Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Ofstrielle Ausstelluttgs-Uachrichtett.
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ganger, mit guten Eindrücken von der Hauptstadt des Deutschen
Reiches scheiden werden. Man wird mit Staunen sehen, daß es doch
möglich ist, eine Ausstellung zum Cröffnungstermin fertigzustellen,
soweit ein billiges Urtheil den Begriff der Fertigkeit feststellt.
Man wird, obwohl Berlin als Industriestadt langst anerkannt ist,
doch mit Verwunderung wahrnehmen, wie allumfassend sein Gewerbe
fleiß, wie leistungsfähig es auch auf den Gebieten ist, die man
sonst an anderen Orten besser ausgerüstet wähnte. Unsere Industrie
wird einen bedeutenden Aufschwung nehmen und dann Zehntausenden
unserer Mitbürger, von dem einfachen Arbeiter, der die Hand
darstellt, bis zn dem Künstler, der die Muster zeichnet, bis zu dem
Techniker, der die Formen entwirft, und dem Gelehrten, der die
wissenschaftlichen Probleme löst, neue» Raum zur Bewegung
schaffen.
Braucht erst ausgeführt zu werden in wie entscheidendem
Maße sich die Hebung unserer wirthschaftlichen Lage in allen Be
rufskreisen, in allen Unternehmungen fühlbar machen wird?
Nun mag es ja aber Manche geben, Naturen, die, ans dem
Boden der greifbaren Thatsachen stehend, sich nicht gern von Hoff
nungen hinreißen lassen und nicht Freunde von Zukunftsmusik sind.
Auch das ist ein Standpunkt, der sich hören läßt. Mögen sie
also ruhig abwarten, ob die Erwartungen sich erfüllen. Sie
werden später mit einstimmen in die allgemeine Befriedigung. Aber
auch wer nur mit greifbaren Thatsachen rechnet, hat ohne Aus
nahme schon jetzt in die Freude über den bevorstehenden l. Mai
mit einzustimmen.
Denn wir haben einen Winter hinter uns, der — der erste
seit einem Jahrzehnt — unserer Bevölkerung in allen ihren Theilen
Arbeit und Nutzen in außerordentlicher Fülle gebracht hat, und wir
stehen vor einem Sommer, der uns die Freude gönnen wird, als Gast
geber die Welt bei uns zu empfangen. Schon dieser eine Gesichts
punkt allein giebt uns volle Veranlassung, unsere Stadt, das Heim
des Bürgerthums, zu schmücken. Zeigt sich uns doch bei
dieser Gelegenheit abermals, was Bürgersinn und Bürgertüchtig
keit zu schaffen und zu leisten vermag. Es sei ferne, die
Förderung, das Wohlwollen und die Hilfe zu unterschätzen,
welche der Ausstellung behördlicherseits entgegengebracht worden
ist. Aber in erster Reihe ist sie doch das Werk des Bürgerthnms,
welches sein Können erwiesen hat.
Der Einzelne schmückt sich an einem Ehrentage seiner Familie.
Und die große Familie, welche die ganze Stadt darstellt, hat das
Recht, hat den Gästen gegenüber die Pflicht und hat ohne Selbst
überschätzung den vollen Anspruch darauf, sich an einem Tage in
ein Festgewand zu werfen, der die Augen der Welt auf uns zu
richten berufen ist.
Deshalb stimmen wir mit dem Ausruf, der mit den Worten:
„Fahnen heraus" austönt, vollkommen überein. M. H.
Das Königlich preußische Staatsmiuisterium hat sich für
Toniitag, den l!>. d. M., Nachmittags 3 Uhr, zur Besichti
gung der Ausstellung angemeldet.
Am zweiten Feiertage stattete der Chef des Geheimen
Civil-Kabinets vr. v. Lucanus der Ausstellung einen längeren ,
Besuch ab. Herr v. Lucanus besichtigte alle Baulichkeiten sehr ein
gehend und hatte nur Worte des Lobes für das bisher Geschaffene.
»
In einem Schreiben an den Arbeits - Ausschuß hat der
Verein für deutsches Kunstgewerbe in Berlin nachstehende
Vorschläge zur Berücksichtigung unterbreitet: „Es ist bis jetzt :
Brauch gewesen, daß bei Prämiirunge» ans Ausstellungen die
Auszeichnungen nur an de» Aussteller des betreffenden Werkes ,
vertheilt ivurden, die Mitaröciter, Zeichner, Modelleure aber nn-
berücksichligt blieben. Da nun in de» seltensten Fällen der Aus- !
steller auch Urheber des Werkes ist, so sind durch dieses Verfahre» i
der deutsche Zeichnerstand und sämmtliche für das Kunst-Gewerbe
und Gewerbe schaffende Künstler seit langen Jahren ans das
Empfindlichste geschädigt worden, da das kaufende Publikum fast
nie den Namen des Urhebers kennen lernte. Ans der deutschen
nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung 1888 wurden zum ersten
Male außer dem Aussteller auch der Urheber, Mitarbeiter der
betreffenden Werke prämiirt und somit den Künstlern die wohl
mit Recht zu fordernde Anerkennung ihres Schaffens zu Theil.
