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Volume Nr. 12, 18. April 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

GffirieUe AussteUuugs Nachrichten 
liegenden, kleinen Schallapparat der davorstehenden Druckluft : 
Zutritt in das Innere des Behälters gegeben, unter deren Drnck j 
dann die Flüssigkeit steht. Die Druckluft schiebt nun die ganze ! 
Masse in die gußeiserne Rohrleitung hinein und damit außerhalb ! 
des Terrains. Dieses Spiel iviederholt sich, so oft der Behälter 
gefüllt ist. Eine Sicherheit ini Gange der Massen wird durch die 
einfache, außerhalb des Behälters liegende Vorrichtung erreicht. 
Da jeder Behälter, so oft er gefüllt ist, die Abfnhrmassen selbst 
thätig dem eisernen Abflußrohre zuführt, welches mit sämmtlichen 
Apparaten in Verbindung steht, mithin durch Zufluß aus denselben 
auch immer gefüllt und auch in seiner ganzen Länge lust- und wasser 
dicht ist, so kann eine Entwicklung von sogenannten- Kanalgasen 
nicht entstehen. Wie erwähnt, werden die Abfuhrstoffe eines jeden ! 
Bezirkes durch schwache Thonrohrleitnngen dem Behälter zugeführt. | 
Dieselben haben ein Gefall von 1 : 100 erhalten. Infolge dieses i 
starken Gefälls fließen die Abwässer schnell zu und haben mithin 
keine Zeit, sich zu zersetzen, bevor sie in den Behälter und aus 
diesem in den Hauptkanal gelangen. Einmal hier angelangt, 
können sie in keine Berührung mit der Luft mehr treten. Das 
gußeiserne Ausflußrohr, ebenso wie die Druckluft zuführende 
Leitung kann in jeder Tiefe und mit jedeni Gefäll verlegt werden, 
es kann jede gebogene oder sonst gewünschte Form annehmen, auch 
jeden Hügel erklimmen und in jedes Thal hinabsteigen. Ebenso 
erfordert dieses die Fäcalien befördernde Rohr keine Ventilation 
oder sonstige Auslaßvorrichtungen. 
Die Versorgung der einzelnen Stationen mit Druckluft ist der 
Bertheilung des Leuchtgases ähnlich. 
Zur Erzeugung der Druckluft dient eine größere, 230 HP 
entwickelnde Compound-Dampfmaschine, welche eine Luftpumpe, in 
diesem Falle Compressor genannt, durch durchgehende Kolbenstangen 
direct antreibt. Die Luft wird beim Kolbenhub aus der Atmosphäre 
angesaugt, beim Rückwärtsgehen zusammengepreßt und, wenn sie 
genügende Spannung besitzt, in den bereits oben erwähnten Wind 
kessel gesperrt. Von diesem geht dann die Weiterleitnng nach den 
Gebrauchsstellen ab. Der zum Betriebe des Compressors nöthige 
Dampf wird in zwei patentirten Cornwall-Kesselanlagen, System 
Pancksch, erzeugt. 
Die Druckluft-Centrale hat außer der Arbeit zur Hebung 
dieser Abwässer noch die Versorgung des gesammten Ver 
gnügungsparks mit Trinkwasser zu leisten: ebenso wird aus 
der Spree in der Nähe des Lloyddampfers für die Dampfkessel- 
Centrale der Berliner Gewerbe-Ausstellung das zum Speisen der 
Kessel nöthige Wasser gehoben und dem Condenswasserbassin zu 
geführt. 
Das für den Vergnügungspark nöthige Wasser >vird an Ort 
und Stelle durch die der Firma Erich Merten u. Co. patentirten 
Apparate gefördert und vertheilt. Eine zweite, kleinere, ca. 60 HP 
starke Centrale wird außerdem noch von derselben Firma im Ver 
gnügungspark zur Bethätigung zweier großen hydropneumatischen 
Aufzüge erbaut, welche dem Betriebe der interessanten Wasserbahn 
dienen. 
Da man den hohen Nutzen der Drnckluft in gewerblicher und 
hygienischer Beziehung längst erkannt hat, so soll die Vorführung 
in großem Maßstabe und in den verschiedensten Verwendungsarten 
in der Berliner Gewerbe-Ausstellung dem großen Publikum Gelegen 
heit geben, sich von der Nutzanwendung der Druckluft zu über 
zeugen. Die Inbetriebsetzung der Anlage soll zwischen 16. und 
20, d. M. nach Bedürfniß erfolgen. Zur Besichtigung und Prüfung 
dieser interessantesten und technisch vollkommen hergestellten Anlage 
haben sich bereits eine ganze Reihe namhafter wissenschaftlicher 
Persönlichkeiten und Magistrats-Deputationen angemeldet. 
Eine neue Sternwarte. 
^Abdruck untersagt.) 
In mehreren Vornummern dieser Zeitung, insbesondere in 
Nr. 9, ist bereits wiederholt genügend auf die Bedeutung und die 
Construcsion des zur Ausstellung gelangenden Riesenfernrohrs des 
Astronomen der Grunewaldsternwaicke Herrn F. S. Archenhold hin 
gewiesen worden. Nimmt schon dieser, infolge seiner gewaltigen 
Objectiv-Dimensionen alle bisher vorhandenen Instrumente über 
treffende Reftacwr das hervorragende Interesse der sämmtlichen 
Astronomen wie des Äaisnpubliknms in Anspruch, so ist daneben 
doch noch ein anderer Factor geeignet, den Gedankengang, ins 
besondere des Berliners, auf sich zu concentriren. 
