Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Offtrrelle Ansstellirngs -Uachrrchtett. 15
organisatorischen Thätigkeit aufdrückend: Es ist das „die Berliner
Hütte" auf der Schwarzensteinalm.
Das Wirken des Alpcnvereins ist ein rühm- und segens
reiches ; es besteht in einem Colonisiren der wundervollen Gebirgs-
mildniß, durch welches die Wegein dewHochalpen gebahnt, Aussichts
punkte herausgefunden, Schutz- und Unterkunftshäuser errichtet,
und nicht in letzter Linie den Wissenschaften, der Geologie wie der
Zoologie und Botanik in die Hände gearbeitet werden.
Dank der Fürsorge der Section Berlin des deutschen und
österreichischen Alpenvereins wird auch diese Seite von Berlins
Thätigkeit auf der Gewerbe-Ausstellung zum Ausdruck gelangen,
und zwar in einer geradezu künstlerischen Vollendung.
Der Maler Rummelspacher, ein geborener Berliner, der
sich Jahre hindurch völlig dem schwierigen Studium der Hoch
alpen ergeben hat und in starrendem Frost wie in blendendem
Sonnenschein tapfer seine Skizzen von den Zillerthaler Alpen auf
nahm, hat in genialer Weise die schone Gebirgswelt mitten im
Gelände des Treptower Parkes, nahe dem Ufer der Spree auf
erstehen lassen. Seit dein 3. September vorigen Jahres hat er
Tag für Tag an dem Werk gearbeitet. Die Rundfvrm des Pano
ramas ist wohl selten mit so viel Geschick und Geschmack zur
Bewältigung derartiger Colossal-Gemülde benutzt worden, tvie in
Rummelspacher's Alpen-Panorama.
Schon die Außenseite des vom Architekten Gustav Hochgürtel
erbauten Panorvma - Gebäudes bereitet die Stimmung in feiner
Weise vor. Mittels Coulissen, die »m Holzgerüste gezogen sind,
ist da ein Berghang mit ragenden Felsen, mit Tannenwald und
grünen Matten nachgeahmt; an die Felsen lehnt sich ein Tiroler
Schloß, in reizvoller Architektur, mit Thürmen und Balcons. —
Im Inneren ist das Panorama in zwei Etagen aufgebaut. Im
unteren Theil wird eine elektrische Bahn angelegt, tvelche, sanft
ansteigend, im Kreise den Beschauer an dem Gebirgsbild vorüber-
sührt. Bon der Stallon Jenbach aus fährt der Zug durch weite
blühende Thäler; herrliche Durchblicke auf die Hochgebirgswclt
offnen sich nach allen Seiten; dann geht die Reise längs des
Jnnflnsses bis zur Einmündung der Ziller dnrch's Zillerthal
aufwärts durch Krotten, an Zell und Fügen vorbei bis Mair-
hofen, wo sich das Thal in vier „Gründe" theilt. Immer
schroffer steigen die Felswände empor, immer enger umschließen sie
das Thal; an lieblichen Dörfern mit röthlichen Dächern, mit
alten Kirchen, Obst- und Gemüsegärten vorbei, Jagdschlösser und
Forsthäuser passirend, gelangen wir nach Ueberschreitung des Ziller-
baches zur Endstation der Bahn. Von der Eisenbahnhalle aus
gewahren wir die düstere Dornanbergklamm, aus der ein Wasser
fall (ans echtem Wasser) sich hervordrängt und tosend in die Tiefe
der Schlucht hinabsällt. Nach links öffnet sich eine weite Höhle;
>vir betreten dieselbe und lassen uns mittels elektrischen Aufzuges
in wenigen Minuten durch einen Gebirgsschacht nach der Höhe
der Schwarzcnsteinalin befördern.
Hier in der zweiten Etage des Panoramas hat die Kunst
des Malers ein überraschend getreues und stimmungsvolles Bild
der höchsten Alpenregion hervorgezaubert. Wir stehen plötzlich
in dem Vorraum der „Berliner Hütte", deren dunkles Gebälke
sich an eine rauhe Felswand anschmiegt. Spärliches Gras
tvuchert ans dem Boden, verkrüppeltes Knieholz, sogenannte
Zirbelkiefern bedecken die Fläche; Büsche von Alpenrosen tvinken
von der Felswand, von deren Höhen das Edelweiß leuchtet. Bon
dem 3367 Meter hohen Schwarzenstein öffnet sich der entzückendste
Fernblick; wir sehen über den Schwarzenstein- und Horngletscher
hinweg; in der Ferne leuchtet der Waxegg-Gletscher, darüber er
heben sich die Spitzen des Tnrnerkamms, das Mäusele und der
Greiner, lauter Erhebungen von ungefähr 3800 Metern. In
Perspective und Farbentönung ist das Rundbild meisterhaft; die
Täuschung ist so groß, daß man die scharfe, reine Gletscherlnft
zu fühlen glaubt und von jenen Stimmungen und Empfindungen
durchzogen wird, welche die wunderbare Majestät der Hochgebirgs-
Natur enveckt. Ein Tiroler Sprüchlein, das über der Thür der
Herberge an der Brennerstraße steht, drückt diese theils erhebende,
theils beklemmende Stimmung gar schlicht und ergreifend aus:
Ich leb', weiß nicht wie lang,
Ich sterb', und weiß nicht wann,
Ich fahr', weiß nicht wohin —
Mich wundert, daß ich so fröhlich binl Dr. L. A.
