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Periodical volume Nr. 133, 28. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielfa Aussfellungs - Nachrichten. » 
dem auch für hervorragende französische Zeitschriften die 
Farbenkunstblätter liefert. Neuerdings ist vom Verlag die 
Herstellung des Farbenholzschnittes auch für industrielle 
Zwecke ausgedehnt worden und die in der Ausstellung vor 
handenen farbigen Darstellungen von Maschinen und anderen 
industriellen Erzeugnissen zeigen, wie plastisch jedes Detail 
des Originals in der naturgetreuen farbigen Darstellung her 
vortritt. 
Dass aber auch das Illustrationswesen im allgemeinen, 
der Holzschnitt und die Wiedergabe der Photographie in Zeit 
schriften in Berlin eine Höhe erreicht hat, die es in jeder 
Hinsicht mit anderen Verlagsorten concurrenzfähig macht, 
ersieht man aus den ausgestellten Zeitschriften. Die im Ver 
lage des Deutschen Verlagshauses Richard Bong & Co. er 
scheinenden Zeitschriften „Zur guten Stunde“ und „Für alle 
Welt“ leisten in illustrativer Hinsicht das beste. Auch die 
Zeitschrift „Prometheus“ bietet recht gutes Illustrationsma 
terial, ebenso die von der Firma Hermann Paetel herausge 
gebene Zeitschrift der Gesellschaft Urania „Himmel und 
Erde.“ Nicht minder ausgezeichnet ist die illustrative Aus 
stattung der Modenzeitschriften, die eine besondere Art der 
Herstellung erfordern. Die Firma John Henry Schwerin 
zeigt sich mit der Ausstellung ihrer bekannten und beliebten 
Zeitschriften „Mode und Haus“, „Grosse Modenwelt“, „Kin 
dergarderobe“ etc. auf der Höhe dieser Technik und nicht 
minder die von der Firma Friedrich Schirmer herausgege 
bene vortreffliche Zeitschrift „Dies Blatt gehört der Haus 
frau“, die in ihrer Art durch ihre Reichhaltiges geradezu 
überrascht. Dieselbe Firma stellt auch einige Werke ihres 
Buchverlages aus, die durch typographische Ausführung und 
äussere Ausstattung einen vorzüglichen Eindruck her 
vorbringen. 
Das vortreffliche, echt moderne äussere Bild in Druck, 
Papier und Einband — Erscheinungen, in denen sich die Ge- 
schäftskenntniss, der Geschmack und auch das Streben des 
Verlegers kundgiebt — bildet überhaupt ein Charakteristi 
kum des Berliner Verlegers. Die Zeit, da die Bücher der 
Beniner Verleger in ihrer äusseren Ausgestaltung hinter den 
anderen Erzeugnissen zurückstanden, ist gänzlich vorbei. 
Mit wenigen schlechten Ausnahmen benscht im Berliner 
Verlage ein starkes Streben nach ästhetischer Schönheit und 
nach einer Eleganz der äusseren Repräsentation, die mitunter 
sogar in’s Extreme geht. Es sei freilich dabei nicht in Ab 
rede gestellt, dass diese Eleganz hie und da in Effecthascherei 
ausartet und dass sich der ganze Effect manchmal auch nur 
leider auf den Umschlag allein beschränkt. Das sind Pro- 
ducte der hypermodernen Verleger, die den „industriösen“ 
Anflug noch nicht abgestreift haben. Aber diese sind in 
Berlin entschieden in der Minorität. Das Gros der Ausstel 
ler tritt nur mit Leistungen entgegen, die nicht nur äusser 
lich, sondern auch durch ihren inneren Werth und Gehalt 
imponiren. Grossartig ist die Ausstellung der Verlagsbuch 
handlung Paul Parey, die mit ihren Werken über Landwirth 
schaft, Gartenbau und Forstwesen in Deutschland den ersten 
Rang einnimmt. Einen brillanten Eindruck bringt auch 
die Ausstellung der Firma F. Fontane & Co. hervor, die als 
moderne Verlagsanstalt in ihren Verlagserzeugnissen ein Bild 
der modernen Buchtechnik bietet. Durch vornehme Ausstat 
tung und wirklich schöne Leistung zeichnen sich die Publi 
kationen von E. 8. Mittler & Sohn aus. Eine literarisch 
sehr interessante Sammlung bietet die Ausstellung von Ge- 
sammtwerken und einzelnen Romanen aus dem Verlage Ge 
brüder Paetel. Diese eleganten Bände mit den bekannten 
orangerothep Umschlägen führen dem Beschauer eine ganze 
Epoche der deutschen Literatur vor Augen. Und literarisch 
ebenso hochinteressant sind die Publikationen des Deutschen 
Vereines für Literatur mit den dunkelbraunen Einbänden 
und des neueren, moderneren „Vereins der Bücherfreunde“, 
vertreten durch die Firma Schall und Grund. Als ein ein 
heitliches, grossartig angelegtes Sammelwerk präsent!ren sich 
in der Ausstellung von A. Hofmann & Co. die Monumenta 
German!ae, die einträchtig neben der bewährtesten Publi 
kation dieses Verlages dem „lustigen Kladderadatsch“ und 
dessen amüsanten, modernsten Ableger, dem „Bismack-Al 
bum des Kladderadatsch“ stehen. Und als ein gewaltiges 
Sammelwerk ersten Ranges sind auch die juristischen Publi 
kationen zu betrachten, die von Carl Heymann's Verlag aus 
gegeben werden. Sehr gut präsentirt sich die Sammlung von 
Jugendschriften aus dem Verlage von Hermann J. Meidinger, 
und durch ihre durchaus moderne äussere Erscheinung fes 
seln die belletristischen Publikationen des Verlegers Richard 
Eckstein Nachfolger. 
