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Periodical volume Nr. 120, 15. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielie Ausstellungs-Nachrichten. n 
uns entschieden noch grösserer Beachtung und An 
wendung würdig zu sein und wird sie finden, sobald die 
Menschheit erst ihrer — Nase mehr als bisher nachgehen, 
resp. den gesundheitlich so wohlgemeinten Verboten derselben 
mehr Folge leisten wird. Zu gedenken wäre ferner auch der 
pharmaceutischen Präparate von Carl Hoffmann, einer mehr 
fach preisgekrönten Firma, und thun wir dies, da wir sie unter 
dem Dache des Grisebach’sehen Chemiegebäudes vereinigt 
finden, in Verbindung mit Dr. Hades’ Ausstellungen für un 
sere tropischen Märtyrer, wie wir die Reisenden in Afrika 
und Neu-Guinea einmal nennen wollen. Sie können sich 
bei den in der Epidermis gefärbten Söhnen der heisseren 
Sonne nicht besser einführen, als mit den Erzeugnissen dieser 
unserer Berliner Heilindustrie, die ihren Sitz in der Oranien- 
Apotheke hat, der Dr. Kade vorstellt. Der Medicinmann ge 
langt bei den naiven Naturmenschen denn doch zu reich 
haltigerem Ansehen als der 'Wutherich mit der Nilpferd 
peitsche und der Branntweinflasche. Dieser b,at seine Rolle 
längst ausgespielt, wenn jener zu Ehren gelangt. Die Ei 
vingstone, die Emin Pascha, die Schweinfurth, wodurch er 
hielten sie jene Macht über die Gemüther der Schwarzen, so 
dass sie angefressen mitten im Culturlande der Kannibalen 
leben konnten, viele Jahre lang als freiwillig anerkannte 
Könige und Herrscher! Nun, wenn sie offen sein wollen, 
lediglich dein Respect vor den Flaschen und ihrem heilsamen 
Inhalt, wie jene Firmen sie uns hier in so schönen Arrange 
ments vor die Augen stellen. Dazu gesellen sich M. Helhrig, 
S. Radlauer (Kronen-Apotheke) und die anderen oft genann 
ten grossen Firmen. Es sind sehr vielseitige Leistungen, auf 
deren Details einzugehen uns hier der Raum verbietet, um 
so mehr, da wir denn auch sogleich derjenigen Firmen ge 
denken müssen, die ihren Standort in der Kolonial-Ausstel- 
lung oder im Wohlfahrtsgebäude rechts vom rechten Wan 
delgange haben, der, wie wir meinen, noch lange nicht genug 
besucht wird. An der Stelle, wo wir uns befinden, haben wir 
so ziemlich unsere Schuldigkeit gethan, wenn wir nur auch 
noch der Besonderheiten der Firmen H. Neudeck (Ckemsicke 
Fabrik Heiligen see) und G. E. Hallich erwähnen. Es sind 
dies neben allerlei nützlichen Erzeugnissen aus Knochen 
(Mehl, Superphosphat etc.) die nützlichen Leime. Vergessen 
wir auch nicht des Klebemittels von Otto Ring u. Co., welches 
unter dem Namen „Syndetikon“ die allgemeine Achtung go- 
niesst, dem sich mitdeutschem Gummi (GummiGermanicum), 
einem alkalisch, n Dextrin, W. Seeger, mit Fischleim und 
Lederleim Manasse anschJiessen. Letztere Firma, sowie die 
Firma Funke & Co. haben das fernere Verdienst, 
denen, die sieb, im höheren Lebensalter noch eine künstliche 
Jugend zulegen wollen, mit Haarfärbemitteln beizuspringen, 
die sich zweifellos besser b: währen, als die durch selche Aus 
hängeschilder affichirte Leistungsfähigkeit, 
Die Vorträge in der Ausstellung. 
[Abdruck untersagt.] 
Die Firnisse und ihre Haltbarkeit. 
Ein nüchternes und prosaisches Thema war es, das uns 
Herr Director J. Spennrath aus Aachen über Firnisse vor 
führte. Die Firnisse werden nur einen sehr kleinen Kreis 
von Industriellen interessiren können und sind auch bisher 
von der Wissenschaft recht stiefmütterlich behandelt worden. 