Den Ereignissen voran ist das Adolph Ernst-Theater,
das iil seiner neuesten, am Ostersonntag zum ersten Mal aufge
führten Posse „Das flotte Berlin", die Ausstellung in
Wort und Bild behandelt. Die Herren Dr. Ed. Jacobsohn
und Treptow legten weniger Gewicht auf die Erfüllung der
Hoffnungen, die vielleicht der Titel der Posse erwecken konnte,
sondern waren bemüht, mit Hilfe von prächtigen Costümen, bunten
Aufzügen und anheimelnden Liedern auf das Ereigniß hinzuweisen,
dessen Verwirklichung alle Welt mit Spannung erwartet. Die
Handlung, die erfreulicher- und vernünftiger Weise durch eine Fülle
von Kalauern, Couplets und Quodlibets unterdrückt wird, spielt
im zweiten Act in „Alt-Berlin". Ter Hauptvorhang, der ein
getreues Abbild der Ausstellung bringt, geht in die Höhe, und
Alt-Berlin in einer Miniatur-Ausgabe grüßt anheimelnd von der
Bühne des Herrn Adolph Ernst. — Die Bürgermeister und ihre
Trabanten, die Bürger und die Frauen, die Jünglinge und die
Jungfrauen tummeln sich in Alt-Berlin herum, sind lustig und
guter Dinge, betrinken und verhauen sich, singen und tanzen. Das
Alles ist mit einer gewissen charakteristischen Echtheit herausgearbeitet,
mit einem Glanz inscenirt, und einer historischen Pracht aus
gestattet, daß die von unserem, aller äußeren Farbenpracht ab
holden, modernen Leben umfangenen Zuschauer mit einem ge
wissen Gefühl des Neides, der Wehmuth und der Freude das
bunte, phantasievolle Leben da oben in Alt-Berlin beobachteten
und bewunderten. Der Jubel, mit dem der Ausstellungsact
aufgenommen wurde, ist zugleich ein Beweis für die freudigen
Sympathieen, mit denen man das große Unternehmen begrüßen
tvird. An der Seite seiner bewährten Hausdichter Jacobsohn
und Treptow, seines liebenswürdigen Hauscomponisten Steffens
und seines trefflichen Hauscoupletdichters Göhrß nahm Adolph
Ernst, der auch im Mittelpunkt der durch die frischen, humorvollen
Leistungen der Damen Dora, Bäckers und Schlüter, sowie der Herren
Tielscher, Carl Weiß und Haßkerl getragenen Aufführung stand,
als erste und hervorragendste Kraft des fleißigen Arbeits-Aus
schusses des Adolph Ernst-Theaters die stürmische Anerkennung
des Publikums entgegen. Was dem „flotten Berlin" manchmal
an innerem Humor fehlt, tvird durch die glänzende äußere Aus
stattung ersetzt, namentlich an der Ausstattung der Ausstellung
ist absolut keine Ausstellung zu machen. A. H.
s
Die Illumination der Gewerbe-Ausstellung ist für
zehn Abende in Aussicht genommen. Es sollen ungefähr 80 000
buntfarbige Glaskörper, um das große Bassin heruni und an den
verschiedensten Stellen des Parkes verstreut, ihr Licht erstrahlen
lassen. Au jedem Abend soll die Art der Beleuchtung und die
Form der Lichtkörper wechseln. Die Kosten für jeden Jllumina
tionsabend, der vier bis sechs Stunden umfassen soll, belaufen sich
auf 10 000 Mark. Herr Demuth, dessen Firma Hoppcnivorth die
Beleuchtung übertragen ist, hat in Folge dessen seinen Austritt aus
der Festcommission angezeigt.
»
Die Bühncnprobcn im Theater Alt-Berlin haben Mitt
woch ihren Anfang genommen. Die Proben mit den Statisten
werden bereits seit dem 2. April abgehalten.
s?
— Für die Internationale Jubiläums-Knnstansstellnng
Berlin 1890 nehmen die Vorarbeiten rüstigen Fortgang. Die Berliner
Aufnahme-Jury hat die erste Lesung der ihrer Prüfung unterstellende»
Arbeiten beendet; ein umfangreiches Material ist noch der zweiten Lesung
vorbehalten. Zudem hat eine stattliche Reihe von Künstlern für die Ein
lieferung ihrer Werke Ansstand erhalten. Bekannt ist, daß die Inhaber
der großen goldenen Medaille, die Mitglieder der AuSstellungs-Commissivu
und die Delegirten das Recht der Jury-Freiheit genießen; die Werke dieser
Meister, die der Ausstellung vorzugsweise ihren Glanz geben, sind »och zu
erwarten. Das Bild, das die vorhandenen Arbeiten z. Zt. gewähren, ist
daher »och ein unvollständiges. Zur Jubilüums-Ansslellnng bereitet die
Hochschule eine illustrirte Zeitschrift vor.
Fernerhin wird, wie wir bereits früher mittheilen konnten, zur Feier
des zweihnndertjährigen Bestehens der Akademie der Künste von der aka
demischen Hochschule für die bildenden Künste eine Jubiläums - Aus
stellung von Werken früherer und jetziger Lehrer und Schüler veranstaltet.
Die Eröffnung erfolgt am 4. Mai. Die Betheiligung ist eine recht leb
hafte; in den letzten Tagen ging eine stattliche Reihe von Arbeiten ein,
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