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Periodical volume Nr. 109, 4. August 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs - Nachrichten. 
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stimmt, aus' weissem Alpacca bestand und glatten Rock 
hatte, dessen volle Weite hinten eingekraust war, mit krauser 
faltiger Blousentaille, Epaulettes von ziemlich breiten weissen 
Spitzen, Gürtel und langen Bandschleifen an der linken Seite 
von weissem Moiree-antique-Band. Ein anderes weisses Al- 
paccakleid (bei Gerson) ist ebenfalls mit Spitzen, aber mit 
Schleifen von rosa, rosengeschmücktem Chineband geziert. 
In gleicher Art ist in einem anderen Pavillon ein Kleid aus 
gestellt von maisgelbem Alpacca, das im Schmuck hell 
blauer Seidenschleifen und gelber Spitzen einen reizenden 
Anblick gewährt, ein dunkelgrünes Kleid von feinem Woll 
stoff mit Rüschen von hellrosa Stoff, ferner ein dunkelrothes 
Cachemirkleid für ein grösseres Mädchen, dessen krause Taille 
die beliebte Garnitur von drei senkrecht bis zum Gürtel 
heruntergesetzten schwarzen Seidenbändern nebst eben 
solchem Gürtel mit langer Gürtelschleife zeigt. 
Im Winter sind ja auch Plüsch- und Sammetkleider sehr 
beliebt für kleine Mädchen. Bei dem schweren Stoff ist es 
selbstverständlich, dass Machart sowohl als Ausputz die denk 
bar einfachsten sind. Man sieht diese Kleider in allen Farben, 
schwarz, violett, kirschroth, marine- und kornblumenblau, oft 
im Schmuck weisser oder gelblicher Spitzen, Spitzenkragen 
und Manschetten und Atlasbänder und Schleifen in der 
Farbe des Kleides. 
Für die grösseren Mädchen ist auch die Blouse eine be 
liebte Tracht, da die krause Machart sich auf’s Glücklichste 
der im Wachsthum befindlichen Figur anpasst und immer 
gut sitzt. Besonders beliebt sind zu den Blousen schlichte, 
graue, sandfarbene oder marineblaue Röcke. Die Blousen 
sind, wie jene andere Damenblousen in hübsch gemusterten 
Kattunen, Jacones, Peckelen, indischen Mull’s oder ganz 
weissen Stoffen angefertigt, für den Winter in hübschen ge 
musterten oder einfarbigen Wollstoffen resp. Flanellen mit 
einfachem oder gar keinem Ausputz ausgestellt. Für die 
noch nicht in die Welt eingeführte Jugend liebt der gute 
Ton nicht die seidenen Stoffe, selbst den leichten Foulard 
findet man nur selten bei diesen Blousen verwendet. Immer 
hin ist es jedoch möglich, dass die allemeusten Blousen, die 
— buntquergestreift aus den bekannten italienischen Tüchern 
angefertigt erscheinen, vor allem von der „ersten Jugend“ 
adoptirt werden. Ist doch selbst an che Stelle der schwarz 
seidenen Confirmationskleider schon seit Jahren das schwarz 
wollene getreten, welches stets von bestem Stoff, tadellos ge 
arbeitet, aber auch ganz schlicht sein soll. 
N. von Brandenburg. 
Das Modell des „Iltis”. Zahlreiche Besucher der 
Gewerbe-Ausstellung suchen dort das Modell des gestrande 
ten Kanonenbootes „Iltis“. Ein Berliner Blatt hatte die 
Meldung gebracht, es sei dort in der Kuppelhalle aufgestellt. 
•Da das Schiff hier nun nicht zu finden ist, auch im Ge 
bäude für Volks Wohlfahrt, woselbst ebenfalls einige Kriegs 
fahrzeuge — Torpedoboote nämlich — Platz gefunden ha 
ben, sich nicht präsentirt, da ferner auch keine Auskunft ge 
bende Persönlichkeit sich auftreiben lässt, so wird mit letz 
ter Hoffnung das Kaiserschiff „Bremen“ besucht, um dort 
unter den Modellen im Marinesaal das gesuchte Kanonenboot 
zu entdecken. Vergeblich! — Auch dort ist es nicht zu fin 
den, und auch die beiden vielgeplagten Officiere des Nord 
deutschen Lloyd, die Herren Kenter und Hagenmeyer kön 
nen nur die Auskunft geben, dass sie nicht wüssten, wo „Iltis“ 
in der Ausstellung stehe. In Wirklichkeit ist ein Modell 
auch gar nicht vorhanden. Im Kuppelsaale stehen aller 
dings Modelle von zwei Kanonenböten, nämlich von „6ha- 
jqäleon“ und von ..Brummer“, das sind aber Panzer-Kanone.n- 
boote für die Küstenvertheidigutig, nicht aber für auswär 
tigen Dienst gebaut, und sie haben auch thatsächlich dis 
heimischen Gewässer niemals verlassen. 
