Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officieüe Aussteüungs - Nachrichten. 3 |
sammenkommenden — die ihre Tagungen hier angemeldet haben,
ist schon recht ^ umfangreich geworden. Nur die bedeutendsten
unter ihnen seien in Folgendem erwähnt. Bei den meisten sind
die genauen Daten der Tagungen noch nicht cndgiltig festgesetzt.
Die Aufzählung hält sich also nicht in chronologischer Reihenfolge.
Der Verein der deutschen E i s c n bah »Verwaltungen, zu welchem
sämmtliche Eisenbahnen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Hollands,
Rumäniens, Belgiens und dieWarschau-Wiener Bahn gehören, feiert
sein fiinfzigjührigcs Jubiläum im Sommer hier in Berlin. Glänzende
Veranstaltungen sind aus diesen! Anlasse geplant; der preußische
Staat bietet dem Verein zwei Feste. Der sehr bedeutende Ver
band deutscher Elektrotechniker und elektro
technischer Vereine hat seinen Verbandstag für Ende Juni
einberufen. Der Verband Deutscher Kunstgewcrbe-
B er ei ne, hochverdient um die Förderung des Kunstgewerbes
in Deutschland, der auch hier tagen wird, hat den Zeitpunkt
seiner Versammlung noch nicht festgesetzt. Seit zweiund,zwanzig
Jahren wieder zum ersten Male tritt hier die Wander-
versain.mlung des Verbundes der Deutschen Archi
tekten- und Jngenicurverciue, bei der man auf
einen Besuch von Tausenden rechnen kann, hier zusammen.
Tic große Aifcherei-AusstKlung wird den Hauptanziehungspunkt
für den vom 22'. bis 28. Mai hier tagenden IV. Deutschen
Fischerei-Rath, eine Vereinigung von Vertretern der 22- an
den Deutschen Fischerei-Verein angeschlossenen Vereine, und für
den IV. Deutschen Fischcreitag, die Versammlung aller Fisch-
züchter, Fischer und Freunde der Fischerei, bilden. Die Deutsche
Colonialgcsellschaft, deren Präsident Herzog Albrecht zu
Mecklenburg der Protector der Colonial-Ausstellung ist, und
deren Interesse für diese Ausstellung von Anfang an sehr rege
war, hat ihre große Hauptversammlung im September. Die D cntsch c
Gesellschaft für Mechanik und Optik und die Nordöstliche
Bangcwerks - Berufsgenosscnschaft gedenken ihre Zu
sammenkunft in der Ausstellung selbst abzuhalten. Der Deutsche
Papierverein, der in Gruppe XVI (Papierindustrie) eine Collectiv-
Ansstcllniig veranstaltet, läßt seine Generalversammlung ebenfalls
in den Räumen der Ausstellung Anfang Juni stattfinden; beab
sichtigt ist ein Allgemeiner Deutscher Papicrtag. Der All
gemeine Deutsche Gärtner-Verein hat einen Deutschen Gärtner-
tag nach Berlin einberufen. Der Bund Deutscher Barbier-,
Friseur- und Perückenmacher-Jnnungen, dem 310 In
nungen angehören, wird seinen 25. Vcrbandstag am 25. Juli d. I.
Hierselbst in der Philharmonie abhalten. Verbunden damit
ist das 50 jährige Jubiläum der Berliner Innung, die
in Gruppe II (Bekleidungsindustrie) der Ausstellung durch eine
interessante Collectiv-Ausstellung vertreten ist. Die Gewcrk-
vcrcine der Schuhmacher und Lederarbeiter, die
Drechsler, Colportage-Buchhändler, Buchdrucker und
Glasindustriellcn Deutschlands halten hier ihre großen Ver
bandstage ab: von letzteren beiden Verbünden tagt auch die
Bcrnfsgenossenschaft. Zwei hervorragende Vereinigungen,
der Deutsche Techniker-Verband und der Bund der In
dustriellen, sowie der bedeutende Verband Deutscher
Müller haben ebenfalls ihre Versammlungen nach
Berlin einberufen. 9sxif eine außerordentlich große
Betheiligung wird bei dem hier in Aussicht genommenen Deut
schen Jnnnngs- und Allgemeinen Haudwcrkcrtag ge
rechnet. Der Deutsche Juristentag wird eine reiche Zahl
Juristen nach Berlin führen, der Chirurgen- und Balnco-
logcn-Congreß sehr viele Aerzte, und zwar nicht nur ans
Deutschland, sondern auch ans den übrigen Staaten Europas
und ans Amerika. Von dem Plane eines internationalen
Fraucncongresses, für den das Interesse allerseits sehr
rege ist, ist schon wicdcrholentlich berichtet worden. Die
deutschen psychologischen Vereine haben einen -Aufruf er
lassen, in dem Freunde und Gesinnungsgenossen nach Berlin
für die Pfingstwoche eingeladen werden, um über die Gründung
eines deutschen Ocnlistenbundes zu berathen. Schließlich sei noch
erwähnt, daß gelegentlich einer im September beginnenden inter
nationalen Ausstellung für Amateur-Photographie im deutschen
Reichstagsgebände die Deutsche Gesellschaft von Freunden
der Photographie und die Freie Photographische Ver
einigung hier tagen. So werden Tausende und Abertausende
ans Anlaß aller dieser Versammlungen aus allen Ständen und
Berufszweigen in diesem Sommer nach Berlin kommen und durch
ihre Veranstaltungen dazu beitragen, das festliche Gepräge, das
unsere Reichshanptstadt an und für sich zu dieser Zeit schon
tragen, wird, noch bedeutend zu vermehren.
