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Periodical volume Nr. 126, 21. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle AussteHungs - Nachrichten. 
ii 
sparen kann. Zu bemerken ist hier nur das sogenannte 
Rückschlagventil. Es weicht wesentlich von der gewöhn 
lichen Constmction ah und dient dazu, eine Rückwärtsbe 
wegung des Dampfes in dem Leitungsrohre, welche durch 
irgendwelche Zwischenfälle eintreten kann und für den Kessel 
wegen der eintretenden plötzlichen Erhöhung der Dampf 
spannung gefährlich ist, zu verhüten. 
Von Wichtigkeit ist ferner die vollkommen dichte 
Verbindung der einzelnen Röhrentheile, damit ein Ausströ 
men des Dampfes und damit verbundene Verbrennungsge 
fahr vermieden wird. Vach langen, noch immer andauernden 
Versuchen ist man dahin gekommen, sogenannte Flanschen- 
Dicbitüngen herzustellen, welche jede Gefahr ausschlössen 
und von grösster Dauerhaftigkeit sind. Schliesslich sVien 
auch die Mittel zur Vermeidung von Wärmeverlusten nicht 
Übergängen. Aus Kieselguhr, einer vollkommen feuerfesten 
Infusorienerde von schlechter Wärmelei tnng, werden Umhül- 
ungeh gefertigt, welche ein Abkühlen der Leitungsröhre und 
des Dampfes selbst'auf die grössten Entfernungen unmöglich 
mächen. 
Alle (he geschilderten Apparate und 'Gegenstände finden 
wir im besten Zusammenhange jn der Maschinenhalle. Die 
Sammlung beginnt hinter dem Platze, der Loewe’schen Ge 
wehrfabrik xuid zieht sich mit zahlreiches!"Einzelkojen bis 
säst zur entgegengesetzen Wand hinunter. Von einer 
Kennung der betheiligten Firmen sehe ich ab und überlasse 
;s jedem Ausstelluhgsbesücher, selbst die Gegenstände zu 
besichtigen und sich an der Hand vorstehender Angaben 
aber die gebotenen guten Leistungen zu informiren. 
j. Jacob. 
Die Vorträge in der Ausstellung. 
[Abdruck untersagt.] 
Die Hygiene der Arbeit. 
Ein interessantes Thema freilich war es, über welches 
Herr Geheimrath Prof. Kr aeplin-Heidelberg im Hörsaale 
des Chemie-Gebäudes einen Vortrag hielt, und auch die Art 
und Weise des Vortragenden regte 1 die zahlreichen'Zuhörer 
sehr an ; uns will aber scheinen, dätz's eine Dauer von 1\ Stun 
den auf die Zuhörer ermüdend wirken muss,' cläsfe vielmehr 
die ursprünglich festgesetzte Zeit von einer Stünde voll 
ständig genügt, wenn sie auch zu gedrängter Kürze zwingt. 
Die Arbeit, so führt der Vortragende aus, trägt ein 
Doppelantlitz, sie bedeutet aber den wesentlichen Inhalt 
unseres Jahrhunderts,. Wir dürfen nicht stolz auf jene herab 
blicken, welche arbeiten und arbeiten müssen, denn unsere 
Zeit hat die Arbeit anerkannt und ihr das Beschämende ge 
nommen. An uns muss es liegen, der Arbeit den Stachel zu 
nehmen, welcher durch die Ermüdung, diesem Ergehniss der 
körperlichen und geistigen Arbeit, hervorgerufen wird. Man 
hat durch die Hygiene vorgeschrieben, welche Kleidung wir 
tragen' sollen, wie wir uns gesundheitlich zu verhalten haben, 
weshalb, soll es nicht auch eine Hygiene der Arbeit geben! 
Mit der Ermüdung gehen zwei verschiedene Vorgänge neben 
einander her, der Verbrauch von Arbeitskraft und 
die Anhäufung von giftigen Zerfallprodncten im Kör 
per. Als Zeichen der Ermüdung gilt die Herab 
setzung der Arbeitsleistung, mit welcher auch die 
Qualität der Arbeit verschlechtert wird. Abnahme 
der Aufmerksamkeit und eine Verflachung der Ge 
danken kennzeichnen die geistige Ermüdung. Die Arbeit 
wird bei Eintritt der Ermüdung ungleichmässiger und ünzu- 
veflässiger, die Bewegung verliert an Kraft und Gelenkig 
keit und allmählich folgt eine Müdigkeit, welche zum 
Schlafe drängt. Müdigkeit und Ermüdung sind trotzdem 
zwei ganz verschiedene Zustände. Kinder sind im ganzen 
stärker und leichter ermüdbar, als Erwachsene. Wenn man 
die Ermüdung bekämpfen will, muss man das Uebel an der 
Wurzel anfassen, deshalb muss man jene Arznei- und 
Genussmittel, Welche die Müdiekeit momentan be 
seitigen helfen sollen, unbedingt verwerfen. Nament 
lich gilt dies vom Alkohol, Morphium, Cocain, welche! 
