Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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4 Officieüe Äusstellungs-Nachrichten.
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durch zwei Kanäle mit der Spree in Verbindung steht und das mit
Fischen, vielleicht mit Seehunden, besetzt werden wird. Die Kanäle
zum Bassin führen von der Spree unter einer gewaltigen, in die Spree
hineingebauten Terasse durch, die zu dein sog. „Fisch-Restaurant" gehört.
Tie drei anderen Seiten des Bassins im Innern des Gebäudes dienen
den Ansstellungszwecken der Süßwasser-Fischerei.
Betritt man von Süden den breiten Gang, der rings um das
Bassin herumführt, und wendet sich nach links, so kommt man in einen
dunklen Raum, der sich um zwei innere Seiten des Ausstellnngsgebändes
herumzieht, und in denr 6V Aquarien, mit lebenden Fischen besetzt, zu
sehen sind. Diese Aquarien werden von oben beleuchtet und enthalten
die sämmtlichen in Deutschland sich vorfindenden Süßwasserfische.
Die Aquarien werden mit Wasser gespeist, welches aus Untergrund-
brunnen gehoben und in einem besonderen Apparat an der Nord
seite des Wasserbassins gefiltert und von Eisen befreit wird. Dieses
Wasser ist kühl und frei von allen schädlichen Substanzen, sodaß selbst
die zartesten Fische hier dauernd lebend erhalten werden können. Trotz
dem ist dafür gesorgt, das; das lebende Material in bestimmten Zeit
abschnitten immer wieder durch Sendungen von außerhalb ergänzt
wird. Da in den; dunklen Gang an den Aquarien das Lesen von
Katalogen oder „Führern" nicht möglich wäre, ist im Wasser jedes
Aquariumbassins eine Tafel mit deutlich lesbarer Schrift aufgehängt,
welche Auskunft über Namen, Vorkommen und Lebensweise der aus
gestellten Fische, über den Aussteller u. s. w. giebt.
An der Südseite des großen Bassins in der Mitte des Gebäudes
befindet sich das Brut Haus, in welchem die Brutapparate zahl
reicher deutscher Fischzuchtanstalten (unter denen besonders hervorzu
heben die Kaiserliche Fischznchtanstalt zu Hüningen) dein Publikum die
Entwickelung des Fisches vo>; der Befruchtung des Eies bis zum Aus
schlüpfen veranschaulichen werden. Es sind Vorkehrungen getrosten,
um durch künstliches Zurückhalten der Reife der befruchteten Eier
während der ganzen Dauer der Ausstellung die Entwickelung der kleinen
Fische dem Publikum zeigen zu können.
Sehr interessant werden die Modelle (in verkleinerten; Maß
stabe) der berühmten LachSlciter bei Hameln und eines Aalpasses sein.
Diese Modelle sind aus Blech angefertigt, werden mit Wasser betrieben
und mit jungen Lachsen und Aalen besetzt, welche den Besuchern ihre
Fähigkeit in; Leitersteigen praktisch zeigen werden. Sobald Lachse und
Aale den höchsten Punkt der Fischleitern erreicht haben, fallen
sie durch eine Oeffnung wieder in das Wasser hinunter und
können, wenn ihnen die Sache nicht zu langweilig wird, das
Klettern von Neuen; beginnen. Auch Modells von Teichwirthschaften,
unter den Letzteren daS Reliefmodell der berühmten Trachenberger
Teichwirthschaft des Fürsten Hatzfeldt-Trachenberg, des Ehrenpräsidenten
der Gruppe XX, werden hier zu finden sein.
Die w is s e n sch a ft l i ch e Abtheilung enthält Modelle, Zeich
nungen, künstliche Futtermittel, Präparate, welche sich auf die Ent-
wickelung,Nabrung, Krankheit der Süßwasserfische beziehen. Tie Fisch-
spinde werden in lebendem und conservirtem Zustande vorgeführt
und mit ihnen zugleich die Fanggeräthe, die gegen die Fischfeinde ange
wendet werden, deinonstrirt.
Sehr umfangreich sind in der ungefähr 100 Aussteller umfassenden
Gruppe, die ausgestellten Gegenstände, die sich auf 'Angelsport
beziehen, und endlich die Geräthe zur Ausübung der Binnenfischerei,
wie Boote, Netze, Reusen u. s. w. u. s. w.