S 
Der Kassenabschluss an verkauften Billets pro Monat 
Juli erzieht das folgende Resultat: Es sind verkauft worden 1. an 
den Kassen der Ausstellung, der Eisenbahnen und Dampfschiffe 
Billets für ca. 630000 Mk. (im Juni 558000 Mk.), 2. an Dauer 
karten für ca. 1000 Mk. (im Juni 12000 Mk.). — Die neuen 
Dauerkarten zu 7 Mk. sind zu haben: 1. im Propaganda-Bureau, 
Verwaltungsgebäude, 2. in der Wechselstube der Deutschen Ge 
nossenschaftsbank von Soergel, Parrisius & Co., W. Charlotten-» 
strasse 35a, 3. in Kail Stangen’s Reisebureau, Mohrenstr. 10. 
Einreichung einer Photographie ist erforderlich. 
» 
Bei der Sitzung der Gruppe XIX (Unterricht, 
und Erziehung), betreffend Wahl und Modus des Preis- 
Gerichts, welche im Bürgersaal des Rathhauses stattfand, 
wurden als Preisrichter Herr Geh. Regierungsrath, Dr. Ber 
tram und Professor Dr. Schwalbe gewählt. 
Ein interessanter Zwischenfall spielte sich bei der De 
batte über die Zuziehung von Sachverständigen für die Aus 
stellung der Stenographie-Vereine ab, in dem die Vertreter 
der einzelnen Systeme hart aneinandergeriethen. Die Ver 
treter der minder verbreiteten Systeme (Stolze, Ahrens, Neü- 
Stolze, Schreier etc.) wehrten sich dagegen, dass diejenigen, 
die ein bestimmtes System ausüben, als Preisrichter fungiren 
sollten, während die Anhänger Gabelsberger's erklärten, es 
gebe überhaupt keinen Kenner mehrerer Systeme, so dass 
Herr Geheimrath Bertram zu dem Schluss kam, man müsse 
dann als Preisrichter jemanden wählen, der überhaupt kein 
Stenograph ist oder aber dem Arbeits-Ausschuss den "V er 
schlag unterbreiten, die Untergruppe Stenographie gänzlich 
von der Preisbewerbung auszuschliessen. — Es bleibt somit 
nun zu erwarten, was der Arbedts-Ausschuss in dieser An 
gelegenheit besch,liessen wird. --- 
V 
Die Herero und Hottentotten wohnten am Sonntag 
zum ersten Male dem Frühgottesdienste in der Bartholomäus 
kirche bei. Nach der Predigt hielt Herr Missionar Diel, 
welcher 25 Jahre hindurch die Mission unter den Herero be 
trieben und drei von den hier weilenden Leuten selbst getauft 
hatte, in der Hererosprache eine Rede, von der die Anwesenden 
tief gerührt waren. Herr Diel begleitete die Südafrikaner 
dann nach dem Missionshause in der Friedenstrasse, wo sie 
auf’s Beste bewirthet wurden. Nach dem Essen beschenkte 
sie Frau Dr. Gensichen mit allerlei Andenken. So erhielt 
Josaphat beispielsweise eine'Busennadel mit dem aus Elfen 
bein geschnitzten Kopf Martin Luther’s, den der Beschenkte 
sofort erkannte. Am Montag Morgen reiste Herr Diel mit 
Josaphat Kamatoto und seiner Frau Martha nach Barmen ab,, 
um dort einem Missionsfeste beizuwohnen, bei welchem auch 
Josaphat eine Ansprache halten wird. Am Mittwoch oder 
Donnerstag dürften sie wieder in Berlin eintreffen. 
V 
Zahlreiche ethnologische Raritäten haben die 
Herero und Hottentotten, welche als Gäste in unserer Kolonial- 
Ausstcllung weilen, aus ihrer Heimath mitgebracht. Von grossem 
Werthe sind die Schmuck- und Kleidungsstücke heidnischer 
Hererofrauen. Als Beinschmuck tragen diese Frauen Ringe, die 
aus kleinen durchlöcherten Eisenstücken gebildet sind. Die Ringe 
umgeben das Bein von den Fussknöcheln an bis zu den Ober 
schenkeln und werden durch Riemen zusammengehalten. Ein 
solcher »Schmuck« erreicht das stattliche Gewicht von etwa 25 
bis 30 Pfund, die das Bein stets belasten. Gang und Tanz 
der Hererofrauen dürften sich daher wohl kaum durch elfenhafte 
Grazie auszeichnen. Nicht minder schwer ist der Kopfschmuck. 
An dem gepolsterten ledernen Kopfring ist eine spitz zulaufende 
Lederkappe befestigt, die mit Eisendraht zu Spiralen gedreht und 
mit Eisenperlen verziert ist Bei Festen tragen die schwarzen 
Schönen der heidnischen Herero noch einen sehr angenehmen 
Kopfshawl, ein etwa 15 (Zentimeter breites und l l / 2 Meter 
langes Stück Leder, das über und über mit Eisenperlen
	        
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