Mittel sogar äusserst gefährlich für den Organismus sind. 
Harmloser sind Kaffee und Thee, obgleich man noch keine 
bestimmten Erfahrungen gesammelt hat. Wichtig für He 
bung der Müdigkeit und Ermüdung ist der Schlaf, doch ist 
es nicht immerhin gesagt, dass man gleich nach dem Schlaf 
geistig am meisten angeregt ist. Wenn man die richtige 
Hygiene der Arbeit anwenden will, muss man auf die rich 
tige Menge und Eintheilung der täglichen Arbeit bedacht 
sein. Schon Kant tritt für acht Stunden Arbeit, acht Stun 
den Ruhe und acht Stunden Schlaf ein, und in neuester Zeit 
mehren sich die Bestrebungen, welche eine staatliche Fest 
setzung des Arbeitstages erhoffen. Wenn man aber diese 
Präge vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, muss 
man zu dem Resultat kommen, dass seihst hei Festsetzung 
einer Maximalarbeitszeit einige Personen zu stark, andere zu 
schwach belastet würden, man diesen aber die Möglichkeit 
nähme, ihren Erwerb zu verbessern. Man muss Ruhetage 
eintreten lassen, ausser diesen aber Pansen. Für die Kinder 
von grossem Werthe sind die Ferien, welche eine bedeutende 
Erholung bewirken. Doch auch eine zweckmässige Einthei 
lung der Mahlzeiten, genügende Dauer des Schlafes sind 
Punkte, welche nicht 'ausser Acht;'gelassen werden dürfen. 
Dann darf man auch nicht vergessen, dass jeder Arbeiter sei 
nes Lohnes werth ist; gesunde Wohnung, genügende Klei 
dung, zweckmässige. Ernährung sind Punkte, welche einge 
hende Beachtung verdienen. Dabei ist wohl zu bemerken, 
dass man, um Hygiene der Arbeit zu treiben, den Kampf ge 
gen den Alkohiplismus und gegen das um sich greifende 
Nachtleben aufnehmen muss. . Aus der Arbeit quillt der 
Wohlstand des Volkes und dessen Arbeitskraft; zu erhalten 
und zu fördern muss eine der vornehmsten Aufgaben sein und 
bleiben. A. Seht. 
Ueber 943 800 Personen haben bis jetzt die Deutsche 
Kolonial-Ausstellung besucht. Nach der bisherigen Besuchsziffer 
dürfte am Sonntag Nachmittag der millionste Besucher zu erwarten 
sein, dem eine Ueberräschung, bestehend aus verschiedenen Kolonial- 
producten, zugedacht ist. 
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Ausstellungsgäste. Für den Monat September sind 
bereits zahlreiche Corpdratiönen und Vereine angemeldet-, die 
auf dem Ausstellungsterrain ihre geschäftlichen Sitzungen 
und auch Festivitäten abhalten werden. Ausser der Wander 
versammlung der Architekten und Ingenieure, die 
am 2. September hier tagt, versammelt sich der Deutsche 
Schriftsteller - Verband am 7. September im Haupt- 
Restaurant,wo Morgens 9 Uhr im Thurmsaal die geschäftliche 
Verhandlung und Nachmittags 3 Uhr im Festsaal ein Ban 
kett mit etwa 150 Theilnehmern stattfindet. An demselben 
Tage findet Abends 8 Uhr in dem Haupt-Restaurant ein 
grosses Festdiner des Märkischen Gewerbe - Vereins 
für 300 Personen statt. Am 8. September tagt im Thurmsaal 
der VerbandderHändlerund Fabrikanten pho 
tographischer Artikel', und am gleichen Tage widmet 
der Deutsche Verein für Fabrikation von Zie 
geln, Thonwaaren, Kalk und Gernent der Ausstel 
lung einen Besuch, hei welchem zahlreiche Etablissements! 
und mehrere Gruppen - Ausstellungen gründlich besichtigt 
werden. Uni 12f Uhr findet gemeinsames Frühstück in 
dem Pavillon von Oswald Berliner, um 5 Uhr das grosse Fest 
essen im Haupt-Restaurant, um 7| Uhr eine Rundfahrt auf 
den Seeen in festlich geschmückten Motorbooten statt. Zahl 
reiche Gäste bringt der 9. September, an dem der Deuts.clie
	        
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