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Periodical volume Nr. 127, 22. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
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Noch billiger als in der Volksernährung, 
nämlich gratis, sind gestern einige angestellte Burschen der 
Ausstellung zu einer frischgebackenen Mahlzeit gekommen. 
Etwa um die zwölfte Tagesstunde schritt ein Bäckerjunge 
mit dem wohlgepackten Korb auf dem Kopfe an der Station 
„Hauptrestaurant“ der Rundbahn vorbei seinem Bestim 
mungsorte zu. Einer seiner Bekannten sieht ihn, schleicht 
ihm nach und versucht, im Scherze natürlich, ein Brödchen 
aus dem Korb zu nehmen; er wollt© bloss sehen, ob sein 
Freund das bemerken würde, und ihm dann gutwilig den 
Raub zurückgeben. Aber der Bäckerjunge, der Schritte 
hinter sich hört und den Druck am Kopf fühlt, ist der Mei 
nung, einen Gauner vor oder hinter sich zu haben. Er dreht 
sich rasch um und holt zum Schlage aus. Der schwere Korb 
verliert das Gleichgewicht und die schöne Waare verstreut 
sich weithin über den Weg. Der Anstifter dieses Unheils 
wendet sich nun zur Flucht, der Bäckerjunge aber wirft den 
leeren Korb weg und rennt ihm nach. Dia Zurückgeblie 
benen aber, eine grössere Anzahl junger Burschen machten 
sich schleunigst über die willkommene Beute her. 
V 
Die interessante Glasspinnerei von Frau C. Reellerer, 
die in Alt-Berlin im Betrieb vorgeführt wird, während ihre prächtigen 
Erzeugnisse in Gruppe V ausgestellt sind, wurde dieser Tage auch 
von zwei rumänischen Kaufherrn besucht, die sich ganz ausser 
ordentlich für diese von dem Vater der Ausstellerin, dem Wiener 
Professor Julius von Brunfaut, wesentlich verbesserte Industrie 
interessirten und sich über eine Stunde lang die Technik derselben 
durch praktische Experimente erläutern liessen. Die ausgestellten 
Damenkragen, Herrenbinden, Blumen pp., die den vollkommenen 
Eindruck machen, als ob sie aus der kostbarsten Seide gefertigt 
sind, während das gesponnene Glas dieses Material an Farbenglanz 
und Dauerbarkeit noch weit übertrifft, fanden bei den fremden 
Grosskaufleuten so lebhaften Beifall, dass sie eine grosse Lieferung 
dieser ganz eigenartigen Glaswaaren bestellten, die in Rumänien, 
wo alles Leuchtende und Glänzende an der Gewandung sehr ge 
schätzt wird, besonders gefallen dürften. 
V 
Ein elastischer Tragboden für Krankentrans 
port, der ans einem völlig neuen, interessanten Princip be 
ruht ,ist auf der .Galerie des Wohlfahrts-Gebäudes ausge 
stellt, Der Apparat, welcher als das Vollkommenste aller 
bisher erfundenen Kranken - Beförderungsmittel bezeichnet 
werden muss, ist nach den Angaben des Herrn Dr. med. Ge- 
>rge Meyer von dem bekannten Hof-Wagenfabrikanten Ed. 
Kühlstein-Berlin angefertigt. Die Federung des Tragbodens 
vird nämlich einerseits durch grosse, elastische Gummiku- 
i 'ein bewirkt, welche an den vier Ecken seiner Fläche in halb- 
i'uglige Schalen gelagert sind, andererseits durch Zugfedern, 
welche von den Ecken des Tragbodens zu einem gemeinsamen 
Mittelpunkte unterhalb desselben verlaufen. Durch diese 
Anordnungen werden alle Erschütterungen eines mit dem 
Tragboden ausgerüsteten Wagens, welche sich ja aus grad 
linigen fortgepflanzten oder Dreh-Bewegungen zusammen 
setzen, aufgehoben oder abgeschwächt. Durch Stricke oder 
andere Befestigungsmittel kann der Tragboden auch in Eisen 
bahnwagen nud auf beliebigen (Last-, Leiter-, Hand-)Fubr- 
werken angebracht werden, sodass sich das Geräth ganz be 
sonders für den Krankentransport auf dem Lande und in klei 
nen Städten, überhaupt da, wo besondere Krankenwagen nicht 
zur Stelle sind, eignet. Die Einfachheit der Herstellung er 
möglicht es, zur Benutzung hei eventuellen Massen - Un 
glücksfällen eine grosse Anzahl von Tragböden bereit zu 
halten. 
