Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Offtrielte AusstcUungs Nachrichten.
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liegenden Fischcrfahrzeuge werden demnächst mit Auftakelung
beginnen. -- Im Gebäude für Fischerei sind bereits eine große
Anzahl Ausstellungs-Objecte angekommen und harren dort, wohl
verpackt in mächtigen Kisten, der Aufstellung. Im westlichen Theil
des Gebäudes, wo sich die Abtheilung für Sport befindet, sind
nunmehr die Wandgemälde von G. Roch, Jagd- und Sportstücke,
angebracht. Für die Ausstellungs-Commission der Sportabtheilung
sind die Bureau-Einrichtungen, Mvblemcnt rc. eingetroffen und
aufgestellt, auch der Telephonanschluß ist bewirkt, und die Platz-
verthcilung hat stattgefunden.
V
K-n. Gerne und mit Befriedigung nehmen wir die großen
Fortschritte wahr, die die Ausstellung für Gartenbau macht.
Das mächtige Areal, das sich vom großen See und den Marine-
schauspielen bis zum „nassen Viereck" am Spreeufer und bis an
das Gebäude fiir Chemie hinunter erstreckt, gleicht schon jetzt einem
großen, wohlgepflegten Ziergarten. Wohl war die Witterung der
letzten Monate niit der unverhältnißmäßigen Wärme im Februar
und den starken Nachtfrösten, die jetzt so häufig auftreten, der ge
deihlichen Entwicklung vieler Pflanzen nachtheilig, aber was Sorg
falt und Fürsorge vermögen, um den Witterimgseinflüsseu zu be
gegnen, ist geschehen. Die größte Anzahl der Aussteller ist schon
jetzt vollständig fertig, und wenn es voit ihucit abhinge, könnte die
Ausstellung heute eröffnet werden. Die officiellen Ausstellungs-
gebäude, zwei offene inid eine geschlossene Halle, sind fertig zum
Einräumen, die Drahtgitter mit scharfen Zacken, die jetzt noch die
Anlagen gegen unbefugte und achtlose Eindringlinge schützen,
werden bereits an verschiedenen Stellen durch geschmackvolle
niedrige Ketteneinfassimgen ersetzt. Die großen Späth'schen Baum-
ichulanlagen, mit ihren 10 000 Quadratmetern Areal, die weit
läufigsten der Ausstellung, zeigen schon jetzt prachtvolle Spalier-
pfle.nzungen von Pfirsich und Aprikosen in voller Blüthe, während
an den Aepfel-, Birnen- und Kirschenwänden Alles dicht voll
,Knospen ist. Die mannichfaltigen und interessanten Formen, die
'man deit Bäumen künstlich gegeben hat, >vic Fächer, Vasen,
Candelaber ec., sind wohlgelungen, werden indessen zum Theil
noch durch leinene Schutzwände vor Kälte und neugierigen Blicken
geschützt. Andere interessante Stücke, wie ein „Bismarck-Apfelbaum",
die einzige Apfelart, die an einjährigem Stamme schon Früchte
trägt, die „Moltke-Liude", die von einem Baum gezogen ist, den
Moltke eigenhändig in eine der Späth'schen Baumschulen pflanzte,
tiachdcnl. man die besondere Art Linden nach ihm benannt hatte,
gedeihen gut, ebenso eine Anlage, die das Wachsthum aus Samen
gezogener Coniferen in fünf Jahresklassen zeigt. Auch die über
9000 Rosen, die auf dieser einen Anlage neben circa 1000 Obst-
bäumcn stehen, zeigen ebenfalls munteres Wachsthum. In den
benachbarten Anlagen, die meistens Specialitäten zeigen, wie
Rosen, Obst oder landschaftsgärtnerische Anlagen, zeigt sich dieselbe
sorgsame Pflege und dasselbe Fortschreiten. Die Bauten, die noch
theilweise etwas zurück sind, wie ein Treibhaus ans Glaskacheln,
ein Weinhaus uitd zwei Treibhäuser, werden demnächst mit
Pflanzen versehen werden. Die große Blumensäule, die am Ende
der nördlichen Wandelhalle gebaut wird, dürfte in einer Woche
fertig sein.
K-n. Eine ganze Reihe kleinerer Pavillons für Verkauf
von Photographieen, Führern rc. rc. entstehen jetzt täglich neu. Ans
der Treptower Chaussee, die bekanntlich den Park in seiner ganzen
Länge durchschneidet, ist mau jetzt eifrig beim Ban einer Anzahl
von Ausstellungsanlagen, die nicht in Angriff genommen werden
konnten, so lange die Chaussee fiir den durchgehenden Wagen-
verkehr noch nicht gesperrt war. Nahe dem Pavillon von
Siemens und Halste steht jetzt eine Wellblechhalle, in der die
Firma Gebr. Kopp eine Ausstellung ihrer Decimal- und Cente-
simalwaagen veranstaltet. Auch wird die Halle eine Eisenbahn-
waage, sowie eine Anzahl Pctroleummvtore enthalten. Die in
Form und Farbe augenblicklich wenig ansprechende Halle soll durch
geschmackvollen Anstrich und durch zweckmäßige Anlagen wesent
lich verschönert werden. Hinter diesem Gebäude werden auf der
Länge der Chaussee von mehreren Firmen Ausstellungen von
Klein- und Feldbahnen ausgestellt werden. Die Vorarbeiten, wie
Umfriedigungen und Legen der Geleise sind im besten Gange und
lassen die Zuversicht aufkommen, daß auch diese Anlagen, obgleich
man erst spät anfangen konnte, sie zu bauen, zur rechten Zeit
fertig sein werden.
