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Volume Nr. 129, 24. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Off icielie Ausstellungs - Nachrichten. 
- 
schwierigen Rolle gewachsen, er sang mit heiserer Stimme 
die Stunden ab und tutete aus einer caputen Trompete wahr 
haft herabrechend, auch liess er sein Licht aus einer Laterne 
ohne Glas leuchten und zeigte sich als eifriger Beamter, in 
dem er fortgesetzt Arretirungen vornahm, die Delinquenten 
mussten sich mit Bier loskaufen. So kam es, dass zu vorge 
rückter Stunde das Singen und Blasen immer schwieriger 
wurde und der Mann der Ordnung öfters nach Stützpunkten 
an den Leinenhäusern suchte, welche aber solche Verantwor 
tung nicht aufzunehmen in der Lage waren, sondern mehr 
fach umfielen. In der Bauernschänke, wo der Regisseur 
der „grobe Gottlieb“ seines Amtes als Wirth am Buffet wal 
tete, wurden mindestens dreimal so viel Gäste hinausgeworfen 
wie in der Georgenstrasse zu Alt-Berlin und die dort serviren- 
den Kellner waren von geradezu klassischer Lümmelhaftig 
keit, die' Erklärung der Raritäten geschah ebenfalls in sehr 
wirksamer und drastischer Weise von einem Schauspieler, 
der sich überhaupt um das ganze Arrangement sehr verdient 
gemacht hat. —- Die Kellnerinnen im Roland, von Schauspie 
lerinnen dargestellt, waren zum Anbeissen nett und machten 
durch ihre Liebenswürdigkeit gut, was der „grobe Gottlieb“ 
in der Weissbierstube verbrach. Von Zeit zu. Zeit erschienen 
liier Bänkelsänger auf einem Podium, das aus einer grossen, 
mit Stoff bedeckten Kiste bestand. Die Blumenmädchen 
waren gegen alles Herkommen jung und hübsch, so dass man 
sich fast versucht fühlte, sie für unecht zu halten. In kur 
zen Pausen wurden Ankündigungen ausgetrommelt, gegen 
•Mitternacht erfolgte der grosse Umzug, der an Glanz und 
Ausdehnung dem zu Alt-Berlin keineswegs nachstand. Um 
diese Zeit wurde auch der Vergnügungspark geöffnet, den 
man während des Regenwetters geschlossen hatte, die Menge 
strömte über die Brücke nach der Volksmassen-Ernähjrung, 
um sich an Zehnpfennig-Kartoffelpuffern zu sättigen. Der 
Besuch des Harems enttäuschte hier genau so wie in Kairo 
und das Riesenfernrohr functionirte ebenso, wie das Original 
in der Gewerbe-Ausstellung. Es ist nicht zum Durch-, son 
dern zum Ansehen , wurde man belehrt. Bestand jemand 
darauf, durchzuschauen, so fiel sein Blick auf die tröstende 
Inschrift: Die Dummen werden nicht alle. — Im Theater 
Alt-Berlin wurde nach der Kaffeepause „Die ehrliche Bäckin 
mit ihren drei vermeintlichen Liebsten“ aufgeführt, ein Pos 
senspiel zur Lehr- und Kurzweil gemeiner Christenheit, ins 
besondere Frauen und Jungfrauen zum goldenen Spiegel von 
Jacobus Egrer . Die Wasserbahn am Spandauer Thor konnte 
wegen Ueberschwemmung nicht benutzt werden. Das Publi 
kum war recht fröhlich zu Alt-Berlin in Rixdorf. 
- In der Sanitätswache ist in den letzten 24 Stunden 
in 12 Fallen Hilfe geleistet norden. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
(Weitere Sehenswürdigkeiten werden atff Verlangen in diese Rubrift 
aufgenommen) 
Abgeordneten-Haus, Leipzigerstr. 75. Eintrittskarten parterre, Abds.vorher v. 5 Uhr ab. 
Aquanum, Unter den Linden 68a. 9—7. Wochentags 1 M., Sonntags 50 Pf. 
Kinder die Hälfte. 
Berg- und Hüttenmuseum, in der Geologischen Landesanstalt, Invalidenstr. 44. 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uhr 
Berliner Rathhaus, (mit Ausnahme Donnerstags und Freitags) 11—3 Uhr. 
Beuth-Schinkel-Museum, Charlottenburg in der teehn- Hochschule. Montags und 
Donnerstags von 10—12 Uhr. 