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In der Fabrikation von Werkzeugmaschinen, Kraftmaschinen,
HolzbearbeitungSnmschiuen und hauswirthschaftlichen Maschinen spielt
Berlin in Deutschland eine große, ja eine maßgebende Rolle. Da sich
fast ausnahmslos die großen Firmen der Maschinenbranche an der
Gewerbe-Ausstellung von 1890 betheiligen, wird die Gruppe XIII
(Maschinenbau- und Transportwesen) ein großartiges Bild der
Leistungsfähigkeit Berlins auf diesen; Fabrikationsgebiete geben. Die
Gruppe XIII, die am westlichen Ende der Haupthalle und zun; Theil
im Freien untergebracht ist, hat 280 Aussteller und beansprucht in der
Haupthalle 10 000 Quadratmeter. Dazu kommen noch 1000 Quadrat
nieter offene Hallen, 5000 Quadratmeter Raum in; Freien, das Kessel
haus mit 600 Quadratmetern und das in; nördlichen Theil der 'Aus
stellung gelegene Gebäude für Gas und Wasser, in ivelchen; Brenn-
und Kochgas - Apparate in; Betrieb vorgeführt werden solle». Das
Kesselhaus enthält zwölf Wasserröhrenkeffel von 2500 Quadratmetern
Heizfläche und hat vier Schornsteine, welche 30 Meter hoch sind und
oben eine lichte Weite von 1,80 Meter haben. In der Haupthalle
werden außer Gas- und Wasser-Installationen untergebracht die
Kraftmaschinen, welche mit Dampf, Gas, Petroleum, Benzin
getrieben werden. Es wird im Betriebe eine Preßluft-Anlage
vorgeführt, welche für die Kanalisation, für die Waffersörderung und
andere technische Zwecke verwendet wird. Besonders gut werden ver
treten sein Werkzeugmaschinen, Hebezeuge, Aufzüge, Pumpen, Maschinen
für Textil-Jndnstrie, Holzbearbeitungsmaschinen, Druckmaschinen (Schnell
pressen und Rotationsiuaschinen), Nähmaschinen, hauswirthschaftlichc
und landwirthschaftliche Maschinen, Müllcreimaschinen, Maschinen für
Brennerei und Kelterei, Locomotiven. Ans der Treptower Ehaussee,
welche bekanntlich nach Eröffnung der Ausstellung gesperrt wird und
zun; Ansstellungsterrain gehört, werden die Schmalspurbahnen und die
Apparate für das Eisenbahnsicherungswesen Aufstellung finden. Der
Wagenbau wird vertreten sein durch Luxuswagen, Geschäftswagen,
Reclamewagen, Arbeitswagen, eiserne Karren und Handwagen. Zwischen
den; Kesselhause und den; Weitende der großen Haupthalle sind außer-
deu; noch zwei Mühlengebäudc errichtet, in denen Mühlen-Apparate
im Betrieb gezeigt werden. Fast der größte Theil der in der Haupt
halle ausgestellten Maschinen wird auch im Betriebe vorgeführt) und
wird zu diesem Zwecke ein Condenswafserbassii; in den; Hofe zwischen
Kesselhaus und Haupthalle angelegt.
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Die Gruppe XVII (Photographie) hat 1000 Quadratmeter
und wird von 80 Ausstellern beschickt. Hauptsächlich wird der Verein
z>»r Förderung der Photographie mit zehn Ausstellern vertreten sein,
von denen sechs Nicht-Berliner sind; ferner der Photographische Verein
mit 33 Ausstellern, von den vier auswärtige sind. Die Gruppe ist in
dem Gebäude für Chemie, Physik und Optik nördlich von der Treptower
Chaussee untergebracht und zerfällt in die Unterabtheilungen: Gewerbs
mäßige Photographie «Portrait-, Landschasts-, Architektur-Photographie,
Vergrößerungen), wissenschaftliche Photographie und Fachliteratur,
photo-mechanische Druckverfahren, (Photogravure, Lichtdruck, Zinko-
typie, Photo-Lithographie) und Apparate, Utensilien, Materialien und
Chemikalien. Die Aussteller beanspruchen sehr viel Wandflüche, da
sie meist Photographieen ausstellen, die auf eine»; gleichfarbigen Unter
grund befestigt sind. Außerdem wird in Kiosken und Spinden aus
gestellt. Das Einräumen der Ausstellungsobjecte soll schon am 1. April
beginnen. Vorsitzender der Gruppe ist I. C. Schaarwaechter, Leipziger
straße 130, Architekt Baumeister Griesebach, Fasan mstr. 33.