Doch es ist unmöglich, an dieser Stelle in’s Detail zu 
gehen und alle die Firmen, deren Ausstellung Beachtenswer- 
tlies bietet, einzeln aufzuführen. Fast jede zeigt etwas, was 
den Blick fesselt, was Lob verdient. Die ganze Ausstellung 
aber bildet einen beredten Ausdruck der gewaltigen Energie, 
mit der der Berliner Buchbandel zur führenden und aus 
schlaggebenden Stellung emporstrebt. 
Gerhard Stein, 
L o c o m o b i I e n. 
[Abdruck untersagt.] 
Wir haben an dieser Stelle schon die verschiedensten 
Arten der Kraftmaschinen besprochen und wollen heute ein 
mal eine besonders praktische Abart der Dampfmaschine be 
handeln. 
Im allgemeinen denkt man sich unter der Bezeichnung 
Dampfmaschine einen mit dem Kessel nur durch eine Röh 
renleitung verbundenen, auf steinernem Fundament fest 
verbolzten und vermauerten Motor, wie wir dies regelmässig 
bei den bleibenden Fabrikanlagen finden. Dergleichen An 
lagen erfordern jedoch, wie allgemein bekannt., das Vorhan 
densein eines mit nicht unerheblichen Geldopfern errichteten 
Kesselhauses, sowie für den Motor selbst eine starke Funda 
ment! rung. Dadurch macht sich die Verwendung von 
Dampfmaschinen in Betrieben von kürzerer Lebensdauer ir 
rationell, da die Anlagekosten den effectiven Nutzeffect nicht 
oder doch höchst selten aufzuwiegen im Stande sind. Nun 
bieten sich aber derartige Gelegenheiten verhältnissmässig 
oft, so dass sich die zwingende Nothwendigkeit zur Schaffung 
eines Betriebsmittels, welches sich allenthalben hinführen 
lässt, herausstellte. Wohl hat man ja in neuester Zeit Mo 
toren zur Petroleum- und Benzin-Speisung constriurt, welche 
für kleinere und auch mittlere Anforderungen vollkommen, 
genügen, für grössere Betriebe bleiben jedoch bis auf weiteres 
die Dampfmaschinen unentbehrlich. Man hat deshalb mit 
Erfolg versucht, Motor und Kessel zu einem einzigen zusam 
menhängenden Ganzen zu vereinigen, und so die so 
genannte Locomobile construirt. Von dieser Motoren-Spe- 
cies finden wir auf dem Gelände unserer Gewerbe-Ausstel 
lung die vorhandenen Arten in mehreren Exemplaren. Die 
eigentliche, ursprüngliche Maschine war, wie der Name be 
zeichnet, vom Orte beweglich und somit auf Rädergestell 
gesetzt. Im Eckert'sehen Pavillon auf der gesperrten Trep 
tower Chaussee stehen mehrere solcher Maschinen, an denen 
wir den sinnreichen, praktischen Bau erkennen können. Auf 
dem Wagengestell ruht der Dampfkessel, welcher mit allen 
Armaturen versehen ist, die wir an stationairen, unbeweg 
lichen Kesseln zu finden gewohnt sind. Oben auf dem Kessel 
liegt, fest mit demselben verbunden, der Motor. Das ge 
waltige Gewicht des letzteren bedingt, dass der Kessel eine 
starke, doppelte Wandung erhält, welche gleichzeitig durch 
zwischengebrachten, schlechten Wärmeleiter vor Abkühlung 
des Kesseldampfes schützt. Da bei der Locomobile der 
Dampf direct vom Kessel aus zur Verwendung kommt, so 
kann natürlich bei geringerem Gesammtgewicht ein grösserer 
Nutzeffect als bei stationairen Maschinen erzielt werden. So 
haben denn auch die Locomobilen sich vorzüglich als Be 
triebsmaschinen bei Kanalisations-Anlagen, Ausbaggerun 
gen, überhaupt Tiefbauten, bei Förderungsmaschinen und 
auch durch Anbringung von Aufwinde-Trommeln als An 
triebsmotoren für Darfipf-Pflüge. eingeführt. In Amerika 
ist man noch weiter gegangen. Durch Radübertragung und 
Einschultvorrichtuig kann man bewirken, dass sich die Loco-
	        
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