Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:


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finden; das Opernhaus wird vom 1. Juli bis l. September
geschlossen bleiben. Wie man uns fernerhin mittheilt, ist für
Kroll nicht nur das Orchester, sondern auch ein großer Theil
des Chors des Schweriner Hoftbeaters verpflichtet worden;
fernerhin wird das Solopersonal durch eine Reihe von Neu
engagements ergänzt. Die ganzen Dispositionen sind so getroffen,
daß im Königlichen Opernhause und in Kroll's Theater täglich
ohne Störung Opernaufführungen veranstaltet werden können.
V
II. Das Gouverneurhaus, welches in dem an den Ver
gnügungspark grenzenden Theil der Colonial-Ansstellung
errichtet ist, wird, wie wir erfahren, am 17. Oktober abgerissen
und nach Kamerun transportirt werden. Ter leichte, freundliche,
von luftigen Veranden umgebene Bau ist aus amerikanischen
Hölzern zusammengesetzt und zerlegbar construirt. Die einzelnen
Theile werden auseinandergelegt, nach Kamerun übergeführt und
erstehen dort wieder als Gouverneurhaus.
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Die festliche Erleuchtung der Ausstellung, welche der
Firma F. Hoppenworth übertragen worden ist, wird, wie
bereits erwähnt, alle vierzehn Tage stattfinden. Die zur Ver
wendung kommende Brennmasse ist eine Wachscomposition, welche
in geschliffene, farbige Gläser eingebettet ist intb herrliche Licht
effecte hervorruft. Die Glaskörper stehen durch Zündschnüre
miteinander in Verbindung; diese sind derart imprägnirt, daß bei
guter Witterung die Entflammung eines ganzen Jlluminations-
cvmplexcs auf einen Schlag möglich ist. Im Ganzen werden
an den Festabenden in der Ausstellung 50 000 Lichtkörper auf
flammen. Hiervon sollen 20 000 Stück als birnenförmige, opal
farbige Lampions in der Platauen-Allee am künstlichen See zur
Verwendung kommen; 18 000 Stück werden um den See in Ab
ständen von fünf Metern gruppirt sein, und zwar in zwei Meter hohen
Pyramiden. Diese werden aus grünen, kelchförmigen Gläsern zu
sammengesetzt: die Pyramiden werden untereinander durch grüne
und rothe doppelte Guirlanden verbunden sein. Tie übrigen
12 000 Lichtkörperchen werden in den Gartenanlagen um die
Fontaine, in den Gängen zur Dampfschifffahrtstelle und der
Eisenbahn und um das Cafe Bauer Platz finden. Es ist für
diesen Zweck die Form von Ballons in verschiedenartigen Farben
abstufungen gewühlt worden, Eine Berliner Firma hat bei der
Concurrenz mit einer renommirten italienischen Grvßsirma (Centi-
lomo in Venedig) den Sieg davongetragen.
»
vr. A. Im Vergnügungspark ist eine für Europa neue
Specialität soeben im Bau beendet worden. Es ist dies ein
„marokkanischer Irrgarten." In einem maurischen Gebäude
sind die schmalen, gangartigen Jnnenräume derart verschlungen
angelegt, daß der Besucher die Orientirung nur mit Mühe fest
halten kann, fernerhin sind in den Ecken Tourniguetwände, die —
an einem Zahnrad drehbar — den Verkehr nur nach einer Rich
tung hin zulassen. Nur demjenigen, der sich durch dieses Labyrinth
durchzuwinden vermochte, ist es vergönnt, in den mit reicher orien
talischer Pracht ausgestatteten Harem einzutreten, in welchem schöne
Frauen, auf Diwans ruhend, Mokka credenzen. — Den Haupt
spaß an der Sache aber haben die Zuschauer, welche, aus einer
Veranda stehend, in die nach oben offenen Räume hineinblicken und
die Irrfahrten der Harempilger verfolgen können. Auch die schöne
maurische Vorderfront des Baues mü einer Statue der auf einer
Sphinx sitzenden „Afrika" verdient Erwähnung.
-s
M-y. Für Donnerstag, den 16. April, war eine Probe der
Musik- und Gesangs-Aufführungen für die Eröffnungs
feier mit dem Philharmonischen Orchester und der Liedertafel in
der großen Kuppel des Haupt -Ansstellungsgebäudes angesagt.
Die Probe tonnte aber nicht stattfinden, da infolge eines Miß
verständnisses die Theilnehmer sich nach Alt-Berlin verfügt hatten
und in der Hauptkuppel nur eine Anzahl Sänger erschienen war.
