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Volume Nr. 13, 25. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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Gfstrielle Ausstellungs Nachrichten. 
Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben sich jedvch vorbehalten, dem Preisrichter- 
Collegium einige Mitglieder nach Allerhöchst Ihrer Entschließung beizuordnen. 
t>) Goldene, silberne und bronzene Staats-Medaillen, verliehen vom Königlich Preußischen Mini 
sterium für Handel und Gewerbe, 
c) Silberne und bronzene Staats-Medaillen, verliehen vom Königlich Preußischen Ministerium 
für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, 
6) Ehrenzengnisse (Diplome), verliehen von der Verwaltung der Ausstellung. (§ 11 des Pro 
gramms für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.) 
§ 10. Jeder Aussteller, welcher mit einem Ehrenpreise all a —o ausgezeichnet ist, erhält außer diesem 
das Ehrenzeugniß der Ausstellung. Auch den geistigen Mitarbeitern von Ausstellern können Auszeichnungen 
verliehen werden, doch ist in diesem Falle der hierfür maßgebende Grund in den Ehrenzeugnissen besonders 
anzuführen. 
§ 11. Bei Sammel-Ausstelluugen ist vor der Preisvertheilung anzugeben, ob entweder: 
a) die Sammel-Ausstellung als solche prämiirt werden soll, oder 
b) jeder Aussteller einzeln. 
Im ersteren Falle ist für jede Sammel-Ausstellung ein Obmann zu bezeichnen, der die Sammel- 
Ausstellung als solche vertritt und der ein etwa ertheiltes Ehrenzeugniß für die Sammel-Ausstellung entgegen 
zunehmen hat. Alle an dieser Sammel-Ausstellung Betheiligten sind berechtigt, sich zu bezeichnen als: 
„Preisgekrönt in der Sammel-Ausstellung der " 
Im zweiten Falle erhält jeder Preisgekrönte ein auf seinen Namen lautendes Ehrenzeugniß. 
§ 12. Von der Auszeichnung sind ausgeschlossen: 
Aussteller, welche als Preisrichter berufen sind und nicht außer Preisbewerbung stehen; Direktoren 
von Actiengesellschaften, welche sich an der Ausstellung bctheiligen, und sämmtliche. Theilhaber einer Aus 
stellerfirma; desgleichen Beamte von Ausstellern. Dasselbe gilt auch für Sammet-Ausstellungen. 
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 
Der Arbeits-Ausschuß: 
Fritz Kühnemann. Bernhard Fetisch. Ludwig Max Goldberger. 
Zur Gutstehung der Berliner Fabriken. 
Von Dr. Karl Thieß. 
^Abdruck untersagt.) 
Die Berliner Fabriken, die sich jetzt rüsten, ihre voll aus 
gereiften Leistungen in der Gewerbe-Ausstellung zu zeigen, 
stamme» im Wesentlichen erst aus der zweiten Hälfte dieses 
Jahrhunderts. In den fünfziger Jahren sind sie zuerst in 
größeren Mengen entstanden, und es ist kein Zufall, daß ihre 
Errichtung in die Zeit unmittelbar nach der Entwicklung der 
Schienenwege und der Dampfschifffahrt, nach Entstehung des 
modemen Verkehrs und damit eines unendlich gesteigerten inter 
nationalen Wettbewerbs fällt. Denn eine so gründliche Um 
gestaltung, wie die vom Handwerk zur Fabrik, vollzieht sich nicht 
naturgemäß und in allmählicher Entwicklung, dazu bedarf es immer 
des äußeren Anstoßes. Die technischen Fortschritte, namentlich 
die Verwendung der Dampfkraft, regten den Großbetrieb zuerst in 
Gegenden an, denen die Naturschätze des Bodens, Eisen und 
Kohlen, den Uebergang zur Großindustrie besonders nahe legten. 
In den anderen, minder begünstigten Landschaften kam zu den 
Fortschritten der Technik als mächtig treibendes Moment und als 
ein Antrieb, gegen den kein Widerstand möglich war, die Con- 
currenz jener weiter entwickelten Gegenden. 
