Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs Nachrichten.
7
Ueber die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Dampfschiffiahrrs-
Gesellschaften giebt nachstehende ZusünItiiMstellung Auskunft:
Dampf
schifffahrts
Gesellschaft
Anzahl
der in
Dienst
gestellten
Schiffe
Die Schi
in Abstä
Min
Vor
mittags
8^° bis
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ffe folgen
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Nach
mittags
2 bis
12 Uhr
Fassungs
raum
der Schiffe
Personen
Äeuß erste
Leistungs
fähigkeit
innerhalb
3 Stunden
Stern . . .
Motorboot. .
Grauet. ...
Thismer . .
Nodiling . .
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12
4
6
7
30
30
30
30
30
15
15
5
15
30
20
500b. 600
1006,150
200
125
350
235
J 12 000
7 000
1 500
2 000
1 500
Summe . | 51
i
24 000
Für den Eisenbahnverkehr hatte sich eine äußerste Leistungs
fähigkeit vöit 146 060 Personen in drei Stunden ergeben, für den
Straßenverkehr eiiie solche bort 80 000 und ftir den Wasferverkehr
eine solche von 24 000 Personett, je in der gleichen Zeit — das
sind im Ganzen 244 000 Personen. Bei dem angenommenen
stärksten Besuch von 280 000 Personen würden somit 30 000 Per
sonen nicht befördert werden können. Bei den bisherigen Berech
nungen ist aber ein Zu- und Abgang von den östlich des Aus-
stellungsgebicts, also an der Görlitzer Bahn und an der Oberspree
Gelegenen Ortschaften unberücksichtigt geblieben; diese werden
zweifellos einen auf die verschiedenen Verkehrswege sich ver-
rheilenden erheblichen Bruchtheil zu den Ausstellungsbesuchern
stellen, der jener Zahl von 36 000 entsprechen wird.
Zum Schluß dieser Bewachtungen sei noch ein kurzer Blick
auf die Verkehrsmittel innerhalb des Ausstellungsgebiets ge
stattet. Die räumliche Ausdehnung des letzteren ist derart, daß
die Anlage einer Bahn unumgänglich nothwendig wurde. Zuerst
war die Anlage einer Stufenbahn als Hochbahn in Aussicht ge
nommen; die Durchführung dieses Unternehmens erforderte indessen
einen Kostenaufwand von mehr als einer Million Mark, deren
Beschaffung nicht gelang. Man schritt deshalb zum Ausbau einer
elektrischen Bahn zu ebener Erde. An den Kreuzungen mit den
bedeutendsten Verkehrswegen werden Brücken mit beiderseitigen
Anrampungen oder Treppenübergänge ausgeführt; im Uebrigen ist
eine Anzahl von bewachten und mit Schranken abgeschlossenen
Schieuenübergängen vorgesehen. Die Bahn ist eingleisig angelegt
und bildet eine in sich zurückkehrende Schleife von 3,4 Kilometer
Länge nnt zehn Haltepunkten. Die Fahrgeschwindigkeit soll fünf
zehn Kilometer in der Stunde nicht übersteigen; einschließlich des
Aufenihalts auf den Stationen sind zu dem Kreislauf eines Zuges
24 Minuten erforderlich, sodaß man innerhalb 12 Minuten die
entferntest gelegenen Punkte der Ausstellung erreichen kann. Die
Zugfolge ist für die Zeit des lebhaftesten Verkehrs aufl'/z Minuttn
festgesetzt, sodaß stündlich 40 Züge mit je 100 Personen Fassung!»
raum, im Ganzen also 4000 Menschen befördert werden können.
Die zur Anwendung kommenden Wagen sind zur Hälfte ge
schlossen, zur Hälfte seitlich offene nach Art der Berliner Pferdc-
bahnwagen, jedoch von größerer Länge unter Verwendung zwei
achsiger Drehgestelle. Diese elektrische Bahn bildet das einzige
Verkehrsmittel im Ausstellungspark, wenn man absehen will von
den mehr dem Vergnügen dienenden Bootfahrten auf den Seen,
die übrigens bei den verschiedenen Arten der Fahrzeuge, —
elektrische Boote, Dampfboote, italienische und spanische Gondeln,
norivegische und schweizerische Barken — ein anmuthiges Bild
ergeben werden. Dagegen kommt noch eine Versuchsstrecke der
ursprünglich als Hauptverkehrsmittel im Ausstellungspark geplanten
Stufenbahn nunmehr als hochliegende Verbindungsbahn zwischen
Ausstellungspark und Vergnügungspark zur Ausführung. Sie
bildet eine in sich geschlossene Schleife von rund 500 Meter
Länge. Zur Verwendung gelangen die auf der Chicagoer Welt-
ausstellung beuutzlen Wagen, die sonstigen Einrichtungen iverden
hier gefertigt. Es wird sich also Gelegenheit bieten, die Lebens
fähigkeit dieser eigenartigen Bahn der wandernden Swaße mit den
verschiedenen Geschwindigkeiten der einzelnen Stufen hier zu
prüfen. Tie Leistungsfähigkeit dieser Bahn ist eine ganz außer
gewöhnliche. Bauinspector Klinke hat sie auf 32 784 Personen
in der Stunde berechnet — das würde die Leistungsfähigkeit der
Berliner Stadtbahn nach Einführung des Dreiminutenbetriebes um
das Fünffache übertreffen. Es ist daher mit besonderer Freude zu
begrüßen, daß ivenigstens ein Probestück dieses eigenartigen Ver
kehrsmittels zur Darstellung gelangen wird.