Ans die Frage: Wie theuer ist der Besuch der Ge
werbe-Ausstellung? hat eine Anzahl von hiesigen Tages
zeitungen Beantwortungen gebracht, welche sämmtlich falsch, zum
Blindesten ungenau gewesen sind. Es wurde ein Gcsammtcin-
trittsprcis von 11,50 Mark hcrausgcrcchnct. In der That wird
der Gesammteintrittspreis die Summe von 6 Mark kaum
übersteigen, vielleicht stellt er sich billiger. Es stehe» nämlich
die Entrös einzelner kleinerer Vcrgnügnngs - Veranstaltungen
noch nicht fest, so daß eine absolut sichere Zahl nicht angegeben
werden kann. Soeben ist die Bildung einer Gesellschaft perfect
geworden, welche mit Genehmigung des Arbeits-Ausschusses
„cvmbiniete Eintrittskarten" für den Besuch der Gewerbe-
Ausstellung an das Publikum abgeben wird. Diese combinirtcn
Eintrittskarten enthalten fast ausnahmslos sämmtliche einzelne
für die Ausstellung und die Sondcrvcranstaltungen giklige Ein
trittskarten: ihr Preis ist aber ungefähr 15 Procent billiger als
der gewöhnliche Gcsammtpreis der in ihnen enthaltenen Billets.
V
Das Gebäude der Stadt Berlin ist ein langgestreckter Pavillon,
welcher östlich von dem Gebäude für Chemie und südlich vom Fischerei
gebäude liegt. Erbauer dieses Pavillons, der mit seiner bunten Holz
architektur und seinem braunen Dach, auf dem sich ein 15 m hoher
schlanker Thurm erhebt, einen recht freundlichen Eindruck macht, ist
Baurath Blankenstein. Das innere Arrangement liegt in den Händen
des Stadtbauinspectors Frobenius. Der Mittelraum unter der Kuppel
ist nur für repräsentative Zwecke bestimmt. Hier wird inmitten der
vornehm decorirten Halle die Copie der Hundrieser'schen Berolina aus
gestellt. Im linken Eckbau findet man die Ausstellung der gewerblichen
Anstalten Berlins. Die Fortbildungs- und Handwerkerschulen, die
Fachschulen stellen hier Schülerarbeiten aus, welche ein hochinteressantes
Bild der Berliner Fach- und Fortbildung geben dürften Auch der
„Gewerbesaal" veranstaltet hier seine Ausstellung. Diese Institute
dienen dazu, um den in praktischer Beschäftigung stehenden Schlossern,
Maschinenbauern, Mechanikern, sowie Angehörigen verwandter Ge
werbe Gelegenheit und Anleitung zu geben, sich im Zeichnen,
Eonstruction und Projection zu üben. In dem anderen Flügel ds^ „■
76 m langen und 18 m breiten Pavillons sind Kanalisation und '
Wasserleitung, sowie die städtischen Gasanstalten untergebracht. ;
Es ist höchst anerkennenswertb, daß mau gerade bei den Ausstellungen
dieser wichtigen Berliner Etablissements von dem bisherigen Gebrauch
abgewichen ist, dem Publikum nur Pläne, Karten und andere graphische
Darstellungen zu bieten, welche eigentlich nur für den Fachmann Interesse
haben, und an denen das große Publikum sonst staunend, aber versiändniß-
loS vorübergeht. Man zeigt diesmal praktische Constructiouen, wie sie für
Gas, Wasser und Kanalisation in Berlin in Verwendung sind; ja.
man hat draußen im Freien sogar ein Filter gebaut, in welchem
vor den Augen des Publikums genau wie in den städtischen Wasser-
iverken Wasser gefiltert werden wird. Auch ein Ries e l f e l d wird
neben dem Pavillon errichtet, um auf diesem zu zeigen, wie die Rieselei
praktisch durchgeführt wird. Zur Beruhigung aller ängstlichen Ge
müther theilen wir heute schon mit, daß die Berieselung u:it reinem
Leitungsivasser vorgenommen werden wird. Es handelt sich ja hier
nicht um die Erzielung eines bedeutenden Pflanzenwuchses, sondern nur
um die Darstellung der Rieselei selbst.
Der Luiscnstädtische Bezirksverein hat in seiner sehr
zahlreich besuchten Versammlung am Dienstag dieser Woche ein
stimmig beschlossen, in eine Agitation dafür einzutreten, daß die
Straßen Berlins namentlich im Süden und Südosten zur
Eröffnung der Ausstellung festlich geschmückt werden.
Die Gruppe XX der Ausstellung (Fischerei rind Schissern) zerfällt
in zwei Untergruppen: 1. S ü ß w as s e r - F i s ch e r c i, v. See-
F i s ch e r e i. Die Gruppe findet in dem besonderen Gebäude im
nördlichen Theil der Ausstellung, dicht an der Spree Unterkunft,
welches zwischen den Gebäuden für Nahrungs- und Genußmittel und
für Sport liegt.
Die Ausstellung „S ü ß w a s se r- Fis ch e r ei", die der Deutsche
Fischcreiverei» veranstaltet, wird die glanzvollste, jemals dagewesene
Fischerei-Ausstellung werden, soweit es sich um lebendes Material
handelt. Diese Ausstellung gruppirt sich um ein großes Bassin, das
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