Bibliothek der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im 
Königs Museum für Völkerkunde, Eingang Prinz Albrechtstrasse- Be 
suchszeit von 10—3 Uhr- 
Bibliothek in der Königs. Bau-Akademie an der Schleusenbrücke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. 
K °mgl., am Opernplatz 1—2 Uhr. 
Bib otheK des Kunstgewerbe-Museums, Prinz Albrechtstr. 7. Besuchszeit ▼. 10—10 Uhr. 
Bib iothek der polytechn. Gesellschaft, Neue Friedrichstr. 35. 2-3 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr. 9. 9-1 Uhr. 
Botanischer Garten, Potsdamerstr. 75. 8—12, 2—7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse. Burgstrasse und Friedrichstrassen-Ecke, 12 2 Uhr, ausser Sonntag. 
Depeschensaal des „Berliner Lokal-Anzeiger“, Unter den Linden 3 Eintritt frei. 
- lora-Etablissement. Palmen- u- Blumengärten in Charlottenburg. Eintritt 1 Mk. 
rriedrichshain, mit dem Denkmal Friedrichs des Grossen. Platz vor dem Lands- 
berger I bor, Ruhestätte der im März 1848 Gebliebenen. 
Herrenhaus, Leipzigerstr. 3. Eintrittskarten im Bureau daselbst. 
Historisches Museum im Schloss Monbijou (reich an Gegenständen aus der vater- 
ländischen Geschichte) 10-3 Uhr. 
Hygienisches Museum, Klosterstr. 35. Sonntags 11—1 Uhr, Dienstags u. Feitags 10—2 Uhr. 
Königs Institut für Glasmalerei, Charlottenburg. Berlinerst!*. 9 (beim Chausseehaus) 
täglich ausser Sonntags von 9—4 Uhr. 
Königliches Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albrechtstr. 7. Wochentags mit Ausnahme 
des Montags v. 10-4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr iin W.nter, Sonntags im 
Die letzten Eisenbahnzüge gehen 
A) vom Ausstellung:» - Bahnhof. 
(Sonn- und Wochentags): 
1. über Stadtbahn bis Charlottenburg 
12 Uhr 20 
Min. 
Nachts. 
2. nach Görlitzer Bahnhof 
12 
31 
n 
3. „ Grünau 
12 
36 
V 
4. „ Königs -Wusterhausen 
12 
r> 
40 
7) 
T> 
B) vom Bahnhof Treptow. 
1. Wochentags: 
1. nach Bahnhof Ausstellung 
12 
Uhr 
10 
Min. 
Nachts. 
2. über Nordring nach Westend 
12 
„ 
22 
„ 
8. „ Südring nach Potsdamer Bahnhof 
12 
„ 
28 
„ 
4. bis Grünau 
12 
38 
„ 
5. über Stadtbahn nach Charlottenburg 
12 
56 
» 
2. Sonntags: 
1. nach Bahnhof Ausstellung 
12 
Uhr 
10 
Min. 
Nachts. 
2. nach Grünau 
12 
„ 
33 
„ 
3. über Nordring und Westend 
12 
34 
w 
4. „ Südring nach Potsdamer Bahnhof 
12 
40 
„ 
5. * Stadtbahn nach Charlottenburg 
12 
9) 
56 
» 
V 
Die letzten elektrischen Wagen gehen: 
1. nach Dönhoffplatz 
12 
Uhr 
— 
Min. 
Nachts. 
2. „ Zoologischer Garten 
12 
„ 
22 
„ 
„ 
3. „ Hollmannstr. 
12 
30 
„ 
„ 
4. „ Leipzigerstr. 
12 
9 
y> 
W 
Die letzten Pferdebahnwagen gehen: 
1. nach Friedrichstr. (Ecke Behrenstr.) 
11 
Uhr 45 Min. 
Nachts. 
2. „ Potsdamerstr. (Ecke Grossgörschenstr.) 12 
60 
„ 
„ 
3. „ Spittelmarkt nach Bedarf bis 
12 
„ 
50 
„ 
yt 
4. „ Zoologischer Garten 
12 
« 
— 
» 
Die letzten Omnibusse fahren: 
1. nach Alexanderplatz 
10 Uhr 
53 
Min. 
Nachts. 
2. „ Schöneberg 
10 
5 
3. „ Spittelmarkt 
11 
„ 
32 
„ 
„ 
4. „ Potsdamer Bahnhof 
11 
» 
— 
r 
Die letzten Dampfer nach Jannowitzbrüeke fahren: 
1. Motor-Boot-Gesellschaft 
12 
Uhr 
— 
Min. Nachts. 