Die Druckluftanlage in der Ausstellung.
^Abdruck untersagt.!
Eine wichtige, den allgemeinen und sanitären Interessen
dienende Arbeit ist unzweifelhaft die Entwässerungsanlage des ge
summten Ausstellungsterrains. Dieselbe bezieht sich auf die Ab
führung der sänimtlichen Hauswässer, schließt also nur Meteor
wässer aus. Die Anlage ist nach einem Project der Firma
Erich Merten & Co., hier, angenommen und dieser Firma
seitens des Arbeitsausschusses zur Erbauung übertragen worden;
sie wurde innerhalb vier Monate fertiggestellt.
Das zur Anwendung gelangte System wird zum ersten Mal
auf dem Eontinente in die Praxis eingeführt. Als Energie dient
Druckluft, die in einer Centrale erzeugt wird. Die Maschinen
station liegt in unmittelbarer Nähe des Hauptverwaltungsgebäudes.
Es ist angenommen worden, daß an Fücalieu, sonstigen Haus
und Küchenwässern auf dem eigentlichen Ausstellungsterrain ein
schließlich des Vergniigungsparkes, der Separatausstellungen „Alt-
Berlin", der „Colonial-Ausstellung" und „Kairo", 200 Cubikmeter in
der Stunde abzuführen sind. Das Rixdorfer Gemeinde-Bauamt
hat sich dem Arbeitsausschuß gegenüber in entgegenkommendster
Weise bereit erklärt, diese 200 Cubikmeter betragenden Abfluß
mengen aufzunehmen und nach dem Rieselfeld weiterzubefördern;
der Anschluß der beiderseitigen Rohrleitungen liegt im Kiefholzweg
jenseit der Görlitzer Bahn unweit Kairo auf Rixdorfer Gebiet.
Bis zu diesem Punkte sind die Abwässer circa fünf Meter hoch
zu heben. Der Ausführung einer Kanalisationsanlage stellten sich
infolge des dicht unter Terrain liegenden Grundwassers und der
Erdformation, welche aus Triebsand besteht, erhebliche Schwierig
keiten entgegen. Nur durch Aufwendung ganz bedeutender Kosten
und Mühe wäre es möglich gewesen, für abzuschwemmende
Fäcalien das nöthige Gefäll zu schaffen.
Ein Hauptvorzug des hier erörterten Verfahrens ist der,
daß überall die Möglichkeit vorliegt, immer ein kurzes und starkes
Gefäll zu schaffen, woraus die Anwendung von engen Rohren folgt.
Es sind eine Anzahl selbstständiger Stationen errichtet, in welchen
sich aus einem gewissen Umkreise die Abwässer sammeln. Diese
Stationen liegen an Wegkreuzungen unter deni Niveau und bestehen
aus einem ca. drei Meter tiefen Schachte aus Spundwänden, in
welchem ein gußeiserner, halbkugeliger Behälter mit etwa 600 Liter
Inhalt steht.
Von allen Seiten fließen hier — bis von einem Umkreise von
2—300 Meter Radius — die Abwässer ein und füllen den Behälter;
es ist angenommen, daß die Füllperiode hier 2 bis 5 Minuten in Anspruch
nimmt. Von diesen Stationen sind ursprünglich 15 angenommen
worden: infolge der überaus starken Bebauung des Terrains, welche
in diesem Umfange nicht vorauszusehen war, sind jedoch 21 dieser
Stationen ausgeführt worden. Die 22ste ist für den Bahnhof
Ausstellung angelegt.
Sämmtliche Stationen sind untereinander durch zwei verschieden
starke Rohrleitungen verbunden: Die eine stärkere Gußrohrleitnng
nimmt die unter Ueberdruck gesetzten Abwässer auf und endigt im
Kiefholzweg im Anschluß an den Rixdorfer Kanal. Die andere
Leitung nimmt ihren Ausgangspunkt an der Druckluftcentrale und
ist — durch Zwischenleguug eines großen Ausgleich-Gefäßes —
mit deni zur Erzeugung der Druckluft aufgestellten Dampfcompreffor
verbunden. Das Zwischengefäß dient gleichzeitig zum Vorrathsraum
für Druckluft; die Spannung derselben ist 2 bis 3 Atmosphären, sie
wird erhöht oder vermindert, je nach den Anforderungen," welche
durch starken oder schwachen Besuch der Ausstellung verursacht werden.
Die stärkere oder schwächere Inanspruchnahme der Leitungen
zeigt sich in der Centrale selbst an und wird dort auf eigens dazu
construirten, überaus empfindlichen Apparaten fortlaufend registrirt.
Nach Füllung der gußeisernen Behälter der einzelnen Stationen
wird durch einen selbstthätig wirkenden, außerhalb des Behälters
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