Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Offizielle AttssteUnngs-Nachrtchten.
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ganz besondere Dispositionen für die Wasserzubringung getroffen.
Der Anbau an das Feuerwachtgebäude, welches zuni i. Mai mit
einem completen Löschzug unter Führung eines Officiers besetzt
wird, schreitet rüstig vorwärts.
G. J. Auch die Osterfeiertage haben eine ganze Völker-
wanderung nach Treptow veranlaßt. Vom ersten Osterfeiertag schreibt
uns einer unserer Mitarbeiter: „Trotz des am Nachmittag ziemlich
rauhen Wetters strömten die Ausflügler in Hellen Schaaren dem
Alisstellungsterrain zu, immer neue Massel« brachten die Eisen-
bahnzüge und Pferdebahnen, so daß sich bisweilen der Verkehr in
der Nähe des Hauptverwaltungsgebnildes staute. Trotzdem kam
cs nicht im Geringsten zu Störungen, und Herr Landrath Stauben-
rauch scheint niit seiner Ansicht, daß man bei Massenverkehr ge
trost auf den Ordnungssinn der Berliner rechnen kann, voll-
kommen im Rechte zu bleiben. Am Morgen einen schönen Früh
lingstag verheißend, änderte sich das Wetter jedoch bald und
nahm eine regnerische Physiognomie an; nichtsdestoweniger schränkte
es das Interesse an den Fortschritten der Ausstellungsarbeiten
«licht ein. Allgemein fiel die reizende Ausführung des von der Stadt
Berlin errichteten Ausstellungsgcbäudes in's Auge. Links und rechts
winkten die vollendeten Pavillons der Brauereien und der Gartenbau-
Abtheilung herüber. Malerisch grnppiren sich in: Hintergründe die
Hauptgebäude. Während der Festtage waren gewissermaßen zur Probe
die Dampfer der Gesellschaft Stern in Betrieb genommen worden
und bewiesen, daß sic bei einer Schiffsfolge von zwanzig Minuten
ohne Störung sehr gut zum Massentransport geeignet seien.
Ebenso cnrsirten schon kleine Transpvrtbovte der Motorboots-
Gesellschaft zwischen Restaurant Zenner in Treptow und Cafö
Bellevue zu Rummelsburg. Im Ganzen konnte man sich während
der Osterfeiertage schon einen ungefähren Begriff davon machen,
tvelchen gewaltigeil Umfang der Verkehr während der Aus-
stellungsperiode annehmen, und wie gut für dessen Bewältigung
gesorgt werden wird."
$
M-y. Das Kaiserliche Postamt in der Gewerbe-Ausstellung
macht mittels Anschlag Folgendes bekannt:
„Bei dem Postamte der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 wer
den nur Alters- und Jnvaliditäts-Versicherungs-Marken der
Provinz Brandenburg vorräthig gehalten, Marken der Ber-
sicherlmgs-Anstalt Berlin sind beim Postamt 33 (Skalitzerstraße) zu
beziehen."
Der Postverkehr von und nach der Ausstellung ist bereits
eilt außerordentlich reger. An gewöhnlichen Sendungen, Briefen,
Palleten rc, laufen täglich etwa 1000 ein, die in fünf Bestellungen
expedirt werden. Auch der Postanweisungsverkehr ist bereits ein
recht lebhafter, ulid cs gelangen täglich über 1000 Mk. auf dem
Postamt „Gewerbe-Ausstellung" zur Auszahlung.
M-y. Das Bau - Aufsichtspersonal in der Gewerbe-
Ausstellung möchte sich jetzt vervielfältigen, um an verschiedenen
Orten gleichzeitig anwesend sein zu können. An der Herstellung
der Hanptwege und des Oberbaues der elektrischen Ausstellungs
bahn wird sehr energisch geschafft, zu welchem Zweck Boden ilnd
Sand znm Theil auf weite Entfernung bewegt lverdeil muß.
Mitunter verschwindet sehr rasch das angefahrene Material, weil
es von unberufener Seite für andere Zwecke abgeholt und ver
wendet wird. Die elektrische Ausstellungsbahn wird mit Glück zu
solchen Erdbewegungen benutzt. Die von nur wenig Leuten im
Laufschritt geschobenen Kipplowries folgen sich in ganz geringen
Abständen, und die großen Sand- und Bodenlager verschwinden zu
sehends. Die Treptower Straße, kaum geschlossen, ist ail vielen Stellen
schon aufgewühlt: Da werden Fundamente gegraben nlid gemauert,
Kanäle durchgeführt, Gerüste für Ausstellungsbauten aufgerichtet, ja,
es stehen schon Holzconstructioneu für solche. Die hier in Angriff
genommenen Gebäude gehören meist zu Gruppe XIII, Maschinen
bau, Schiffsbau und Transportwesen. — Ferner werden Planken
und Drahtgitter, die bisher Süd- und Nordpark trennten, nieder
gelegt, bas Chemiegebäude ist vollständig freigelegt. Die Wageli
bringen jetzt meist Einrichtungsgegeustünde, Kessel, Dampfrohre,
Maschinentheile, Schwungräder und dergl. Artikel; die weißen Kittel
und Blusen nehmen ab, die blauen der Monteure, Schlosser,
Maschinisten rc. mehren sich, im Ausstellungspark begegnet man
jetzt fast ausschließlich Leuten „vom Bau", d. h. solchen, die in
der Ausstellung beschäftigt sind. Für den Kaiser wird eine neue
Anlegestelle in der Achse des Chemiegebäudes erbaut.
