Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

6
GfficieUe Ausflellungs Nachrichten.

in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit auszugestalten. Sie
hat diese Aufgabe unter Aufwendung ganz bedeutender Mittel und
thatkräftigen Eifers der ausführenden Behörden in anerkennens-
werther Weise gelöst. Die einschränkenden Häuser, Vorgärten und
Freitreppen wurden angekauft und beseitigt, die Klappbrücken durch
breite, feste Brücken ersetzt, der Fahrdamm durchweg mit bestem
Reihenpflaster versehen und mit doppelten Gleisen für elektrischen
und Pferdebahnbetrieb ausgerüstet. Die Stadt ging aber noch
weiter; sie schuf durch Ueberbrückung des Luisenkanals im Zuge
der Skalitzerstraße und des Landwehrkanals im Zuge der Wiener-
straste, sonne durch Anlage eines neuen Weges durch den Schlesischen
Busch eine zweite große Verkehrsstraße, welche kurz vor dem
Treptower Park in die Coepenicker Landstraße einmündet und so
eine von der erstbeschriebenen Zufahrt gänzlich unabhängige, neue
Anfahrt zum Ausstellungsplatze bildet. Auch diese Straße wurde
durch Einlegen zweier Gleise zur Ausnahme von Straßenbahn
betrieb eingerichtet.
Es mögen nun der Straßenbahnverkehr, der Wagenverkehr
und der Fußgängerverkehr in gesonderten Abschnitten besprochen
werden.
1. Der Straßenbahnverkehr.
Die zuerst beschriebene große Verkehrsstraße, die Schlesische-
straße, und deren unmittelbare Fortsetzung, die Treptower Chaussee,
haben den Verkehr der „Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft"
aufzunehmen. Diese wird vier durchgehende Pferdebahnlinien:
a) Potsdamerstraße (Botanischer Garten)—Leipzigerstraße—Coepe-
nickerstraße—Schlesischestraße,
b) Zoologischer Garten—Lützowplatz—Potsdamerstraße—König-
grätzerstraße — Oranienstraße — Skalitzerstraße — Schlesische
straße,
c) Behrenstraße—Charlottenstraße—Leipzigerstraße—Coepenicker-
straße—Schlesischestraße,
d) Spittelniarkt—Coepenickerstraße—Schlesischestraße;
ferner zwei elektrisch betriebene Linien:
e) Zoologischer Garten—Bülowstraße—Ijorkstraße—Hallesches
Thor—Gitschincrstraße—Skalitzerstraße—Schlesischestraße,
f) Dönhoffplatz—Ritterstraße—Skalitzerstraße—Schlesischestraße
einrichten. Auf jeder dieser sechs Linien sollen die Wagen in
Zwischenräumen von je sechs Minuten einander folgen, sodaß sich
für die Endstrecke Schlesischestraße—Treptower Park eine Einminuten-
Wagenfolge ergiebt. Im Pferdebahnverkehr kommen neben den
offenen Sommerwagen mit 41 -Plätzen vielfach Deckwagen mit 61
Personen Fassung zur Verwendung, sodaß sich die stündliche
Leistungsfähigkeit auf rund 2000 Personen beziffert. Im elektrischen
Betriebe sollen dem Triebwagen ein bis zwei gewöhnliche Wagen
angehängt werden; ein solcher Zug faß: alsdann durchschnittlich
100 Personen, sodaß auch hier die stündliche Leistungsgsfähigkeit
2000, für 'beide Verkehre also 4000 Personen beträgt.
Der zweite, neu geschaffene Verkehrsweg durch Wienerstraße,
Schlesischen Busch und Coepenicker Landstraße hat den Verkehr der
elektrischen Bahn der Firma Siemens u. Halske aufzunehmen.
Diese führt von der Behrenstraße (Ecke der Wilhclmstraße) durch
die Mauerstraße, Schützenstraße, Markgrafenstraße, Hollmannstraße,
Wasserthorstraße, Britzerstraße, Grünauerstraße zur Wienerstraße.
Für die Zeit des lebhaften Verkehrs ist eine Zugfolge von 2 l / 2
Minuten vorgesehen, jeder Zug kann bei der in Aussicht genom
menen Verwendung von zwei Anhängewagen 108 Personen fassen,
sodaß sich die stündliche Leistungsfähigkeit auf rund 2500 Personen
beziffert.
