Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Telephon: Amt I. 40K7.
Bekanntmachung des Urbeits-Ausschusses.
Die Aussteller und Vereine, welche beabsichtigen, in dem Hörsaale der Ausstellung (Gebäude für Chemie,
wissenschaftliche Instrumente und Photographie) Vorträge und Vorführungen zu veranstalten, werden ersucht,
die diesbezüglichen Anträge uns ehemöglichst zuzustellen, damit wir, insoweit der Hörsaal noch nicht anderweitig
besetzt ist, in Gemeinschaft mit der Vortrags-Commission die erforderlichen Anordnungen treffen können.
Ueber die Höhe der Miethe für solche Vortrüge und Vorführungen bleibt Verstäudignng von Fall
zu Fall vorbehalten.
Berliner Gewerbe-Ausstellung L896.
Der ArbcitS-Ausschuff:
Fritz Kühnemanu. Bernhard Fetisch. Ludwig Max Goldberger.
Unsere Ausstellungsgäste.
Von A. Oskar Klaußmann.
^Abdruck untersagt.»
Es giebt in Berlin seit Wochen nur ei» Thema für alle
Gespräche: Die Ausstellung.
In den Familienkreisen, auf der Straße, int Eisenbahnzug,
im Pferdebahnwagc», in den Restaurants, in den Bureaux, in den
Vereinen, in den Vergnügungs-Etablissements, überall spricht man
nur von der Ausstellung. Selbst der jüngste Familiensproß, der
erst einige Worte sprechen kann, ist durch die fortwährende Unter
haltung in der Familie alarmirt und vermag das Wort „Aus
stellung" zu stammeln. Die ältesten Familien greise, die kein
Interesse mehr am Leben haben als die Erinnerung an die Ver
gangenheit, sind aufgestachelt worden, und man hat Gelegenheit,
sie draußen im Ausstellungsterrain zu sehen, wenn sic au den
milden Frühlingstagen von ihren Angehörigen hinausgebracht
werden, um die werdende Ausstellung zu besichtige».
Tausende, Hunderttausende sind Sonntags und Feiertags bis
fetzt hinaus gewallt, um wenigstens die Straßen, welche durch
das Ausstellungsgelände führen, zu passiren. Nur ein geringer
Bruchtheil dieser Hunderttausende kam dazu, hinter die Zäune der
Ausstellung zu gelangen; der größte Theil mußte sich damit be
gnügen, aus weiter Entfernung einen Blick auf die Ausstellungs
bauten zu werfen, und doch, um diesen Blick zu erhaschen, sind
immer wieder neue Huuderttausende hinausgezogen.
Der „Zug" nach der Ausstellung ist also in Berlin vor
handen, niemand kann ihn mehr ableugnen. Ein solch' groß
artiger Zug muß in einer Großstadt vorhanden sein, soll irgend
ein Unternehmen gelingen. Selbst jetzt, nachdem der Ausschuß
die Pforten der Ausstellung für alle neugierigen Besucher vor
läufig geschlossen hat, findet dieses Hinausströmen der Hundert-
tausende selbst bei minder günstiger, ja, ungünstiger Witterung
statt. Es kann demnach kein Zweifel mehr darüber walten, daß
nach Eröffnung der Ausstellung die Berliner in ganz kolossalen
Schaaren als Ausstellungsbesucher herbeiströmen werden. Die
Berliner aber nicht allein, sondern auch aus den näheren und
weiteren Vororten werden die Leute herbeiströmen, und faßt man
all' diese Ortschaften zusanrmen, so bilden sie mit der Einwohner
schaft Berlins eine Gcsammtinasse von mehreren Millionen.
Tie Leute, selbst ans den nächst gelegenen Provinzen, werden,
so oft cs ihre Zeit- und Geld-Verhältnisse irgend erlauben, Gäste
in der Ausstellung sein; das giebt wieder Blassen von Besuchern,
und der finaneielle Erfolg der Ausstellung scheint mir durch die
Aussicht auf diese Ansstellungsgäste schon jetzt gesichert. Hunderte
von Bekannten, die sonst Sommerreisen anzutreten pflegen, haben
mir persönlich versichert, sie würden in diesem Jahre auf die sonst
übliche, Sommerreise verzichten, »veil sie die Ausstellung auf das
Gründlichste mit ihrer Familie inid ihren Angehörigen genießen und
erforschen »vollen. Das Geld, welches also sonst zu den Sommer
reisen verivendet wird, bleibt dies Jahr iit Berlin und kommt zum
größten Theil der Ausstellung zu Gute.
Steigen wir in einen Eisenbahnzug und fahren wir in das
deutsche Land hinein, so finden »vir, daß auch in den Coupees,
daß ans den Bahnhöfen und in den Orten, in denen wir längeren
Aufenthalt nehmen, nur ein Gesprächsthema vorherrschend ist: die
Berliner Gewerbe-Ansstellnng. Ueberall finbet inan das Hammer
Placat — gesegnet sei seine Reclame-Wirkung! — und wenn nicht
anders, so giebt dieses Placat Gelegenheit, über die Ausstellung
zu sprechen. Aber auch die deutsche Presse hat ununterbrochen
Mittheilungen über die Ausstellung gebracht und bringt sie nvcli
heute, und so ist unzweifelhaft im ganzen Deutschen Reich
ein „Zug" »ach der Berliner Ausstellung entstanden, der uns
unzweifelhaft Hunderttausende von Besuchern zuführen wird. Die
Reclame, die für die Ausstellung gemacht worden ist, die Mil-
theilungen, welche man insbesondere den deutschen Zeitungen von
Seiten der Ausstellungs-Unternehmer hat zugehen lassen, haben
das ga»»ze Deutsche Reich alarmirt.
Unterrichtete und interessirte Kreise glauben, daß die jetzige
Berliner Gewerbe - Ausstellung nur die Vorläuferin einer noch
größeren nationalen deutschen Ausstellung sein »vird. Nun, dem
Änsstcllungs -Conütee und dem Arbeitsausschuß dieser nationalen
Ausstellung »vird es sehr schwer werde», für jene eine Reclainc zu
machen, »velche die jetzige übertrifft, die für die diesjährige Aus
stellung gemacht worden ist. Wenn nicht inzwischen noch
neue Mittel erfunden werden, ist es überhaupt unmöglich, diese
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