Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

GffirieUe AussteUuugs Nachrichten
liegenden, kleinen Schallapparat der davorstehenden Druckluft :
Zutritt in das Innere des Behälters gegeben, unter deren Drnck j
dann die Flüssigkeit steht. Die Druckluft schiebt nun die ganze !
Masse in die gußeiserne Rohrleitung hinein und damit außerhalb !
des Terrains. Dieses Spiel iviederholt sich, so oft der Behälter
gefüllt ist. Eine Sicherheit ini Gange der Massen wird durch die
einfache, außerhalb des Behälters liegende Vorrichtung erreicht.
Da jeder Behälter, so oft er gefüllt ist, die Abfnhrmassen selbst
thätig dem eisernen Abflußrohre zuführt, welches mit sämmtlichen
Apparaten in Verbindung steht, mithin durch Zufluß aus denselben
auch immer gefüllt und auch in seiner ganzen Länge lust- und wasser
dicht ist, so kann eine Entwicklung von sogenannten- Kanalgasen
nicht entstehen. Wie erwähnt, werden die Abfuhrstoffe eines jeden !
Bezirkes durch schwache Thonrohrleitnngen dem Behälter zugeführt. |
Dieselben haben ein Gefall von 1 : 100 erhalten. Infolge dieses i
starken Gefälls fließen die Abwässer schnell zu und haben mithin
keine Zeit, sich zu zersetzen, bevor sie in den Behälter und aus
diesem in den Hauptkanal gelangen. Einmal hier angelangt,
können sie in keine Berührung mit der Luft mehr treten. Das
gußeiserne Ausflußrohr, ebenso wie die Druckluft zuführende
Leitung kann in jeder Tiefe und mit jedeni Gefäll verlegt werden,
es kann jede gebogene oder sonst gewünschte Form annehmen, auch
jeden Hügel erklimmen und in jedes Thal hinabsteigen. Ebenso
erfordert dieses die Fäcalien befördernde Rohr keine Ventilation
oder sonstige Auslaßvorrichtungen.
Die Versorgung der einzelnen Stationen mit Druckluft ist der
Bertheilung des Leuchtgases ähnlich.
Zur Erzeugung der Druckluft dient eine größere, 230 HP
entwickelnde Compound-Dampfmaschine, welche eine Luftpumpe, in
diesem Falle Compressor genannt, durch durchgehende Kolbenstangen
direct antreibt. Die Luft wird beim Kolbenhub aus der Atmosphäre
angesaugt, beim Rückwärtsgehen zusammengepreßt und, wenn sie
genügende Spannung besitzt, in den bereits oben erwähnten Wind
kessel gesperrt. Von diesem geht dann die Weiterleitnng nach den
Gebrauchsstellen ab. Der zum Betriebe des Compressors nöthige
Dampf wird in zwei patentirten Cornwall-Kesselanlagen, System
Pancksch, erzeugt.
Die Druckluft-Centrale hat außer der Arbeit zur Hebung
dieser Abwässer noch die Versorgung des gesammten Ver
gnügungsparks mit Trinkwasser zu leisten: ebenso wird aus
der Spree in der Nähe des Lloyddampfers für die Dampfkessel-
Centrale der Berliner Gewerbe-Ausstellung das zum Speisen der
Kessel nöthige Wasser gehoben und dem Condenswasserbassin zu
geführt.
Das für den Vergnügungspark nöthige Wasser >vird an Ort
und Stelle durch die der Firma Erich Merten u. Co. patentirten
Apparate gefördert und vertheilt. Eine zweite, kleinere, ca. 60 HP
starke Centrale wird außerdem noch von derselben Firma im Ver
gnügungspark zur Bethätigung zweier großen hydropneumatischen
Aufzüge erbaut, welche dem Betriebe der interessanten Wasserbahn
dienen.
Da man den hohen Nutzen der Drnckluft in gewerblicher und
hygienischer Beziehung längst erkannt hat, so soll die Vorführung
in großem Maßstabe und in den verschiedensten Verwendungsarten
in der Berliner Gewerbe-Ausstellung dem großen Publikum Gelegen
heit geben, sich von der Nutzanwendung der Druckluft zu über
zeugen. Die Inbetriebsetzung der Anlage soll zwischen 16. und
20, d. M. nach Bedürfniß erfolgen. Zur Besichtigung und Prüfung
dieser interessantesten und technisch vollkommen hergestellten Anlage
haben sich bereits eine ganze Reihe namhafter wissenschaftlicher
Persönlichkeiten und Magistrats-Deputationen angemeldet.
Eine neue Sternwarte.
^Abdruck untersagt.)
In mehreren Vornummern dieser Zeitung, insbesondere in
Nr. 9, ist bereits wiederholt genügend auf die Bedeutung und die
Construcsion des zur Ausstellung gelangenden Riesenfernrohrs des
Astronomen der Grunewaldsternwaicke Herrn F. S. Archenhold hin
gewiesen worden. Nimmt schon dieser, infolge seiner gewaltigen
Objectiv-Dimensionen alle bisher vorhandenen Instrumente über
treffende Reftacwr das hervorragende Interesse der sämmtlichen
Astronomen wie des Äaisnpubliknms in Anspruch, so ist daneben
doch noch ein anderer Factor geeignet, den Gedankengang, ins
besondere des Berliners, auf sich zu concentriren.