2. Der Wagenverkehr.
Es kommen der Onmibusverkehr, die Sportkutschen- (Mailcoach)
Gesellschaft, Droschken und Privatfuhrwerk in Betracht. Seitens
der bestehenden Omnibus-Gesellschaften werden etwa sechs
durchgehende Omnibuslinien nach dem Treptower Park eingerichtet
werden, ausgehend vom Potsdamer Bahnhof, Nordbahnhof, Alexander
platz, Lustgarten und Dönhoffplatz. Die Wageufolge ist auf fünf
Minuten angenommen, sodaß sich, da ein Wagen 24 bis 30 Personen
fassen kann, eine stündliche Leistungsfähigkeit von rund 2000 Personen
ergiebt. Die Sportskutschen-Gesellschaft beabsichtigt, zehn
Wagen mit je 32 Personen Fassungsraum in Betrieb zu setzen;
diese Wagen, welche höchst vornehm gebaut und ausgerüstet, dabei
mit je vier auserlesenen Pferden bespannt sind, sollen ausschließlich
von den großen Gasthöfen abfahren und bis in den Allsstellungs
park, woselbst die Gesellschaft einen eigenen Absteigeplatz gepachtet
nnd eingerichtet hat, gefahren werden. Jeder Wagen kann täglich
acht bis nenn Fahrten ausführen, sodaß insgesammt täglich 2500,
niithin stündlich etwa 250 Personen befördert werden können. Ueber
die Größe des durch Droschken und Privatfuhrwerk vermittelten
Verkehrs sind nur schätzungsweise Angaben möglich. Nimmt man
eine Wagenfolge von je 20 Sekunden auf den beiden Hauptzufuhr-
straßen nnd eine durchschnittliche Besetzung der Wagen mit je vier
Personen an, so berechnet sich die stündliche Beförderung auf rimd
1500 Personen. Insgesammt würden hiernach durch Omnibusse,
Sportkutschen, Droschkeu und Privatfuhrwerk gegen 4000 Personen
stündlich befördert werden können.
3. Fußgängerverkehr.
Das Ausstellungsgelünde wird südwestlich von Rixdorf, nord
westlich von der Luisenstadt und nördlich von den Vororten Stralau
und Rllmmelsbnrg begrenzt, ist nur etiva zwei Kilometer von den
Schwerpunkten der genannten Ortschaften bezw. Stadttheile entferilt
und somit von hier ails in 20 bis 30 Minuten für einen Fuß
gänger zu erreichen.
Die etwa 200 000 Seelen umfassende Bevölkerung besteht vor
wiegend aus Arbeitern. Diese werden mit Vorliebe des Sonntags
in Begleitung der Familie die Ausstellung besuchen und das Fahr
geld für Benutzung der Straßenbahnen zu ersparen suchen, zumal
diese voraussichtlich vollbesetzt aus dem Mittelpunkte der Stadt ein
treffen werden; es wird sich daher voraussichtlich ein ganz bedeu
tender Fußgängerverkehr entwickeln. Im Hinblick hierauf sind and)
seitens der Gemeinde Rixdorf zwei neue, große Verkehrsstraßen
ausgebaut, während zur Vermittlung des Verkehrs von Stralan-
Rummelsburg ttacf) Treptow im unmittelbaren Anschluß an die
neuerbaute Eisenbahnbrücke über die Spree eilte Fußgängerbrücke
zur Ausführung gekommen ist. Es dürste wohl kaum zu hoch ge-
griffeit sein, wenn die Zahl derjenigen, die zur Ausstellung an
schönen Sonntagen — und an solchen ist der hier in Betracht
kommende Massenverkehr nur zu erwarten — gehen werden, auf
50000 Personen geschätzt wird.
Die stündliche Leistung der Straßenbahnen war zu 6500,
diejenige der Wagen zit 4000 Personen ermittelt. Nimmt nian
hier, wie beim Eisenbahnverkehr, an, daß für die Rückbeförderung
von der Ausstellung nur drei Stunden zur Verfügung stehen, so
würden mittels Wagen rund (6500 -st 4000) x 3 — 31500
Personen zurückbefördert werden können. Einschließlich der Fuß
gänger würde somit auf Landwegen ein Verkehr von rund 80000
Personen täglich ermöglicht werden können.
Der Wasserverkehr.
Die für die Entwicklung des Wasservcrkehrs außerordentlich
günstige Lage des Treptower Parks an der Obcrspree, welche das
Ausstellungsgelände nördlich auf rund 1 Kilonieter Länge umsäumt,
hat zu einem regen Wettbewerbe der verschiedenen Dampfschiff
fahrts-Gesellschaften zur Beförderung von Personen nach und von
der Ausstellung Veranlassung gegeben. Außer der Spree-Havel-
Danipfschifffahrts-Gesellschaft „Stern", welche bislang fast aus
schließlich die Personenbeförderung auf der Oberspree vermittelte,
sind noch vier weitere Dampfschifffahrts-Unternehmungen, nämlich
diejenigen der „Motorboot-Gesellschaft", sowie der Herren Gräuel,
Nobiling und Thismer zur Beförderung von Ansstellnngsbesuchcrn
zugelassen worden. Die Abfahrtstellen dieser Gesellschaften liegen:
sämmtlich an oder in der Nähe der Jannowitzbrücke; die Lande
brücken. deren sechs geplant sind — bisher war keine einzige Vorhänden
— vertheilen sich nach Ausweis des Lageplans auf die ganze Länge
der zur Verfügung stehenden Wasserfront. Den größeren Gesell
schaften „Stern" und „Motorboote" sind im Hinblick darauf, daß
sie auch elektrische Boote in Betrieb zu nehmen beabsichtigen, je
zwei Landestellen eingeräumt, während dem Unternehmer Gräuel
eine, den Unternehmern Nobiling und Thismer zusammen eine
Landebrücke zur Verfügung steht. Der Kopf der Grauelschen
Landebrücke soll derart beweglich eingerichtet werden, daß er sich
mit dem Schiffe während der Ausschiffung der Personen dreht, so-
daß gleichzeitig mit der erfolgten Leerung des Schiffes auch dessen
Wendung für die Rückfahrt bewirkt und hierdurch eine nicht uner
hebliche Zeitersparniß erzielt ist.
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