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Periodical volume Nr. 120, 15. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 13 
Erfolgt die Zahlung nicht fristzeitig, so werden die Rückstände 
zwangsweise beigetrieben.“ 
Herr Dr. Hesekiel ist nun der entschiedenen Ansicht, dass 
dieses Mandat auf einem Irrthum beruhe, da er nicht glauben 
kann und will, dass man den Betrieb eines photographischen 
Apparats amtlicherseits als eine »Lustbarkeit« betrachten könne. 
Er hat auch in diesem Sinne ablehnend geantwortet und wird, falls 
der Herr Amtsvorstand auf seiner Entscheidung besteht, sofort den 
Rechtsweg beschreiten. Auffallend ist, dass man erst jetzt, nach 
mehr denn dreimonatiger Dauer der Ausstellung auf die Steuer 
barkeit verschiedener Ausstellungsobjecte kommt und dabei eine 
Auffassung von dem Begriff »Lustbarkeit« bekundet, die mindestens 
befremdlich erscheinen muss. 
V 
Für die theilweise verregnete Illumination 
wurde das Publikum des jüngsten Elitetages durch ein Concert der 
Vierländer Gesellschaft »Flora« entschädigt, das auf Anordnung der 
Fest-Commission in dem Wandelgang vor der Haupthalle stattfand 
und ein äusserst zahlreiches Publikum angezogen batte, welches den 
trefflichen Vorträgen der vorzüglich geschulten Gesellschaft lebhaften 
Beifall spendete. Ganz besondere gefielen die gemischten Chöre, 
die sich durch grosse Präcision und schöne Klangwirkung aus 
zeichneten. 
9 
Im Sonntags - Concert des Philharmonischen Bias- 
Orchesters (Kapellmeister Gustav Baumann) wird der Posaunen- 
Virtuose Königlicher Kammermusiker Paul Weschke verschiedene 
Soli zum Vortrag bringen. 
V 
Den Sonntags-Gottesdienst im Hörsaal des Chemie- 
Gebäude.s wird morgen, am 16. August Herr Prediger Pritsche 
vom Central-Ausschuss für innere Mission halten. 
9 
Vorsicht beim Einsteigen! Es giebt Menschen, die 
beim Einsteigen in ein Eisenbahncoupe oder in die Pferdebahn ab 
solut drängeln müssen, auch wenn ihnen ein oberflächlicher Blick 
schon sagt, dass sie dies garnicht nöthig haben, weil Platz genug 
für alle Mitfahrenden vorhanden ist. Diese Drängelbolde sind un 
angenehme Persönlichkeiten, noch thörichter handeln aber diejenigen, 
die absolut noch aufsteigen wollen, wenn der Zug schon in Be 
wegung ist, eine Manipulation, die mit Vorliebe bei der elek 
trischen Rundbahn versucht wird. Wir können davor nicht 
dringend genug warnen, waren wir gestern döcli wieder Augen 
zeuge, wie ein solcher »Aufspringer« ausglitt und nur durch die 
Geistesgegenwart des energisch zugreifenden Schaffners vor einem 
schweren Unfall bewahrt wurde. Die elektrische Rundbahn fährt 
permanent und ihre Züge folgen so rasch nacheinander, dass Nie 
mand lange, zu warten braucht, auch wenn er einen Zug über 
schlagen muss. 
9 
Der siebente Deutsche Mechanikertag be 
schäftigte sich auch in seiner gestrigen zweiten Sitzung vor 
wiegend mit der Besprechung rein fachmännisch wissen 
schaftlicher Gegenstände, ausserdem wurden Vereinsange 
legenheiten erledigt. Herr Prof. Dr. Szymanski-Ber- 
lin refeiirte über die Fachschule für Mechaniker und die 
Tagesklasse für Elektrotechnik an der I. Handwerkerschule 
in Berlin und Herr E. Toussaint-Berlin gab ein an 
schauliches Bild von dein System, nachdem der Zeichenun- 
tericht an der Berliner Fachschule für Mechanik ertheilt 
wird. Er erläutert seinen Vortag an einer Serie von Zeich 
nungen die von Sehülofn der Fachschule für Mechaniker 
angefertigt!» waren. Nach ihm demonstrirte Herr Dr. 
Hecker-Potsdam das Stückrath’sche Horizontalpendel 
und Dr. F. 8. Archen hold, der bekannte Leiter des 
Riesenfemrohrs in der Ausstellung, sprach über Einrichtung 
eines Museums für Instrumentenkunde. 
