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Periodical volume Nr. 115, 10. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielle Aussteliungs-Nachrichten. 
Maschinen für Färberei- und Waschanstalten. 
[Abdruck untersagt.] 
Eine hervorragende Rolle für die Textil- und Beklei 
dungsindustrie spielt die Färberei und Wäscherei. Solange 
es wechselnde Mo Jeu giebt, wird man auch in dieser Branche 
nie Mangel an Arbeit haben. Ja durch die Nothwendigkeit 
gezwungen, hat man auch hier zur Erhöhung' der Produc- 
tionskraft zu maschinellen Hilfsmitteln greifen müssen und 
vorzügliche Apparate construirt, wie uns in der Gewerbe- 
Ausstellung gezeigt wird. 
Am hervorragendsten mit Färberei- und Appretur- 
Hilfsmaschinen ist die weltbekannte Firma Gebauer ver 
treten, deren Platz sich unmittelbar hinter dem der Bor- 
sig’sehen Fabrik im Yerbindungstheile bei den Maschinen 
hallen befindet. Die wichtigsten Apparate sind vertreten. 
Rechts im Vordergründe liegen pyramidenförmig aufgebaut 
die aus verschiedenem Material hergestellten Walzen, welche 
die wichtigsten Bestandtheile der Appretur-Maschinen bilden. 
Da sehen wir Weich- und Hartgummi (letztere in Spann 
walzen) Stahl und Eisen ja sogar gepresstes Holz und Baum 
wolle benutzt. In welcher Weise diese Walzen gebraucht 
werden, ist aus den anderen Ausstellungsobjecten ersichtlich. 
Der grosse siebenwalzige Universal-Kalander dient dazu, die 
durch die Färberei oder sonst ein Bearbeitungsverfahren zer 
knitterten Stoffe wieder zu glätten. Am besten werden zu 
diesem Zwecke mehrere hinter- oder übereinander liegende 
Walzen genommen, und zwar abwechselnd je eine Walze 
aus weichem und eine aus hartem Material. Bei der ausge 
stellten Maschine geht der Stoff erst über zwei weichere, 
dann über eine metallene und schliesslich nochmals über 
drei weichere Walzen. Der Antrieb der Maschine geschieht 
durch einen Schwartzkopff” sehen Elektromotor. Daneben 
steht eine hydraulische Mangel, welche ihrer praktischen, 
dauerhaften Constniction wegen schon allgemein interessirt. 
Durch einen von Siemens u. Halske gestellten Elektromotor 
wird eine Druckpumpe in Thätigkeit gebracht. Der hier 
erzeugte hydraulische Druck wirkt auf einen im Cylinder 
vorhandenen Kolben, der sich, an den Seitenpfeilern der Ma 
schine befindet. Die metallenen Mangelwalzen werden an 
einander gepresst und ermöglichen so ein sehr exactes Durch 
rollen und Glätten der Stoffe. 
Weiter finden wir eine sogenannteCouleur-Appretküche, 
für welche mir allerdings der deutsche Name „Farbstoff 
kocher“ besser gefallen würde. Sie besteht aus einem eisernen 
'Rahmengestell, in dem die drei Farbkessel beweglich hängen. 
Vorhandene Röhrenleitungen dienen zur Zuleitung der 
Farbe-Verdünnungs- und Anrühr-Mittel. Von oben herab 
hängen die Farben-Rührwerfee in die Kessel hinab. Es sind 
dies gitterartige Rahmen, welche durch Achse und Zahnrad- 
übertragung in Drehung versetzt werden und so eine innige 
Vermischung der Farbstoffe herbeiführen. Die Rührwerke 
lassen sich durch Drehen einer Kurbel je nach Bedarf höher 
oder tiefer stellen und somit ganz aus dem Kessel entfernen. 
An dem mittelsten Rührwerke lässt sich sogar noch ein 
.Theil des gitterartigen Rahmens verstellen. 
Vor dieser „Couleurküche“ steht eine Frictions-Stärke- 
maschine, deren Bestimmung ebenfalls leicht verständlich 
ist. Der zu streifende Stoff wird von der Trommelwalze 
in eine Stärkelösung geführt, die sich in einer unter 
der Couleurküche angebrachten Wanne befindet, und mit der 
•Lösung getränkt. 
Die kolossalste Maschine auf dem GebaueFschen Aus 
stellungsplatze ist jedoch der Trockenapparat für Gewebe. 
Seine 18 Cylinder sind auf zwei Ständer vertheilt und so an 
geordnet, dass die zu trocknenden feineren Gewebe schlangen 
förmig sich über neun Cylinder von unten nach oben winden, 
dann freischwebend zu dem anderen Ständer übergehen und 
auf dieselbe Weise wieder nach unten gelangen. Die mit 
kupfernen Wandungen versehenen Cylinder werden mittels 
Dampf, der bei der Achse eingeführt wird, erhitzt, wodurch 
das gründliche Austrocknen der Stoffe bewirkt wird. Die 
gewaltige Maschine, welche eine Länge von circa drei m, eint 
Breite von zwei m und eine Höhe von vier m aufzuweisen hat, 
wird wie die anderen Apparate durch einen seitlich, ange 
brachten Elektromotor in Betrieb gesetzt. 
