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Periodical volume Nr. 120, 15. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

10 Gäficielle Ausstellüngs - Nachrichten. 
Einige Specialitäten im Chemie-Gebäude. 
[Abdruck untersagt). 
Ein Soldatenvolk wie das deutsche und speciell die Me 
tropole der Garde hat erklärlicher Weise den Putzmittelu 
zur Blankerhaltung der Knöpfe, der Gewehre und Kanonen 
nicht geringe Aufmerksamkeit gewidmet. Mit einer Hin 
gebung sonder Gleichen wird hei uns geputzt und werden 
Mittel zu diesem Zwecke auf den Markt gebracht. Der 
Zweck ist ganz gewiss ein guter. Man lernt den Segen des 
Militairetats und der preussischen Zucht, Sitte und Putz 
freudigkeit erst kennen, wenn man einmal in ext tischen 
Theilen, etwa im Warthe- oder Obrathai, einige Gainisons- 
und Prüfungsjahre durchgemacht hat. l ud wenn auch der 
Mantel deshalb nicht weniger nützlich wird, weil er vi Deicht, 
nicht gewickelt ist, so wird doch jedes Metall unansehnlich 
und gleichsam denatuiirt, wenn es nicht von den 'Verderb 
nissen durch den atmosphärischen Sauerstoff stets auf's 
neue gereinigt wird. Wie weit der höchst anerkeniienswevth;* 
Enthusiasmus hierin geht, erhellt aus dem Umstande, dass 
eine leitende Firma auf dem Gebiete der Militaireffecteu, de-.en 
grossen Aufbau an Adjustiiuhgen wir im Mittelgange, des 
Hauptgebäudes oft.staunend betrachteten, ihrem neuen völlig 
geruchlosen Putzmittel sogar den Kamen ihres verewigten 
Chefs mit ans den Weg gab. Aug: Loh »Söhne < nennen 
ihren neuesten Metall putz .Lohsine.. c Und dessen .Wirkung 
in der Beseitigung aller möglichen Flecken von der metal 
lischen Oberfläche ist, dank der sorgfältigen und feinen Yer- 
theilung des Materials allerdings eine sehr bedeutende, so dass 
dieses Arcamun der Sauberkeit stieb auch zum Gebrauch im 
Haushalte und im Jagdziminer empfiehlt, wo nicht wie in den 
Kasernen neben dem Bimstein der energischen- Friction sei 
tens der nervigen Faust des Burschen die Haiiptputzauiga.be 
überlassen bleiben kann. Da neben .dein Metall das Leder in 
der Armee eine Hauptrolle spielt, so .haut uns dieselbe Firma, 
welche schon so ziemlich alle Anneeen der.Welt, namentlich 
aber der exotischen Welt readjustirt hat, auch zur Conser- 
virung dieses Materials in ihrer Vitrine ein llniveisalmittel 
auf, die braune Lederpasta, welche sieh auch den Strand 
läufern empfiehlt, die ihre Schuhe gegen das.salzige Nass des 
Meeres versichern, sie, geschmeidig, erhalten und ihnen täglich, 
einen neuen Glanz verleihen wollen. 
Ein neutrales Fett, Glycerin, trockenes Terpentin, Va 
selin, Lanolin bilden hei allenderartigen Mitteln das ,-,Vehi- 
kel“ oder die Grundlage. Sie wenden sieh an ein grosses und 
vielseitiges Absatzgebiet, das der Laie nicht leicht zu über 
sehen vermag. Die Verwendung des Vaselins und Lanolins 
ist von grosser -Bedeutung, für die Haltbarkeit derartiger 
technischer und pharmaceutischer Präparate g. worden. 
Beides an sich Körper, von- fettiger Beschaffenheit,-sind doch 
• grundverschieden- durch ihre Abstammung. Das Vaselin, 
der feste,Rückstand der, Petroleum-Raffinade, ist ein Kohlen 
wasserstoff,, hat mithin nichts mit den sogenannten Fetten 
gemein, welche Ester der Fettsäuren und des Glycerins sind. 