Er führte aus, dass in den Museen der verschiedensten 
Städte Deutschlands vielfach historisch interessante und 
werthvolle Instrumente und Zeichnungen unbeachtet in den 
Ecken stehen. Diese zerstreuten Sachen könnten wohl in 
einem Museum vereinigt werden, und zwar müsste das bald 
geschehen, bevor sie an ausländische Regierungen, die hier 
für mehr thun als Deutschland, verkauft würden. Weiter 
müssten in einem solchen Museum noch Modelle der ver 
schiedensten Apparate Platz finden, die namentlich die ge 
schichtliche Entwicklung dei einzelnen Apparate zeigen; 
gerade diesrr Punkt ist für den Fachmann und Laien gleich 
werthvoll. Auch müssten von den einzelnen Stadien der 
Herstellung wenigstens einiger Instrumente vollständige 
Modelle, von den nothwendigsten Holzmodellen bis zum fer 
tigen Instrument vorhanden sein. Zu den Obliegenheiten 
der Beamten eines solchen Museums würde auch gehören, 
dass sie Auskunft übe'r neue Erfindungen geben, wodurch 
manche Nacherfindung eines schon vorhandenen Instrumentes 
vermieden würde. Zum Schluss wiess der Redner darauf 
hin, dass er mit dem Fernrohr eine astronomische Ausstellung 
verbunden habe, die nach seiner Absicht den Grundstock 
für ein astronomisches Museum bilden solle. Herr P r o f. 
Abbe und der Vorsitzende der Gesellschaft Herr Dr. 
Krüss stimmten dem lebhaft bei, und auf Antrag des. 
Herrn Prof. W e s1 p h a 1 wurde eine dahingehende Reso 
lution mit grosser Majorität angenommen. 
Es wurde dann in die Besprechung der Vereinsangelegt n- 
heiten eingetreten. An Stelle des hochverdienten Vorsitzen 
den Herrn II. Haensch, der im Februar verstorben ist, 
wurde Herr Kärger-Berlin gewählt. Herr AV. Handke' 
erstattete darauf den Rechenschaftsbericht, der für richtig' 
befunden und genehmigt wurde. Nachdem dann der Bud 
get-Entwurf für das kommende Geschäftsjahr vorgelegt war, 
wurden die Herren von Liechtenstein und Hirsch- 
mann zu Revisoren gewählt und für den nächsten Mecha 
nikertag Braunschweig zum Versammlungsort bestimmt. 
Herr Dr. Erüss schloss mit einer Ansprache, in der er der 
Versammlung seinen Dank für ihr Erscheinen und für das 
Interesse, das sie den Verhandlungen entgegenbrachte, aus 
sprach, den siebenten Mechanikertag. 
Herr G. Halle - Rixdorf zeigte nach Schluss der 
Sitzung noch einen neuen Praecisionsmessapparat, der die 
subtilsten Messungen bis auf 0,001 Millimeter gestattet. 
An die gestrige letzte Sitzung schloss sich ein gemüth 
liches Beisammensein tJ^Theilnehmer im Gasthaus „Grosser 
Kurfürst“ in der Special-Ausstellung „Alt-Berlin“. Heute 
findet ein Ausflug nach Potsdam zur Besichtigung der wissen 
schaftlichen Institute auf dem Telegraphenberge und der 
Königlichen Gärten statt. An den Ausflug schliesst sich ein 
Festbankett im Zoologischen Garten an. 
9 
Deutsch-Arabisch. Welch verworrene Begriffe seihst 
hei Ausstellungsbesuchern besserer Stände noch über gewisse 
Dinge herrschen, beweist ein kleines Intermezzo, dass sich 
jüngst vor dein grossen Musiktempel in Kairo, wo die Kapelle 
des Khedive cnncertirt, abspielte. Stellt da eine Dame, die 
ihrem Begleiter mit absoluter Sicherheit erklärt, dass hier 
alles Schwindel wäre, denn auch die Musiker wären nun und 
nimmer Orientalen. Sie wisse das ganz genau, denn sie habe 
mal vor Jahren in Breslau einen Beduinen gesehen, der sei 
viel schwärzer gewesen. Zufällig hörte der Schöpfer und 
Leiter Kairos Herr Baumeister Wohlgemuth diese Unter 
haltung und, da er ja mit den Verhältnissen dieser Sonderaus- 
stellung einigermaassen bekannt ist, so erlaubte er sich die 
bescheidene Bemerkung: „Sie irren, meine Gnädige, die Mu 
siker sind wirklich echte Araber!“ Die Harne liess ein zwei 
felndes „hm!“ hören und wandte sich achselzuckend ah. 
Einige Augenblicke später rief Herr Wohlgemuth dem Ka 
pellmeister Faltis zu : „Herr Major, auf ein A\ ort!“ „Be 
lieben, Herr Baumeister?“ fragte der Angeredete, was die 
weibliche Zweitierin veranlasste, sich rasch umzudrehen und 
triumphirend auszurufen : „Er spricht deutsch ! Na was hab 
ich gesagt, alles Schwindel! Ja, mein Breslauer Beduine war 
viel schwärzer!“ Spruch’s und schritt stolz von dannen, nicht 
achtend des fröhlichen Gelächters, das hinter ihr herscballte. 
Herr Major Faltis sprächt als geborener Wiener allerdings 
deutsch,was aber durchaus nicht hindert, dass seine gerammt» 
Kapelle aus echten — absolut echten Afrikanern besteht
	        
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