2. ,Adler“ 
12 
• „ 
— 
„ 
3. „Stern“ 
12 
„ 
— 
„ 
* 
4. Tiesmer & Co. 
11 
- 
10 
» 
Sommer von 12—6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3, 12—4, 
12-5 Uhr. H 
Königl Museum, Gemälde, Sculpturen, Antiquarium, Antike Vasen u. Bronzen, 
I^gyptisches Museum. Kupferstichsammlung etc- Wochent-gs mit Ausnahme 
d. Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer v. 12—6 Uhr, im Wint je nach der Jaliresz v. 12—3. 12—4, 12—5 Uhr. 
Königs Porzellan-Manufactur, Wege ly strasse- Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. 
Freitag. Vorm bis 12 Uhr. 
Königl Schloss, Meldung beim Kastellan, 10 bis 1 Uhr. 
Königl. Schloss in Charlottenburg. Meldung beim Kastellan. 
Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstler, Wilhelmstr- 92, täglich von 10—4, 
Sonntags von 11—2 Uhr. 
Kunstgew. Ausstellung der namhaftesten Kunstgewerbe Deutschlands, Lindenstr. 18, 
wochentäglich 10—7. Eintritt frei. 
Markthallen, besonders: Centralmarkthalle. Neue Friedrichstrasse 24—27. 
Marställe, Königs, Breitest!*. 32, 12—2V 2 Uhr. , . M 
Märkisches Provinzial-Museum der Stadtgemeinde Berlin. Breitest!*. 20 a im Köllnischen 
Rathhause. Sonntag 11-2 Uhr Montag und Donnerstag 12-2 Uhr. 
Mausoleum in Charlottenburg. Von 10—6 Uhr. 
Münzkabinet im Museum am Lustgarten Besuchszeit Wochentags mit Ausnahme 
des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags 
im Sommer von 12—6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3» 
12-4, 12-5 Uhr. 
Museum für deutsche Volkstrachten und Hauserzeugnisse, Klosterstr. 36; täglich ausser 
Mittwoch von 11—2 Uhr. Entree 50 Pfg-, Kinder die Hälfte. 
Museum der landwirtschaftlichen Hochschule und permanente Ausstellung landwirtschaftlicher 
Maschinen, Invalidenstr 42. Besuchszeit an den Wochentagen (mit Ausnahme 
des Mittwochs! in den Vormittagsstunden. 
Museum für Naturkunde, Invalidenstr. 43. Sonnabend und Montag von 11—3 Uhr, 
Sonntags im Sommer 12—6 Uhr, im Winter 12—3 Uhr. 
Museum für Völkerkunde und Schlicmann-Sammlung, Königgrätzerstr. 120 Wochentags 
mit Ausnahme des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, 
Sonntags im Sommer v. 12—6 Uhr. im Winter je nach der Jahreszeit von 
12-3, 12-4. 12-5 Uhr. . ' ,, 
National-Galerie, neben dem neuen Museum; Wochentags mit Ausnahme des Mon 
tags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im Sommer 
v. 12—6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit v. 12—3, 12—4. 12—5 Uhr- 
Palais der Kaiserin Friedrich, gegenüber dem Zeughause- Besichtigung nach Anfrage. 
Paläis weiland Kaiser Wilhelms I. Besichtigung naclrA »frage. 
Post-Museum, Leipzigerstr. 15. Täglich ausser Mittwoch und Sonnabend von 
11-1 Uhr. , , 
Rauch-Museum, im Lagerhause. Klosterstr. 76; Sonntags und am letzten Sonnabend 
jeden Monats geschlossen. 
Ravenesche Gemälde-Sammlung. Wallstr. 92. Dienstag und Freitag von 10—2 Uhr. 
Reichstagsgebäude am Königsplatz, von 8*/» — 9*/-.• TJlir, Sonntags von 2-4 Uhr- 
Sammlungen des König! Zeughauses, täglich von 10—3 Uhr, Sonntags 12—3 Uhr. 
Siegessäule am Königsplatz, vom Geh- Oberbaurath Professor Strack. 
Sternwarte, Lindenstr- 108. Besichtigung nach Meldung beim Director 
Zoologischer Garten, Wochentags i Mk., Sonntags 50 Pfg. Kinder die Hälfte. 
Abfahrt der letzten Züge, Dampfer und Wagen von 
der Ausstellung.
	        
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