V
M-y. An das Hauptausstellungsgebäude grenzend, be
findet sich nach der Treptowerstraße zu ein Hof der Gruppe für
Bau- und Jngenieurwesen, der nach seiner Vollendung einen
Hauptschmuck der Gewerbe-Ausstellung bilden dürste. Hier steht das
Eisengerippe für den Thurm der Georgskirche, welches noch Kupfer-
verkleidung erhalten soll: das Portal dieser Kirche aus Backstein-
mauerwerk bildet den Eingang zu einer Seitenhalle des Haupt-
Ausstellungsgebäudes. Ein hohes, kirchenartiges Gebäude mit spitzem,
hohem Dach und offenem Säuleugang nach dem Hofe zu soll Re-
präsentationszwecken dienen; dieses Gebäude wird noch von eineni
Thurm von beträchtlicher Höhe überragt werden. Eine ziemlich ge
räumige Halle mit Oberlicht und Bogenlampen enthält eine Aus
stellung von Thon- und Porzellanöfen, deren Aufstellung gegen-
wärtig vorgenommen wird.
K-n. Der Bau der elektrischen Rundbahn ist nunmehr
im Oberbau fertig. Es erübrigt noch, die provisorisch eingelegten
Mittelschienen, die man zum Betrieb für die kleinen Sandwagen
brauchte, zwischen den Geleisen herauszunehmen und die Haltestellen
zu vollenden. Letztere werden ein umfriedigter Perron mit Dreh
kreuzen und Billetschaltern sein. Mit dem Aufschütten und Betoniren
der Perrons ist man schon einige Tage beschäftigt, und auch Dreh
kreuze wurden schon aufgestellt. Solcher Haltestellen werden zehn
an den wichtigsten Gebäuden und an den verschiedenen Park-'
eiugängen errichtet werden.
Die Nerkelfrs-Nerhältnijse der Derliner
Gewerbe-Ausstellung.
^Abdruck untersagt.)
In einem zweiten Artikel im Centralblatt der Bauverwaltung
(Verlag von Wilhelm Ernst u. Sohn in Berlin) bespricht Herr
Bau- und Betriebs-Jnspector Klinke den Verkehr zur Ausstellung.
Wir bringen ailch diesen Artikel, der eine Fortsetzung des in
unserer Nr. 10 gebrachten Aufsatzes des Herrn Klinke bildet, mit
Erlaubniß des Herrn Verfassers, der Redaction und des Verlages
hiermit ebenfalls zum Abdruck:
Der Straßenverkehr.
Es erscheint kaum glaublich, daß der unmittelbar vor den
Thoren Berlins gelegene schöne, große Treptower Park, angrenzend
an einen der bevölkertsten Stadttheile der Reichshauptstadt, nur
eine einzige Zngangsstraße — die Schlesische Straße (Treptower
Chaussee) — aufwies, die auf lange Strecken durch Häuser
vorbauten, Freitreppen, unschöne Vorgärten so eingeengt war, daß
sie nicht einmal Raum für die Anlage einer doppelgleisigen Pferde
bahn gewährte. Erschwerend kam hinzu, daß die die Straße
kreuzenden Wasserläufe, der Landwehrkanal und der Freiarchen
graben, sowie der in der geraden Verlängerung der Schlesischen
Straße (Coepenickerstraße) zu überschreitende Luisenkanal, mit
schmalen Klappbrücken überbrückt waren, die jede freie Entwicke
lung eines nur mäßigen Verkehrs unmöglich machten. Angesichts
dieser Verhältnisse ist es erklärlich, weshalb der Vorstand des
Ausstellungsunternehmens sich seiner Zeit mit überwiegender Mehr
heit gegen die Wahl des Treptower Parks als AusstellungSplav
aussprach, obwohl dieser durch seine reizende Lage an der von
den Berlinern so gern aufgesuchten Oberspree sich so hervorragend
vor allen andern Platzen auszeichnete. Erst unter dem Druck der
öffentlichen Meinung und nachdem der ursprüngliche Vorstand der
Ausstellung sein Amt niedergelegt hatte, konnte die Wahl .des
Treptower Parks als Ausstellungsplatz durchgesetzt werden. Der
Stadt Berlin erwuchs nun die nicht leichte Aufgabe, die erwähnte
Zufuhrstraße für die Aufnshme de? zu erwartenden Massenverkchrs
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