v. A. Die Aussteller der Gruppe XIII, Maschinenbau
und Transportwesen, kamen am letzten Sonnabend Nachmittag
um 4 Uhr in der großen Maschinenhalle am loestlicheu Ende des
Hauptausstellungs-Gebäudes zusammen, um die Fortschritte der
Arbeiten in der Haupthalle, dem umliegenden Terrain, dein Kessel
hause und der erst kürzlich abgesperrten und zu Ausstellungs
zwecken dieser Gruppe verlvendeten Treptower Chaussee zu be
augenscheinigen imd die nöthigen Anordnungen zu treffen. —
Von der Aufstellung niit Petroleum getriebener Kraftmaschinen
wurde Abstand genommen.
K-n. Die Gartenbau-Ausstellung hat in der letzten Woche
ganz bedeutende Fortschrille gemacht. Die Rasenanlagen konnten
theillveise schon mit der Mähmaschine geschoren werden. Die Wege
und Steige sind zum größten Theile niit Kies belegt und planirt,
und mit dem Einsetzen größerer Ziersträucher ist nian noch be
schäftigt. In den Treibhäusern sind die Heizanlagen meistens schmi
fertig, ulid die Brücken und Laubengänge sind nur noch niit den
schnell wachsenden Rankpflanzen zu versehen. An einigen Stellen
werden augenblicklich Pflanzen für Teppichbeete eingesetzt, und wo
kleinere Wasser- und Gartenanlagen die Beete Zieren werden, sind
die Cementir-Arbeiten hierfür abgeschlossen.
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M-y. Die meisten Besucher der Ausstellung können sich noch
gar nicht drein finden, daß die Straße nach Treptow ge
sperrt und dem Ausstellungsterrain einverleibt ist, sie
kommen ordentlich in Verlegenheit, wenn sie die niedergelegten
Einzäunungen vorfinden und am stüheren Portal III oder IX
die Karte nicht mehr vorzeigen dürfen. Schon stehen an dieser
Straße neue Litfaßsäulen, Kabel sind angefahren, auch lagern
Holzpostamente für Leitungsgestänge rc. Noch immer ist hier
starker Fährverkehr, obwohl ein Theil des schweren Fuhrwerks
nicht das Portal am Verwaltungsgebäude benutzt, jetzt kommen
eiserne Wegweiser, Maschinentheile für Privat-Ausstellungen, Theer-
fässer, geschälte Stangen für Leitungen, Ziersträucher und Blumen
in Töpfen und Kübeln rc. an. Anr Coepnicker Weg präsentirt sich
jetzt recht Vortheilhaft der Ausstellungsbahnhof in seinem schmucken,
lveiß, grün und braunem Festkleide, das Gebäude sieht ungemein
leicht, schwungvoll und gefällig aus. Auch die Villen und Wirth
schaften prangen in frischem Anstrich, grün in verschiedensten Ab
stufungen ist vorherrschend. Die meisteil Ankündigungstafeln der
Umzäunung tragen die Aufschrift: „Vermiethet", die Parkstraßc ist
vom Terrain der Gewerbe-Ausstellung nach der Colonial-Abthei-
lung und nach dem Vergnügungspark schon mehrfach überbrückt.
K-u. Vom Gebäude für Chemie sind jetzt die letzten
Außengerüste gefallen; die Fenster mit den prächtigen Malereien
sind eingesetzt, und die Stückarbeiten am Südthor sind ferllg.
Im Innern des gewaltigen Gebäudes sind alle Ausschmückungs
arbeiten vollendet, und die Pavillons und Schaukästen der Aus
steller haben an den für sic bestimmten Plätzen Aufstellung
gefunden. An Stelle der Maurer, Maler lind Tüncher, die in
der vorigen Woche noch in den großen Hallen eifrig arbciteteil,
sind jetzt Glaser und Tapezierer getreten. Da tverden Scheibell
in die Pavillons gesetzt, Glasplatten in den Schaukästen, in bcneit
Instrumente liegen sollen, angebracht, und da wo Photographen
die Erzeugnisse ihrer Kunst ausstellen werden, tapeziert man eifrig
die Wände mit grünen Stoffen. Mit dein Legen der Leitungen
für die elektrische Beleuchtiing hat man angefangen, und die
großen Thore für die Südportale werdcll jetzt eingesetzt. Im
Hörsaal geht die Anbringung der theatralisch aufgebauten Sitz
reihen ihrem Ende entgegen, der große Experimentirüsch ist auf
gestellt, und die dicken Velourvorhänge, die dazu dienen sollen, den
Saal vollständig dunkel zu machen, sind angebracht. Demnächst
wird mit dem Aufstellen der Ausstellungsgegenstände angefangen.
Die bekannte Seifenfabrik von Treu und Nuglisch hat ihre
Maschinen jetzt schon placiren lassen. Die Ausstellung für Chemie
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