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Volume Nr. 26, 13. Mai 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

GfftcieUe AnssteUuttgs -Uachvichte«. 
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getroffen wurde. An der Palmengruppe beim Musikpavillon stand 
der Briefträger und vertheilte die Post. Die Briefe trugen oben 
die Adresse in arabischen Zeichen, unten die deutsche Uebersetzung. 
Der Briefträger war von braunen Schölten belagert, die ihr Anliegen 
durch glühendes Augenspiel unterstützten, dieMänner warteten gelassen, 
bis die Reihe an sie kam; es scheint demnach in Egypten ebenso zu sein, 
>vie in Berlin. Verschiedene der Männer unterhielten sich französisch; 
ich sprach sie an, tim ihnen mitzutheilen, daß die Kaiserlichen Prinzen 
sogleich eintreffen würden, machte aber die betrübende Wahrnehmung, 
daß sie mein Französisch nicht verstanden, was mir übrigens schon 
einige Male passirt ist. Plötzlich eilten Gruppen von Europäern 
an den Eitigang, ich folgte und kam gerade zurecht, als die Kaiser 
lichen Prinzen mit ihren militairischen Erziehern, gefolgt von zwei 
Hoflakaien, eintraten. Prinz Oskar führte ein hübsches Wiitdspiel 
an der Leine. Baumeister Wohlgemuth unterzog sich der Führung, 
die bei den Pyramiden ihren Anfang nahm. Mit großer Aufmerk- 
samkeit folgten die Prinzen den Erklärungen. Die Prinzen Adalbert 
und August bestiegen die beiden vorhandenen Esel, die von einem 
Araber und einem Arbeiter am Zügel geführt wurden, und durch 
ritten die Straßen, an interessanten Punkten HM machend. Die 
im Schatten künstlicher Palmen am sogenannten Nilufer träumen 
den Farbigen hatten sich erhoben und schauten sehr ernsthaft drein, 
offenbar wußten sie nicht, was sie aus der Sache machen sollten. 
Das Publikum grüßte überall, die Damen fanden die Prinzen ent 
zückend mrd unterhielten lebhaften Meinungsaustausch im Flüsterton. 
Später stiegen die Prinzen ab und versuchten die Thiere in die 
Gebäude zu treiben, was ihnen Vergnügen zu machen schien. Jung 
Egypten tummelte sich auf dem Platze vor dem Ausstellnngsbahnhof 
mit rothen Fahnen herum. Prinz Adalbert winkte die braunen 
Burschen heran und sprach sie englisch an. Beim Verlassen der Aus 
stellung äußerte einer der Prinzen, daß sie wiederkommen würden, 
um Dromedare zu reiten. 
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H. Die von hervorragenden Geschäftssirmen angestrebte Be 
wegung, während der Ausstellung die Bureaux um 
4 Uhr zu schließen und so den Angestellten den Besuch der 
Gewerbe- und Jndustriehalle zu erleichtern, ist leider in's Wasser 
gefallen. Die von den Anhängern dieser Bewegung angeführte 
Thatsache von dem frühzeitigen Schluß der Londoner Geschäfte 
ist für unsere Verhältnisse nicht stichhaltig, da in London die 
Postämter um 6 Uhr, in Berlin hingegen erst um 8 Uhr ge 
schlossen werden; selbstredend ist von dem Postschluß auch der 
Bureauschluß abhängig. Welch' große Hoffnungen von Seiten 
unserer großen Verkaufshäuser auf die Ausstellung gesetzt werden, 
geht daraus hervor, daß, wie wir erfahren, Besitzer unserer ersten 
Detail- und Engrosgeschäfte ihrem Personal mitgetheilt haben, 
daß sie in diesem Sommer keine Erholungsreise antreten wiirden 
und von den Angestellten, die natürlich in irgend einer Form 
entschädigt werden sollen, ebenfalls einen Verzicht auf einen 
etwaigen Urlaub erwarteten. 
Die öffentliche Fernsprechstelle im Ausstellungs-Terrain 
ist am Donnerstag eröffnet worden. In nächster Zeit sollen inter 
essante Versuche mit den neuen Mikrophon-Apparaten, die alle bis 
herigen Telephon- und Mikrophon-Apparate übertreffen sollen, und 
zwar mit sogenannten Stock'schen Kohlenwalzen-Apparaten gemacht 
werden. 
V 
M-y. Die Strecke der elektrischen Straßenbahn Görlitzer 
Bahnhof—Gewerbe-Ausstellung wurde Donnerstag den 16. April 
dem freien Verkehr eröffnet. Hunderte von Menschen standen in 
der Grünauerstraße, in der Wienerstraße und am Ausstellungs- 
Bahnhof. Alle Anlagen waren besetzt, meist überfüllt, ganze Schwärme 
von Knaben verfolgten unter Hurrahrnfen die abfahrenden 
Wagen. 
Am 27. d. M. wird der provisorische Bahnhof „Aus 
stellung" bei Treptow dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. 
Die Fahrpreise einschließlich der für Monatskarten nach und von 
diesem Bahnhöfe sind im Stadt- und Ringbahn-, sowie im Vorort 
verkehr dieselben, wie die jetzt stir die Südringstation Treptow 
gütigen. Demgemäß beträgt der Preis für jede Fahrkarte von 
Stadt- und Ringbahnstationen nach Bahnhof „Ausstellung", sofern 
Treptotv als fünfte Station zähü, für die II. Klasse 15 Pfennig 
und für die III. Klasse 10 Pfg. In umgekehrter Richtung gelten 
die auf Bahnhof „Ausstellung" zu diesen Preisen gelösten Fahr 
karten bis zur fünften, auf die Station Treptow folgende Station. 