Das Abhalten der Probe mußte schließlich aufgegeben werden,
da es an der vollen Besetzung fehlte. Die Generalprobe soll
nunmehr am Sonntag Mittag im Deutschen Hof», Luckauer-
straße IS, vor sich gehen.
Die große turnerische Veranstaltung während der Berliner
Gewerbe-Ausstellung ist jetzt auf den 21. Juni festgesetzt worden
und besteht in einem gemeinsamen Schauturnen aller vier Turn
gaue von Berlin auf dem Exercirplatz an der Treptower Chaussee,
verbunden mit Ansprache und Gesang. Man rechnet auf eine Theil
nahme von über tausend Turnern.
Vereheliche Redaction!
Glauben Sie nur ja nicht, daß ich Ihnen wieder etwas über
die bevorstehende Noth des „Logirbesuches" vorklagen will *), ich
komme heut mit einer viel schlimmeren Angelegenheit.
Es handelt sich nicht um mich, es handelt sich um alle
Frauen, die von ihren Ehemännern Wirthschaftsgeld bekommen
und die wegen der Höhe desselben in beständigem Kampfe mit dem
Gatten liegen, ich sage Ihnen, solch' unglückliche Frauen giebt cS
mehr, als man glaubt. Und nun diese unglückliche Sache in der
Ausstellung l Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll! Nein, ich
versichere Sie, ich sehe sehr schwarz in die Zukunft und nicht nur
ich, sondern wahrscheinlich noch tausend andere beklagenswerthe
Frauen mit mir!
Wirklich, hier sollte die Polizei einschreiten, und wenn nicht
die Polizei, so doch irgend eine andere Behörde, denn wozu sind
die Behörden da, wenn nicht um großes Unglück zu ver
hüten, wo doch ganze Familien durch die Sache auseinander-
gebracht werden können — und das gestörte Eheglück und die Thränen
und der Aerger!
Es ist unerhört und so was unterstützen Sie noch und bringen
ganze Artikel darüber, als ob es wer weiß was für ein Glück
wäre! Aber das kann ich Ihnen sagen: Mit den Frauen haben
Sie cs gründlich verdorben und die ganze Ausstellung überhaupt!
Wenn cs nach uns ginge, würde sie verboten. Es ist ja auch
ganz ungeheuerlich!
Ich glaube ja nicht, daß die Sache wahr ist und daß sie
möglich ist, wenn es aber schon so wäre, so müßte man doch nicht
in solcher Weise die Sache loben und allen Männern den Kopf
verdrehen, dann müßte doch gleich hinzugesetzt werden, daß so
etwas im einfachen Haushalte nicht möglich ist. Dann würden
es die Männer glauben, denn was gedruckt ist, darauf schwören
sie ja alle.
Ich meine nämlich die „Volksmassen-Ernährung". Sie
bringen immerfort Berichte, daß diese Gesellschaft — ich wünsche,
sie wäre, wo der Pfeffer wächst! — auf dem Ausstellungsplatze
vorzügliches Essen vor den Augen des Publikums zubereiten und
dann sofort verkaufen wird, jede Portion zu zehn Pfennig,
Suppe und Bouillon zu fünf Pfennig. So was darf ge
druckt werden? frage ich.
Wissen Sie auch, welches Unheil Sie mit solchen Artikeln
anrichten? Lassen Sie. sich erzählen, was mir passirt ist:
Ich kann ohne Ucberhebung behaupten, daß ich eine sehr
wirthschaftliche Frau bin und daß ich eü verstehe, mit meinem
Gelde auszukommen. Ich will es Ihnen anvertrauen, daß ich
fünfzig Mark wöchentliches Wirthschaftsgeld bekomme, wenig genug
bei den theuren Preisen, zumal ich noch die ganze Wüsche und
die kleinen Auslagen zu bestreiten habe. Aber ich komme mit dem?
Gelde aus, obgleich wir immerhin fünf Personen sind, mein Mamr,.
ich, die beiden Kinder und das Dienstmädchen. Die Kinder sind-
zwar erst dreizehn und zwölf Jahre, das Mädchen dreizehn, der
Knabe zwölf, aber sie haben Gott sei Dank einen so gesunden
Appetit, daß sie als erwachsene Personen im Haushalt gezählt
werden müssen.
Vorigen Sonnabend giebt mir Max das Wirthschaftsgeld für
die nächste Woche. Ich erlaube mir die Bemerkung: „Du weißt,
daß diese Woche bei Dir der Skatabend stattfindet, ich möchte für
die drei Herren und Dich ein warmes Abendbrod machen, es
wäre daher nur recht und billig, wenn Du mir diese Woche eine
9
’) Vergleiche die Scherz-Ecke in Rr. 4 dieses Blattes.
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