Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Gfficielle Ausstellimgs-Nachrichte«.
Reclame in den nächsten Jahren zu übertreffen. Diese Reclame
hat es zn Wege gebracht, daß man im ganzen Deutschen Reich,
selbst im fernsten Winkel, sich mit der Absicht trägt, zur Aus
stellung nach Berlin zu fahren.
Die Nachrichten, welche uns direct zugegangen sind, die
Briefe unserer Mitarbeiter im Reich, von denen wir einige bereits
in siüheren Nummern veröffentlichten, Mittheilungen, die uns von
Freunden und Bekannten gemacht worden sind, Mittheilungen,
welche »ns von großen Geschäftssinnen zugehen und die ihrerseits
genau durch die in das Reich gesandten Geschäftsreisenden
informirt sind, berechtigen uns zu der Hoffnung, daß All
deutschland bereit ist, sich auf die Beine zn machen
und nach Berlin zu kommen, soweit dies jedem Individuum
die Mittel gestatten. Da jeder dieser Besucher, welche aus
dem Reich zu uns kommen, die Ausstellung mindestens fünf,
sechs Tage hintereinander besuchen wird, wenn er erst in
Berlin wohnt, so wird sich auch ans dem Deutschen Reich eine
Gesammtzahl von Ausstellnngsgästen einfinden, die nach Millionen
zn rechnen ist.
Der zu erwartende große Zuzug von deutschen Gästen nach
Berlin wird aber nicht allein für die Ausstellung gewinnbringend
sein, wird nicht nur Nutzen schaffen für die Hoteliers und für die
Geschäftsleute in Berlin, er wird auch unzweifelhaft dazu bei
tragen, das nationale Bewußtsein zu stärken, das Gefühl der
Zusammengehörigkeit aller deutschen Stämme zu fördern. Berlin
wird durch die Gewerbe-Ausstellung einen nachhaltigen Nutzen
haben; Berlin, welches jetzt im Reich so vielfach beneidet, ja oft
verhaßt ist, wird durch die Ausstellung eine große Anzahl neuer
Freunde gewinnen. Leute, die sonst nie daran gedacht hätten,
werden hierherkommen, um die Ausstellung aus eigener Anschauung
zu beurtheilen; sie werden dann nach der Heimath zurückkehren,
um dort das Loblied der Ausstellung und der Stadt Berlin zu
singen, vorausgesetzt, daß sie gerecht und billig denkende Leute sind.
Das wird Berlin Hunderttausende von neuen Freunden
schaffen und seine Stellung als Reichshauptstadt fördern und be
festigen helfen. Berlin soll nicht die allein herrschende Stadt in
Deutschland werden, wie es Paris in Frankreich ist. Das Ueber-
gewicht, welches Paris in Frankreich ausübt, hat sich in vielen
Fällen als durchaus schädlich erwiesen. Berlin soll durchaus nicht
etwa die anderen großen deutschen Städte todtmachen; wer ein
guter Deutscher ist, muß wünschen, daß die großen und mittel
großen Städte, daß selbst die kleinen Residenzen in ihrer Eigenart
und mit ihren großen Vorzüge,: für immer erhalten bleiben; aber
cs ist auch auf der anderen Seite für das ganze Deutsche Reich,
für den Bestand der deutschen Einheit wichtig, daß sich der Deutsche
daran gewöhnt, mit einer gewissen Freundlichkeit, mit liebens
würdigen Gefühlen nach der deutschen Reichshauptstadt zu sehen,
die doch unbestreitbar die Capitale des neu erstandenen Deutschen
Bnndes-Reiches ist.
Die Reclame, welche für die Ausstellung gemacht worden ist,
hat auch im Auslande gewirkt. Erst vor ganz kurzer Zeit waren
wir in der Lage, die staunenswerth freundlichen Preßstimmen zu
veröffentlichen, welche in Frankreich zu Gunsten unserer Aus
stellung laut geworden sind.