9 , 
Weihnachtspoesie. Ungefähr 1870—71 tauchten in 
den Läden die echten Perlenschnüre auf und ebenso die fer 
tigen bunten oder goldenen Papierballons und Laternen (eine 
Miniatur-Nachahmung der schon lange beliebten grossen Pa 
pierlampions, wie man sie ja noch heut auch ans dem Trep 
tower Ausstellungsgelände zur Illumination braucht.) 
Und mit jedem Jahre brachte die Weihnachtszeit neue 
Erscheinungren für den Christbaumschmuck in den Handel. 
Waren die ersten Glaskugeln nur gold- und silberglänzend 
gewesen, so erschienen sie nun auch buntschillernd in allen, 
Farben, blau, grün, roth, gelb, dann wieder gestreift in ver 
schiedenen Farben, mit Pünktchen, geeist, als Früchte, 
als Blumen, als Glöckchen u. s. w. u. s. w. Und damit nicht 
genug, gab es nun auch bald die entzückendsten Wachs 
engel mit Goldflügeln sowie auch von der aufstrebenden 
künstlerischen Papier-Industrie hergestellt die reizenden Re- 
lieffiguren, die Engel, Kinderfiguren u. s. w. darstellen und 
so allerliebsten Effect machen in ihren silberglänzenden 
Kleidern. Die meisten Fabriken für die Herstellung des 
Glasschmucks am Christbaum sind wohl in Sachsen resp. 
Thüringen vertreten. Hier in Berlin hat auf der Gewerbe- 
Ausstellung die einzige grosse Fabrik am Platze : „Erste 
Berliner Christbaum-Schmuckfabrik“ von Külmert & Comp, 
ausgestellt. Diese Ausstellung ist allerliebst angeordnet, be 
sonders schon durch die Idee, die prächtige Kaiser-Wilhelm- 
Gedäcktnisskirche in getreuster Nachahmung in jenen 
bunten Gold- und Silberkugeln aufzubauen. Auch die 
neueste Neuheit in Glaskugeln ist vertreten. Sie sind aus 
farbigem Glas (rosa macht den schönsten Effect) und rundum, 
bezogen mit weissem silberglänzendem Glasfiligran. In allen. 
Grössen sind diese Kugeln da, rund, oval oder auch mit einem 
Korb daran, der durch Filigranseile mit der Kugel verbunden, 
ist, als Luftballon. Dann sehen wir noch Glasblumen in leuch 
tenden Farben, Sterne aus Lamette, sowie diese beliebte 
Lamette selbst in den verschiedensten Nuancen, kupfergold, 
silber, grün, blau, roth oder in allen Regenbogenfarben 
schimmernd, kraus und glatt; Ketten von zerschnittener 
Lamette—kurz eine Auswahl, mit der der grösste, mächtigste 
Tannenbaum des Grunewalds auf’s Schimmerndste und 
Glänzendste behängt werden könnte. Wie bequem es sich 
heut nur die Menschen machen! Sie gehen ein paar Tage 
vor Weihnachten, in einen Laden und kaufen sich allen 
Baumschmuck.... Alle die Dingerchen, die man früher 
Tage lang seihst anfertigte — während der Arbeit frohen. 
