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Volume Nr. 13, 25. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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GfftrieUe AnssteUungs-Uachrichlett. 
fünft gewährt und zugleich in fesselnder Weise ein Einblick in den 
ganzen Betrieb einer Zeitung von dem Einlaufen einer Nachricht 
an bis zur Verbreitung derselben in vielen Tausenden von Exem 
plaren verstattet werden soll. Haben doch die meisten Leser keine 
entfernte Vorstellung von allen jenen Schwierigkeiten, die redactionell 
und betriebstechnisch zu überwinden sind, ehe selbst die kleinste De 
pesche bis zur Herausgabe ini Drtick fertiggestellt ist. — 
Dem „Berliner Lokal-Anzeiger" ist nahe dem Haupt- 
Indnstriegebände eine sehr günstig gelegene Stelle an deni nördlichen 
Wandelgang angewiesen worden, an welchem der palastartige, von 
dem Baumeister E. Schmid in Charlottenburg entworfene Pavillon 
mit der Front nach Westen sich erhebt. 
Der langgedehnte Bau, dessen mit einem breiten Giebel ge 
schlossener Mittelflügel iveit vorspringt, während zwei schmale Eck 
risalite die vornehme Hauptansicht begrenzen, zeigt bei angenehmer 
Sandsteintönung der Flächen die Formen einer strengen Renaissance, 
die sich von der Berliner Schule in maßvoller Auffassung mit vieleni 
Glück oft ausgebildet findet. 
Der stolze Giebel, der nach der Art italienischer Villen eine 
offene Säulenhalle überragt, tritt charakteristisch hervor, indem zu 
demHauptportal 
eine stattliche 
Freitreppe em 
porführt. Neben 
dem durch zier 
liche Brüstungen 
gefällig abge 
grenzten Vor 
raum sind die 
Flächen von 
reichumrahmten 
Fenstern durch- 
brochen, deren 
consolgetragene 
Bekrönung voit 
wappenartigen 
Kartuschen mit 
denJnitialendes 
Besitzers geziert 
ist. In der 
Halle selbst ist 
ein ornamentir- 
ter Bandfries 
durchgeführt, der 
in Höhe des Ar- 
chitravs die drei 
Seiten geschickt zusanimenfaßt. Korinthische Capitäle von feinster 
Bildung des Blattwerks geben dem Eintritt ein besonders reiches 
Gepräge. — 
Die Flächen der Risalite wurden mit bogenförmig geschlossenen 
Blend-Arkaden versehen, deren große Felder mit Jnschrifttafeln belegt 
sind. Die breiten Langflügel sind durch Pfeiler und Pilaster sehr 
klar und energisch gegliedert, so daß drei mächtige Lichtöffnungen 
in ihrer Zusammenfassung die beiden Haupträume des Pavillons 
glücklich zuni Ausdruck bringen. Bei der ungewöhnlichen Höhe der 
Räume sind die Pfeiler im Aeußeren auf Postamente gesetzt, zwischen 
denen die Brüstung durch einfache Füllungen geschlossen ist, während 
der obere Theil der Lichtflächen noch eine kleinere Pfeilerstellung 
aufnimmt. 
In der ganzen Länge der Fronten des vornehmen Gebäudes 
zieht sich eitle mit einfachen Mitteln wirkungsvoll gestaltete Attika 
hin, die von der eleganten Linie der wohlabgewogenen Kuppel 
überragt wird. Die Kuppel, die über dem Tambour von einem 
breiten Wappenfries umzogen ist, hebt sich in kräftigem Umriß 
von der ganzen Baugruppe heraus, breite Gurte theilen von 
imten herauf die gewölbten Flächen und stiitzen in gefälliger Be 
wegung die Firstbekrönung, über welcher die reichgestaltete Spitze 
zu ansehnlicher Höhe emporsteigt. 
Der ganze Bau, dessen klare organische Gliederung und feine 
tektonische Entwickelung nach außen sehr angenehm berührt, athmet 
in der Composition wie in der ästhetischen Durchführung im Ein 
zelnen eine sichere und doch gefällige Vornehmheit, wie sie dem 
Ansehen der Presse und zugleich der bevorzugten Lage in einem 
großen Parke entsprechend ist. 
Alt den Seitenstonten beschränkt sich die Belebung der 
Flächen auf die Durchführung der architektonischen Glieder unter 
Einfügung großer dreistelliger Fenster, während hier auf orna 
mentale Wirkung verzichtet ist. 
Eine monumentalere Betonung aber erfährt diese interessante 
Gruppe durch eine maßvolle Heranziehung von Werken der 
Sculptnr. Die Ecken des Pavillons und ebenso die Giebelseiten 
des Mittelbaus sind ntit effectvoll bewegten Idealfiguren geschmückt, 
die an der Hauptfront den Buchdruck, die Reclame, die Auf 
klärung und die Lectüre darstellen. An der Rückseite sitzen die 
allegorischen Verkörperungen der Presse, des Handels, des 
Verkehrs und der Bildung. Durch die Mitwirkung des Bild 
hauers wird in dieser Weise die Kunst des Architekten wirksam 
unterstützt, um den harmonischen Eindruck der ganzen Schöpfung 
zu erhöhen ilnd abzurunden. 
Die überaus reizvoll durchdachten Figuren gewähren eine 
das Auge fesselnde Betonung der Ecken und geben zugleich un 
vermerkt die ästhetische Ueberführung des Umrisses von der Spitze 
der Kuppel zum 
eigentlichen 
Baukörper, der 
fest uud sicher 
auf einem brei 
ten Quaderbau 
ruht. Die schwie 
rige Aufgabe, 
fiir ein Werk 
vorübergehender 
Art eitlen histo 
rischen Stil an 
zuwenden, hat 
Baumeister 
Schmid durch 
eilt glückliches 
Abwägen aller 
Verhältnisse, so 
wie durch eine 
feste und doch 
ansprechende 
Führmig der 
Linien mit gro 
ßem Geschick 
überwundeu. 
Indent die Rück 
sicht auf die in beit Arbeitssälen aufzustellenden Maschinen nun 
einmal ein wirkliches und solideres Bauwerk verlangte, ist dieser 
Pavillon, der vor Allem doch auch repräsentiren soll, kraftvoll uud 
glücklich erfunden. P. Walle. 
Seine Majestät der Kaiser und König haben für die be 
vorstehende Eröffnlmgs-Feier der Ausstellung als Anzug fiir Mili- 
tair: Parade-Anzug, für Civil: Gala, mit dunklen Beinkleidern 
befohlen. 
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Eine sportliche Huldigung wollen die Berliner Ruderer 
dem Kaiser am 1. Mai gelegentlich der Fahrt nach der Gewerbe- 
Ansstelluilg darbringen. Der Berliner Rnderverein von 1876 
hat soeben ein Rundschreiben an alle Berliner Ruderclubs er 
lassen, in dem es heißt: 
„Der Tag der Eröffnung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
steht nahe bevor. Se. Majestät der Kaiser will diese Feier selbst 
vornehmen und das Ausstellungsterrain auf dem Wasserwege er 
reichen. Da ist es eine Ehrenpflicht für die Berliner Ruderer, 
ihrem erhabenen Beschützer und Förderer ein Willkommen zu-
	        
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