Da es in derselben.'Weise auch von der menschlichen Haut 
absorbirt wird,' wie thierische Fette, und in seiner Eigenschaft 
- als Kohlenwasserstoff nicht ranzig werden kann, d. h. durch 
Zersetzung freie Fettsäuren ausscheiden, ist, es ein Er 
satzmittel par excellence für Fett geworden. Das Lanolin 
ferner, das Fett der Schafwolle, ist auf zu gutem Boden ge 
wachsen, um so leicht in Zersetzungsstoff zu verfallen. Es 
jst ein Oholesterinester, der durch die Stabilität seiner Com-, 
poneilten.der Zersetzung ebenso viel Widerstand entgegen 
setzt wie das Vaselin. Es war daher wegen dieser 
schätzbaren Eigenschaft schon längst, ehe es Pro 
fessor Liebreich auf's neue entdeckte, den . Römern 
und Griechen -bekannt-und empfiehlt sich nun auf. viel ver-, 
breiteten grünen Afliehen mit dem weltumfassenden Pfeil- 
ringe der Firma Benno .lasse und Darmstädter. Pomaden und 
Cremes auf ähnliche* Basis empfehlen uns Karl .Sauber & 
Sohn, H. u. A. Lubszynski, Luhszynski.& .Co., Tb. Fischer, 
Woblbäucr & Cb., Heinrich & Pauper! und andere, von 
denen allen man nur das beste sagen kann oder 
wie der englische Philosoph: „the proof of the pudding io 
the eating of it“. Probiren geht über Studiren. Die Gift- 
freiheit, das heisst die Ungefährlichkeit in der Anwendung, 
wird meistens garnntirt, indessen • wollen deshalb diese 
edlen Stoffe nicht für den Consum im Koch,topf empfohlen 
sein, wie etwa die sibirische „Speise-Seife“, deren wahre 
Vorzüge erst von den Thran geniessenden Eskimos erkannt 
werden. Wohl aber werden diese Präparate für die Tiopen 
vielfach besonders appretirt. Auch sonst finden sieh hier 
noch eine Reihe fettigster Consumariikel bei einander. Dio 
Rixclorfer Kuchenölfabrik A. Blank stellt ihre renomimrten 
Thran- und Maschinenöle und die Berliner Walk-Extract- 
Fabrik (S. Levy) insbesondere das jetzt weltumfassende Fahr 
radöl zur Schau,. Kurz diese Vaseline, Thräne, technischen, 
pharmaceutischen und kosmetischen Mineral-,. Animal- und 
Pflanzenfette spielen im Haushalte der menschlichen Gesell 
schaft wie, in dein der Natur eine umfassendere Polle, als man 
im allgemeinen, nachdem man sich nach dem Diner die Hände 
gewaschen hat, anzunehmen geneigt ist, wenn auch die Mehr 
zahl derselben mehr im. Souterrain des Lehens. 
Zu grosser : Bedeutung gelangt auch das Wasserglas, 
eine Lösung von Kieselsäure in kaustischen Alka 
lien. Mit Graphit, Eisenocker etc. bildet es vermuthlich den 
schon früher erwähnten' feuerfesten Anstrich. Wenigstens 
dient es vielfach zu Ihiprägnirungcn zu gleichem Zwecke. 
Die altbewährte'Firma Baeiie und V.pönriagePmacht aus der 
Bereitung dieses gelösten Glases ihre Specialität. ' Es dient 
als Waschmittel, zur Appretur, zum 'Anstrich hölzerner 
Wände in feuergefährlicher Nachbarschaft und ad hcc 
hergestellt auch als Bindemittel zur Herstellung künstlicher 
Steine, z. B. der zierlichen George'sehen Banklötze, besonders 
auch zur Imprägnirung der so feuergefährlichen Putzlappen. 
Die genannte Firma stellt mit Wasserglas hergestellte Seifen 
aus, welchen sie mit Recht viele \ orzüge vor dein üblichen 
Arcamun unserer Waschfrauen nachrühmen lassen, durch 
welches auch der tugendreichste Mensch leicht in üblen, Ge 
rne!). kommen kann. Wir wollen über die Preisverhältnisse 
nicht rechten. Man hört es aber allgemein behaupten, dass 
diese Wässerglasseife.,' die nicht blos'alkalisch ist, sondern 
durch de)) Kieselgallert, der sich hei ihrem Gebrauch, bildet,' 
noch besonders reinigende Wirkungen erhält, billiger sei 
und jedenfalls sauberer als' die, grüne, graue u. s. w. des 
Durch,schnittshaushaltes. Sie hinterlässt weder Farbe noch 
Geruch Und besitzt durch ihre Alkejlinität' die ähnliche 
bleichende Eigenschaft wie das der Pflanzenfaser 
so gefährliche 'Chlor. Die Vereinigten Berliner 
Seifen-Fabriken führen mit. ihrer Ammoniak - Terpentin- 
Seife ein Product • ein,/ welches sich schon längst das 
Zutrauen der Hausfrauen erworben hat. Die Ersetzung 
eines fixen Alkalis in der Seife durch ein flüchtiges, das Am 
moniak, kann UM' als bedeutsamer Fortschritt' begrüsst 
werden. Durch die eigenthümliche Wirkung des Wassers 
auf die Seifen, d. h. die fettsauren Salze, wird, wie bekannt, 
freies Alkali gebildet, welches als Lauge lediglich die reini 
genden Wirkungen der Seife hervorruft. Da das Gewebe der 
Pflanzen, die wir in unseren H au s h a 11 u n g s st offen verwenden, 
sehr empfindlich, gegen so gebildete fixe Alkalien wie Kali 
Natron sind, ist durch die Einführung der .Ammoniumseifen 
ein groser Schritt gethan, um die Gewebe bei,der Wäsche 
mehr schonen zu können. Der Zusatz des Terpentins ver 
mehrt noch diese guten Eigenschaften, da es als fettlösendes 
Mittel bekannt ist. Hortes, Ihr Waschfrauen ! 1 nd IhrHaus- 
fratien hört es ! Geht denen, die weniger einsichtsvoll sind 
und ihrer Stellung und Bildung nach sein müssen, als Ihr es 
sein dürft, mit Beispiel und guter Lehre voran! Neben 
der Na ph t a - Seife de$ Firma Baerls & Sponnagel 
sei ihres Eresco - Farben - Firnisses gedacht, welcher 
sich nicht blos: für die Fresco-Malerei eignet, sondern 
auch mit Oelfarbe leicht vermischt. Recht anschaulich ar- 
rangirt sind auch ihre Stoffproben, die eine Appretur mit 
Wasserglas durchgemacht haben. Der Stoff scheint
	        
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