Kommen wir jetzt zu den Maschinen für die grösseren 
Waschanstalten. Da ist in erster Linie die in einem be 
sonderen Gebäude hinter der Maschinenhalle vertretene Firma 
Petzold & Co. zu erwähnen. Zwei grosse Waschtrommeln, 
in welchen die Wäsche mittels heissen Wasserdampfes und 
durch Rotation gereinigt wird, stehen unmittelbar neben dem 
Eingang. Daran reihen sich Cehtrifugen, in deren siebartig 
durchlöcherten Trommeln die Wäsche durch schnelle Rota 
tion in dem dadurch entstehenden Luftzug getrocknet wird 
bezw. ihr Wasser abschleudert. Die Mitte des Raumes nimmt 
eine amerikanische, ungefähr drei m breite Dampfmangel 
ein. Die Mittelwalze wird durch eingeführten Dampf erhitzt 
und trocknet dabei gleichzeitig die von anderen Walzen 
platt gepressten Stoffe und Wäschestücke. Die Maschine 
vereinigt also Mangel und Trockenapparat in sich. An der 
rechten Seitenwand finden wir zwei sehr exact gearbeitete 
Drehrollen, darunter eine für Riemenantrieb. Zur Inbetrieb 
setzung der ganzen Maschinen werden extra kleine eincylin- 
drige Dampfmotoren stehender Construction gebaut, wie ein 
solcher sich auch in der Ausstellung befindet. 
Als Vervollständigung dieser Sammlung kann die Aus 
stellung von Georg Krau schätz gelten. Hier sind in erster 
Linie ebenfalls drei Waschtrommeln empfehlenswert!]. Ver 
möge der eigenartig gebeulten Construction der Wäsche 
kammern, des inneren zur Aufnahme der Wäschestücke die 
nenden Cylinders, ist ein Zerreissen der Wäsche unmöglich 
und ein reines Auswaschen gesichert. Interessant sind weiter 
die Stärkemaschinen; sie haben Aehnlichkeit mit den Wring 
apparaten. Die Wäsche wird von zwei ausgebuchteten Wal 
zen durch die in einer darunter liegenden W anne vorhandene 
Stärkelösung gezogen und so .hiermit gesättigt. Gewöhnlich 
befinden sich je zwei derartige Apparate an einem gemein 
samen Gestell mit Anlegetisch; jedoch kommt auch häufig 
die Zusammenstellung von Wring- und Stärkemaschine vor. 
Eine neue Wringmaschine mit drei Walzen oder auch zwei 
.Walzen und endlosem darübergespanntem Tuch scheint wegen 
ihrer grossen Leistungsfähigkeit namentlich für grössere 
Wäschereien besonders empfehlenswert!]. Auch, die Plätt 
arbeit hat man durch Maschinen zu besorgen versucht, wie 
eine ausgestellte Plättmaschine für Oberhemden zeigt. Sie 
sieht aus wie eine verkleinerte Mangel. Eine Eisenwalze 
wird innen durch Gas erwärmt und bügelt so dass auf die 
bewegliche Tischplatte geschobene gestärkte Hemd. Dass 
dies bedeutend schneller geht als bei Benutzung des gewöhn 
lichen Plätteisens liegt klar auf der Hand. Zum Herstellen 
der Stärkelösung dient ein Rührwerk, welches, ähnlich wie 
bei der Gebauer’schen Farbenküche, aus einem Kessel und 
dem darin rotirenden gitterförmigen Rührer besteht, beide an 
einem Ständer befestigt. 
Bei den übrigen Ausstellungsfirmen für Wäscherei und 
Färberei wie F. ter Welp, Prasser etc. finden sich im allge 
meinen dieselben Apparate und Maschinen wie sie im Vor 
stehenden behandelt sind. Sie werden ja wohl im einzelnen 
mehr oder weniger abweichen, mögen vielleicht auch besser 
sein. Der Grundgedanke dieses Aufsatzes war nur, über die 
verschiedenen Arten der in Waschanstalts- und Färberei 
betrieben gebräuchlichen etwas zu infonniren. G. J a c o b. 
Ausstellungsbriefe 
von Wilhelmine Buch holz. 
[Abdruck untersagt.] 
XVI. 
Nebenbuhlerei. 
Wie viel Wahres in der Dichtkunst liegt, das habe ich 
so recht an einem eigengemachten Verse erfahren, der fol» 
gendermaassen geht 
Ottilie 
Jgt eine gebrochene Lilie,
	        
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