Gefühls an das nahende Fest denkend — das alles liefern die 
Fabriken fertig ... schöner, effectvoller als der eigenen Hände 
Arbeit. Ja, der Schimmer der Poesie, der diese Arbeiten, 
verklärte, fehlt d< ( r Production der Fabrik, sie sind zu sehr 
Massmwaaro, für alle Welt, für jedermann bestimmt. Aber, 
sie bringen vielen Hunderten fleissiger Menschen Verdienst 
und Lebensunterhalt — und das ist auch — Poesie I 
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In der Sanitätswache sind innerhalb 24 Stunden 16 
Patienten behandelt worden. 
Sehenswürdigkeiten Berlins. 
(Weitere Sehenswürdigkeiten werden auf Verlangen in diese Rubrik 
aufgenommen ) 
Abgeordneien-Haus, Leipzigcrstr.75. Eintrittskarten parterre, Abds.vorher v. 5 II!,r ab. 
Aquarium, Unter den Linden 68a. 9—7. Wochentags 1 M-, Sonntags 50 Pf. 
Kinder die Hälfte. 
Berg- und Hiittcnmuseum, in der Geologischen Landesanstalt, Jnvalidenstr. 44. 
Ausser Montag und Sonnabend von 12—2 Uhr 
Berliner Ra hhaus, (mit Ausnahme Donnerstags und Freitags) 11—3 Uhr. 
Beuth-Schinkel-Museum, Charlottenburg in der teclin- Hochschule. Montags und 
Donnerstags von 10-12 Uhr. 
Bibliothek der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte im 
König). Museum für Völkerkunde, Eingang Prinz Albrechtstrasse. Be 
suchszeit von 10—3 Uhr. 
Bibliothek in der Königs. Bau-Akademie an der Schleusenbrücke. 9—12 Uhr ausser 
Sonnabend und Sonntag. 
Bibliothek, Königs, am Opernplatz. 1 — 2 Uhr. 
BibliotheK des Kunstgewe. be-Museums, Prinz Albrechtstr. 7. Besuchszeit v. 10—10 Uhr* 
Bibliothek der polytechn. Gesellschaft, Neue Friedrichstr. 35. 2—3 Uhr. 
Bibliothek der Universität, Dorotheenstr. 9. 9-1 Uhr. 
Botanischer Garten, Potsdam erstr. 75. 8-12, 2—7 Uhr, ausser Sonntags. 
Börse. Burgstrasse und Friedrichstrasseii-Ecko. 12-2 Uhr, ausser Sonntag. 
Dcpeschcr.saa! des „Berliner Lokal-Anzeiger“, Unter den Linden 3 Eintritt frei. 
Flora-Etablissement. Palmen- u- Blumengärten in Charlottenburg. Eintritt 1 Mk 
Friedrichshain, mit dem Denkmal Friedrichs des Grossen. Platz vor dem Lands 
berger Thor, Ruhestätte d» r im März 1848 Gebliebenen. 
Herrenhaus, Leipzigerstr. 3. Eintrittskarten im Bureau daselbst. 
Historisches Museum im Schloss Monbijou (reich an Gegenständen aus der vater 
ländischen Geschichte) 10—3 Uhr. 
Hygienisches Museum, Klosterstr. 35. Sonntags 1 l—l Uhr, Dienstags u. Feitags 10-^2 Uhr. 
Königs Institut für Glasmalerei, Charlottenburg. Berlinerstr. 9 (beim Chausseehaus) 
täglich ausser Sonntags von 9—4 Uhr. 
Königliches Kunstgewerbe-Museum, Prinz Albrechtstr. 7. Wochentags mit Ausnahme 
des Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Sommer von 12-6 Uhr, im Winter je nach der Jahreszeit von 12—3, 12—4, 
12-5 Uhr. 
König! Museum, Gemälde, Sculpturen, Antiquarium, Antike Vasen u. Bronzen, 
Egyptischcs Museum, Kupterstichsammlung etc. Wochentags mit Ausnahme 
d. Montags v. 10—4 Uhr im Sommer, v. 10—3 Uhr im Winter, Sonntags im 
Somme«- v. 12—6 Uhr, im Wint je nach der Jahresz v. 12—3, 12—4, 12—5 Uhr.
	        
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