Der Verein für deutsches Kunst-Gewerbe in Berlin schlügt daher
dem Arbeits-Ausschuß vor: 1. die Aussteller zu veranlassen, den
Namen des betreffenden Künstlers, Zeichners, Modelleurs u. s. w.
(ober wer sonst der eigentliche Schöpfer des Werkes ist) bekannt
zn gebe», 2. den oben genannten Urheber bei der in Aussicht
stehenden Preisvertheilnng neben dem Aussteller berücksichtigen zn
wollen." Der Arbeits-Ausschuß hat beschlossen, den
Wünschen des Vereins für deutsches Kunst-Gewerbe zn
entsprechen.
Von der Gewerbe-Deputation des Magistrats wird
uns beifolgende Abschrift einer den hiesigen Ortskrankenkassen zu
gegangenen Verfügung übersandt, die wir im Interesse aller in
der Ausstellung beschäftigten Arbeitgeber und Arbeitnehmer gern
im vollen Wortlaut veröffentlichen:
Abschrift.
J.-No. 179 Gew. TI 96. Berlin, den 27. März 1896.
Um die gesetzmäßige Durchführung der Krankenversicherung für
die in der Gewerbe-Ausstellung zu Treptow beschäftigten Personen
zu sichern und nach Möglichkeit auf eine Beschränkung dies
bezüglicher Streitigkeiten hinzuwirken, wird der Vorstand im Ein
vernehmen mit der Aufsichtsbehörde der Krankenversicherung für
Treptow, dem Königlichen Landrath des Kreises Teltow, auf fol
gende Gesichtspunkte ergebenst hingewiesen.
Auf dem Ausstellungs-Terrain komnien folgende vier Haupt
kategorien von Personen für die Krankenversicherung in Betracht:
1. Das niit der Herstellung der Ausstellung beschäftigte Per
sonal. Dasselbe ist offenbar allgemein versicherungspflichtig, weil
es „bei Bauten" (8 1 Ziffer 1 des Krankenversicherungsgesetzes)
beschäftigt ist. Ueber die für die Versicherung zuständige Orts
krankenkasse können Zweifel kaum entstehen, weil nach der Ju-
dicatur des Reichsgerichts nur die für den Sitz des Betriebes des
betreffenden Bauunternehmers ec. zuständige Kasse in Betracht
kommt, falls nicht besondere Betriebswerkstätten für den Bau auf
dem Ausstellungs-Terrain eingerichtet sind und damit die selbst
ständige Leitung der Ausstellungsbauten in technischer und wirth-
schaftlicher Beziehung vom eigentlichen Sitz des Gewerbebetriebes
nach Treptow verlegt worden ist. Letzteres dürfte schwerlich der
Fall sein.
2. Personen, die lediglich im Interesse der Ausstellung als
einer Gesannnteinrichtung vom Ausstellungs- oder Arbeits-Aus-
schuß beschäftigt werden, z. B. Aufseher, Billeteure, Controleure rc.
Diese Personen sind meines Erachtens nicht versicherungspflichtig,
weil sie nicht in einem „Gewerbebetriebe" beschäftigt werden.
Eine Ausnahme, würden nur diejenigen Personen bilden, welche
bei einzelnen Betrieben (Wasserthurm rc.) beschäftigt werden, in
welchen Dampfkessel oder durch elementare Kraft bewegte Trieb
werke zur Verwendung kommen. Soweit für die zu 2 genannten
Personen eine Versicherungspfticht vorliegt, kann nur die für
Treptow zuständige „Gemeinsame Orts-Krankenkasse für Coepenick
und Umgegend" in Betracht kommen. (§§ 16 und 19 des
Krankcn-Versich.-Gesetz.)
3. Personen, die in einem besonderen, in der Ausstellung be
triebenen Gewerbe beschäftigt sind, beispielsweise mit dem Verkauf
von Waaren und Genußmitteln, im Schankgewerbe, in Gewerben
der Körperpflege, in Friseur- und Barbiergeschäften, Badeanstalten ec.
Diese Personen sind offenbar versicherungspflichtig, und wird die
Gemeinsame Orts-Krankenkasse von Coepenick und Umgegend aus
schließlich für die Versicherung derselben zuständig sein, falls nicht
ausnahmsweise Betriebe vorliegen, welche unter 8 Sa a. a. O.
fallen. Dies >vird indessen selten Vorkommen und trifft ins
besondere für das wichtigste Gewerbe, die Gastwirthschaft, nicht zu.
Soweit es sich um Betriebe von Mitgliedern einer Innung han
delt, die für ihre Arbeiter eine Innungs-Krankenkasse errichtet har,
wird diese Innungs-Krankenkasse auch für das in Treptow be
schäftigte Personal zuständig bleiben (8 73 Kranken-Versich.-Gesetz).
4. Personen, welche lediglich mit der Beaufsichtigung der ans
gestellten Gegenstände von den einzelnen Gewerbetreibenden
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