Es ist also, da der Verkehr zwischen Stadt- und Ringbahnstationen 
einerseits und Bahnhof „Ausstellung" andererseits sich nur über 
Treptow bewegt und sämmtliche Züge in Treptow halten, stir diesen 
provisorischen Bahnhof von dem im Stadt- und Ringbahnverkehr 
sonstüblichenFünf-Stationen-SystemabgesehenundeinSechs-Stationen- 
System geschaffen worden. Die für die ganze Stadt- und Ringbahn 
giltigen Fahrkahrten für 30 und 20 Pfg. berechtigen auch zur 
Fahrt nach und von Bahnhof „Ausstellung". Ebenso gelten die 
auf den Vorortstationen nach Treptow gelösten Karten auch zur 
Fahrt nach diesem Bahnhöfe; dasselbe trifft für die umgekehrte Rich 
tung zu. Neu eingeführt werden Fahrkarten zwischen Bahnhof 
„Ausstellung" und Treptow, Görlitzer Bahnhof, sowie Oberspree zu 
15 und 10 Pfg. und Hankelsablage-Zeuthen zu 46 und 30 Pfg.. 
ferner zwischen Treptow und Stralau—Rummelsburg einerseits 
und den Stationen der Strecke Schlachtensee—Werder anderer 
seits, endlich zwischen Treptow und Seegefeld, Finkenkrug und 
Nauen. 
Zur Berliner Gewerbe-Ausstellung erwartet das Organ des 
deutschen Gastwirthsverbandes einen reichlichen Zustrom aus 
wärtiger Gastwirthe nach der Reichshauptstadt. Es richtet deshalb 
schon jetzt an alle hiesigen Gasthofsbesitzer, soweit dieselben Mit 
glieder des deutschen Gastwirthsverbandes sind, das Ersuchen, ihn! 
Hingehend genaue Angaben über ihre Gasthöfe, ob Hotel, Gasthaus x. 
I. oder II. Ranges, Preise der Zimmer und des Frühstücks, zu 
machen, auch welchem Wirtheverein der Besitzer des Hotels bezw. 
Gasthofes angehört. Die Adressen sollen dann während der 
Berliner Gewerbe-Ausstellung mit den gemachten Angaben im 
Gasthaus veröffentlicht werden, um den auswärtigen Verbands- 
mitgliedem, welche zum Besuche der Ausstellung nach Berlin 
kommen, Gelegenheit zu geben, bei Verbandscollegen logiren zu 
können. 
V 
M-y. Die Kraftstation der Gewerbe-Ausstellung bietet 
seit einigen Tagen ein Bild emsigen Schaffens: Ueber ein halbes 
Dutzend Dampfmaschinen verschiedener Größe und verschiedener 
Systeme werden aufgestellt, eine Anzahl Flaschenzüge ist soll 
während in Thätigkeit, um die schweren Maschinentheile von de» 
Wagen zu heben und an den gehörigen Ort zu bringen, Trans 
Missionen werden angebracht, fortwährend dröhnt der Hammer auf 
dem tönenden Metall, raffeln die Ketten der Flaschenzüge, erklingt 
taktmäßig das Commando der Vorarbeiter. An der östlichen Wand 
der großen nördlichen Maschinenhalle sind Centralheizungs- und 
Lüftungs-Anlagen ausgemauert, ferner Bade-Anstalten, Danipfkocher, 
Waschküchen, Desinfections- und Sterilisir-Apparate, Kefill-Des- 
infectoren rc., wofür die Firma Rietschel u. Henneberg, Berlin 
Dresden, fast die ganze Wand in Anspruch genonuneu hat. Im 
Mittelbau der Maschinenhalle stehen Loconiotiven der Firma 
Borsig, darunter ein langgestrecktes, eigenthümlich gebautes Dampfroß, 
riesige Dynamomaschinen stehen davor. In der westlichen Halle 
stehen bereits Stärkemaschinen (Trockenapparat) und Waschapparai für 
Tertil-Jndustriezwecke. Gruppe XV, Leder- und Kautschuk-Industrie, 
hat mit dem Einräumen und Aufstellen der Schränke begonnen. 
Die umfangreichste Gruppe (II) für Bekleidungs-Industrie ist am 
weitesten vorgeschritten. Hier steht die Mehrzahl der Ausstellungs 
schränke mit den blitzblanken Spiegelscheiben bereit zur Aufnahme 
der auszustellenden Gegenstände, einzelne der Schauschränke sind 
bereits mit schöner Decoration versehen, hier erhält man sofort 
den Eindruck, daß diese Gruppe zur Eröffnung fertig dastehen 
wird. Gruppe V, Porzellan-, Chamotte- und Glas-Industrie, Hai 
ebenfalls einen energischen Vorstoß gemacht und dürfte nach ihrer 
Fertigstellung, wie jetzt schon theilweise bemerkbar, viel Schönes 
und Interessantes bieten. Die Gruppe XVI, Papier-Jndustrie, ist 
beim Aufstellen der Schränke und Schaukästen, in der deutschen 
Abtheilung derselben zieht ein äußerst reich decorirter altarartiger 
Schrank der Nürnberger Firma Großberger u. Kurz, Bleistift
	        
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