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Eine Versammlung der Gruppe I. (Textilindustrie) fand am
Dienstag, den 4. Februar, in; Saale des Theater-Restaurant, Char
lottenstraße 58, unter Vorsitz des Herrn Counnercienraths Spindler statt.
Die Versammlung, in welcher säst sämmtliche Aussteller erschienen
waren, bewilligte 13 200 Mk. für die äußerliche Decorirung der Gruppe.
Da die Gruppe 800 Meter Raum zur Verfügung hat, entfallen auf
das Quadratmeter resp. laufende Meter 16.50 Mk. Decorationsbeitrag.
In dieser Summe sind die Kosten für zwei Telephonstellen und deren
Jntriebhaltung vorgesehen. Für die Ausstellungslvtterie sollen in der
Gruppe gegen 1000 kleinere Gewinne angekauft werden. Die Auswahl
der anzukaufenden Gewinne wird den bisher gewählten Gruppeninit-
gliedern der Lotteriecommission überlassen. Zu Preisrichtern wurden
gewählt die Herren Heinrich Maß, in Firma Adolf Maß, Herr Arthur
Bergmann, in Fir»;a Deutsche Feinjutespürnerei-Actiengefellschaft, und
Herr Webcschuldirector Gürtler.
Der Grnndplan der Gruppt XIX (Unterricht uud Er-
ziehmkg) ist mmmchr festgestellt. Architekt der Gruppe ist
Stadtban-Juspcetor Frobcnins. Die Gruppe XIX ist mit der
Gruppe XVIII (Gesundheitspflege uud Wohlfahrtseinrichtnugen)
iu einem besonderen Gebäude untergebracht, welches sich dicht an
der Köpcuicker Landstraße, neben Eingang 4, erhebt und von der
elektrischen "Ausstellungsbahn durchfahren ivird. Die dem Park
innen zugekehrte Seite ist für die Gruppe XIX bestimmt uud enthält
ein Erdgeschoß mit ringsherumgehenden Galcriccn im ersten
Stock. Bvm Parkciugang getaugt man zuerst in die Ab
theilung für Schiffbau, welche von der Technischen Hoch
schule in Charlottenburg beschickt wird und zahlreiche Schiffs
modelle enthält. Daran schließt sich die Ausstellung des
Pflanzcuphhsivlogische n Instituts, in der Professor Engler,
Director des Botanischen Gartens, seine wissenschaftlichen Modelle
ausstellt. Weiter gelangen wir iu die Ausstellung der Geolo
gischen Landeü-Anstalt und Berg-Akademie, in welcher
neben prähistorischen Funden die geologischen Verhältnisse der Mark
Brandenburg dargestellt sind. Das Vorkommen von Salz, Kohle,
von Fossilien und Mineralien in der Mark tvird besonders durch
Ausstcllungsobjcctc deinonstrirt. Tic Außenseite der Wand,
welche diese „Geologische Ausstellung" umgiebt, dient zur Anf-
nahme einer historisch-photographischen Ausstellung, welche
Professor Böget hier veranstaltet, um die Entwickelung der Pho
tographie in Bildern vorzuführen.
Besondere Anziehungskraft dürfte die ebenso reiche wie schone
Specialausstellung des Berliner K u u stg ew crb c - M n sc n »; s aus
üben. Außer zahlreichen Knustgcgcnständcn in Bronze, Majolika,
Holz, Eisen u. s. w, die »ach den Entwürfen des Knnstgcwcrbc-
Musenms hergestellt worden sind; außer Schülcrarbeitcn und
Wanddccorationcu, ist besonders bcmcrkenswerth ein mit allem
Cvn;fvrt ausgestattetes Ministcrzimmcr, das durch das Kunst-
gcwcrbe-Mnsenm in reicher Täfelung hergestellt ist.
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