In Berlin bestanden wohl zu Anfang des Jahr 
hunderts einige Manufacturen, die größere Arbeiterschaaren zu 
gemeinsamer Thätigkeit vereinigten. Auch fingen in den ersten 
vier Jahrzehnten vereinzelte Handwerker an, ihren Betrieb zu 
vergrößern, fabrikmäßig zu produciren und abzusetzen. Aber solche 
Beispiele blieben vereinzelt. Sie hatten noch keinen derartigen 
Umfang, daß sie die Lage des ganzen Gewerbes beeinflussen 
konnten. Die Masse der Handwerker sah diesen Anfängen ruhig 
zu. Ihr Handwerk ernährte noch seinen Manu, und sie sahen 
sich nicht veranlaßt, es jenen uachzuthun. 
Da begann sich durch die überlegene Thatkraft Einzelner in 
Berlin in einzelnen Gewerbszweigen in den vierziger und 
fünfziger Jahren eine mächtige Fabrikiudustrie zu entfalten. 
Sie drängte in ihrer Branche den handwerksmäßigen Betrieb zurück, 
vernichtete seine Rentabilität und lockte gleichzeitig durch ihre hervor 
ragenden Erfolge die Handwerker zur Nachahniung. So entstand 
vorerst in vereinzelten Betriebszweigen, namentlich im Maschinen 
bau, eine Berliner Großindustrie. 1801 nennen die Berliner 
Gewerbetabellen erst 1 Maschinen-Fabrik mit 4 Arbeitern, 183 l 
erst 3 mit 72 Arbeitern. 1843 hatten wir bereits 11 Maschinen- 
Fabriken mit 1002 Arbeitern, 1852 30 Fabriken mit 893 Arbeitern 
und 1861 gar 67 Fabriken mit 5 313 Arbeitern. Diese Zahlen 
spiegeln deutlich die erste Epoche großindustrieller Entwicklung in 
den vierziger und fünfziger Jahren wider. Aehnliche Zahlen sind 
auch für andere Fabriken zu finden. Gas- und Coks-Fabriken z. B. 
gab es in Berlin 1840: 1 mit 2 Arbeitern, 1862: 8 mit 398 
und 1861: 7 mit 904 Arbeitern. 
Aber dieser Hergang war nicht einmal der gewöhnliche in 
Berlin. Gewöhnlich kam der Anstoß zur Entwicklung von 
außen. Das läßt sich bei einer ganzen Reihe von Gewerben 
deutlich nachweisen, der Hergang war dann immer der folgende: 
Die Handwerker eines Gewerbes in Berlin saßen in guter Ruhe 
und stellten ihre Waare nach alter Weise und in alter Beschaffen 
heit her. Sie suchten einen Stolz darin, ihre Waaren, denr ver 
wöhnter werdenden Geschmack der angehenden Großstädter nach 
kommend, allmählich immer schmucker, eleganter und praktischer 
herzustellen. Große Umgestaltungen der Produetion waren ihnen 
etwas gänzlich Unbekanntes. Wohl verkauften auch fremde Hand 
werker ihre Waaren in Berlin, und die Berliner ärgerten sich, 
daß die Polizei das duldete. Aber schließlich hatten ja die Fremden 
die gleichen Kosten, die gleiche Arbeitsweise wie sie, diese mußten 
noch die Fracht auf ihre Preise schlagen. Die Concurrenz hielt 
sich daher in den Mengen wie den Preisen der eingeführten Waaren 
in mäßigen Grenzen und tvar zu ertragen. Die Berliner glichen 
sie dadurch aus, daß sie ihrerseits auch viele Stücke nach außer 
halb verkauften. 
Da schrieben ihnen ihre auswärtigen Abnehmer plötzlich, 
die und die Waare sei nicht mehr zu verkaufen. Sie tvürde von 
anderer Seite schon zum halben Preise angeboten. Die Hand 
werker konnten nicht begreifen, wie die Waare unter ihren Her 
stellungskosten verkauft werden konnte. Sie hielten das für vor 
übergehend; aber bald taucht die gleiche Waare auch in Berlin 
auf. Die Kaufleute haben die Waare plötzlich weit billiger als
	        
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