Die bisher im Grunewald befindliche Sternwarte wird am 
1. Mai d. I. mit ihren sämmtlichen vorzüglichen Präcisions- 
instrumenten nach dem Treptoiver Park verlegt iverden und vor 
läufig bis zum Schluß der Ausstellung dorr verbleiben. Das zu 
diesem Zwecke neu errichtete Gebäude wird wegen des Fortfallens 
der Knppclanlage ein von den bisherigen Observatorien grund 
verschiedenes Aenßeres erhalten. Um den gewissermaßen frei 
liegenden Grundpfeiler, welcher auf der Polarachse das Riesen- 
instrnmenl einschließlich des von einer Glocke eingeschlossenen 
Beobachtungsraumes trägt, legen sich die übrigen Räume der 
Sternwarte: die Gebäude sind oben mit einer Plattform versehen, 
auf welcher sowohl andere auf Statif ruhende Instrumente auf 
gestellt werden als auch besonders ivährend der Ansstellungszeit 
sich die Besucher aufhalten können. 
In dem Gebäude befinden sich die Arbeitsräume der Astro 
nomen, sowie die mechanische Werkstatt, in ivelcher vornehmlich 
kleinere Reparaturen an den Fernrohren vorgenommen und 
Modelle neu angefertigt werden. Außerdetn sollen hier die 
Sammlungen für ein neu einzurichtendes astronomisches Museum 
untergebracht iverden. 
Diese letztgenannten Sammlungen werden besonders den 
astronomischen Fachgenossen, den Mechanikern, Optikern u. s. w. 
zur Eriveiterung ihres Gesichtskreises eine willkommene Gelegen 
heit bieten. Es sollen soivohl astronomische Aufnahme!:, wie Ab 
bildungen astronomischer Instrumente hier ihren Platz finden. 
Von dem Comitee für die Herstellung des Fernrohres wird 
eifrig dafür agitirt, daß ihm für das geplante Museum Photographieen 
von alten Instrumenten, welche für die Wissenschaft von historischem 
Interesse sind, sowie von Gebäude- und instrumentalen Einrichtungen 
von Sternwarten zur Verfügung gestellt werden. Ferner sind Zeich 
nungen von Spectren, leuchtenden Wolken n. s. w., Diapositive im 
Format 8 V* : 10 Centimeter, ani besten noch größer, sehr erwünscht, 
ebenso sind Reproductionen von Abbildungen aus älteren astronomischen 
Veröffentlichungen willkommene Beiträge. Die Photographieen sollen, 
wenn es möglich ist, dauernd der Sternwarte erhalten bleiben, bezw. 
vollständig in den eigenthümlichen Besitz derselben übergehen. 
Zur Vervollständigung des Museums werden in der mechanischen 
Werkstatt der Grunewald-Sternwartc bis in die kleinsten Details 
genau nachgebildete Modelle bedeutender Fernrohre und Refractoren 
angefertigt, welche einen lehrreichen Vergleich der verschiedenen Con- 
structionen ermöglichen und ein Bild von der vollendeten Technik, 
mit welcher diese Instrumente hergestellt werden, zu geben geeignet 
sein werden. 
Nicht nur für den Laien wird die Sammlung ein interessantes 
Ausstellungsobject bilden, sonderrr sie wird auch für die Wissenschaft 
einen bedeutenden unmittelbaren Werth haben. Der astronomische 
Forscher kann Gelegenheit finden, zu seinen eigenen Aufnahmen die 
Resultate ftüherer Forschungen vergleichsweise heranzuziehen, indem 
ihm auf seinen Wunsch Reproductionen von dem Material der 
Sammlung zur Verfüguüg gestellt werden sollen. 
Zur Erzielung möglichster Genauigkeit werden alle erforder 
lichen Aufschluß gebenden Vermerke auf den einzelnen Bildern zu 
finden sein. Bei wissenschaftlichen Vergleichen werden diese Angaben, 
welche sich nicht nur auf Tag und Stunde, Expositionsdauer, Gegen 
stand der Auftrahme und Entwicklungsmethode des Bildes beschränken, 
sondern auch darüber Aufschluß geben, auf welche Art. der benutzte 
Apparat hergestellt, sowie aus welchem Grunde und nach welchem 
leitenden Gedanken die Aufnahme erfolgt ist, ein nicht zu unter 
schätzendes Interesse bilden. Ferner werden frühere detaillirte 
Publikationen über die Aufnahmen genügende Information geben 
können. 
Um den einzelnen Ausstellern, Sternwarten und sonstigen 
Interessenten einen Leitfaden beim Besuche des „Astronomischen 
Museums" an die Hand zu geben und ihnen die Auswahl von 
Reproductionen zu erleichtern, wird vom Comitee ein genauer Katalog, 
welchem auch noch ein künstlerisch ausgeführtes Erinnerungsblatt 
für diejenigen, die dem Werke ihre freundliche Unterstützung zuge 
wendet haben, beigelegt werden soll, ausgearbeitet werden und 
voraussichtlich am 1. Juli d. Js. zur Ausgabe gelangen. 
Die mit lebhaftem Interesse vom Comitee übernommenen 
Bemühungm werden vsraussichtlich durch die wissenschaftlichen
	        
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