Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

GfftrieUe A«sstellnngs-!lachrichten.
11
leute, dcs Restaurateurs Rösch und des Civil-Jngenieurs Engel
Der Thurm hat eine Höhe von 55 Metern: das Erdgeschoß wird
von einer großen, etwa 2000 Personen fassenden Restauration
eingenommen, welche über eine Anzahl luftiger Veranden verfügt.
Ueber dem Restaurant iverden 4 je 17 Meter hohe Thürme
sichtbar; sie dienen als Scheinwerfer für das elektrische Licht, um
weithin die Umgebung zu erhellen. An den Ecken des großen
Thurmes laufen Schienen; auf ihnen bewegt sich ein durch Elek-
tricität bewegter Aufzug bis zu einer Höhe von 25 Metern. Auf
dem Aufzuge liegt ein Geleise, das einen Ring bildet, um welchen
sich eine Plattform mit Sitz- und Stehplätzen für 60 Personen
dreht. Ist schon aus dieser Höhe eine prächtige Aussicht gegeben,
so wird dieselbe noch wirkungsvoller, wenn der Besucher den elek
trischen Aufzug verläßt und sich weiter auf die Wanderung nach
oben begiebt. Man steigt zunächst zu einem Balcon und von
demselben zu einem Kuppelraum empor, der acht Meter im Durch
messer ist und eine Erfrischungsstätte aufweist. Von hier aus,
08 Meter über dem Erdboden, ist eine umfassende Aussicht über
die Ausstellung und ihre Nachbarschaft gegeben. Die von den
Besitzern selbst geleitete Ausführung der elektrischen Thurmbahn
erforderte einen Kostenaufwand von 250 000 Mark.
V
Das Künstlerfest, welches die Studirenden der königlichen akade
mischen Hochschule für die bildenden Künste zur Feier des 200jährigen
Bestehens dieser Hochschule in Alt-Berlin der Gewerbe-Ausstellung am
S. Mai cr. zu veranstalten gedenken, verspricht, den getroffenen Vor
bereitungen nach, einen großartigen Verlauf zu nehmen. Anschließend au
einen imposanten Festzug, welcher sich im Terrain der Gewerbe-Ausstellung
entwickeln soll, sind für das eigentliche Fest große Ueberraschungen in
Aussicht genommen. Wenn es schon ein hochinteressantes Bild gewähren
dürfte, in den Straßen der alten kurfürstlichen Residenz auch die Menschen
der Vergangenheit wandeln zu sehen, so wird das Interesse des Publikums
vor allem auch noch durch ein Festspiel im Theater Alt-Berlin, sowie
durch Volksbelustigungen und Gauklerspiele auf den Plätzen der alten
Stadt angeregt werden. Ferner ist, wie wir hören, eine Tanzbelustigung
im Freien geplant, und den Schluß des Festes soll am späten Abend ein
phantastisches Märchenspiel auf dem angrenzenden Karpfenteiche bilden.
Bestellungen auf Eintrittskarten nimmt der Portier in der Hochschule für
die bildenden Wnste, Unter den Linden 88, entgegen.
Der Kaiserin Friedrich sind in diesen Tagen, aus Anlaß
ihres letzten Besuches in „Alt-Berlin" auf der Berliner Gewerbe-
Ausstellung 1896, ihrem Wunsche gemäß einige der Bilder durch
den Director dieser Special-Ausstellung übersandt worden, in welchen
durch den Künstler Herrn Weimar in Verbindung mit dem Architektur-
nialer Herwarth in glücklichster Weise einige der prächtigsten archi
tektonischen Punkte von „Alt-Berlin" festgehalten sind. Dieselben
werden dem Kataloge von „Alt-Berlin" ein weit über das gewöhn
liche Maß hinausgehendes künstlerisches Interesse zuwenden. Der
Marktplatz mit der Gerichtslaube, an einem Tage, an welchem die
Fischweiber das Alleinrecht auf demselben zu beanspruchen scheinen;
der Ausblick auf den Spandauer Thurm, die Befestigungswerke an
demselben und die Zugbrücke im Mondschein; ein Spaziergang der
Rathsherren von 1650 durch die Georgenstraße; eine Beerdigung
nach dem Kirchhöflein der Heiligeugeistkirche und im Gegensatz dazu:
das Liebeswerben eines Berliner Jünglings bei der aus dem
obersten Stockwerk hinausblickenden Freundin bilden einige der
Haupt-Anziehungspunkte dieser künstlerischen Verewigung. Daneben
ruft uns das Idyll, welches Berlin mit seinen damaligen kaum
10 000 Einwohnern darstellte, auch das Bild in die Erinnerung,
in welchem Weimar mitten in der Stadt unter der Aufsicht einer
.züchtigen Maid noch gut gemästete Schweine sich ihres Lebens
freuen läßt. Alle diese Bilder und einige andere, an sich mit
feinstem künstlerischen Verständniß und naturgetreu entworfen und
mit Hilfe der vorgeschrittenen Technik auf autotypischeni Wege ganz
reizend und klar hergestellt, werden lange nach der Beendigimg der
Ausstellung noch eine siohe und angenehme Erinnerung an dieselbe
wach erhalten.
Auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers ist der für den
2. Mai geplante Festakt der Akademie der Künste vom Vor
mittag auf Nachmittags 4 Uhr verlegt worden, weil der Kaiser
am Vormittag in Potsdam miliaitrischen Veranstaltungen aus
Anlaß des Gedenktages der Schlacht von Groß-Görschen bei
zuwohnen gedenkt. In der Rotunde dcs alten Museums, wo sich
der Festakt abspielt, wird für den Kaiser ein Thron errichtet
werden. Mit dem Kaiser werden auch die übrigen Mitglieder
des Hoheuzollcrnhauses erscheinen, auch der Reichskanzler und die
Minister haben bereits zugesagt. Tie Stadt Berlin wird zwölf
Mitglieder beider städtischen Behörden abordnen. Die Zahl der
angemeldeten Deputationen übersteigt bereits achtzig. Außer der
Petersburger Akademie, deren Vertretung bei der Feier bereits
gemeldet ist, werden auch die Akademieen, bezw. die Künstler-
schäften von London, Kopenhagen, Stockholm, Wien und Rom,
sowie alle deutschen Akademieen und größeren Künstlervereiue Ab
ordnungen entsenden, ebenso die deutschen technischen Hochschulen
und die Universitäten. Da die Rotunde selbst unter Hinzunahme
des Balcon doch nur sehr beschränkt ist, wird die Platzfrage eine
sehr brennende werden, um so mehr, als auch für den A-CappeUa*
Chor und für die Musik Raum frei gehalten werden muß. Der
Kaiser wird, nachdem Minister Dr. Bosse gesprochen, selbst eine
Ansprache halten, der Rede des Präsidenten Ende werden dann
die Beglückwünschungen der Deputationen folgen. — Ueber das
anläßlich des Jubiläums stattfindende Gesangsfest wird Fol
gendes mitgetheilt: Das erste Concert (Streichquartett und A-cap-
pella-Chor) findet in der Singakademie am 5. Mai statt. Abends
5 Uhr, das zweite Concert („Moses" von Max Bruch) am 7. Mai
in der Philharmonie; endlich ist für das dritte Concert (Orchester
und Chor-Aufführungen) in dcr Philharmonie der 8. Mai festgesetzt.
Alle drei Concerte beginnen Abends 8 Uhr. Abonnementskarten
werden nicht ausgegeben. Preise der Plätze 12, 10, 8, 6, 4 und
3 Mark, für eine Generalprobe 3 Mark. Anträge auf Vor
merkungen für Concert- und Gencralproben-Billets, mündlich und
schriftlich, können werktäglich von 9 bis 3 Uhr im Bureau der
Königlichen Akademie, Universitütsstraße 6,1, abgegeben werden.
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Für die Marineschauspiele ist der bekannte römische Pyro
techniker Mas cali gewonnen worden. Die Direction beabsichtigt,
während der Ausstellung jede Woche ein Feuerwerk zu veranstalten;
ein jedes dieser Feuerwerke soll die respectableSumme von 10 000 Mk.
kosten. Tie für die Marineschauspiele bestimmten Estraden ent
halten 6000 Sitzplätze und 12 000 Stehplätze. Das Restaurant
steht unter Leitung des bekannten Oekonomen Herrn Grebsch.
Die Decoration der Häuser in den Zufahrtsstraßen zur
Ausstellung am 1. Mai will das „Cvmitö der Aussteller und
Interessenten der Berliner Gewerbeausstellung" nach dem Muster der
Pariser Weltausstellung möglichst einheitlich gestalten. Herr
Stadtverordneter Rosenow hatte am Dienstag Nachmittags die
Ausstclluugsfreuude zur Besichtigung einer Probedecoration au
der Ecke der Michaclkirch- und Köpenickerstraße eingeladen. Es
waren daselbst zwei Masten aufgestellt, die durch zierliches Tau
werk in Guirlandenform mit einander verbunden waren; in der
Mitte dcs Geflechts schaukelte sich das Berliner Wappenthier, der
Bär. Die Masten sollen reich mit Tannengrün und Flaggen
bekrönt werden. Derartige triumphbogenartige Pforten dürften
in Abständen von etwa 40 Metern aufgestellt werden. Das
Comite, welches über keinen Fonds verfügt, braucht zu diesem
Endzweck aber Geld und dreimal Geld und wendet sich daher an
alle Freunde und Interessenten der Ausstellung mit der Mahnung,
die Taschen zu einem angemessenen Beitrage zu öffnen. In der
Schmidstraße 6 befindet sich das Bureau des Cvmitös. Dort
findet auch die Ertheilung jeder Auskunft betreffs der Aus
schmückung der Straßen, sowie die Annahme von Beiträgen statt.
*
H. Die Berliner Gcneralintcndanz beabsichtigt, wie wir er
fahren, mit Goldmark's neuer Oper „Heimchen am Herd"
die Sommerspiclzeit dcr Königlichen Oper in Kroll's Theater
am 15. Mai zu eröffnen. Goldmark's Werk soll die sogenannte
Ausstellungs-Oper sein, welche die anläßlich dcr Ausstellung nach
Berlin kommenden Fremden zum ersten Mal im Kroll'schen
Theater kennen lernen dürften; „Heimchen am Herd" ist bisher
nur am Wiener Hofopcrn-Thcater gegeben worden und wird vor
dem nächsten Winter voraussichtlich an keiner anderen Bühne
aufgeführt werden. Während der Ausstellungszeit werden bei
Kroll vom 15. Mai bis 15. October täglich Vorstellungen statt-
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