Trotzdem ist ihnen eine technische und volkswirtschaftliche 
’-Se'äW&Vg* nicht abzusprechen, da für die Herstellung der 
Oel-An striche d. 1). <fes Firnisses selbst ungeheure Summen 
ausgegeben werde h, fveil sie als Schutzdecken für die ange 
strichenen Körper.’ dienen sollen, um diese, die selbst von un 
gleich grösserem Werthe sind, vor allzu schneller Verderbniss 
zu bewahren. Wir/' weisen nur auf die Bautechnik mit ihren 
grossen und kostspieligen Eisenconstructionen hin. Das 
Eisen, so werthvAPl und unentbehrlich es für die Menschheit 
ist, ist doch dasjenige Metall, welches am leichtesten und 
schnellsten von «Jen atmosphärischen Einflüssen angegriffen 
wird. Hier ist unausgesetzte Aufmerksamkeit in seiner Con- 
servirung nöthig, nicht allein um die ungeheuren Geldwerthe, 
die die Herstellung der Eisen-Construction erfordert, zu er 
halten, sondern auch um in jeder Weise für die Sicherheit der 
Menschen zu sorgen. Auf diesem noch bis jetzt im Halbdunkel 
gebliebenen Gebiet der Firnisse hat denn auch dieGeheimniss- 
thuerei in üppigster Weise ihre Blüthen getrieben. Die 
Techniker, denen die Gefahr bekannt ist, der ihr Eisenwerk 
fortgesetzt preisgegeben ist, griffen begierig nach jedem, mit 
grosser Reclame eingeführten, neuen Präparat, in der Hoff 
nung, endlich zu einem allen Anforderungen gewachsenen 
Mittel gelangt zu sein. 
Dir Herstellung der Firnisse ist sehr einfach und stets 
dieselbe. Sie bestehen aus einem Oel und aus einem minera 
lischen Farbkörper, die möglichst homogen mit einander ver 
mischt sein müssen. Allerdings ist nicht jedes Oel hierzu 
verwendbar, sondern nur ein sogenanntes trocknendes Oel, 
und von diesem der Billigkeit halber das Leinöl. Zur Ver 
dünnung Vlieses Breies verwendet man das Terpentin. Wenn 
der Anstrich der Luft ausge setzt wird, so verändert er sich 
sehr bald, er wird zähflüssig, fest und zusetzt hart. Der Vor 
gang ist ein analoger wie bei den Leimfarben-Anstrichen 
oder bei den in irgend einer Flüssigkeit gelösten Harzen. 
Hier tritt das Festwerden durch das verdunstende Wasser 
oder Lösungsmittel ein. Beim Firniss ve rflüchtigt sich aller 
dings auch das Terpentin ; aber es tritt noch von aussen ein 
Körper hinzu, der Sauerstoff, der die chemische Constitution 
des Leinöls verändert und so dessen Hartwerden bewirkt. 
Findet nun beim Firniss eine chemische-Wechselwirkung 
zwischen Farbstoff und Oel statt? Bei jeder chemischen 
Reaction bilden sich neue Körper mit neuen Eigenschaften. 
Wäre das auch hei den Firnissen der Fall, so hätte man bei 
jedem veränderten mineralischen Zusatz die eventuellen Um 
setzungen in’s Aug zu fassen. Die Firnisse sind aber nur 
ein rein mechanisches Gemenge, welches ohne chemische Ein 
wirkung der einzelnen Componenten weiter bestellt. Nur 
das Leinöl erhöht sein Gewicht um einen bestimmten Pro 
centsatz durch die Sauerstoffzunahme. Es ist mithin der 
Farbkörper auch ohne jeden Einfluss auf die Haltbarkeit 
des Bindemittels. Und die bisherigen Versuche, durch 
zweckmässige Farbkörper den Anstrich haltbarer zu machen, 
haben sämmtlich auf falschen Voraussetzungen beruht. 
Allerdings sind die Farbkörper selbst unter Umständen 
gewissen chemischen Veränderungen unterworfen. Tritt 
eine solche ein, so wird sich auch das Bindemittel physika 
lisch mit verändern. Es sei hier nur auf das Zinkweiss 
hingewiesen, eine Substanz, die begierig bestrebt ist, aus der 
Luft Kohlensäure und Wasser aufzunehmen und sich in 
basisches Zinkcarbonat zu verwandeln. Durch die Zunahme 
des Farbkörpers an Volumen tritt dann natürlich ein© 
Spannung ein, welche leicht die schützende Decke des erhär 
teten Leinöls sprengt. Auch das Bindemittel selbst wird, 
wt nn auch nicht durch reine atmosphärische Luft, so doch 
leicht von Gasen, die in ihr enthalten sind, angegriffen. Die 
Einflüsse, die es bedrohen, sind in unserer Zeit lokal stärken 
geworden, namentlich in den grossen Industriecentren, wo 
durch den Massenverbrauch an Steinkohlen erhebliche Men 
gen von Schwefelwasserstoff, schwefliger Säure und Ammo 
niak in die Luft gelangen. Aber weder Säuren noch Al 
kalien widersteht das Leinöl, ebenso wie die anderen Fette. 
Es wird durch beide chemisch verändert, da es verseift wird 
und die Endproducte dann selbst schon durch Regen fortge 
nommen werden. 
Es ist hiernach nichts verkehrter, als die Haltbarkeit 
eines Anstrichs durch Behandeln mit Chemikalie n prüfen zu 
Wollen. Oh ich einen Anstrich in eine Soda- oder Ammoniak- 
Lösung hänge oder obengenannten Gasen aussetze, — nie 
mals kann es diesen Einflüssen widerstehen und stets wird 
er vernichtet. 
Wenn sich die chemischen Angriffsmittel nur in in 
dustriellen Gegenden bemerkbar machen, so sind doch die 
mechanischen viel zu wernir beachtet und trotzdem nickt zu
	        
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