeschreiblich war. Die Ziffer wird
von Enthusiasten auf 1 / i Million geschätzt. Aber 160 000 Personen
waren es ziveifellos. — Der Personenverkehr auf der elek
trischen Ausstellungsbahn Görlitzer Bahnhof—Treptow-
Parkallee war in den ersten Betriebstagen ein äußerst lebhafter. Am
Eröffnungstage, Donnerstag, an welchem nur Nachmittags gefahren
werden konnte, mußten nach und nach zehn Wagen in Betrieb gesetzt
werden; die Einnahme betrug an diesem Tage 380 Mk. Am Freitag und
Sonnabend stieg dieselbe anf je 600 Mk. und am Sonntag auf
1350 Mk. Wie vorauszusehen, war der Verkehr am Sonntag ein
ganz gewaltiger; wiewohl die Finna Sieniens u. Halske sechzehn
Wagen in Betrieb gesetzt hatte, war der Andrang doch ein so
enormer, daß der Fahrplan nicht immer eingehalten werden konnte.
Au der Endstation Görlitzer Bahn tvurden die Wagen zeitweise
vom Publikum gestürmt, sodaß die Revierpolizei Schutzleute nach
dort beordern mußte, damit Unglücksfälle vermieden wurden; solche
sind denn auch tveder hier noch auf der Strecke vorgekommen.
An: Sonntag Nachmittag bestieg übrigens auch der Minister des
Innern, Herr v. d. Recke, einen elektrischen Wagen und fuhr in
demselben bis zum Portal der Ausstellung. — Die erste Probe
fahrt der inneren Ausstellungsbahn, welche von der elektro
technischen Fabrik von Gebrüder Naglo erbaut und in Betrieb genommen
wird, hat stattgefunden und nahm, abgesehen von den vielen noch
im Wege liegenden Hindernissen, wie Banschutt, Steine, Balken ec.,
einen sehr guten Verlauf. Tie ganze Strecke ist eine halbe deutsche
Meile laug und wird ununterbrochen von etwa dreißig Wagen,
welche einander in Abständen von zwei bis drei Minuten folgen,
befahren werden. An zehn Haltestellen tverden die Fahrgäste auf
genommen und abgesetzt. Letztere können nur dann das Bahn-
terrain resp. einen Wagen betreten, wenn sie den selbstthätigen
Controlapparat passirt und demselben ein Zehupfennigstück — den
Fahrpreis für die ganze Strecke, da es keine Thcilstreckcii giebt -
geopfert habe». Da die ganze Ausstellungsbahn von einem Drah:
gilter »mschlossen wird, so werden an verschiedener Stellen Ueber
gänge theils über hochgelegte Brücken, theils durch Barritzren her
gestellt, dementsprechend ist auch das Ein- und Aussteigen nur an
den Haltestellen möglich. Die mit höchster Eleganz eingerichtete::
Wagen gleichen in ihrer Bauart den kleinen Sommerwagen der
Berliner Pferdebahn. In der Nähe von Alt-Berlin befindet sich
das einzige Nebengeleise der durchweg oberirdisch geleiteten Bahn,
welches zum Wagenschnppen und zur Reparaturwerkstatt führt. --
Die Eisenbahndirection in Halle macht folgendes bekannt: Zur
Erleichterung des Besuches der am l. Mai beginnenden Berliner
Gewerbeausstellung werden auf sämmtlichen Stationen der könig
lichen Eisenbahndirektion Halle (mit Ausnahme derjenigen, anf
welchen der Fahrkartenverkauf durch den Zugführer stattfindet»
Sonderrückfahrkarten l. bis III. Klasse nach Berlin zu ermäßigten
Preisen abgegeben. Die Ausgabe derselben erfolgt während der
Dauer der Ausstellung anf den Stationen der östlich von Röderau -
Berlin (erd.) gelegenen Strecken an jedem Sonnabend, anf de»
Stationen der westlich von Röderau—Berlin (excl.) gelegenen
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