Wir wollen uns betreffs der ausländischen Besucher nicht all
zu großen Hoffnungen hingeben. Die Franzosen werden nicht in
hellen Schaaren nach Berlin strömen, die Engländer und Italiener
ebenfalls nicht, letztere schon aus dem Grunde nicht, weil sich
das ganze Land augenblicklich in einer schweren financiellen und
politischen Krise befindet. Aus Oesterreich werden in größeren
Mengen nur die nächsten Nachbarn aus Oesterreichisch-Schlesien und
Böhmen zn erwarten sein. Aus Rußland werden nicht allzuviel
Ausstelliingsgäste zurcisen; die Russen sind nie deutschfreundlich
gewesen, aber jetzt ist dies am allerwenigsten der Fall, sie gehen
lieber nach Paris, schon aus politischen Gründen, und weil sie
sich dort besser amusiren können; so werden aus Russisch-Polen
und Rußland selbst nur die Geschäftsleute kommen, welche mit
Berlin arbeiten. Belgien und Holland, Schweden, Norwegen und
die Schweiz werden ja auch wohl eine Anzahl von Besuchern
hersenden, aber, um einen vulgären Ausdruck zu gebrauchen,
diese Besucher wertzeu das Kraut nicht fett machen. Aus Amerika
werden gewiß viele Ausstellnngsbesucher eintreffen. Als vor einigen
Tagen der neu ernannte amerikanische Gesandte in Berlin, Uhl,
von dem Berichterstatter des „Berliner Lokal-Anzeiger" vor dem
Eintreffen in Europa auf hoher See an Bord des Lloyd-Dampfers
interviewt wurde, theilte Herr Uhl dem Berichterstatter mit, daß
sehr viele Amerikaner zu der Ausstellung herüber kommen würden.
Die Zeitungen in Australien, Asien, Afrika, Süd-Amerika und
Polynesien haben zwar günstige Berichte über die Ausstellung
gebracht; es werden aber kaum von dort aus Völkerwanderungen
zu erwarten sein.
Wenn nicht die bösen Völkerplagen: Krieg, Pestilenz und
Viehsterben ausbrechen, wenn nicht etwa die Witterung einen
bösen Streich spielt, wenn nicht meteorologische Ereignisse ein
treten, durch welche sich vielleicht gar unser harmloser Kreuzberg
plötzlich in einen feuerspeienden Vulcan verwandelt, dann
wird die Ausstellung einen riesenhaften Besuch aufzuweisen
haben. Der „Zug" nach der Ausstellung ist in Berlin, wie in
ganz Deutschland vorhanden. Dieser Zug ist so mächtig, daß
sich ihm nichts mehr in den Weg stellen kann, und dieser
Zug, der sich nach Eröffnung der Ausstellung nicht vermindern,
sondern nur noch steigern wird, ist die Garantie für den Erfolg
der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.
16. er. angesichts der dringenden Wünsche, die aus den Kreisen
der Berliner Bevölkerung laut geworden sind, beschlossen, Dauer
karten, gültig vom 2. Mai bis Ende der Ausstellung
zum Preise von 15 Mark auszugeben. Die Karten
sind nur für den Inhaber gültig, müssen mit Photo
graphie und Unterschrift versehen werden, haben aber auch an
den Tagen und Abenden mit erhöhtem Entree Giltigkeit. Die
Entgegennahme von Anmeldungen auf solche Dauerkarten soll zu
nächst auf eine Frist von vierzehn Tagen beschränkt werden. Es
wird zur Entgegennahme der Anmeldungen voraussichtlich auch im
Mittelpunkt der Stadt ein eigenes Bureau errichtet werden. Der
Wortlaut der Bekanntmachung betr. die Ausgabe von Dauerkarten
wird demnächst veröffentlicht werden.
9
Der Arbeits-Ausschuß bringt in den nächsten Tagen zur Eröff
nungsfeier am 1. Mai Ehrenkarten für die Herren Garantie
fondszeichner und die Aussteller zur Versendung. Die Karten
berechtigen zum Eintritt in den Ausstellungspark und die Aus
stellungshallen mit Ausschluß des für den officiellen Theil des Fest
aktes bestimmten Kuppelsaales. Anzug: Frack und weiße Binde;
für die Damen: Pronienadentoilette. Der Eingang für diese Ehren
gäste ist nur durch Portal 6, gegenüber der Eisenbahnbrücke des
Bahnhofes Treptow (nicht Ansstellungs Bahnhof.) Die Karten
sind am Eingang vorzuzeigen. Der Arbeits-Ausschuß hat ferner
beschlossen, den Garantiefondszeichnern eine unentgeltliche Dauer
karte zum Besuch der Ausstellung zur Verfügung zu stellen, und
wird diese Maßregel unzweifelhaft in den betheiligten Kreisen mit
auftichtiger Genugthuung begrüßt werden.
V
Am Sonnabend besuchten die drei jüngsten Kaiserlichen
Prinzen die Ausstellung zum zweiten Male und nähmen besonders
eingehend Kairo in Augenschein. Ein gelegentlicher Mitarbeiter
schreibt uns: Warme Strahlen sandte am letzten Sonnabend die
Sonne zur Erde, und ihr Glanz lockte die braunen Bewohner
Kairos aus den Räumen. Vor dem großen Cafä spielte eine
Anzahl derselben Ball, und laute Fröhlichkeit erhob sich, wenn ein
Ansstellungsbnmmler von dem leichten Wurfgeschoß an den Kopf
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