Die bisher im Grunewald befindliche Sternwarte wird am
1. Mai d. I. mit ihren sämmtlichen vorzüglichen Präcisions-
instrumenten nach dem Treptoiver Park verlegt iverden und vor
läufig bis zum Schluß der Ausstellung dorr verbleiben. Das zu
diesem Zwecke neu errichtete Gebäude wird wegen des Fortfallens
der Knppclanlage ein von den bisherigen Observatorien grund
verschiedenes Aenßeres erhalten. Um den gewissermaßen frei
liegenden Grundpfeiler, welcher auf der Polarachse das Riesen-
instrnmenl einschließlich des von einer Glocke eingeschlossenen
Beobachtungsraumes trägt, legen sich die übrigen Räume der
Sternwarte: die Gebäude sind oben mit einer Plattform versehen,
auf welcher sowohl andere auf Statif ruhende Instrumente auf
gestellt werden als auch besonders ivährend der Ansstellungszeit
sich die Besucher aufhalten können.
In dem Gebäude befinden sich die Arbeitsräume der Astro
nomen, sowie die mechanische Werkstatt, in ivelcher vornehmlich
kleinere Reparaturen an den Fernrohren vorgenommen und
Modelle neu angefertigt werden. Außerdetn sollen hier die
Sammlungen für ein neu einzurichtendes astronomisches Museum
untergebracht iverden.
Diese letztgenannten Sammlungen werden besonders den
astronomischen Fachgenossen, den Mechanikern, Optikern u. s. w.
zur Eriveiterung ihres Gesichtskreises eine willkommene Gelegen
heit bieten. Es sollen soivohl astronomische Aufnahme!:, wie Ab
bildungen astronomischer Instrumente hier ihren Platz finden.
Von dem Comitee für die Herstellung des Fernrohres wird
eifrig dafür agitirt, daß ihm für das geplante Museum Photographieen
von alten Instrumenten, welche für die Wissenschaft von historischem
Interesse sind, sowie von Gebäude- und instrumentalen Einrichtungen
von Sternwarten zur Verfügung gestellt werden. Ferner sind Zeich
nungen von Spectren, leuchtenden Wolken n. s. w., Diapositive im
Format 8 V* : 10 Centimeter, ani besten noch größer, sehr erwünscht,
ebenso sind Reproductionen von Abbildungen aus älteren astronomischen
Veröffentlichungen willkommene Beiträge. Die Photographieen sollen,
wenn es möglich ist, dauernd der Sternwarte erhalten bleiben, bezw.
vollständig in den eigenthümlichen Besitz derselben übergehen.
Zur Vervollständigung des Museums werden in der mechanischen
Werkstatt der Grunewald-Sternwartc bis in die kleinsten Details
genau nachgebildete Modelle bedeutender Fernrohre und Refractoren
angefertigt, welche einen lehrreichen Vergleich der verschiedenen Con-
structionen ermöglichen und ein Bild von der vollendeten Technik,
mit welcher diese Instrumente hergestellt werden, zu geben geeignet
sein werden.
Nicht nur für den Laien wird die Sammlung ein interessantes
Ausstellungsobject bilden, sonderrr sie wird auch für die Wissenschaft
einen bedeutenden unmittelbaren Werth haben. Der astronomische
Forscher kann Gelegenheit finden, zu seinen eigenen Aufnahmen die
Resultate ftüherer Forschungen vergleichsweise heranzuziehen, indem
ihm auf seinen Wunsch Reproductionen von dem Material der
Sammlung zur Verfüguüg gestellt werden sollen.
Zur Erzielung möglichster Genauigkeit werden alle erforder
lichen Aufschluß gebenden Vermerke auf den einzelnen Bildern zu
finden sein. Bei wissenschaftlichen Vergleichen werden diese Angaben,
welche sich nicht nur auf Tag und Stunde, Expositionsdauer, Gegen
stand der Auftrahme und Entwicklungsmethode des Bildes beschränken,
sondern auch darüber Aufschluß geben, auf welche Art. der benutzte
Apparat hergestellt, sowie aus welchem Grunde und nach welchem
leitenden Gedanken die Aufnahme erfolgt ist, ein nicht zu unter
schätzendes Interesse bilden. Ferner werden frühere detaillirte
Publikationen über die Aufnahmen genügende Information geben
können.
Um den einzelnen Ausstellern, Sternwarten und sonstigen
Interessenten einen Leitfaden beim Besuche des „Astronomischen
Museums" an die Hand zu geben und ihnen die Auswahl von
Reproductionen zu erleichtern, wird vom Comitee ein genauer Katalog,
welchem auch noch ein künstlerisch ausgeführtes Erinnerungsblatt
für diejenigen, die dem Werke ihre freundliche Unterstützung zuge
wendet haben, beigelegt werden soll, ausgearbeitet werden und
voraussichtlich am 1. Juli d. Js. zur Ausgabe gelangen.
Die mit lebhaftem Interesse vom Comitee übernommenen
Bemühungm werden vsraussichtlich durch die wissenschaftlichen
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.